Szilárd Borbély Kafkas Sohn

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Inhaltsangabe zu „Kafkas Sohn“ von Szilárd Borbély

Szilárd Borbély, dessen Romandebüt Die Mittellosen in Ungarn, Deutschland und vielen anderen Ländern ein literarisches Ereignis war, wollte seinen nächsten großen erzählerischen Text Franz Kafka widmen. Die Sammlung von Bruchstücken, aus dem Nachlass veröffentlicht, ursprünglich zur Publikation bestimmt, bezieht ihre Intensität aus der leidenschaftlichen Suche des Autors nach sich selbst und der eigenen Stimme. Ein Essay über die Bedeutung Kafkas in der ungarischen Gegenwartsliteratur im Allgemeinen und im Werk Szilárd Borbélys im Besonderen ergänzt den Band.  Kafkas Sohn, das ist ein junger ungarischer Schriftsteller, der lernt, im Schreiben seine Heimat zu finden. Die Sprache nennt er einen Friedhof, der sich die Toten einverleibt; er will Geschichten schreiben, die »meine eigenen Spuren, die ich zwischen den Wörtern zurücklassen könnte, auslöschen«. Kafka als Bruder, als Projektionsfigur, als Lehrer, als Erzähler, als Mensch der Verzweiflung, der Krankheit, der unglücklichen Liebe. Borbély nimmt Kafkas »Brief an den Vater« als Folie, sich mit der eigenen Vaterbeziehung auseinanderzusetzen. Die Prosastücke, formal hier und da an jüdische Geschichten und Legenden angelehnt, passagenweise an Kertész’ Galeerentagebuch erinnernd, sind Selbstbekenntnis und Vermächtnis in einem.
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  • ‚Dieser Roman spielt in Osteuropa. In Wirklichkeit ist es gar kein Roman und spielt auch nirgendwo.'

    Kafkas Sohn
    sabatayn76

    sabatayn76

    07. September 2017 um 15:34

    ‚Dieser Roman spielt in Osteuropa. In Wirklichkeit ist es gar kein Roman und spielt auch nirgendwo. Er erzählt keine Ereignisse, wie ein Roman sonst Geschichten erzählt, er möchte ihm nur ähneln. In Wirklichkeit erzählt er vom Reisen. Vom Reisen Kafkas, der mit Kafka nicht identisch ist. Das heißt, vom Bleiben an ein und demselben Fleck, ohne dass das Reisen seinen Sinn verlöre. In Wirklichkeit erzählt er nicht von Franz Kafka, dem Sohn Kafkas, sondern vielmehr vom Vater. Das heißt von Kafkas Vater, dem gefürchteten Hermann Kafka.‘ Ich war letztes Jahr restlos begeistert von Szilárd Borbélys Debütroman ‚Die Mittellosen‘, der 2013 im ungarischen Original und im Herbst 2014 in deutscher Übersetzung erschienen ist. Den Erscheinungstermin in Deutschland und den internationalen Erfolg seines Romans hat Borbély, der vom Literaturnobelpreisträger Imre Kertész ‚der vielversprechendste und verlorenste ungarische Dichter‘ genannt wurde, nicht mehr erlebt, denn im Februar 2014 hat sich Borbély suizidiert. Bei ‚Kafkas Sohn‘ handelt es sich um ein Romanfragment aus dem Nachlass. Ich empfand das Buch als sehr unfertig, bruchstückhaft und kaleidoskopartig, so dass mir ‚Kafkas Sohn‘ bisweilen unverständlich blieb, und ich das Gelesene zum Teil sehr verwirrend fand. Auch wenn ich mit dem Fragment an sich schlecht zurecht gekommen bin, haben mich einzelne Passagen ähnlich begeistert wie ‚Die Mittellosen‘, da die Sprache sehr anspruchsvoll und poetisch ist, und der Autor sehr eindrücklich seine Geschichte erzählt. So geht es im Buch z.B. vom Leben in einer Diktatur und in Elend, um Antisemitismus und Ausgrenzung, von der Beziehung zwischen Vätern und Söhnen. Genau wie ‚Die Mittellosen‘ empfand ich ‚Kafkas Sohn‘ als sehr düster und unheilvoll, und die detaillierten Schilderungen, z.B. die der Gänsezucht und der Stopfleber, ebenso beunruhigend wie beeindruckend genau beobachtet und beschrieben. Zwar empfand ich persönlich ‚Kafkas Sohn‘ als formal eher schwer zugänglich, aber nichtsdestotrotz blitzt auf jeder Seite Borbélys Talent durch, so dass ich beim Lesen große Lust auf eine erneute Lektüre seines Debütromans verspürt habe.

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