T. C. Boyle América

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Inhaltsangabe zu „América“ von T. C. Boyle

Zwei Welten, die sich fremder nicht sein könnten: hier América und Cándido, illegale Einwanderer aus Mexiko, dort das Ehepaar Mossbacher – liberale, umwelt- und ernährungsbewußte Angloamerikaner in Los Angeles. Der Zusammenstoß Cándidos mit Delaney Mossbachers wachsgepflegtem Auto ist ein wortwörtlicher: Cándido, auf dem Weg zur Arbeit, rennt Delaney direkt vor die Haube und wird schwer verletzt. Da die Schuldfrage sich nicht klären läßt und der Mexikaner offenbar kein Englisch kann, drückt Delaney ihm eine 20-Dollar-Note in die Hand. Delaney sieht seine geschützte Welt zunehmend bedroht: Kojoten dringen in das Grundstück ein und töten die kleinen Hunde, dunkelhäutige, verdächtige Gestalten lungern herum, wo er seine Wanderungen macht. Jenseits der eleganten Villensiedlung, tief unten im Topanga Canyon, hausen Cándido und América wie die Tiere. Sie versuchen ihr Glück auf dem illegalen Sklavenmarkt – verfolgt von der Immigrantenpolizei, vom Hunger, von der Verachtung der Weißen, von der Bösartigkeit der eigenen Landsleute.

Zwanzig Jahre alt und trotzdem hochaktuell

— Lilith79
Lilith79

Aufgrund der Flüchtlingsthematik in der EU hochaktueller Roman, der die Labilität vermeintlich liberaler Positionen problematisiert.

— schmives
schmives

Zeitlos brisant. Ein großartiges Buch mit immer noch aktueller Problematik.

— ulrikerabe
ulrikerabe

1995 geschrieben und doch topaktuell. Es geht um Flüchtlinge, die in den USA auf ein bessere Leben hoffen. Beeindruckend und mitreissend!

— TanyBee
TanyBee

Sehr präzise Gesellschaftsanalyse/-kritik, mitreißende Schicksale und ein Thema, das aktueller ist denn je. Große Literatur.

— Christian_Woehl
Christian_Woehl

Erschütternd

— Elsa_Rieger
Elsa_Rieger

Über das Elend von Einwanderern. Großartig sowie zeitlos ge- und beschrieben.

— Alira
Alira

...das Leben kann ganz schön Hart sein. Sehr bewegendes Buch!

— Karin1970
Karin1970

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  • Bissige Gesellschaftskritik, die nichts an Aktualität verloren hat

    América
    Lilith79

    Lilith79

    04. September 2017 um 21:47

    "América" (im Original "The Tortilla Curtain") von T.C. Boyle ist ein gesellschaftskritischer Roman von 1996, der aber genauso gut 2016 oder 2017 geschrieben sein könnte, denn er hat nichts von seiner Aktualität verloren. Der Roman spielt im Kalifornien der 90er Jahre und liest sich fast wie eine groteske griechische Tragödie, an der allerdings nichts unrealistisch ist. Am Anfang des Romans treffen zwei Welten aufeinander. Delaney Mossbacher, der mit seiner Frau, seinem Sohn, 2 Hunden und einer Katze in einem exklusiven Wohngebiet in den Hügeln oberhalb von Los Angeles lebt, ist ganz selbsternannter Naturmensch, er verdient sein Geld damit in den Canyons von Kalifornien umherzuwandern und in Naturzeitschriften Kolumnen über Flora und Fauna zu schreiben (den tatsächlichen Lebensunterhalt der Familie verdient zum Glück seine Frau, die als Maklerin 6 Tage die Woche 10 Stunden arbeitet). Delaney liebt die Natur direkt vor der Haustür, zumindest solange bis Koyoten die Haustierpopulation der Mossbachers empfindlich dezimieren. Als wäre das nicht schlimm genug, fährt Delaney Mossbacher auf der Heimfahrt auf der Canyon Straße auch noch einen Mann an, einen offenbar illegalen mexikanischen Einwanderer (der den Vorschlag einen Arzt zu rufen vehement ablehnt) und von Delaney trotz schwerer Verletzungen im Eifer des Gefechts mit 20 Dollar "Schmerzensgeld" abgefertigt wird. Diese Szene ist der Einstieg des Buches und legt den Grundstein für einen Strudel an Ereignissen, der immer abwechselnd aus Sicht von Delaney und Cándido (dem Unfallopfer) erzählt wird. Cándido ist das genaue Gegenteil von den Mossbachers, er ist mit seiner jungen schwangeren 17-jährigen Freundin América aus Mexiko in die USA gekommen, um Geld zu verdienen. Statt großer Träume von einem eigenen Haus finden die beiden sich in einem behelfsmäßigen selbstgebastelten Lager im Canyon wieder und anstatt Arbeit (mit einem Stundenlohn von 3-4 Dollar) zu finden, versucht Candido von seinen Verletzungen zu genesen, während América sich auf Arbeitssuche macht. Ab diesem Zeitpunkt geht es für Delaney und Candido quasi nur noch bergab und die Ereignisse eskalieren immer schneller und schlimmer, bis zum dramatischen Finale...trotz der harten Kost liest sich der Roman dank der ironischen und bissigen Erzählweise nie zu deprimierend, dabei ist er auch noch hochspannend und eine hervorragende Analyse der heutigen Gesellschaft und Trumps USA, die sich aber auch problemlos auf unsere eigene Gesellschaft übertragen lässt und verdeutlich was passiert, wenn Leute nur noch angstgetrieben agieren und reagieren.

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  • Aktueller den je!

    América
    ulrikerabe

    ulrikerabe

    14. August 2017 um 08:22

    America ist ein Buch der Gegensätze. Delaney und Kyra Mossbacher leben in einer Wohnsiedlung bei Los Angeles, sie karrierebewusste Maklerin, er Journalist und Hausmann. Das gute Leben mit ihren moralisch hochgesteckten Werten wird grotesk konterkariert, als Delaney eines Tages einen Mexikaner mit dem Auto anfährt und verletzt. Candido ist illegal in den USA, mit seiner schwangeren Frau America haust er an Lagerplätzen im Canyon. Gelegenheitsjob halten sie über Wasser, immer in Angst vor Polizei und La Migra.Und plötzlich sind die Mossbachers und ihre Nachbarn konfrontiert mit der hässlichen Seite des Lebens. Zunächst werden die Tore bewacht, die Zäune höher, bis eine Mauer errichtet wird um die hübsche Wohnsiedlung., das Fremde, und somit das Böse wird ausgesperrt, selbst isoliert in der Wohlstandsblase.Das Buch ist von zeitloser Brisanz, schon vor 20 Jahren hat T.C.Boyle diesen Roman verfasst. Aktueller denn je ist er durch den Mauerbau Trumps zur mexikanischen Grenze, aber auch die heutige Flüchtliingssituation in Europa. Angeblich wurde der Roman in den USA sogar zur Schullektüre, ob dies heute unter Trump noch immer so ist, möchte ich leise anzweifeln.Die Situation der illegalen Einwanderer, gezeigt am Beispiel Candidos und Americas, wird sich heute von damals kaum unterscheiden. Ebenso wenig wie es verwöhnte weiße Kinder gibt, denen es an nichts mangelt und die zu grausliche Rassisten werden einfach weil sie es können. Moralisten in ihrem selbstgerechten Zorn, wenn Hündchen in der Hitze leiden, haben keine Skrupel, einen verletzten Illegalen verletzt im Straßengraben mit ein paar Dollars abzuspeisen. Mich hat skurrilerweise der Werdegang des mexikanischen Paares ein wenig an die Herbergssuche erinnert.Auch wenn das Buch keine Lösung für das Problem der Einwanderung bietet, sollte Armut, ganz egal woher sie auch kommt, niemals mit sicherheitspolitischen Mitteln bekämpft werden, es ist immer eine Frage der Sozialpolitik. Und für eine gelungene Sozialpolitik braucht es (Herzens)Bildung. Dieser Denkansatz hat mich während des Lesens begleitet. Also lest dieses Buch, alleine, im Unterricht, egal. Es ist es wert.

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  • Buchraettins SuB-Aufbau mit Niveau - Leserunde zu "América" von T. C. Boyle

    América
    aba

    aba

    Und es geht weiter mit Buchraettins Leserunden im Rahmen ihres "SuB-Aufbaus mit Niveau".

    Ganz schön verspätet lesen wir im April "América" von T.C. Boyle.

    Jede/r, die/der mitmachen möchte, ist herzlich willkommen!

    Ich wünsche uns viel Spaß!

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  • Rezension zu "América" von T. C. Boyle

    América
    aba

    aba

    03. May 2017 um 18:51

    Die Sache mit den MexikanernTrump hat es geschafft, die Popularität der Mexikaner auf einen absoluten Höhepunkt zu steigern. Wenn es irgendwo auf der Welt eine Ecke gab, in der Menschen nichts von der Existenz dieses Volkes wussten, werden sie spätestens über sie erfahren haben, als Trump den Bau der Mauer angekündigt hat, um die Mexikaner fern von seinem Land zu halten.Vor mehr als 20 Jahren hat T. C. Boyle schon dafür gesorgt, dass interessierte Leser erfahren, was Sache ist mit diesen berüchtigten Mexikanern. In seinem Buch "América" (Originaltitel "The Tortilla Curtain") beschreibt er das Schicksal illegaler mexikanischer Einwanderer. Cándido und seine schwangere Frau América hat er als Beispiel dafür genommen, um eine Geschichte zu erzählen, die, auch wenn sie alles andere als neu ist, die in den USA illegal lebenden Mexikaner in ein neues Licht stellt. Natürlich gibt Boyle die Sicht der Widersacher wieder, mit ihren großen Häusern und glänzenden Autos, die natürlich von den Mexikanern verteidigt werden müssen. Dafür werden, wenn es notwendig ist, wie selbstverständlich illegale mexikanische - natürlich billige - Arbeitskräfte eingesetzt. In seinem Buch stellt Boyle also eine komplett verkehrte Welt vor. Er erzählt aus unterschiedlichen Perspektiven, lässt Probleme entstehen und macht Konflikte verständlich, liefert aber keine Antworten oder Lösungen, sondern eine komplexe Thematik zum Nachdenken.Dieses Buch, das mittlerweile Schullektüre in den USA ist, scheint geschrieben worden zu sein, um die Augen der Leser für eine Problematik zu öffnen, die kein Ende zu haben scheint. Bestimmt auch nicht nach der Errichtung sinnloser Mauer.Von der ersten Seite an hat mich "América" gefesselt, mich teilweise mit harten Tatsachen geschockt, und dann, als ich dachte, schlimmer könnte es nicht werden, war ich schon auf der letzten Seite angelangt, die mich eines Besseren belehrt und konsterniert hinterlassen hat.Ich freue mich sehr, dieses Buch gelesen zu haben, aus meiner Sicht, zum richtigen Zeitpunkt.Auch wenn ich eine gewisse emotionale Erschöpfung am Ende gespürt habe, hat sich für mich die Lektüre sehr gelohnt. Nicht nur die Leseerfahrung hat mich befriedigt, die Geschichte von Cándido und América selber hat mich sehr beschäftigt, denn auch wenn sie fiktive Romanfiguren sind, stehen sie für eine ganze Gruppe real existierender Menschen da. Und das kann keinen Leser unberührt lassen...

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  • Genial

    América
    WildRose

    WildRose

    16. March 2017 um 22:35

    "América" war mein erster Roman von T.C. Boyle und es wird nicht meine letzte Lektüre von ihm bleiben! Das Buch hat mich voll überzeugt; ich fand es literarisch sehr ansprechend und darüber hinaus auch inhaltlich spannend und von trauriger Aktualität. Über den Inhalt möchte ich nicht allzu viel verraten; im Grunde genommen geht es um das Zusammenpraller zweier Welten; bei den Protagonisten handelt es sich einerseits um ein junges, illegal in die USA eingewandertes Paar aus Mexiko, andererseits um ein - scheinbar - liberales - amerikanisches Ehepaar. Das Buch beleuchtet auf sehr eindringliche und doch nie ins Kitschige abdriftende Weise das Leben und die Probleme illegaler Einwanderer und wirft Fragen auf, die auch den Leser auf die Probe stellen, denn - wie tolerant und weltoffen sind wir wirklich? Wo hört unsere Akzeptanz anderer auf? Wie gehen wir allgemein mit Einwanderern um? Ein sehr kluges, literarisch anspruchsvolles und doch kurzweiliges Werk über ein brisantes aktuelles Thema. Klare Empfehlung!

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  • Uralt aber derzeit topaktuell! Die rassistische Fratze Amerikas

    América
    awogfli

    awogfli

    28. February 2017 um 15:55

    Was ist das eigentlich mit mir und T.C. Boyle, dass es nahezu keinen Roman gibt, der mich gänzlich von den Socken reisst und mich restlos begeistert? Gut dieses Buch ist gut - ok was sage ich - es ist sogar sehr gut, aber irgendwas ist immer, sodass ich erst einmal wirklich vollen Herzens 5 Punkte vergeben konnte. Diesmal bin ich irgendwo bei 4,5 und runde wohlwollend auf. Es fing ganz wunderbar an: Ganz Boyle untypisch sparte sich der Autor das ewige Herumgelabere warf den Leser mitten in die Geschichte - in zwei Welten oben und unten, arm und reich, Amerikaner und Mexikaner abwechselnd beschrieben. America, auch the Tortilla Curtain, habe ich ganz bewußt heuer aus meinem SUB gezogen, denn in Anbetracht der Tatsache, was sich gerade mit Donald Trump in Amerika an Rassismus gegen die Mexikaner abspielt, ist dieses Werk sicher grade topaktuell. Dabei fiel mir auf, dass der Roman eigentlich vor 22 Jahren als überspannte Satire mit auf die Spitze getriebenen klischeehaften Archetypen geplant war. Leider hat die Realität die Satire schon längst überholt. Die ehemals bürgerliche grüne Linke ist in die Jahre gekommen und hat sich schleichend von grün zu braun (und das meine ich wie es hier steht) entwickelt - ist somit faulig geworden. Mit den Tieren hat man noch immer vollstes Mitleid und Verständnis, und lebt unter ihnen ohne Furcht auch wenn die wilden Coyoten einem zwei Hunde töten, der Fremde an der Ecke ist aber gefährlich gehört ausgesperrt, vernichtet und nötigenfalls nihiliert. Ein Menschenleben zählt nix ein Tierleben umso mehr, deshalb fordert man auch, völlig alle Relationen verlierend, vehement die Todesstrafe für Carnivoren und andere, die Tiere aus welchen Gründen auch immer töten. Diese BOBOS  - ja es gibt   diesen Typus bereits zu Hauf auch bei uns und eine Bezeichnung wurde auch gleich kreiert - bevölkern in Wien bereits mehrere Bezirke - wollen in schöne Ecken ziehen auch aufs Land und sobald sie dort sind, agitieren sie gegen alle anderen und sperren sie aus. Dies ist auch die perfekte Analogie zum Roman. Man hat viel Geld, lebt nachhaltig und zeigt überheblich mit seinem Lebensstil und dem moralischen Zeigefinger auf die Armen, die man erstens unbedingt aus seinem eigenen Leben hinausschmeissen muss, und die einfach gezwungen werden sollten, sich anders zu verhalten. Natürlich ist man für Ausländer so ganz prinzipiell, aber sicher nicht in der eigenen privaten Waldorfschule - wo kämen wir denn da hin! Selbstverständlich nutzt man den eigenen SUV aber nur gaanz selten, um ins Wochenendhaus in der Natur zu fahren, aber wehe ein armer Tropf von Pendler vom Land, der nur in die Arbeit fahren muss, braucht einen Parkplatz im eigenen Stadtwohnbezirk, der soll ruhig öffentlich fahren der Umwelt zuliebe 2 Stunden mehr pro Tag verplempern, denn die Parkplätze sind nur für die eigne Community reserviert. Ich kann ja über die derzeitigen Leute in Amerika nicht reden, weil ich nicht dort wohne, aber da dieser Achetyp auch bei uns schon komplett durchgeschlagen hat, kann man diesen Roman von Boyle als regelrecht prophetisch bezeichnen, dass die 22 jahre alte "Dystopie" der Gesellschaft  exakt Realität wurde. Delany ist Umweltschützer und Demokrat hat sich mitten in die Natur gebaut, die er respektiert, aber wehe er sieht ein mexikanisches Gesicht der Armut, dann kennt er keine Gnade mehr. Da wird zwar schon zu Beginn noch mit ein paar prinzipiellen ethischen Skrupeln gekämpft, aber durch die perfekte Täter-Opfer Umkehr wird das mexikanische Opfer eines Autounfalls, bei dem man erstens medizinische Hilfeleistung unterlassen und die illegale Notlage ausnutzend einen Schwerverletzten mit 20 Dollar abgespeist hat, zu einem mexikanischen Betrüger, der einem absichtlich ins Auto gelaufen ist und somit um 20 Dollar Betrug begangen hat. So geht es in der abgeschotteten gutbürgerlich reichen Siedlung weiter: Erst kommt ein Tor, um die braven anständigen Leute vor dem bösen armen Gesocks zu schützen und dann eine Mauer und dann bewaffnet man sich bis auf die Zähne. Auch die mexikanische Sicht - die Gesellschaft unten wird sehr gut beschrieben, mit wenig Sozialromantik behaftet, sondern genauso brutal und schäbig wie sie eben ist: Der tägliche Kampf ums Überleben von Candido dem Familienvater in spe auf der Suche nach einem Job und den anderen Armen im Canyon. Natürlich muss man als Mann auch weiter nach unten auf die Schwächeren treten, darf seine Frau verprügeln, wenn man nicht gut drauf ist, junge Männer vergewaltigen andere Frauen ohne jede Skrupel und rauben sich einfach gegenseitig permanent aus. So schlecht kann es einem gar nicht gehen, dass man nicht ohne Not noch jemandem, der schutzlos ist, etwas ganz Furchtbares antun kann.   Irgendwann kurz vor Ende fand ich die Geschichte dann etwas langweilig und vorhersehbar. Ist man normalerweise bei Boyle ganz überfordert von dem Gewusel an Aktivitäten, Beschreibungen, Figuren und Handlung, ist diesmal irgendwie alles zu normal und dramaturgisch wenig überraschend. Das ist auch der kleine Kritikpunkt am Roman. Diesmal werden die typischen Schwächen des Autors in Bezug auf Übertreibung so unterrated, dass sie nicht zu Stärken, sondern zu erneuten aber nur ganz leichten Schwächen mutieren. Das Ende ist dann wieder grossartig, einerseits sozial-romantisch klischeehaft, aber im Sinne des brutalen Credos des Romans dennoch überraschend.

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    • 7
  • Steckt nicht in Vielen von uns ein bisschen Delaney?

    América
    Xirxe

    Xirxe

    21. October 2015 um 23:01

    1995 wurde dieses Buch geschrieben, doch würde man es heute veröffentlichen, hätte vermutlich niemand Zweifel daran, dass es ein höchst aktuelles Werk ist. Denn nichts, absolut nichts hat sich seitdem verändert. Stattdessen existiert dieses beschriebene Szenario mittlerweile ebenso bei uns, wenn auch vielleicht noch nicht in dieser extremen Form. Boyle beschreibt in einem Zeitraum eines halben Jahres die Leben zweier Familien, die unterschiedlicher kaum sein könnten, obwohl die räumliche Distanz zwischen ihnen nur gering ist. Delaney, "liberaler Humanist ohne Verkehrssündenregister...", lebt in einer komfortablen Vorortwohnanlage von Los Angeles irgendwo in den Bergen, zusammen mit seiner Frau, deren Sohn, zwei Hunden und einer Katze. Cándido hingegen kam drei Wochen zuvor mit seiner jungen Frau aus Mexiko auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben. Nun hausen sie unweit von Delaneys Vorortsiedlung in einem Canon in einem behelfsmäßigen Unterschlupf und versuchen, genügend Geld zu verdienen um sich eine Wohnung leisten zu können. Die Wege der Beiden kreuzen sich, als Delaney Cándido anfährt, ihn mit 20$ 'abfindet' und danach versucht, mit seinem schlechten Gewissen klar zu kommen. Boyle zeigt hier kein Schwarz-Weiß-Schema auf, sodass man vielleicht mit der einen Seite mitleidet und der anderen ihr Unglück gönnt. Delaney, der klar der Bevorzugte ist, ist kein schlechter Mensch. Er wie auch seine Frau denkt liberal, ist umweltbewusst, voller Mitgefühl für die Armen dieser Welt, Mitglied beim Kinderhilfswerk undundund. Doch als seine Prinzipien herausgefordert werden und er ungewollt direkt in Kontakt mit den Armen dieser Welt gerät, sind seine Angst und Verunsicherung größer als die Standhaftigkeit seiner Werte. Sind die Mexikaner nicht doch alle Verbrecher? Verdrecken sie nicht die Natur, verstoßen immer wieder auf's Neue gegen Gesetze? Je öfter er mit diesem Anderen konfrontiert wird, desto größer wird die Furcht. Und seine Wut über die Widersprüchlichkeit seines Denkens und Handelns steigt und sucht sich ein Ventil... Aber auch die bedauernswerten Mexikaner sind nicht nur bemitleidenswerte Menschen, denn wie überall auf der Welt gibt es hier ebenso Kriminelle, die nicht dabei zögern, auch noch den Ärmsten ihr letztes Hab und Gut zu rauben. Dennoch wird klar: Wer nichts hat, muss nicht nur um Arbeit betteln, sondern tagtäglich um sein Leben kämpfen. Denn selbst die Natur stellt sich den Menschen in den Weg... Es ist ein unglaublich gutes, aber dennoch äußerst deprimierendes Buch, denn es zeigt den Zustand unserer Welt überdeutlich: Die Wohlhabenden wollen wohlhabend bleiben und bis auf mehr oder weniger größere Almosen nichts davon abgeben. Und die Armen, die sich ebenfalls etwas mehr Wohlstand wünschen, müssen dafür ihr Leben auf's Spiel setzen.

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  • Eine bissige Gesellschaftskritik, aktueller denn je

    América
    blauerklaus

    blauerklaus

    30. June 2015 um 18:44

    Als der Amerikaner Delaney Mossbacher den illegalen Einwanderer Candido aus Mexiko mit seinem Auto anfährt prallen nicht nur Menschen sondern zwei Schicksale aufeinander, die unterschiedliche nicht sein können. Auf der einen Seite das reiche amerikanische Ehepaar Delaney und Kyra Mossbacher, auf der anderen Seite die bitterarmen Mexikaner Candido und seine Frau América, die der Armut und Arbeitslosigkeit ihres Heimatlandes entfliehen wollen. Gekonnt nimmt Boyle seine Landsleute aufs Korn. Anhand von Delaney, der sich selber für weltoffen und tolerant hält, zeigt er uns, dass Weltoffenheit und Toleranz spätestens dann enden, wenn die eigene Bequemlichkeit in Gefahr gerät. Indem Boyle die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive aller vier Protagonisten erzählt wird der Leser unmittelbar in die Gedankenwelt der so unterschiedlichen Personen gezogen. Die grotesken Widersprüche der beiden Lebensentwürfe machen deutlich wie ungerecht die finanziellen Mittel auf der Welt verteilt sind. Ein bewegendes Buch, welches anhand der aktuellen Flüchtlingssituation in Europa leider auch bei uns aktueller denn je ist. Das war mein erstes Buch von T.C. Boyle und es wird definitiv nicht das letzte gewesen sein. Klare 5 Sterne und eine große Leseempfehlung.

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  • Über das Elend von Einwanderern

    América
    Alira

    Alira

    26. April 2014 um 20:58

    Die Geschichte handelt von zwei illegalen Einwanderern und deren
    Schicksalsschlägen sowie von einem aufgeklärten Humanisten, der im Laufe
    der Handlung zum Rassist wird.
    Durch den Wechsel der Perspektiven -
    eine Boyle-Spezialität – bekommt die Geschichte ein zusätzliches
    Spannungselement.
    Dieses Buch ist ein absolutes „Must have“!

  • Rezension zu "América" von T. C. Boyle

    América
    Arizona

    Arizona

    05. November 2012 um 20:21

    Dies ist eins meiner weniger 5 Sterne-Bücher bzw. eigentlich mein Erstes hier. Und zugegeben von meinem Lieblingsautor T.C. Boyle. Daher bin ich vielleicht nicht objektiv. Ausgangspunkt dieses Romans ist ein kleiner Autounfall, ein Mexikaner läuft einem reichen US-Amerikaner vors Auto. Der Autofahrer gibt dem Mexikaner einen 20 Dollarschein. Nun erfahren wir abwechselnd aus der Perspektive des Mexikaner und des US-Amerikaners wie sich ihr Leben weiter abspielt. Das ganze handelt in L.A. und der angrenzenden Wildnis. Es ist jetzt schon länger her, dass ich das Buch gelesen habe, daher kann ich jetzt nicht so ins Detail gehen, aber es hat mich auf jeden Fall nachhaltig beeindruckt. Es hat mir wirklich dien Luft abgeschnürt, so echt hat Boyle teilweise die Lebensbedingungen der illegalen Einwanderer an der mexikanischen Grenze geschildert. Und im krassen Gegensatz dazu dann die Lebenswelt der Reichen. Keine leichte Kost, aber gerade deswegen unbedingt zu empfehlen!

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  • Rezension zu "América" von T. C. Boyle

    América
    Holden

    Holden

    18. May 2012 um 19:45

    Boyle nimmt mit beißender Ironie die Political correctness des linksliberalen Bürgertums auf die Schippe, das in mexikanischen Immigranten nur Kriminelle vermutet und sich in dem eigenen Haus verschanzt. Am Ende kommt einer der typischen kalifornischen Waldbrände vor, und zu diesem Thema war Boyle damals bei Erscheinen des Buches auch von Voxtours interviewt worden.

  • Rezension zu "América" von T. C. Boyle

    América
    blueberry7

    blueberry7

    16. February 2012 um 14:21

    Gott, war das eine Konfrontation !! Unterschiedlicher können die Lebensumstände zweier Menschen nicht sein. Auf der einen Seite der kalifornische Gutmensch Delaney und auf der anderen der illegale mexikanische Einwanderer Candido. Der eine lebt in der kalifornischen Neubausiedlung mit jeglichem Komfort und der andere im Unterholz unter einer Plastikplane. Frappierend sind die Blickwinkel, in die TC Boyle unerwartet wechselt. Dreht es sich ums Essen, überlegt der Kalifornier welche Feinkost er heute als Zutaten wählt. Während der "Bohnenfresser" in Mülltonnen nach etwas Essbarem wühlt. Beider Leben ist nach einem Aufeinandertreffen verstrickt und endet im selben Fiasko........... Von Boyle genial erdachte Geschichte mit abgrundtiefen Mmnschlichen Empfindungen und Handlungen. Im Plot überwiegend ein wenig detailverliebt, haut er das Ende raus wie einen Schleuderartikel. Dennoch fast wieder eine Bestnote !!

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  • Rezension zu "América" von T. C. Boyle

    América
    lenchen86

    lenchen86

    dieses buch haben wir im englischunterricht behandelt. es ist auf jedenfall interessant, sich mal mit dem thema (illegale einwanderer aus mexico) auseinander zu setzen, allerdings würde ich dieses buch jetzt nicht total überbewerten. es ist meiner meinung nach ganz ok, aber mehr nicht.

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  • Rezension zu "America" von T. C. Boyle

    América
    wollsoeckchen88

    wollsoeckchen88

    24. January 2011 um 20:21

    Dieses Buch ist atemberaubend. Es erzählt die Geschichte zweier Menschen, Mexikaner und Amerikaner, deren Leben unterschiedlicher nicht sein könnten. Und doch kreuzen sich ihre Wege immer wieder zufällig. Wir lernen, wie Rassenhass entsteht und zu welchen Mitteln Menschen bereit sind zu greifen, wenn sie sich durch, wie in diesem Fall, illegale Einwanderer gefährdet sehen. Dabei realisieren sie nicht, dass ihre Probleme im Vergleich zu denen der weniger priviligierten Schichten eigentlich keine Probleme sind, sondern hausgemacht, weil sie sich an ihr sonst makelloses Bilderbuchleben zu sehr gewöhnt haben. Im krassen Gegensatz dazu steht der Überlebenskampf besagter illegaler Immigranten. Ihr täglicher Einsatz für Nahrung, Obdach und Arbeit, denn sie alle sind auf der Suche nach der Erfüllung des amerikanischen Traums. In einem Land, dass durch Einwanderer groß geworden ist, sich aber anscheinend nicht mehr daran erinnern kann. Es ist eine Schande und ich habe eigentlich pausenlos mit dem Kopf geschüttelt, während ich las, welche Maßnahmen zur Absicherung der weißen Siedlungen gegen vor allem Mexikaner getroffen wurden, und erkannte im gleichen Augenblick Parallelen zu Deutschland und anderen Ländern, denn das Geschehen hätte auch hier so stattfinden können. Am schockierendsten jedoch war es, zu wissen, dass die Geschichte durchaus realistisch ist und jeden Tag so passiert. Und das alles nur, weil es keinen wirklichen Dialog gibt zwischen beiden Parteien. Was wissen die Reichsten denn schon davon, wie die Ärmsten leben? In "America" unterstellen erstere letzteren pure Berechnung und Böswilligkeit, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, was illegale Einwanderer dazu treibt, ihre Heimat zu verlassen und sich in Hoffnung auf ein besseres Leben in einem Land durchzuschlagen, das ihnen nur mit Hass und Ignoranz begegnet. Ein sehr aufrüttelndes Werk!

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  • Rezension zu "America" von T. C. Boyle

    América
    LEXI

    LEXI

    18. September 2010 um 17:56

    „América“ von T.C. Boyle ist ein nüchtern geschriebener, dramatischer Ausschnitt aus dem Leben zweier völlig konträrer Paare. Die illegalen Einwanderer Cándido und América und das reiche amerikanische Ehepaar Delaney und Kyra – und Lebensumstände, wie sie größer nicht sein könnten. Boyle gelang es erschreckend realistisch, die Kontraste darzustellen und er legt viel Leidenschaft in diesen Roman, dessen Hauptthemen die Ausgrenzung von Angehörigen anderer Rassen und die Macht der Vorurteile sind. Boyle beschreibt das Leben im Überfluss auf der einen Seite und den Kampf um das nackte Überleben auf der anderen Seite. Und entgegen der Hoffnung des Lesers wartet er nicht mit einem Happyend auf, sondern bleibt realistisch – bis zum bitteren Ende. Ein beklemmendes Gefühl macht sich während des Lesens breit, das bis zur letzten Sekunde nicht mehr weichen wird. Das tiefe Eintauchen in das abgrundtiefe Elend der Mexikaner in diesem Plot gemeinsam mit der Frage nach Menschenrechten und dem Bewahren menschlicher Würde macht dieses gewaltige Werk zu einem in der Vergangenheit sehr umstrittenen Kapitel über einen sozialpolitischen Konflikt in Amerika. Keine leichte, aber unbedingt empfehlenswerte Lektüre – mittlerweile bereits ein gerne und oft gelesener Klassiker auch im Bildungsbereich dieses Landes.

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