Sylvia Townsend Warner

 3,8 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Lolly Willowes, Mister Fortunes letztes Paradies und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Sylvia Townsend Warner

SYLVIA TOWNSEND WARNER, geboren 1893. Ihr Debütroman »Lolly Willowes« erschien 1926 mit großem Erfolg. Schon 1927 veröffentlichte sie ihren zweiten Roman, »Mr. Fortune’s Maggot«. Im Laufe ihrer langjährigen Karriere als Schriftstellerin schrieb sie für den New Yorker und veröffentlichte zahlreiche Werke. Ab 1930 lebte sie mit ihrer Partnerin Valentine Ackland zusammen, war zeitweise Mitglied der Kommunistischen Partei und unterstützte das Rote Kreuz während des Spanischen Bürgerkriegs. Sie starb am 1. Mai 1978.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Sylvia Townsend Warner

Cover des Buches Lolly Willowes (ISBN: 9783038200796)

Lolly Willowes

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Erschienen am 26.08.2020
Cover des Buches Mister Fortunes letztes Paradies (ISBN: 9783293203211)

Mister Fortunes letztes Paradies

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Erschienen am 16.02.2005
Cover des Buches The Diaries of Sylvia Townsend Warner (ISBN: 1853818852)

The Diaries of Sylvia Townsend Warner

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Erschienen am 01.03.1996
Cover des Buches Lolly Willowes or the Loving Huntsman (ISBN: 9781853815027)

Lolly Willowes or the Loving Huntsman

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Erschienen am 27.08.2009
Cover des Buches Kingdoms of Elfin (ISBN: 0385285248)

Kingdoms of Elfin

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Erschienen am 01.01.1978
Cover des Buches Lolly Willowes (ISBN: 0940322161)

Lolly Willowes

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Erschienen am 01.09.1999
Cover des Buches Summer Will Show (ISBN: 1590173163)

Summer Will Show

 (0)
Erschienen am 19.08.2009

Neue Rezensionen zu Sylvia Townsend Warner

Cover des Buches Lolly Willowes (ISBN: 9783038200796)Susanne_Probsts avatar

Rezension zu "Lolly Willowes" von Sylvia Townsend Warner

Die Geschichte einer Emanzipation…
Susanne_Probstvor 4 Monaten

„Lolly Willowes oder Der liebevolle Jägersmann“ war der Debütroman der 1893 geborenen Sylvia Townsend Warner.

Die englische Originalausgabe erschien bereits 1926.


Laura wuchs Ende des 19. Jahrhunderts mit ihren zwei älteren Brüdern Henry und James bei ihrer kränkelnden Mutter und bei ihrem sie vergötternden Vater, einem Brauereibesitzer, auf dem Landsitz „Lady Place“ in Somerset auf.


Sie hatte viele Freiheiten, tobte draußen mit ihren Brüdern herum und las ohne Einschränkungen was sie wollte. 

Nach dem frühen Tod ihrer Mutter musste Lolly wohl oder übel eine gesittete Dame und die Hausherrin an der Seite ihres Vaters Everard und ihres Bruders James werden.

Henry war zu dieser Zeit bereits verlobt und als Anwalt in London tätig. 


Fast 10 Jahre lang lebten die drei ihren gewohnten Alltag in Somerset. Lolly führte den Haushalt und die Männer kümmerten sich um die Brauerei. 


Einen Mann fand Lolly nicht, denn „welche Schönheiten ihres Äußeren Laura auch haben mochte, sie waren so wenig lieblich wie die Schönheiten ihres Geistes, und ihr vornehmes Auftreten ließ sie älter erscheinen, als sie eigentlich war.“ (S. 30)


Laura lebte recht zurückgezogen und wenn sie mal auf Festen erschien, war sie sehr reserviert und obwohl im heiratsfähigen Alter, war sie alles andere als bemüht charmant. 

Dem Heiraten stand sie ziemlich gleichgültig gegenüber und außerdem hielt keiner der in Frage kommenden Kandidaten dem Vergleich mit ihrem Vater stand. (S. 32) 

Vater und Tochter warteten vordergründig und vergeblich auf den „idealen Freier“ (S. 33).


Lolly liebte die Natur, das gemächlich dahintreibende Leben auf dem Land mit seinen Bräuchen, Ritualen und Familiengewohnheiten und sie wurde zu einer Expertin für Kräuter und Heilpflanzen, stellte Tinkturen her und bereitete schmackhafte, gesunde Salate zu. 

Ihre Kenntnisse hielt sie in einem kleinen Buch mit dem Titel „Gesundheit am Wegesrand“ fest.


Dann bekam Lady Place unerwartet Zuwachs, weil James die vornehme Pfarrerstochter Sibyl heiratete, die in das große Haus einzog und bald ihren Sohn Titus zur Welt brachte.


Ein Jahr später, 1902, verstarb Lollys Vater Everard an einer Lungenentzündung, 


Und jetzt wussten  alle, was für die inzwischen 28-jährige Laura das Beste war: 

Raus aus Lady Place, wo alles sie an ihren geliebten Vater erinnerte. Auf nach London, wo sie in Gesellschaft ihres eitlen, rigiden, herrschsüchtigen und konservativen Bruders Henry, ihrer resoluten, ordentlichen, unnahbaren und nüchternen Schwägerin Caroline und ihrer Nichten Fancy und Marion sein und Chancen haben würde, doch noch unter die Haube zu kommen.


Laura zog mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge zu ihnen und wurde dadurch zu Tante Lolly.

Dass sie nach dem Tod des Vaters zu einem ihrer beiden Brüder zog, war für die konservative Familie Willowes selbstverständlich. 

Laura hinterfragte das nicht und war bereit, kritiklos über sich verfügen zu lassen „wie ein Stück Familienbesitz, das im Testament vergessen worden war“. 


In London, wo das Wasser härter und der Winter kälter zu sein schien, gingen alle taktvoll und feinfühlig mit ihr um. Der wenig prickelnde Alltag kehrte ein, „die Bleigewichte hatten bereits ihren Kurs abwärts begonnen.“ (S. 56)


Gleichzeitig regten sich die vielfältigsten Gefühle in Laura, die es irgendwann satt hatte, Tante Lolly zu sein. Sie empfand Unmut, Unzufriedenheit, der hartnäckige Widerwille, sich verheiraten zu lassen, Unruhe, Sehnsucht, Abenteuerlust und Neugierde.


Eines Abends nach dem ersten Weltkrieg eröffnete die inzwischen 47-jährige Lolly der Familie nach vielen Jahren des Zusammenlebens beim gemeinsamen Essen plötzlich und bestimmt, dass sie nach Great Mop ziehen würde, einem abgelegenen und kleinen Ort in den Chilterns.


Dieser Umzug stellte für Laura DIE Chance dar, um ihren kontrollierenden und bestimmenden Verwandten zu entkommen, dem „Tantendasein zu entgehen“ (S. 237) und ein selbstbestimmtes und freies Leben zu führen, bis...

und jetzt verrate ich nichts mehr!


...außer, dass sich gegen Ende eine völlig überraschende Wendung ereignet. 

Ich fühlte mich regelrecht vor den Kopf gestoßen und war völlig perplex, denn mit so etwas hatte ich überhaupt nicht gerechnet. 

Aber nach und nach konnte ich mich auf diese neue Dimension einlassen. 

Meine ursprüngliche Begeisterung kehrte zurück und Bewunderung gesellte sich dazu. 

Es war und ist die Bewunderung für die Metaphorik und Symbolik, sowie für die Psychodynamik, die mir nun aus der Lektüre entgegenschlug.

Am Ende klappte ich den Roman beeindruckt zu.


Im folgenden möchte ich noch ein bisschen näher auf diese einschneidende und überraschende Wendung eingehen, durch die sich eine neue Dimension eröffnet. 

Die Autorin wechselt von der realistischen auf die fantastisch-imaginäre Ebene.

Fantastische bzw. psychopathologische Elemente halten Einzug. 

Man fragt sich, ob es nur die überbordende Phantasie der Autorin oder der Protagonistin ist oder ob sich in Laura eine wahnhafte Entwicklung vollzieht, was psychologisch durchaus nachvollziehbar wäre, weil sich die Schlinge um ihren Hals wieder zuzuziehen scheint.


Laura muss plötzlich um ihre erst neu gewonnene Freiheit fürchten und empfindet Angst, Wut und Ohnmacht... Gefühle, die durch eine Psychose gebündelt und aushaltbarer werden.


Laura findet Rettung in der Fantasie, eine Hexe zu sein.

Eine Hexe, die von einem wohlwollenden Satan, dem liebevollen Jägersmann, befreit und erlöst wird. 

Er setzt einem zwar Flausen und rebellische Gedanken in den Kopf, befreit und erlöst aber letztlich von einem Leben in Unterwerfung und Anpassung.


Die Symbolik ist einfach klasse und die Idee schlicht originell!

Es ist eine brillante Metapher:

Nur als Hexe entkommt man der Armenhausdiät und der Existenz, die einem von anderen zugeteilt wird. (S. 245)


Um die Lektüre auch nach dieser Wende weiterhin genießen zu können, „muss“ man sich darauf einlassen, auf diese neue Ebene zu wechseln und in diese fremdartige Dimension einzutauchen. 


Für eine Frau war es damals äußerst schwierig, selbstbestimmt und frei zu leben. 

Der Unterwerfung und der Anpassung konnte man nur mit viel Mut, Mühe und Opferbereitschaft entkommen... und mit Phantasie oder durch eine Psychose. 

Zum Beispiel, indem man eine Hexe wird. 


Will die Autorin uns sagen, dass es in damaligen Zeiten ebenso unwahrscheinlich war, als Frau ein selbstbestimmtes und freies Leben zu führen, wie es unwahrscheinlich war, eine Hexe zu werden?

Will sie uns aufzeigen, dass es damals für Frauen fast unmöglich war, die Ketten zu sprengen?


Die Frau der damaligen Zeit konnte sich nur der Religion zuwenden, was Unterwerfung und Anpassung bedeutete oder sich dem fantasierten Hexendasein und den Hexenkünsten widmen, um sich selbst zu verwirklichen, sich frei zu fühlen und der Langeweile zu entkommen.


Oder bestand die Lösung darin, sich nur äußerlich anzupassen, sich aber innerlich wie eine freie Hexe zu fühlen?


Wunderbare Gedankenspiele!


Ganz unaufgeregt und mit einer wunderschönen, eleganten und  bildhaften Sprache erzählt uns Sylvia Townsend Warner Lauras Geschichte, die gleichermaßen distanziert wie berührend geschrieben ist. 

Die Emotionen stecken weniger im Text, als dass sie im Leser ausgelöst werden.

Die Autorin war eine scharfsinnige, feinfühlige und psychologisch versierte Beobachterin, die das Beobachtete präzise, schön und sinnlich formulieren konnte.


Obwohl dieser zurecht als feministischer Klassiker bezeichnete Roman schon fast 100 Jahre alt ist, ist er nicht nur als Kritik an der damaligen Gesellschaft mit ihren Rollenklischees zu lesen. 

Er behandelt ein aktuelles, zeitloses und interessantes Thema. 

Auch wenn wir heutzutage gesellschaftlich gesehen schon um ein Vielfaches weiter sind, ist der beschriebene Konflikt doch leider allzu häufig ein individuelles Problem: innere Freiheit und Unabhängigkeit versus Befreiung und Selbstverwirklichung.

Das erlebe ich tagtäglich in meiner Praxis.


Ich empfehle „Lolly Willowes oder Der liebevolle Jägersmann“ sehr gerne weiter. 

Es ist ein unterhaltsames, tiefgründiges und bereicherndes Werk, das mir schon wegen seiner Sprache, aber natürlich auch wegen dem Plot und v. a. wegen der völlig unvorhersehbaren Wendungen großen Lesegenuss bereitete.




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Cover des Buches Lolly Willowes (ISBN: 9783038200796)KateRapps avatar

Rezension zu "Lolly Willowes" von Sylvia Townsend Warner

Eine magisch-augenzwinkernde Emanzipationsgeschichte
KateRappvor 7 Monaten

In diesem ruhigen Roman formuliert Sylvia Townsend Warner (1893-1978) eine ebenso magische wie radikale Emanzipationsgeschichte am Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts. Sie war eine Zeitgenössin Virginia Woolfs und lebte ab 1930 mit der Lyrikerin und Liebe ihres Lebens Valentine Ackland zusammen. In diesem ihrem Debüt verfolgen wir, angeleitet von wunderbaren Naturbeschreibungen und sarkastischen kleinen Seitenhieben, die Entwicklung der Laura Willows von der unentbehrlichen „Tante Lolly“ zur Hexe.


Zunächst lebt sie nach dem Tod ihres Vaters im Haushalt des älteren Bruders und seiner patenten und streng gläubigen Ehefrau. Sie wird als Tante Lolly zu einer unentbehrlichen familiären Größe, erlebt den ersten Weltkrieg und das Heranwachsen der Neffen und Nichten, bis sie eines Tages genug davon hat. 

„Da sind sie, ziehen Kinder groß, führen den Haushalt, hängen die ausgewaschenen Geschirrtücher über Johannisbeerbüsche; und zur Ablenkung nur die eigenen dummen Gespräche oder das Zuhören, wenn die Männer reden.“


Der Besuch in einem Hofladen wird so etwas wie ein Erweckungserlebnis für sie, eine Sehnsucht „wie die Last reifer Früchte auf einem Baum“ erfüllt sie, die auch mit Lilien im Winter, riesigen Chrysanthemsträußen und Marons glacées nicht zu stillen ist. Sie, die immer nur für andere da war, erfüllt sich ihren Traum und zieht aufs Land, allein und unbegleitet, da dies mit Ende 40 nicht mehr unschicklich für eine Damen ihres Alters ist. Entsetzt muss sie feststellen, dass ihr Bruder mit ihrem Erbe spekuliert und die Hälfte ihres Geldes durchgebracht hat, ohne auch nur im Entferntesten ein schlechtes Gewissen zu haben. Doch auch dieser Rückschlag kann sie nicht aufhalten, sie wird Untermieterin bei Mrs. Leak im kleinen Ort Great Mop.


Der Ort ist bevölkert von zwei alten Schreckschrauben, einem Ziegenbockartigen Pfarrer und seinem dämonischen Sekretär, der Schneiderin mit dem zahmen Igel und dem Hühnerzüchtenden, jungen Mr. Saunters. Zunächst scheint sie eine Außenseiterin zu bleiben und findet ihre innere Ausgeglichenheit auf langen Spaziergängen, in Zwiesprache mit der Natur. Doch nach einer Begegnung mit dem „liebevollen Jägersmann“, wie der Teufel auch genannt wird, spürt sie ihre innere Unabhängigkeit magisch wachsen, eine Sehnsucht nach etwas Dunklem „etwas wie heidnisches Geweihtsein“ und wird in die Dorfgemeinschaft aufgenommen.


Die Geschichte lässt lange offen, ob die Gestalt des Teufels real oder eine Interpretation Lauras ist, doch letztendlich bedeutet die Konversion zur Hexe nichts anderes, als eine radikale Abkehr von allen, an eine fromme Frau gestellten, gesellschaftlichen Erwartungen. Allein und finanziell unabhängig zu leben, unbegleitet im Wald spazieren zu gehen, nach dem eigenen Willen zu handeln, im Freien zu übernachten sind einige dieser teuflischen Verhaltensweisen. Wenn sie dafür einen Handel mit Belzebub eingehen muss, seinem „Blick ohne Begehren und ohne Wertung“ begegnend, dann tut Laura das ohne zu zögern.


Nicht von ungefähr wurden unabhängige, selbstständig denkende, gebildete oder weise Frauen traditionell als Hexen gebrandmarkt und verfolgt. Neu und radikal an diesem Buch erscheint mir die Freude, mit der sich die Protagonistin auf diese Etikettierung einlässt: Neugierig, furchtsam und letztlich doch überglücklich, endlich so zu sein, wie sie will.


Übersetzt aus dem Englischen von Ann Anders, Dörlemannverlag, 2020.


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