Sylvia Englert So lektorieren Sie Ihre Texte. Verbessern durch Überarbeiten: Schritt für Schritt von der Erstfassung zum fertigen Manuskript von Sylvia Englert (2013) Taschenbuch

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Inhaltsangabe zu „So lektorieren Sie Ihre Texte. Verbessern durch Überarbeiten: Schritt für Schritt von der Erstfassung zum fertigen Manuskript von Sylvia Englert (2013) Taschenbuch“ von Sylvia Englert

Dieses Buch hat mir sehr geholfen. Praxisnahe Beispiele und Lösungsvorschläge.

— RiccardoRilli
RiccardoRilli

Gänzlich differenter Zugang zur Materie, der viel Frustration und Zeitverschwendung sparen helfen kann

— bibliophilist1985
bibliophilist1985
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    So lektorieren Sie Ihre Texte. Verbessern durch Überarbeiten: Schritt für Schritt von der Erstfassung zum fertigen Manuskript von Sylvia Englert (2013) Taschenbuch
    bibliophilist1985

    bibliophilist1985

    30. November 2014 um 20:40

    Im Kontrast zu anderen Schreibratgebern betritt Englert mit ihrer Art der Herangehensweise und Näherbringung relatives Neuland, indem sie nicht das Blaue vom Himmel verspricht und diverse Techniken zur Erschaffung kreativer Welten offeriert, sondern die Irrtümer, Sackgassen und Konzeptionslücken anhand verschiedener Beispiele illustriert und von Kardinalsfehlern bis hin zu verzeihlichen Schnitzern alles aufmarschieren lässt, was in der Welt von Stilbrüchen bis Themenverfehlungen Rang und Namen hat. Englert kennt ihr Metier, schreibt präzise und humorvoll, kann als Lektorin, Autorin und Journalisten auf einen breitgefächerten Erfahrungsschatz zurückgreifen und geizt nicht damit, ihr profundes Wissen bis ins Detail verständlich auszubreiten. Der unschätzbare Vorteil liegt darin, dass sich Laien anhand der Fehlleistungen anderer Autoren bereits vor dem Beginn der Arbeit mit ihrem eigenen Werk einprägen und verinnerlichen können, wie sie die schlimmsten Irrwege meiden und den immensen Zeitaufwand umgehen können, den die Um- bis Neugestaltung eines mehrere hundert Seiten starken Werkes mit sich bringt. Von dem psychischen Stress und dem Verlust von Glauben an das eigene Können gar nicht erst zu sprechen. Viele andere Schreibratgeberautoren breiten in immer neuen Formulierungen mit seltenen neuen, eigenen Ideen alle Techniken aus, die es gibt, ohne das Pferd einmal von hinten aufzuzäumen und stattdessen am Punkt anzusetzen, an dem ein fertiger Rohling zurecht geschliffen werden muss. Und dabei kann, wie bei einem Diamanten, viel der Optik und Perfektion zum Opfer fallen müssen, in besonders krassen Fällen vielleicht sogar eine Aufsplitterung in Einzelteile vonnöten sein. Als besonders prekäre Ausgangssituation wird das Bestreben eines Autors, nach dem Vorbild seines literarischen Vorbilds oder wegen persönlicher Präferenz eines bestimmten Genres auf Biegen und Brechen Figuren in eine vorgefertigte Geschichte einpflanzen zu wollen, anstatt die Geschichte nach  der Charakterisierung der Protagonisten aus deren nachvollziehbaren, logischen Motiven, samt daraus resultierenden Handlungen heraus, entstehen zu lassen. Die Fokussierung auf die Handlung birgt die Gefahr allzu platter Charaktere und geborgter Archetypen, die durch die nachträgliche und dadurch unglaubwürdige Platzierung in bereits vorhandenen Handlungssträngen keine Identifikationsfläche, Wiederkennungswert und Sogwirkung entfalten können. Das Werk ist in 3 absteigend immer weniger schmerzhaft zu praktizierenden Hauptteilen angelegt, wobei als vierter, nicht mehr detailliert beschriebener Schritt die erfolgreiche Veröffentlichung stehen sollte. Den Anfang macht das minutiöse Abklopfen des gesamten Werks auf der Suche nach Fehlern in Struktur von Figuren, Plot, Reihenfolge der Szenen, Anfang und Ende, Perspektiven, Szenenaufbau, Spannungsbogen und rotem Faden. Nach rigoroser und sich selbst und seinem Werk gegenüber ehrlicher, weil ziemlich schmerzhafter, Durchforstung mit Option auf partiellen Kahlschlag bei akuter Gefahr von Stilbruchbefall, geht es an den ersten Schliff, bei dem die Axt der Feile weicht und sich leichte Entspannung einstellt. Die Feinabstimmung von Stil, Sprache, Tempo, Ton, äußerer Gestaltung, Erzeugung von Atmosphäre, das Streichen von Füllwörtern und Adjektiven und das Vorantreiben der Ausrichtung hin zu einer vorzeigbaren Form bestimmen das Kapitel. Und nachdem alles liebevoll und mit an Pedanterie grenzender Genauigkeit durchgearbeitet wurde, werden wilde, barbarische Horden von Lektoren, Freunden und Lebensgefährten mit der Bitte um schonungslose Ehrlichkeit auf das schon gefledderte und mitgenommene Überbleibsel des Erstentwurfs losgelassen. Dem es im dritten Schritt durchaus nochmals ordentlich an die Substanz gehen kann, um der Bewahrheitung des Leitsatzes, zu töten, was man liebt, wieder einmal traurige Relevanz geben zu können. Diesem neuen Zweig der Literatur der Anleitung zum kreativen und sonstigen Schreiben können sich getrost noch weitere Autoren anschließen, da diese Art der Frustrationsprävention und des Lernens aus den Fehler anderer einen großartigen Ansatz in der Vermittlung von tintenkleckslerischen Fähigkeiten darstellt, der mit seiner erfrischend neuen Herangehensweise das Potential zum zukünftigen Standardwerk hat.

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