Sylvie Schenk

 3.9 Sterne bei 58 Bewertungen
Autorin von Schnell, dein Leben, Eine gewöhnliche Familie und weiteren Büchern.
Autorenbild von Sylvie Schenk (©Peter-Andres Hassiepen)

Lebenslauf von Sylvie Schenk

Das französisch-deutsche Allroundtalent: Die in Frankreich geborene Autorin Sylvie Schenk, beschloss nach ihrem Latein, Griechisch und Französisch Studium an der Pädagogik Universität in Lyon, im Jahre 1966 nach Deutschland zu ziehen. Neben ihrer Tätigkeit als Lehrerin, ist sie freie Autorin, ehrenamtliche Initiatorin und Organisatorin des Euregio-Schüler-Literaturpreises, Sprachwissenschaftlerin und Rezitatorin. Für ihre Werke wurde sie im Jahre 1998 mit dem Hasenclever-Förderpreis der Stadt Aachen und 1999 Würth Literaturpreis ausgezeichnet. Sylvie Schenk lebt abwechselnd mit ihrem Mann Dr. H. J. Schenk in Stolberg bei Aachen und in La Roche de Rame, Frankreich.

Alle Bücher von Sylvie Schenk

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Cover des Buches Schnell, dein Leben (ISBN: 9783446253315)

Schnell, dein Leben

 (26)
Erschienen am 25.07.2016
Cover des Buches Eine gewöhnliche Familie (ISBN: 9783446259966)

Eine gewöhnliche Familie

 (11)
Erschienen am 23.07.2018
Cover des Buches Bodin lacht (ISBN: 9783711720054)

Bodin lacht

 (10)
Erschienen am 01.08.2013
Cover des Buches Die Tochter des Buchhändlers (ISBN: 9783711750709)

Die Tochter des Buchhändlers

 (9)
Erschienen am 01.12.2011
Cover des Buches Der Aufbruch des Erik Jansen (ISBN: 9783711750501)

Der Aufbruch des Erik Jansen

 (2)
Erschienen am 01.08.2012
Cover des Buches Parksünder (ISBN: 9783854526476)

Parksünder

 (0)
Erschienen am 01.09.2009
Cover des Buches Heute ist auch noch ein Tag (ISBN: 9783608936919)

Heute ist auch noch ein Tag

 (0)
Erschienen am 01.02.2004
Cover des Buches Der Gesang der Haut (ISBN: 9783854526742)

Der Gesang der Haut

 (0)
Erschienen am 01.07.2011

Neue Rezensionen zu Sylvie Schenk

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Rezension zu "Eine gewöhnliche Familie" von Sylvie Schenk

Sezierender Blick auf eine Familie!
schillerbuchvor einem Jahr

Der Roman „Schnell, dein Leben“ hatte mir sehr gut gefallen, obwohl ich eigentlich kein unbedingter Fan von französischer Literatur bin. Umso gespannter war ich auf den neuen Roman von Sylvie Schenk, der unterm Weihnachtsbaum lag und den ich jetzt endlich gelesen habe.

Der Inhalt

Céline und ihre drei Geschwister treffen sich in Lyon zur Beerdigung von Onkel Simon und Tante Tamara, die nacheinander innerhalb von 3 Stunden gestorben sind. Mit ihnen kommen auch ihre Cousinen und Cousins sowie eine Tante zur Trauerfeier. Schon vor der Trauerfeier wird klar: Das Testament, das Céline und ihre Geschwister zu Haupterben machte, ist verschwunden, es existiert nur noch eine Kopie. Und so wird dieser Tag der Trauer auch ein Tag der Auseinandersetzung.

Meine Meinung

Wenn ich sage, daß ich nicht unbedingt Fan französischer Litertaur bin, dann bezieht sich das auf eine ganze Reihe von Leseerlebnissen, bei denen ich, unabhängig von der Qualität des Gelesenen, kaum einen emotionalen Zugang zu den handelnden Personen bekam. So erging es mir leider auch bei diesem Buch.

Dabei entfaltet Sylvie Schenk gekonnt ein Geflecht von Beziehungen und Emotionen der verschiedenen Familienmitglieder. Ich denke, auch hier fließen eigene Lebenserfahrungen ein, die auch schon in „Schnell, dein Leben“ Thema waren: Das Schicksal der „kleinen“ Mutter von Céline, Aline, Pauline und Philippe, die als Adoptivkind von der Familie ihres Mannes nie aktzeptiert wurde und an Krebs stirbt. Auch das gesellschaftliche Gefälle zwischen der Familie von Céline und dem der Familie aus Lyon spielt wieder eine Rolle: Ernest, der Vater von Céline und ihren Geschwistern, ist ebenso Zahnarzt wie sein kinderloser Bruder Simon, allerdings hat Ernest seine Praxis in einem kleinen Ort in den französischen Alpen und ist finanziell deutlich schlechter gestellt als Simon, der in einer edlen Praxis in Lyon residiert.

Vor allem für Pauline, der dritten Tochter von Ernest und Suzanne, ist der Onkel wie ein heimlicher Vater. Sie hilft auch bei der Betreuung des alten Paares bis zu dessen Tod und verspürt deshalb einen besonderen Anspruch auf das Erbe, das sie, im Gegensatz zum anderen Teil der Familie, auch deutlcih dringender braucht. Céline, aus deren Perspektive der Roman erzählt ist, sieht Onkel und Tante deutlich distanzierter. Sie ist allerdings auch am weitesten entfernt von den Geschwistern, denn sie war verheiratet mit einem Deutschen und blieb nach der Trennung in Deutschland, wo sie als Dolmetscherin arbeitet.

Den Rahmen für den Roman bildet der Tag der Beerdigung und Sylvie Schenk nutzt ihn, um zu zeigen, wie durch den Tod von Onkel und Tante auch alle familiären Bindungen in neuem Licht erscheinen und in Frage gestellt werden. Bereits auf der Fahrt von Frankfurt nach Lyon erinnert sich Céline zurück an ihre Kindheit, an ihre Geschwister, an die Eltern. Und in den nachfolgenden Stunden lernen wir nach und nach die Verwandten kennen und gleichzeitig deren Charaktere und Schwächen. Dafür genügen Sylvie Schenk stets wenige kurze Abschnitte und wieder erweist sie sich als eine Meisterin der knappen und verdichteten Darstellung.

Leider blieben mir alle Personen fern, zu keiner, auch nicht zu Céline, konnte ich irgendeinen Zugang finden. Aber das soll vielleicht auch so sein, denn umso deutlicher wurde mein Blick darauf gelenkt, wie fragil familiäre Bindungen sein können und wie sehr die Lücken, die beim Tod der Elterngeneration entstehen, diese Bindungen verändern oder gar zerstören können. Etwas, was völlig normal ist und was auch diese Familie zu einer ganz gewöhnlichen macht.

Fazit: Auch wenn ich mit den Personen nicht warm wurde habe ich doch die literarische Kunstfertigkeit von Sylvie Schenk bewundert. Erneut gelingt es ihr, auf gerade einmal knapp 160 Seiten eine vielschichtige Familiengeschichte mit all ihren Untiefen zu erzählen. Lesenswert!

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W

Rezension zu "Eine gewöhnliche Familie" von Sylvie Schenk

„Eine gewöhnliche Familie“ ist ein kluges und bewegendes Buch
WinfriedStanzickvor einem Jahr


 

Sylvie Schenk wurde in Chambéry, Frankreich, geboren, studierte in Lyon und lebt seit 1966 in Deutschland  bei Aachen und zeitweise in La Roche-de-Rame, Hautes-Alpes. Sie veröffentlichte zunächst Lyrik auf Französisch und schreibt seit 1992 auf Deutsch.

So richtig bekannt wurde sie nach etlichen bei anderen deutschen Verlagen veröffentlichten Romanen 2016 mit ihrem stark autobiographisch geprägten Roman „Schnell, dein Leben“, ihrem ersten  bei Hanser verlegten Buch.

 

Neben dem überzeugenden und bewegenden autobiographischen Zeugnis bestach dieses Buch damals durch seine feine Beobachtungsgabe über die Entwicklungen in Deutschland und  Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg und die vorsichtige Annäherung der beiden Länder nach dem Elyseevertrag zwischen de Gaulle und Adenauer.

 

Auch der neue Roman ist eine Geschichte über eine Familie, eine Geschichte von vier Geschwistern, die verschiedener nicht sein könnten. Celine, eine der Geschwister wohnt seit langem in Frankfurt am Main. In der Familie nennen sie sie „die Deutsche“. Celine erlebt seit sie nach Deutschland gegangen ist, etwas, worunter die meisten Auswanderer leiden. Zuhause in ihrem Herkunftsland fühlen sie sich immer fremder, je länger sie im Ausland leben und dort im neuen Land können sie nie richtig heimisch werden.

Sylvie Schenks Sprache ist  ist knapp und präzise, genau beobachtet ihre Protagonistin ihre Umwelt und die Menschen, denen sie begegnet. Schon der Anfang des Buches nimmt gefangen: „Frankfurt liegt schon weit zurück, und bis Lyon ist noch genügend Zeit (…) Sie möchte sich auf die Begegnungen vorbereiten. Sie möchte Worte finden, die ihre Empfindungen übertragen, sie möchte sich die Situation ausmalen, die sie erwartet, sie möchte sich sammeln.“

 

Tante Tamara und Onkel Simon sind in Südfrankreich gestorben und Celine fährt mit sehr gemischten Gefühlen zu ihrer Beerdigung. Denn sie wird dort seit langem einmal wieder auf ihre drei anderen Geschwister treffen. Es waren die beiden Verstorbenen, die zu Lebzeiten immer wieder die Familie zusammengehalten haben und die immer wieder aufbrechenden Gräben zwischen den Geschwistern notdürftig zuschaufelten.

 

Doch nun, da sie tot sind, bricht die alte Uneinigkeit wieder auf und schon auf dem Weg zur Trauerhalle fangen die Auseinandersetzungen zwischen den Geschwistern um das Erbe von Tante und Onkel an.

 

Alle leiden schon seit langem an einer gefühlten großen Ungerechtigkeit in der Familie, jeder hat Angst, zu kurz zu kommen, wie schon so viele Male zuvor. Darin ähneln sie vielen anderen Familien in Frankreich aber auch in Deutschland.

 

Doch nicht nur die Gräben zwischen den Geschwistern, deren Eltern schon vor längerer Zeit verstorben sind, werden sichtbar, sondern die in der ganzen großen Familie. Onkel Simon, seines Zeichens erfolgreicher Zahnarzt und Tante Tamara waren reich und kinderlos, Simons Bruder und Celines Vater, obwohl ebenfalls als Zahnarzt tätig, eher kleinbürgerlich und seine Frau eine eher graue Maus. Von ihrer Schwägerin wurde sie auch lange Jahre entsprechend behandelt.

 

Wie in einer Tiefenbohrung fördert Sylvie Schenk immer weitere Sedimente der Familiengeschichte zu Tage, indem sie alle Beteiligten zu Wort kommen lässt und auf wenigen Seiten auf sprachlich dichte und poetische Weise die Geheimnisse der Familie Cardin ans Licht bringt.

 

Es geht um circa eine Million  Euro, die die vier Geschwister erben sollen, doch das Testament ist verschwunden. Aber auch viele andere „Erbstücke“ tragen schwer und sind unter den Geschwistern heftig umstritten.

 

Gegen Ende wird Celine ernüchtert sagen:

„Was ist aus dir, aus uns geworden, die wir hier nun alle um ein Vermögen streiten, die wir der Liebe an den Kragen gegangen sind, die wir den großen Leidenschaften den Garaus gemacht haben, die wir alle Träume über Bord geworfen, alle Visionen zertrümmert haben?“

 

„Eine gewöhnliche Familie“ ist ein  kluges und bewegendes Buch und der Leser wird das Gefühl nicht los, dass diese Familie auch seine eigene sein könnte.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Rezension zu "Eine gewöhnliche Familie" von Sylvie Schenk

Eine ganz banale Familiengeschichte - mit Tiefgang
Gwhynwhyfarvor 2 Jahren

Der Anfang: »Frankfurt liegt schon weit zurück, und bis Lyon ist noch genügend Zeit. Aus den Fenstern des TGV starrt sie in das schummrige Licht des neuen Tages. Dunkel und nah erheben sich die Vogesen.«

Céline wohnt in Frankfurt, man nennt sie in der Familie die Deutsche, denn sie stammt aus Frankreich. Heute kehrt sie zurück in die Vogesen, um Onkel und Tante zu beerdigen. Beide verstarben am gleichen Tag, der Onkel an einer Lungenentzündung, weil die Pflegerin die Anzeichen ignorierte, die Tante stürzte schwer, lag eine ganze Zeit lang im Wohnzimmer, bis sie von der Pflegerin gefunden wurde. Die Eltern von Céline sind bereits verstorben. Onkel und Tante waren das Gegenteil von ihnen: kinderlos, exzentrisch, reich, glamourös, schön, bourgeois, Stadtmenschen. Die eigene Mutter eine graue Maus, Hausfrau, der Vater, bodenständig, ein Familienmensch, kinderreich, kleinbürgerlich aus den Bergen.

»Der Onkel und die Tante, der Vater und die Mutter. Simon und Tamara, Ernest und Suzanne. Die ersten selbstsicher, kinderlos und leicht herablassend, die zweiten bescheiden und unsicher. Beide Brüder Zahnärzte. Aber die Praxis von Simon in Lyon können wir nicht mit der altmodischen Praxis von Ernest in der kleinen Alpenstadt vergleichen.«

Zur Beerdigung von Onkel Simon und Tante Tamara trifft die Familie zusammen. Céline, die Intellektuelle, ihre drei Geschwister, Aline die Schöne, Pauline die Lustige und Philippe der Sportliche (die Cardin-Geschwister, vom Vater mit Spitznamen bedacht), die boshafte alte Tante Catherine, die Schwester von Tamara, ein Wirbelwind, genannt flotte Kati, mit ihrem faden Sohn, dem pensionierten Wirtschaftsanwalt – die andere Seite, die reichen Lyoner. Hier geht es nicht nur um die Beerdigung, um ein Familientreffen, konkret geht es um eine Menge Bares, um das Testament. Laut diesem waren die Cardin-Kinder als Erben vorgesehen, doch weil das Papier verschwunden ist und nur eine Kopie existiert, erbt nun wohl die flotte Kati circa eine Million.

»Heute sieht Céline klar, dass sie immer klar gesehen hat, dass ihr Onkel sie nie geblendet hat, die freundliche falsche Münze, der dicke Angeber, und sie weiß auch, dass Kinder und Jugendliche in ihrem unersättlichen Liebesbedürfnis jeden beliebigen Onkel vergöttern können, gewöhnlichste, sogar bösartige Menschen.«

Eine gewöhnliche Familie, verschiedene Charaktere, der eine Zweig gegen den anderen, aber auch untereinander herrschen Rivalitäten. Geldgier – die Macht des Geldes des Glimmers, schon die Kinder werden von Tante und Onkel gelockt. Es sind nicht nur die Zuwendungen, die der reiche Onkel zukommen lässt, Eifersucht, Sticheleien gegen den Bruder, oder die makellose Tante, die Kosmetik verschenkt, damit man Haut behält, die jemand küssen will – Suzanne, die graue Maus, früh runzlig geworden. Erst ziemlich spät versteht Céline, was sich hinter Tante und Onkel wirklich verbarg, was hinter ihren Eltern. Jede Person wird kurz von Céline durchleuchtet. Die Dolmetscherin ist es gewohnt, sachlich-neutral zu denken, wenn sie Worte und Gedanken von anderen übersetzt. So skizziert sie neutral (aus ihrer Sicht) ihre Verwandten und deren Haltung, wir lernen auch die böse Großmutter kennen, die nie etwas sagte, fragte, nur im Befehlston regierte.

»Eine Familie ist eine Wiege, ein Gefängnis, ein Giftschrank, ist ein Hafen. Nichts ist real. Auf nichts ist Verlass.«

Celine will neutral sein – kann jemand neutral von anderen berichten, insbesondere im Verwandtschaftsverhältnis? Natürlich nicht. Und darum gibt es eine weitere Perspektive, ein Wir, das Célines Perspektive als nicht ganz zuverlässig aufblättert. Die Geschichte an sich ist genauso gewöhnlich, wie diese Familie. Sylvie Schenk schafft es, in kurzer Skizzierung ganze Menschenleben zusammenzufassen, zu charakterisieren, wie bereits in ihrem letzten Roman, »Schnell, dein Leben«. Ihre Sprache ist knapp und präzis, genau beobachtend. Die Geschichte ist leise, die Geschichte einer ganz normalen Familie.

»Was ist aus dir, aus uns geworden, die wir hier nun alle um ein Vermögen streiten, die wir der Liebe an den Kragen gegangen sind, die wir den großen Leidenschaften den Garaus gemacht haben, die wir alle Träume über Bord geworfen, alle Visionen zertrümmert haben?«

Sylvie Schenk wurde in Chambéry, Frankreich, geboren, studierte in Lyon und lebt seit 1966 in Deutschland, bzw. sie lebt bei Aachen und in La Roche-de-Rame, Hautes-Alpes. Sie veröffentlichte Lyrik auf Französisch und schreibt seit 1992 auf Deutsch.

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Gespräche aus der Community

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Cover des Buches Bodin lacht
Liebe Leserinnen und Leser,

Sylvie Schenks neuer Roman »Bodin lacht« ist ein spannendes und vielschichtiges Spiel um eine ermordete Pianistin, einen extravaganten Psychotherapeuten, einen Hermaphroditen und seine abgedrehte Mutter: von der ersten Seite bis zur letzten ein Lesevergnügen, das wir gerne mit Ihnen teilen und diskutieren würden. 

Wir stellen 10 Bücher zur Verfügung – haptisch, gern aber auch digital (epub-Format) – und freuen uns auf Ihre Zuschriften! 
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