Téa Obreht Die Tigerfrau

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Inhaltsangabe zu „Die Tigerfrau“ von Téa Obreht

Unvergessliche Figuren und erzählerische Virtuosität

Natalia arbeitet in einem Waisenhaus irgendwo in Südosteuropa, als sie vom rätselhaften Tod ihres geliebten Großvaters erfährt. Nach Erklärungen suchend, erinnert sich die junge Ärztin an jene Geschichten aus seinem Leben, die sich um zwei seltsame, fatale Gestalten drehen – die Tigerfrau, eine schöne Taubstumme in seinem Heimatdorf, die einen geflüchteten Tiger pflegte; und einen charmanten, obskuren Mann, der nicht sterben kann. Während Natalia auf den Spuren des Großvaters durch idyllische und kriegsverwüstete Landschaften reist, werden ihr diese Figuren immer gegenwärtiger. Bald entspinnt sich ein ganzer Kosmos an Mythen und Gestalten, und Natalia begreift, welche Wahrheit über die Lebensrätsel ihrer Familie und ihre versehrte Heimat in ihnen steckt …

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  • Märchenhaft gut gelesen

    Die Tigerfrau

    Gruenente

    13. April 2013 um 14:13

    Ein junge Ärztin fährt mit Medikamenten über die Grenze zwischen zwei osteuropäischen Staaten, die kurz vorher noch im Krieg untereinander standen. Der Krieg ist in den Ländern auch noch in den Köpfen aller Menschen enthalten. Und damit auch der Tod, der zum Teil von Mythen begleitet wird. Wie zum Beispiel vom Mura (ich weiss nicht genau ob das so richtig geschrieben ist), der die Toten von einer Strassenkreuzung in das Totenreich begleitet, oder die 40 Tage, in denen man das Hab und Gut des Toten nicht antasten sollte. Der Tod begleitet auch Natalia, denn Ihr Großvater stirbt, ein Mann der Ihr Leben sehr geprägt hat. Er und seine Geschichten zum Beispiel über den Mann der nicht sterben konnte und über die Tigerfrau. Einer Ausgestossenen, die auch durch eine seltsame Freundschaft nicht gerettet werden konnte. Das Buch ist etwas Märchenhaft, realistisch, traurig, lustig und wunderschön. Und vor allem wunderbar vorgelesen, sehr lebendig und einfühlsam.

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  • Lesenswert!

    Die Tigerfrau

    gst

    07. April 2013 um 21:15

    Dieses Buch ist ein sprachgewaltiger Edelstein! Wenn ich mir überlege, welchen Büchern ich bisher fünf Sterne zugestand - Büchern, die mir wirklich gefielen! - dann reichen die fünf möglichen Sterne hier nicht. Die Autorin ist eine wahrhaft begnadete Erzählerin. Ich fühlte mich beim Eintauchen in dieses Buch wie bei einem Geschichtenerzähler auf einem orientalischen Bazar. Aber von vorne: Als Natalia Stefanovic vom Tod ihres geliebten Großvaters erfährt, ist sie als Ärztin gerade zu einem Waisenhaus unterwegs. Auch wenn die Namen der Städte fiktiv sind, ist doch unschwer zu erkennen, dass die ganze Geschichte im ehemaligen Jugoslawien angesiedelt ist. Da ist die Rede vom Krieg, von neuen Grenzen, vom Meer und von Weinbergen. Und im Mittelpunkt stehen die Erinnerungen an den Großvater, zu dem sie ein sehr inniges Verhältnis hatte. Zwei wichtige Erlebnisse prägten sein Leben: die Bekanntschaft mit der Tigerfrau und diverse Treffen mit einem Mann, der nicht sterben kann. Wobei ich diese Treffen mehr als Gleichnisse auffasse. Das ganze Buch ist durchwebt von Legenden und Aberglauben. Was mich am meisten beeindruckte, war die Kunst der Beschreibungen, egal ob es sich um Geschehnisse oder Personen handelt. Wie beispielsweise auf Seite 206: "In dem schuldbewussten Blick, mit dem er uns jetzt ansah, konnte ich den Jungen von damals erkennen ... Dies, zusammen mit seinen großen Füßen, den jäh zur Hühnerbrust auf dem Schmerbauch hin abfallenden Schultern, verlieh ihm irritierende Ähnlichkeit mit einem überdimensionierten Pinguin." Natalias Erinnerungen nehmen uns mit in unterschiedliche Zeiten und zu unterschieden Orten - ohne dass uns als Leser das wirklich bewusst wird. Kein Wunder, dass die Autorin Tea Olbreht (1985 in Belgrad geboren) in den USA (wo sie seit ihrem zwölften Lebensjahr lebt) als ganz großes Talent gefeiert wird! Dank der Übersetzerin Bettina Abarbanell können wir diesen Bestseller nun auch auf Deutsch genießen.

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  • Rezension zu "Die Tigerfrau" von Téa Obreht

    Die Tigerfrau

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    16. July 2012 um 06:07

    Natalias Großvater ist verstorben. Der selbe Großvater, der sie als Kind in den Zoo zu den Tigern mitnahm. Der selbe Großvater, der ihr Geschichten erzählte, von der Tigerfrau und dem Mann der nicht sterben konnte. Und nun wird seine Leiche an die Familie geliefert, doch ohne seine persönlichen Besitztümer. Also schickt Natalias Großmutter sie auf die Suche nach den Dingen, die er bei sich trug, was nicht einfach ist, denn dort wo früher ein Land war sind nun Vorurteile und Feindschaften, denen Natalia machtlos gegenüber steht. Dieses Buch ist eines auf das man sich einlassen muss. Denn leicht macht es die Tigerfrau dem Leser nicht. Man wird hin und her gerissen zwischen Fetzen einer Geschichte ist mal an Natalias Seite, mal an der ihres Großvaters, mal in dessen Fantasie. So verliert man den Faden wieder und wieder, sammelt ihn auf, verschließt ihn in der Faust und er entgleitet einem doch wieder. Bis man aufgibt, die Geschichte nicht mehr zu kontrollieren versucht und sich treiben lässt. Ab diesem Punkt entfaltet die Tigerfrau ihre Magie. Denn wer dieses Buch in eine Schublade zu stecken versucht, wird daran verzweifeln. Nur der Genießer, der Abenteurer, wird den Schlüssel zum Text entdecken. Ich selbst brauchte eine Weile, bis ich verstand was die Juroren des Orange Preises und so viele andere Leser vor mir nun so besonderes finden an diesem Buch, das sich weigert kategorisiert zu werden und dem chronologischen Aufbau keck die Zunge heraus streckt. Doch dann verfällt man dem Großvater und der Magie seiner Geschichten, die er so gekonnt mit der Wirklichkeit verflicht, das es sich hier fast um magischen Realismus handeln könnte. Demnach erzählt Téa Obreht in beeindruckenden Sprachbildern von der Geschichte eines Krieges, der Zerrissenheit eines Landes und den Menschen die darin leben, sich aber plötzlich nicht mehr kennen wollen. Wer die Tigerfrau noch nicht aus ihrem Käfig gelassen hat, sollte dies sobald als möglich tun. Denn dieses Buch ist unbeschreiblich und muss erlebt werden. Eine Zwiebel von einem Roman, der sich für jeden lohnt, der bereit ist sich durch die trockenen, tränenden Schichten zu schälen, bis zum süßen Kern.

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  • Rezension zu "Die Tigerfrau" von Téa Obreht

    Die Tigerfrau

    ChaosQueen13

    15. April 2012 um 14:39

    Die junge Ärztin ist mit ihrer Jugendfreundin auf dem Weg in ein Waisenhaus um dort Kinder zu untersuchen. Natalias Großvater, der auch Arzt war, ist gerade gestorben und sie steht im ständigen telefonischen Kontakt mit der Familie. Während dessen läuft das Leben ihres Großvaters an ihr vorüber und sie erinnert sich an viele seltsame Geschichten, die der Großvater nur Natalia erzählt hat. Die Geschichte über das Leben des Großvaters findet im ehemaligen Jugoslawien statt, hier ist die Rede vom Krieg. Natalia durchlebt was ihr geliebter Großvater, als Kind schon so alles widerfahren ist bis hin zu seinem Erwachsen sein. Zwei wichtige Episoden im Leben des Großvaters sind die Begegnungen mit der Tigerfrau und dem Mann der nicht streben kann. Teilweise hat Natalia Schwierigkeiten bei der Reise in die Vergangenheit ihres Großvaters zwischen Gewesenem und Wirklichkeit zu unterscheiden. Ist unglaublich interessant und zum Teil sehr temperamentvoll von den Sprechern Rike Schmid und Stephan Benson erzählt.

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