Der Boxer

von Szczepan Twardoch 
4,6 Sterne bei8 Bewertungen
Der Boxer
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Brutaler und schockierender Roman, mit ein paar Längen.

E

Düster, brutal und ungemein sprachgewaltig - ein Zeit- und Sittenbild des Warschaus der Zwischenkriegszeit

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Inhaltsangabe zu "Der Boxer"

Jakub Shapiro ist ein hoffnungsvoller junger Boxer und überhaupt sehr talentiert. Das erkennt auch der mächtige Warschauer Unterweltpate Kaplica, der Shapiro zu seinem Vertrauten macht. Doch rechte Putschpläne gegen die polnische Regierung bringen das Imperium Kaplicas in Bedrängnis; er kommt in Haft, als ihm ein politischer Mord angehängt wird. Im Schatten dieser Ereignisse bricht ein regelrechter Krieg der Unterwelt los. Jakub Shapiro muss die Dinge in die Hand nehmen: Er geht gegen Feinde wie Verräter vor, beginnt – aus Leidenschaft und Kalkül – eine fatale Affäre mit der Tochter des Staatsanwalts, muss zugleich seine Frau und Kinder vor dem anschwellenden Hass schützen – und nimmt immer mehr die Rolle des Paten ein.
Der Aufstieg eines Verbrecherhelden zwischen Gewalt, Eleganz und Laster, seine Verletzlichkeit als Jude im Vorkriegs-Warschau: 'Der Boxer' ist grandios angelegt und fast filmisch erzählt, ein Panorama mit Sportlern und Schurken, einem Mann mit zwei Gesichtern, glamourösen Huren und charismatischen Gangstern. Ein überragender, thrillerhafter Roman, der eine eruptive Epoche geradezu körperlich erlebbar macht.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783737100083
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:464 Seiten
Verlag:Rowohlt Berlin
Erscheinungsdatum:24.01.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    evaczykvor 21 Tagen
    Kurzmeinung: Düster, brutal und ungemein sprachgewaltig - ein Zeit- und Sittenbild des Warschaus der Zwischenkriegszeit
    Literarischer Faustschlag

    Rasant, genial geschrieben und ausgesprochen brutal - in seinem neuen Roman «Der Boxer» geht der polnische Schriftsteller Szczepan Twardoch über zahlreiche Leichen. Er zeichnet ein - ziemlich blutiges - Sittengemälde eines Gangsterlebens der Vorkriegszeit.

    Brachial, brutal, gewalttätig: Szczepan Twardochs neuer Roman «Der Boxer» ist Literatur noir mit einem schlagkräftigen Helden vom Kaliber eines Meyer Lansky. Denn der Jakub Shapiro, der Titelheld, ist nicht nur ein Boxer, er ist auch ein Gangster, die rechte Hand des «Paten» Kaplica. Der polnische Originaltitel des Buches ist «Der König» – und um zum König des kriminellen Warschaus aufzusteigen, ist Shapiro bereit, alles zu opfern.

    Twardoch schreibt über Machos und Gangster, Huren und prügelnde Kunden, über Zionisten und fromme Juden. Denn Shapiro, ein Jude, hat für den Paten das Sagen in den Straßen und Gassen des jüdischen Viertels, kassiert Schutzgeld auf dem Kerelec Markt, vollstreckt brutale Strafen, rächt aber auch misshandelte Prostituierte, die unter seinem Schutz stehen. Er ist einer, der im Maßanzug rumläuft, aber auch im armen Teil des jüdischen Warschau als «einer von uns» gesehen wird. Männer bewundern oder hassen ihn, und Frauen sind ihm nur zu gerne willig.

    In seiner Beschreibung des alten Muranow zeichnet Twardoch das Bild eines Warschaus, das im Zweiten Weltkrieg unterging, einer Stadt, in der Juden und Polen in zwei Welten lebten, die oft von gegenseitigem Misstrauen geprägt waren.Dieses alte Warschau existiert nicht mehr, aber für sein Gesellschaftsbild hat Twardoch sehr genau recherchiet.

    Der Großteil von "Der Boxer" spielt  im Jahr 1937 –  zwei Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg. Es war auch die Zeit, als in Polen die Nationaldemokraten das Sagen hatten mit einer Politik, die sozusagen "Polen first" zu ihrer Maxime machte - und Pole, das hieß nur katholisch. Die vielen ethnischen und religiösen Minderheiten , die in der Vorkriegsgesellschaft ein Drittel der Bevölkerung ausmachten, waren "die anderen".

    In «Der Boxer» wird daher nicht nur flaschenweise Wodka getrunken und gekokst, geprügelt und gemordet – es geht auch um den 1937 eingeführten Numerus Clausus für jüdische Studenten an polnischen Hochschulen, um die sogenannten Ghetto-Bänke in Hörsälen. Die Frage der Emigration nach Palästina stellt sich auch für Shapiro – sein jüngerer Bruder, ein Zionist, drängt ihn ebenso, Polen zu verlassen, wie seine Frau Emilia. Seine ehemalige Geliebte dagegen, die Bordellschefin Ryfka, versucht ihm den Gedanken auszureden.
    Das Politische und das Persönliche vermischen sich für den Boxer zu einem Durcheinander, das zu einem Strudel der Gewalt führt. Denn sein im letzten großen Kampf im Ring bezwungener Gegner gehört zu den Kämpfern der extremen Rechten, dessen Vater, ein führender Staatsanwalt, gegen den «Paten» und Shapiro kämpft. Und dann ist da noch Anna, die Schwester des Kontrahenten, die sich Shapiro als Liebhaber nimmt, um den verhassten Vater zu provozieren.

    All das wäre schon temporeich, dramatisch und aktionsgeladen genug, um Leser zu fesseln. Doch Twardoch führt seine Leser auch noch mit seiner Erzählweise in die Irre. Wenn sein Ich-Erzähler Rückschau auf die Vergangenheit des Jahres 1937 hält, scheint der Verlauf der Erzählung eigentlich ganz klar zu sein.Und es gibt noch so manchen dramaturgischen Überraschungsmoment, den ich hier nicht verraten will.

    Die Sprache des Buchs ist ziemlich genial, da werden Bilder gezeichnet, die Teils an die Bilder von Marc Chagall erinnern und teils an die Filme von Tarrantino.Es liegt nicht allein am Gangstermilieu, dass das Blut manchmal von den Buchseiten zu triefen scheint. Sicher kein Buch für allzu sensible Gemüter, aber sehr kraftvoll, bildstark und eindringlich.

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    Livricieuxs avatar
    Livricieuxvor 4 Monaten
    schonungslos und ehrlich

    »Was willst du denn eigentlich?«
    Er hörte auf zu lachen. Schwieg einen Augenblick.
    »Ich will König dieser Stadt sein«, antwortete er langsam und überlegt, sprach jedes einzelne Wort sorgfältig aus. »Und ich werde König dieser Stadt sein.«
    – S. 66

    Im März wurde ich durch den Literatur Club von SRF auf das neue Buch von Szczepan Twardoch, Der Boxer aufmerksam. Ich war so fasziniert von der hitzigen Diskussion und dem geschichtlichen Thema des Buches, dass ich noch am gleichen Abend einen Onlineeinkauf tätigte. Und nun eine ganze Weile und diverse Lesepausen später bin ich durch mit dem Buch und hin und her gerissen, zwischen gut und schlecht, einem schonungslosen Erzähler und unerwarteten Plottwists.

    Mit den Worten »Ich heiße Mojźesz Bernstein, bin siebzehn Jahre alt und ich bin kein Mensch, ich bin ein Nichts…« beginnt die Geschichte. Wir befinden uns in Tel Aviv in einer stickigen Wohnung und ein alter Mann sitzt an der Schreibmaschine und erinnert sich an seine Jugend.
    Er denkt sich zurück nach Polen ins Jahr 1937 und wie er den Boxer Jakub Shapiro kennen lernt. Dieses erste Treffen ist jedoch kein erfreuliches, Shapiro kommt nämlich im Auftrag des Paten Kaplica, weil Mojźesz‘ Vater das Schutzgeld nicht bezahlen kann. So ändert sich an jenem Tag für den Jungen alles, sein Vater stirbt auf grausame Weise, er selbst verlässt seine Familie und wird vom Boxer in dessen Familie aufgenommen. Auf diese Weise kommt der Sohn eines frommen Juden in ein kriminelles Milieu, in dem er sich vielen Formen von Gewalt gegenüber sieht, dem gnadenlosen Eintreiber von Schutzgeld, Schlägertruppen bei politischen Demonstartionen, prügelnde Ehemänner und Freier. Die Warschauer Unterwelt ist gnadenlos und nur der Stärkste überlebt.

    »An dem Tag, an dem wir Marylka gerächt haben, müssen wir noch in eine weitere Wohnung eindringen, das Rad des Todes weiterdrehen, Gewalt säen und Gewalt ernten, wie beim Boxen, du steckst einen Schlag ein, gibst zurück, isst und wirst gefressen, du stammst von Gott und kehrst zu Gott zurück, du kommst aus der Erde und wirst zu Erde, wenn dich die Mikroben fressen, das ist Gewalt, alles ist Gewalt…« – S. 213

    Mojźesz nimmt uns nun mit in eine Welt die von Gewalt und Unterdrückung regiert wird, zeichnet mit schonungslosen Worten Gut und Böse, Sozialisten und Nationalisten, Polen und Juden.
    Den Paten Kaplica, der sein Viertel mit eiserner Hand regiert, seine Freunde unterstützt und all jene gnadenlos und brutal abstraft, die ihn verärgern.
    Den in vielerlei Hinsicht begabten Boxer Shapiro, Kaplicas rechte Hand und Frauentyp, der optisch etwas hermacht und sich zu unabhängigen Frauen hingezogen fühlt. Zu Emilia, mit der er in wilder Ehe lebt, zur Bodellbesitzerin Ryfka, mit der er eine wilde Vergangenheit teilt, aber auch zur Polin Anna, der Tochter und Schwester seiner grössten Feinde.
    Den Doktor Radziwilek, Kaplicas undurchsichtigen Stellvertreter, der sich nur ungern seine Finger schmutzig macht und seine ganz eigenen Pläne verfolgt.
    In seiner Erzählung stockt Mojźesz Bernstein immer wieder, überdenkt seine eigenen Erinnerungen und misstraut ihnen gar. Er stellt sich immer wieder die Frage nach seiner Identität, wie bereits zu Beginn, fragt sich, ob er noch der selbe Mensch sei, wie damals.
    Etwas gar merkwürdig anmuten mag das Bild des singenden Pottwals, der über den Warschauer Strassen schwebt, nur vom Erzähler wahrgenommen wird und Zweifel an dessen Ehrlichkeit aufkommen lassen.


    Die vollständige Rezension kann auf meinem Blog Livricieux gelesen werden. 

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    Pagina86s avatar
    Pagina86vor 10 Tagen
    Kurzmeinung: Brutaler und schockierender Roman, mit ein paar Längen.
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    Gulans avatar
    Gulanvor einem Monat
    Kurzmeinung: Epos über die Warschauer Unterwelt und Politik, Juden und Polen, 1937. Brutal und schonungslos. Ein Kampf ums Überleben. Schwächen am Ende.
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    A
    Angel10vor 3 Monaten
    sabotage65s avatar
    sabotage65vor 6 Monaten
    L
    Liesellavor 7 Monaten
    PrinceXLs avatar
    PrinceXLvor 9 Monaten

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    Pressestimmen

    Der neue Shootingstar des Literaturbetriebs. Er kann, was nur wenige können, nämlich ordentlich zupacken. Seine Bücher sind derb und sinnlich und hochgradig politisch zugleich. Seine Bücher sind Reißer, und er schafft es trotzdem, seinen Helden ein von den großen philosophischen Fragen gequältes Herz einzupflanzen.

    Twardoch kann verschiedene Sachen sehr, sehr gut: Er kann actionreich erzählen, er kennt sich in der Genre-Literatur aus, es ist packend und mitreißend, er widmet sich den großen Verheerungen des 20. Jahrhunderts, und er tut das auf eine absolut spielerische und unbefangene Art und Weise.

    Bravouröse Romanphantasie über die polnisch-jüdische Unterwelt der Zwischenkriegszeit. hochspannend.

    Twardochs Darstellungen der einzelnen Figuren, Stimmungen und politischen Strömungen sind präzise, bildhaft und ekstatisch, ja dem Wahn nahe. Twardoch bleibt sich stilistisch treu und hat nun schon den dritten außergewöhnlichen und exzellenten Roman in Folge geschrieben.

    Mit Szczepan Twardoch ist Polen zurück auf der Bühne der Weltliteratur.

    Twardoch überzeugt mit packenden Dialogen, kompositorischer Finesse, mit einem Spannungsbogen, der bis ans Ende trägt, und einer verstörenden Geschichte.

    Grossartige Literatur, ein Fest der Sprache, ein Tanz auf dem Vulkan, ein raffiniertes Spiel mit der Erzählperspektive, eine Galerie farbiger, stark konturierter Figuren.

    Ein wildes Buch, ein verrücktes und ein weises Buch, ein Buch aber auch voller Grausamkeiten, denn es handelt von Boxern, Gangstern und Monstern. Es hat also alles, was man von einem guten, einem sehr guten Roman erwarten kann.

    Der Boxer ist ein kühner Wurf, wuchtig, zuweilen surreal, eine Mischung aus Historienroman und Krimi noir, vielschichtig, intensiv und verstörend. Twardoch ist einer der faszinierendsten und aufregendsten Erzähler unserer Zeit.

    Ein großes Lesevergnügen. Der besonderen Aura dieses raffiniert konstruierten und sprachlich virtuosen Buchs kann man sich kaum entziehen.

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