Sylvie Schenk Schnell, dein Leben

(14)

Lovelybooks Bewertung

  • 14 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 6 Rezensionen
(9)
(3)
(2)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Schnell, dein Leben“ von Sylvie Schenk

Auf den ersten Blick ist es die einfache Geschichte einer Frau aus den französischen Alpen, die sich während des Studiums in einen Deutschen verliebt. Sie heiratet, zieht in ein deutsches Dorf, die Kinder werden groß, die Eltern sterben. Doch es ist kein einfaches Leben in der neuen Heimat, Louises Mann ist dort ganz anders, als sie ihn kennengelernt hat. Zugleich erfährt Louise immer mehr Details aus der Vergangenheit des autoritären Schwiegervaters, der im Krieg in Frankreich war. „Schnell, dein Leben“ ist eine Befreiungsgeschichte, ein neuer Blick auf die Nachkriegszeit, ein Lebensbuch – von Sylvie Schenk mit großer Klarheit und Wucht erzählt.

Schnell wie das Leben ist dieser kurze, aber extrem dichte Roman geschrieben, der von einer deutsch-französischen Liebe erzählt.

— Tanja_Langer

Auf den Punkt. Franko-Germanische Nachkriegsgeschichte zum Anfassen und durchrauschen.

— buecher-bea

Ein Leben auf wenigen Seiten...da sitzt jedes Wort!

— Miamou

Ein sehr besonderes Buch, das unaufgeregt und eindringlich auf knapp 160 Seiten fast ein ganzes Leben erzählt. Sehr lesenswert.

— hannipalanni

Ein Leben in stark geraffter Form, schnell und präzise erzählt.

— lesestunden

Stöbern in Romane

Die Schlange von Essex

Opulent und sprachgewaltig. Grandiose Lektüre.

ulrikerabe

Ein Engel für Miss Flint

eine herzerwärmende Geschichte

teretii

Rocket Boys. Roman einer Jugend.

Eine wunderbar menschliche Erfolgsgeschichte, die zu Herzen geht. Ich habe viel gelernt und große Freude beim Lesen gehabt!

Schmiesen

Der Weihnachtswald

Ein angenehm, stilles Buch, welches sehr gut in die Weihnachtszeit passt.

Freyheit

Die Farbe von Milch

Eine der berührendsten, außergewöhnlichsten Geschichten des Jahres. Mary bleibt im Kopf und im Herzen.

seitenweiseglueck

Sieben Nächte

Die sieben Todsünden zu wählen, um sich gegen die Gesellschaft aufzulehnen, war für mich eine Fehlentscheidung. Unterhaltsam war es dennoch.

Nimmer_Satt

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Schnell, dein Leben | Rezension

    Schnell, dein Leben

    vivreavecdeslivres

    16. April 2017 um 15:35

    Bevor wir die spannende Reise nach Frankfurt antraten, bekamen wir beide überraschenderweise noch ein Päckchen - darin befand sich dieses Buch mit netten Briefen, welche uns dieses Werk ans Herz gelegt haben. Martin Kordiċ, der Lektor, schilderte, wie er in eine ganze Nacht lang dieses Manuskript durchlas und hellwach begeistert war. Wir hatten, ebenso wie er, den Namen noch nie gehört und haben uns, nachdem wir den Klappentext durchgelesen haben, unglaublich auf das Lesen gefreut. Gegenseitig lasen wir uns dann also auf der Fahrt in die Buchmesse-Stadt Kapitel für Kapitel vor und genossen das Buch wahnsinnig. Nur schon durch das Vorlesen bekam das Buch eine besondere Stimmung und wird von uns immer mit einem Erlebnis verbunden sein. Dazu kommt, dass wir später die Autorin persönlich treffen durfte, an dem Anlass, dessen Einladung dem Buch beilag. Wir waren sehr verwundert, bei ihr einen starken Akzent herauszuhören, während sie uns erzählte, dass sie das komplette Buch auf Deutsch geschrieben hatte. Selten haben wir ein Buch mit einer solchen feinfühligen und schönen Sprache gelesen, ein wenig aussergewöhnlich, aber auf sanfte Weise. Vieles ist bis ins Detail beschrieben, aber nicht so, dass es zu viel wird. Wir erhalten ein wunderschönes Gesamtbild, die Sprache rundet die Atmosphäre der Szenen perfekt ab, welche alle sehr emotional sind. Ein anderer Lektor des Hanser Verlags meinte zu uns, dass ihre Sprache vielleicht gerade deswegen so sensibel ist - weil sie sie nicht so gewöhnt ist wie wir, weil sie nicht so alltäglich ist für Sylvie Schenk. Genau das scheint zuzutreffen; wir wollen alleine des Schreibstils wegen noch viel von ihr lesen.Ihr Buch wird wohl viele autobiographische Elemente enthalten und vielleicht auch eher ältere ansprechen. Denn auf knapp 160 Seiten erzählt sie von den unterschiedlichen Phasen eines Lebens, von der Unsicherheit, die die Protagonistin immer verfolgt, die sich eigentlich mutig immer wieder in die Fremde wagt. Die unterschiedlichen Freunde von Louise würden wir alle liebend gerne kennenlernen, dabei schreibt sie so authentisch und erzählt so ausgiebig von ihnen, dass wir das ein Stück weit zumindest schon getan haben. Es gab einige Charaktere, die Parallelen aufwiesen zu Freunden von uns, was uns das Buch nochmals näher brachte. Wir sind als jugendliche Leserinnen in eine andere Zeit gerutscht, in die Nachkriegszeit, die uns einerseits unglaublich fremd erschien, aber doch nicht so weit entfernt, wie man meinen könnte - gerade momentan finden wir uns ja in einer Welt des Umbruchs wieder.Ein Leben beinhaltet so wahnsinnig viel, und das Buch ist dünn, wie wir bereits angemerkt haben. Sie konzentriert sich auf einige wenige Punkte, und auch wenn es vielleicht nicht das wichtigste oder das speziellste ist, was sie für diesen Roman ausgesucht hat, sind es diejenigen Personen und Momente, die prägend sind und einen sein ganzes Dasein lang begleiten. Damit erschafft sie eine Art Lebensideal, ohne dass alles zu rund oder zu perfekt ist. Sylvie Schenk erzählt von Fixsternen, mit denen man als Mensch ganz individuell wahnsinnig viel verbindet, alle Emotionen durcheinander, aber die mehr oder weniger für immer existieren, in unseren Gedanken.Irgendwie scheint oft nichts spezifisches zu passieren, und doch kann man sich gut in die Situation hineinversetzen, wie schon erwähnt, erzählt es 'einfach' vom Leben, und ist dabei eben doch anspruchsvoll, gerade, wenn man gewisse Lebensphasen noch nicht erleben durfte. Der Titel verrät in diesem Sinne sehr viel vom Buch, denn genau das ist es, auf eher wenigen Seiten bekommt man nämlich unglaublich viel. Und dafür möchten wir uns von Herzen bei Sylvie Schenk bedanken.http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2016/11/schnell-dein-leben-von-sylvie-schenk.html

    Mehr
  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 20.10.2017: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   259 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  691 Punkte Beust                                          ---   352 Punkte Bibliomania                               ---   233 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  444,5 Punkte ChattysBuecherblog                --- 285 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   154,5 Punkte Code-between-lines                ---  154 Punkte DieBerta                                    ---   ?  Punkteeilatan123                                 ---   80 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   216 Punkte Frenx51                                     ---  103 Punkte glanzente                                  ---   94 Punkte GrOtEsQuE                               ---   84 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   181 Punkte Hortensia13                             ---   148 Punkte Igelchen                                    ---   26 Punkte Igelmanu66                              ---  191 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    95 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   135 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte Kattii                                         ---   88 Punkte Katykate                                  ---   121 Punkte Kerdie                                      ---   239 Punkte Kleine1984                              ---   145 Punkte Kuhni77                                   ---   129 Punkte KymLuca                                  ---   110 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   285 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   257 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   94 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  55 Punkte mistellor                                   ---   181 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktemy_own_melody                     ---   18 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  148 Punkte Nelebooks                               ---  245 Punkte niknak                                       ----  313 Punkte nordfrau                                   ---   143 Punkte PMelittaM                                 ---   242 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   132 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   67 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 76 PunkteSandkuchen                              ---   241 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   195 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   315 Punkte SomeBody                                ---   189,5 Punkte Sommerleser                           ---   215 Punkte StefanieFreigericht                  ---   236,5 Punkte tlow                                            ---   165 Punkte Veritas666                                 ---   151 Punkteverruecktnachbuechern         ---   97 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   69 Punkte Wolly                                          ---   184 Punkte Yolande                                       --   189 Punkte

    Mehr
    • 2582
  • So schnell geht ein Leben

    Schnell, dein Leben

    buecher-bea

    20. February 2017 um 20:05

    Louise wird kurz nach dem Krieg in den französischen Alpen geboren. Ihr Vater ist ansässiger Mediziner mit gutbürgerlicher Familie in Lyon, ihre Mutter ist durch den Makel der Adoption im Argen mit der Schwiegerfamilie. Bei ihrem Studium in Lyon lernt sie neben Francine, Soon und Henri auch Johann kennen, einen Deutschen aus dem Hessischen. Sie folgt ihm nach Deutschland, lebt mit ihm nahe seiner Eltern und kämpft gegen die Unterschiede der Kulturen und die Vorurteile der Deutschen. Der Roman ist besonders, weil er in der zweiten Person Singular geschrieben ist. Die Autorin spricht also die ganze Zeit die Hauptperson mit "Du" an. Das kann ihn spröde machen, schafft aber die nötige Distanz, damit sich die Autorin dem Stoff, der sehr biografisch sein soll, nähern kann. Und man merkt, wie intensiv ein Leben sein kann und doch, wie schnell es vorbeiziehen kann, denn auf diesen 160 Seiten werden die Leben von Louise, ihrer Familie, Johann und seiner Familie und deren gemeinsame Freunde erzählt - bis in die heutige Zeit. Ein großartiges Werk über Urteil und Vorurteil, über Schuld und Unschuld, über weiterleben und weitermachen, über Selbstinszenierung und Selbstaufgabe. Eine meiner Lieblingsstellen: Die kleine Louise fragt das Dienstmädchen, das immer mit der Glocke gerufen wird, wie sich das anfühlt. "Nur Kühe und Kirchen lassen die Glocken läuten." antwortete diese.

    Mehr
  • Nachkriegsleben im Schnelldurchlauf

    Schnell, dein Leben

    Gwhynwhyfar

    15. February 2017 um 16:23

    Der erste Satz: »Als kleines Mädchen der fünfziger Jahre weißt du von deiner Minderwertigkeit und möchtest lieber ein Junge sein. Der Wunsch bewirkt, dass du nie zum knallharten Feminismus konvertieren wirst. Männer sind die wichtigsten Akteure der Menschheit.« Mit knappen Worten und großer Intensität fasst Sylvie Schenk das Nachkriegsdeutschland zusammen. Louise ist in einem kleinen Dorf in den französischen Alpen aufgewachsen. Die Mutter muss täglich beim Vater um das Haushaltsgeld betteln. Louise erfährt, die Mutter war ein Adoptivkind. Darüber wird geschwiegen. Der Vater ein Zahnarzt, ein Despot, war Soldat im Zweiten Weltkrieg. Darüber wird geschwiegen. »Natürlich ist es beneidenswert ein Junge zu sein, gleichzeitig schleicht sich in dich eine gewisse Verachtung für die männliche Welt ein. Oft sind die Frauen unglücklich, weil die Männer sie betrügen, sie verlassen, sie schlagen, sie beschimpfen.« Louise studiert in Lyon Latein, Griechisch und Literatur, verliebt sich in den Deutschen Johann, Student der Chemie, heiratet, zieht mit ihm nach Deutschland. Ihr Vater ist zunächst entsetzt. Ein deutscher Schwiegersohn, das kommt gar nicht in Frage! »Seine Eltern, erzählt Francine, sind während der Besatzung umgekommen, am Ende des Krieges. Der Vater ist von den Deutschen gefoltert und erschossen worden, die Mutter wurde deportiert und ist in einem Konzentrationslager gestorben.« Deutsches Wirtschaftswunder, 68er-Bewegung, spießiges Bürgertum, alte Zöpfe in den Köpfen von Sophies Schülern, die sie abschneiden möchte, die behutsame Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich. Henri war Louise’s erste Liebe, seine Eltern wurden durch die Nazis getötet. Er beschuldigt Johanns Vater, bei der SS in Lyon gearbeitet zu haben, trage somit Mitschuld am Tod seiner Eltern. Nach dem Tod von Louises Schwiegervater wird klar, in welcher Verstrickung Johanns Vater im alten Regime steckte. Nun wird über Johann berichtet. Er ist nun frei von seiner Familie und kann erzählen.  »Das Leben dreht sich darum: Man soll gehorsam, fleißig und zuverlässig sein.« Schenk schreibt in der zweiten Person Singular, was der Autorin und so dem Leser eine Distanziertheit zu den Personen schafft. Die Generation des Schweigens, Schuld und Sühne, komplex zusammengefasst. Zwei Länder von Krieg und Hass geprägt, die wieder Annäherung finden. Sie fasst in kurzen Kapiteln erstaunlich prägnant Geschichte zusammen. Ein Buch voll Tiefgang, das noch lange im Gedächtnis bleibt.

    Mehr
  • So kurz das Leben

    Schnell, dein Leben

    Buecherschmaus

    16. December 2016 um 18:41

    „Deine Kindheit ist eine kaum verblasste Musik. Man kann die Noten hintereinander staccato anklopfen oder jeder Zeit lassen, sich zu einer gebundenen Melodie auszudehnen.“Sylvie Schenk macht in ihrem autobiografisch geprägten Roman eher ersteres: in 34 kurzen Kapiteln mit ebenso kurzen prägnanten Überschriften (Mädchen, Die Moral, Die Natur etc.) bei gerade mal 160 Seiten komprimiert sie ein Leben in eindringliche Szenen. Und dennoch gelingt ihr zugleich zweites, denn die kleinen Mosaiksplitter, die sie aus dem Leben Louises erzählt ergeben insgesamt ein zwar verdichtetes, aber eben auch rundes Bild auf ein Leben und eine bestimmte Epoche unserer Geschichte.Louise, Schenks Alter Ego, wächst in den 50er Jahren in den französischen Alpen auf, eng verbunden mit der Natur. Der Vater scheint ein eher grämlicher Zahnarzt gewesen zu sein, die Mutter eine sanfte, zurückhaltende Frau, die den Mann stets um Haushaltsgeld bitten musste und sehr unter der Zurückweisung durch dessen begüterte Familie litt. Sie stammte zwar auch aus „Gutem Haus“, war aber „nur“ Adoptivkind. Die Eltern stritten oft, worauf ihre von den Eltern abgelehnte Ehe gründete, erschließt sich kaum.Louises Kindheit war keine unglückliche, dennoch wurden ihr früh einige Härten klar. Neben den unglücklichen Eltern hatte sie früh einen Blick auch für soziales Elend, erzählt von der„Schlucht, in die die Menschen springen, wenn sie ihr Unglück nicht mehr ertragen können. Das Unglück heißt Armut, Hunger, Schmutz, Gewalt, Kälte, vor allem Kälte.“Auch „die autoritäre Welt der Erwachsenen und die drohenden, schwarzen Gestalten der Schule“ waren ihr schon als Kind bewusst, ebenso ihr Wunsch, lieber ein Junge als ein benachteiligtes Mädchen zu sein.Louise geht zum Studium nach Lyon und lernt dort eine bunt gemischte Gruppe junger Leute kennen – Francine, mit der sie eine lebenslange Freundschaft verbinden wird, der Chinese Soon, der deutsche Pharmazie-Student Johann und der düstere, faszinierende Henri, dessen Eltern als Partisanen während der Besatzungszeit von den Deutschen ermordet wurde.Damit kommt eines der großen Leitthemen dieses Lebens und dieses Buches auf: das nach dem Krieg schwierige Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland, die vorsichtige, aber entschlossene Wiederannäherung, die zu einer verlässlichen Völkerfreundschaft und stabilen Partnerschaft führte. Ein Prozess, der gerade heute, wo er als so selbstverständlich und oft genug gering geachtet wird, gar nicht ausreichend gewürdigt werden kann.Denn trotz großer Anziehung zwischen Henri und Louise entscheidet sie sich letztendlich für den zuverlässigen, heiteren Johann und zieht mit ihm nach Deutschland. „Du hast dich immer so gefühlt: als nicht dazugehörend. (…) Ein Fuß drinnen, ein Fuß draußen, dazugehören, aber doch anders sein.“Louise wird Lehrerin, bringt Zwillinge zur Welt, wundert sich manches Mal über die deutsche Lebensart und bei ihrem Mann über „seine von dem Vaterland unterdrückte Lebenslust“„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, das ist seine so deutsche Devise.“Viele Klischees vom düsteren Deutschen und der Leichtigkeit der Franzosen tauchen auf. Die 50er und 60er Jahre waren aber auch voll davon.Und das Düstere liegt auch auf Johanns Familie, so wie es aber auch auf der Louises lag. Sprach man dort niemals von der Herkunft der Mutter, so wird hier überhaupt viel geschwiegen. Das Schweigen lastet schwer, wie wohl in der Nachkriegszeit auf den meisten deutschen Familien. Und auch hier lauert ein wohlgehütetes Geheimnis, wie so oft die Taten von Johanns Vater im Zweiten Weltkrieg betreffend. Dessen Lüftung bringt schließlich auch Johann und Louise näher zusammen. So sind die letzten Abschnitte des Buches ihm gewidmet. Keine wirklich neue Geschichte. Sie wird sich so oder ähnlich unzählige Male abgespielt haben, wenn auch vielleicht ohne den Deutsch-Französischen Hintergrund. Dennoch ist Sylvie Schenk ein besonderes buch gelungen.Das liegt zum einen an der Klarheit und Ruhe, mit der die Autorin erzählt, diskret, fast alles schmückende Beiwerk vermeidend und gerade dadurch eine sehr eindringliche Kraft und Intensität entwickelt.Es ist ferner der Blickwinkel der Erzählerin als Französin in Deutschland – fremd und doch vertraut.Und schließlich ist es natürlich die besondere Erzählperspektive, die Sylvie Schenk wählt: Es ist die zweite Person Singular – Du. Wie schon der Titel verrät, spricht die Erzählerin die Protagonistin mit Du an, und meint doch sich selbst. Ein Selbstgespräch, eine gewählte Halbdistanz, die, wie die Autorin im Gespräch verriet, nicht geplant war, sondern sich so ergeben hat, da alles andere falsch klang.Ihr gelingt mit „Schnell dein Leben“ ein ergreifender und nachhallender Blick auf diesen Augenblick, den wir Leben nennen.„Und ich habe euch alle erkannt, dich, Francine, Johann, Henri und weiter Menschen, die in Les Deux Pianos verkehrt hatten und die längst aus unserem Leben verschwunden waren (…). Der Regen, den wir zuerst alle jubelnd empfingen, wurde immer heftiger (…) und fühlte, wie dieser Regen in einen heftigen Sturm überging, sich zu einem Wirbelsturm erhob, sich zu einer Sintflut steigerte, und wusste, dass mein Leben, unser Leben, so kurz das Leben, zu Ende war.“

    Mehr
    • 2
  • Ein Leben in stark geraffter Form, schnell und präzise erzählt.

    Schnell, dein Leben

    lesestunden

    11. October 2016 um 21:56

    In gerade einmal 160 Seiten porträtiert Sylvie Schenk das Leben einer Frau mit einer klaren und präzisen Sprache und gerade diese stark geraffte Form mach dieses Buch zu etwas Besonderem. Auf so wenig Raum Gedanken, Gefühle, Wünsche und Zweifel, aber auch die Nachwirkungen des zweiten Weltkrieges auf das Leben einer Frau aus der Nachkriegsgeneration darzustellen, sind eine bemerkenswerte Leistung. Gleichzeitig konnte mich allerdings die Erzählperspektive, die negative Grundstimmung und das Thema nicht vollständig begeistern. Ein Buch, dass durchaus lesenswert ist, aber auch den Nerv beim Leser treffen muss.Ausführliche Rezension: http://www.lesestunden.de/2016/10/schnell-dein-leben-sylvie-schenk/

    Mehr
  • Ein starkes, eindrucksvolles Buch einer Frau, an deren Büchern ich nicht mehr vorbeigehen werde

    Schnell, dein Leben

    WinfriedStanzick

    18. August 2016 um 10:23

    Als ich während der Lektüre dieses Romans über die mir bis dahin unbekannte Autorin zu recherchieren begann und feststellte, dass „Schnell, dein Leben“ mitnichten ein literarisches Debüt ist, wie ich zunächst annahm, bedauerte ich es bald sehr, diese wunderbare Schriftstellerin nicht schon früher entdeckt zu haben. Acht Bücher hat sie, seit sie 1992 begann auf Deutsch zu schreiben, schon in verschiedenen Verlagen veröffentlicht.Nun veröffentlicht sie mit „Schnell, dein Leben“ einen autobiographisch geprägten Roman zum ersten Mal bei Hanser in München.Er erzählt die Geschichte ihres Alter Egos Louise, einer jungen Frau, die kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges in den französischen Alpen geboren wird, dort aufwächst und in einer großen Familie bald erfährt, dass es drei Kriege mit „den Deutschen“ gab und man sich vor ihnen in Acht nehmen sollte.Nach Abschluss ihres Abiturs erlauben es die Eltern, dass Louise nach Lyon zum Studium geht. Dort trifft sie auf den deutschen Austauschstudenten Johann, in den sie sich verliebt. Auch er ist in einer Stadt bei Frankfurt in wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsen in einem Klima des Schweigens und Verschweigens dessen, was doch noch nicht vergangen ist.Louise und Johann heiraten früh, sie geht mit ihm nach Deutschland und hat es schwer. Nicht nur mit der Sprache, sondern auch mit einer noch unbegriffenen Last, die über der Zukunft der beiden liegt. Als der aus Lyoner Zeiten gemeinsame Freund Henri, dem sie nach wie vor regelmäßig bei Bergwanderungen begegnen, Louise wohl auch aus persönlichen Motiven (seine Eltern sind als Partisanen umgekommen) unbestreitbare Beweise über Kriegsverbrechen vorlegt, an denen Johanns Vater beteiligt war, wird der Mantel des Schweigens so schwer, dass das junge Ehepaar, noch sprachlos, an der Vergangenheit zu ersticken droht.Wie es Louise schafft, damit umzugehen, die fremde Sprache zu lernen und bald schon sogar mit ihr ihren Schriftstellertraum zu verwirklichen, wie es ihr gelingt, mit Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit auch ihre in die Krise geratene Ehe und Familie zu retten, ist bewundernswert.Sylvie Schenk schreibt in der Du-Form, das heißt, sie redet das ganze schmale Buch über ihre Protagonistin und Alter Ego mit Du an. Was ihr die Möglichkeit zur Distanz und Kritik gibt, und dem Leser ermöglicht, zwischen der Autorin und ihrem hier wohl die Grundlage bildenden Leben zu differenzieren.Neben dem autobiographischen Zeugnis besticht das Buch aber auch durch seine feine Beobachtungsgabe über die Entwicklungen in Deutschland und  Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg und die vorsichtige Annäherung der beiden Länder nach dem Elyseevertrag zwischen de Gaulle und Adenauer.Bewegend war für mich, wie der alt gewordene und kranke Johann sich in späten Jahren öffnet, seiner Frau von seinen Kindheitserinnerungen erzählt, sein Schweigen bricht und so für das jahrzehntelang Unsagbare auch für sie endlich Worte findet. Erst in diesem Augenblick ist wirkliche und echte Nähe zwischen den noch immer sich Liebenden möglich.Ein starkes, eindrucksvolles Buch einer Frau, an deren Büchern ich nicht mehr vorbeigehen werde.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks