Die Autorin interpretiert die Sage des Beowulf neu. Bei „Der Gautenthron“ handelt es sich nicht um einen Fantasy-Roman, in dem ein Held mit übernatürlichen Kräften auf der Bildfläche erscheint, sondern um realistisch wirkende Erlebnisse von (Beo)Wulf und seinem Umfeld, wie sie vielleicht tatsächlich stattgefunden haben könnten.
Die Geschichte startet in Skandinavien im 5. Jahrhundert und zieht sich bis zum Ende des 6. Jahrhunderts.
Beowulf verliert früh seine Eltern und wird zur militärischen Ausbildung an den Hof seines Großvaters geschickt. Dort hat er einen schweren Stand, denn nicht nur die neue Umgebung, sondern auch ein Teil der Mitauszubildenden macht ihm das Leben schwer. Mithilfe seines Freundes Weohstan fasst er neuen Mut.
Im Laufe der Jahre erlangt er nicht nur durch Training Kraft und Kampfgeschick, sondern lernt auch aufgrund von Erfahrungen zu organisieren, sich und andere zu versorgen wie zu schützen und strategisch vorzugehen. Respekt erwirbt er sich nicht lediglich durch den berühmten Kampf gegen das „Monster“ Grendel und seine Mutter, welcher natürlich im Vordergrund steht, sondern auch durch seine Beratung von Herrschern und seine Knüpfung von Handelsbeziehungen. Er zeigt, dass er in verschiedenen Situationen fähig ist, einen Stamm zu führen und wird daher zum König der Gauten gewählt, als der letzte Erbe der Königsfamilie stirbt. Bis dahin und auch danach erlebt er Höhen und Tiefen, wie sie jedem Menschen passieren können.
Auch die Geschichten von Grendel, der hier zwar kein Monster ist, aber von den Leuten aufgrund seiner Statur und seines Verhaltens als solches betrachtet wird, und seiner Mutter Deofla werden ausführlich beleuchtet. Diese lieferten mir eine Erklärung für ihr bösartiges Verhalten.
Da zahlreiche Orte und Charaktere auftauchen, startet das Buch mit mehreren Landkarten und Stammbäumen, auf denen der Leser sich einen Überblick verschaffen kann, sollte er einmal den Faden verlieren.
Ich wusste vorher nicht viel über die Beowulf-Sage und hätte mich wahrscheinlich nicht mit der Original-Version beschäftigt. Der vorliegende Roman hat mich jedoch mit den Figuren vertraut gemacht, von deren Leben, Wirken und Gefühlen in flüssiger Schreibweise berichtet wird. Da die Erzählung glaubwürdig geschrieben ist und die Handlungen der Personen nachvollziehbar dargestellt werden, machte mir das Lesen Spaß und gab mir nicht nur einen Einblick in, sondern auch einen Überblick auf das Geschehen.
Zugleich wurde mir das Leben samt seinen Vor- und Nachteilen in diesem Zeitalter in Skandinavien nähergebracht. Für mich war ersichtlich, dass sich die Autorin intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Daher empfehle ich das Buch allen, die gerne historische Romane (aus dem Zeitalter) lesen oder sich mit Sagen beschäftigen.















