Eine gewöhnliche Familie

von Sylvie Schenk 
5,0 Sterne bei3 Bewertungen
Eine gewöhnliche Familie
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Daniel_Allertseders avatar

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Inhaltsangabe zu "Eine gewöhnliche Familie"

Die Geschwister Cardin sind zu viert. Als Tante Tamara und Onkel Simon sterben, werden am Tag der Beerdigung jedoch nicht nur die Trennlinien zwischen den vier Geschwistern sichtbar, sondern die Gräben in der gesamten Familie. Die Verstorbenen waren es, die alle zusammenhielten. Nun hinterlassen sie neben Uneinigkeit vor allem eine Auseinandersetzung um das Erbe, die schon auf dem Weg zur Trauerhalle ihren Anfang nimmt. Die gefühlte Ungerechtigkeit in der Verwandtschaft ist außergewöhnlich groß – und genau darin ist diese französische Familie so ziemlich gewöhnlich.
Sylvie Schenk hat einen Roman geschrieben, der auf wenigen Seiten poetisch, klar und klug die Geheimnisse einer ganzen Familie ausleuchtet.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783446259966
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:160 Seiten
Verlag:Hanser, Carl
Erscheinungsdatum:23.07.2018

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    Buecherschmauss avatar
    Buecherschmausvor 10 Tagen
    Eine gewöhnliche Familie

    Beerdigungen sind ein immer wieder gewählter Ausgangspunkt für Erzählungen. Durch den Tod eines mehr oder weniger nahestehenden, eines mehr oder weniger geliebten Menschen werden Reisen in die eigene Vergangenheit angetreten, räumlich und emotional. Protagonisten kehren an die Orte der Kindheit und Jugend zurück, treffen alte Freunde, Bekannte, Verwandte und nicht selten kommen lange verdrängte Erinnerungen ins Bewusstsein, brechen alte Verletzungen oder Konflikte auf oder entstehen neue. Wenn es beispielsweise um Erbschaften geht.
    Sylvie Schenk nutzt für ihren neuen Roman „Eine gewöhnlich Familie“ genau diese Erzählsituation. Die Protagonistin Celine reist im TGV von Frankfurt nach Lyon zur Beerdigung ihrer Tante Tamara und ihres Onkels Simon, die beide mit wenigen Stunden Abstand gestorben sind. Die Familie der Geschwister Cardin, von Celine, Aline, Pauline und Philippe, kennen wir bereits, wenn auch unter anderem Namen. Es ist relativ wenig verschlüsselt diejenige der Autorin Sylvie Schenk und diejenige ihrer Protagonistin Louise im Vorgängerroman „Schnell, dein Leben“.
    Die Zahnarztpraxis des Vaters in den französischen Alpen, die unglückliche Ehe der Eltern, der begüterte, herablassende väterliche Familienzweig in Lyon, der bescheidenere der Mutter, sie selbst Adoptivkind – all das war bereits in der wunderbaren, poetisch-knapp erzählten Lebensgeschichte, die Schenk 2016 in Auszügen beim Ingeborg-Bachmann Preis vorstellte, Thema gewesen.
    Nun treffen die Geschwister zur Beerdigung der beiden hochbetagten Verwandten aufeinander und auf eine Schwester der Tante, Kati, und deren Sohn, Cousin Bernard. Celine, die zweitälteste und wie die Autorin von einem Deutschen geschieden, von Beruf Dolmetscherin und mittlerweile Anfang sechzig, hat eher losen Kontakt zu ihren Geschwistern. Die Eltern sind schon eine Weile tot, nun auch Tante und Onkel. Das Originaltestament, das das nicht unbeträchtliche Vermögen der beiden auf alle Nichten und Neffen gleich verteilen sollte, ist verschwunden. Somit ist Tamaras Schwester Kati, und mit ihr Cousin Bernard, die Alleinerbin. Eine Tatsache, die nicht wenig Konfliktpotential in sich birgt.
    Sylvie Schenk macht diese Erbschaftsstreitigkeit aber nicht zum Hauptthema ihres Buchs, sondern nutzt sie nur als Randerscheinung für ihr genaues, psychologisch feines Familienpsychogramm.
    Ausgehend von der Beerdigung wird in Rückblenden das Beziehungsgeflecht vor allem zwischen den Geschwistern beleuchtet, noch einmal auf die unglückliche, aber beständige Ehe der Eltern geschaut und auf die herablassende Art der bourgeoisen Vaterfamilie.
    Das hat nicht ganz die innovative Kraft von „Schnell, dein Leben“, das auf gerade mal 160 Seiten ein ganzes Leben erzählte und die eher ungewöhnliche Du-Perspektive virtuos umsetzte. Dennoch kommen auch hier die Stärken der Autorin Sylvie Schenk deutlich zum Vorschein. Nachdenklich und klug, mit manchmal ein wenig bösem Witz, aber immer liebevoll und ehrlich, erzählt sie auch hier poetisch-knapp von einer ganz „gewöhnlichen Familie“, die doch so besonders und eigenständig wie eben jede Familie ist.
    Höchste Zeit, die Autorin Sylvie Schenk, immerhin schon Jahrgang 1944, zu entdecken.

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    Daniel_Allertseders avatar
    Daniel_Allertsedervor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Toll!
    Toll!

    Meine Meinung

    Sylvie Schenk präsentiert einen Konflikt wie er im Bilderbuch steht. Ein Konflikt, der eine „gewöhnliche Familie“ ungelogen kennzeichnet. Sylvie Schenk zeigt uns auf wenigen Seiten, wie zerrissen eine Familie sein kann, wie gewöhnlich diese Zerrissenheit stereomäßig ist. Was passiert mit einer Familie mit einer großen Anzahl an Mitgliedern, wenn zwei Menschen in kürzester Zeit hintereinander sterben und das Erbe aufgeteilt werden muss? Wer erhält welchen Erbanteil, welche Familienmitglieder werden bevorzugt, und die wichtigste Frage: Wo ist das Original des Testaments? Die Autorin zeigt ungezwungen kurz und knapp, wie distanziert eine Familie sein kann, wenn es plötzlich um Geld und Erbe gehen kann. Denn Tante Tamara und Onkel Simon haben in kürzester Zeit hintereinander das Zeitliche gesegnet, und nun gilt es, das Erbe passabel aufzuteilen. Sylvie Schenk – eine in Frankreich geborene und seit 1992 in Deutschland lebende Autorin – portraitierte ehrlich und authentisch eine Familie, die in diesem Abschnitt ihres Lebens Stück für Stück vorgestellt werden. Sei es Céline, William, Philippe, Aline oder Pauline – jedes Familienmitglied, welches mit dem Erbe oder mit den Verstorbenen zu tun hat, erhielt wenige Seiten, in denen Anekdoten ihrer Selbst ermittelt und vermittelt wurden. Seite für Seite setzt sich die Geschichte um die Beerdigung und der Aushandlung des Erbverfahrens fort und fügt sich zu einem bis zum Schluss stimmigen Bild einer recht extrovertierten, aber dennoch total gewöhnlichen Familie zusammen – letztendlich handelt jede Familie so, letztendlich bringt ein Erbe ein Familienbündnis zum Hinterfragen, zum Zurückblicken, zum Erinnern, aber eben auch zum Diskutieren und – ja, wir wollen es fein ausdrücken, zum Meckern. Gnadenlos erleben wir Leser dieses riskante Szenario auf einhundert und sechsundfünfzig Seiten und verfolgen dieses Spiel mit großem Interesse; gespannt wartend darauf, wie die Familie auseinandergeht und wie sie sich einigen. Das Urteil, das Ergebnis dieser folgenden Zeit nach dem Tod von Tante Tamara und Onkel Simon ist wie das einer gewöhnlichen Familie eben – solide und zurück zur Metakommunikation: Zur Familie.  

    Der Schreibstil der Autorin Sylvie Schenk ist, wie ich gerne noch schnell anmerken möchte, stabil, gesittet und im Rahmen dieser Erzählung stets interessant und schön fließend. Die Typographie wurde intelligent gewählt; Satzenden bilden teilweise zeitgleich die nächsten Kapitelüberschriften, die mit dem Namen der nun portraitierten Person beginnen, vorzugsweise mit passenden Adjektiven, die diese Person sehr gut beschreibt. Leider gibt es keine Anführungszeichen bei Dialoge, die mir immer sehr wichtig sind; jedoch behindern diese fehlenden Interpunktionszeichen den Fluss des Lesens keineswegs. 

    Fazit

     

    Abschließend darf ich sagen, dass mir Sylvie Schenks „Eine gewöhnliche Familie“ sehr gefallen hat. Ein Roman, der das Problem einer jeden gewöhnlichen Familie hinausposaunt, wenn es um das Erbe eines verstorbenen Menschen geht – in unserem Falle gleich zweier Menschen. Klug und ehrlich portraitiert, klassisch geschrieben, sehr empfehlenswert! 

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    muchobookloves avatar
    muchobooklovevor 23 Tagen

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    Pressestimmen

    Nach „Schnell, dein Leben“: „Es wird Zeit, die mitreißenden Romane der Sylvie Schenk zu entdecken.“ Judith Liere, Stern

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