Hart auf Hart

von T. C. Boyle 
3,9 Sterne bei92 Bewertungen
Hart auf Hart
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (61):
K

Spannend geschrieben. Stimmt nachdenklich, ist aber auch sehr gute Unterhaltung. Ein wirklich empfehlenswerter Roman.

Kritisch (7):
Livricieuxs avatar

Boyle und ich werden wohl keine Freunde, ich habe das Buch abgebrochen.

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Inhaltsangabe zu "Hart auf Hart"

Kontrolle versus Freiheit

In Costa Rica überfallen drei bewaffnete junge Männer eine Rentnergruppe. Sten Stensen, Schuldirektor im Ruhestand und Vietnam-Veteran, erwürgt einen der Räuber. Sten wird von den anderen Reisenden als Held gefeiert, die Polizei drückt ein Auge zu.

Bei Stens Sohn Adam liegen die Dinge anders. Seine Gewaltbereitschaft macht ihn zu einer lebenden Zeitbombe: Adam fliegt von der Schule, wird mit Medikamenten ruhiggestellt und ins Erwachsenenleben entlassen. Fortan lebt er ein Einsiedlerleben und hortet Waffen. Eines Tages gabelt Sara, Aushilfslehrerin und Hufschmiedin, ihn am Straßenrand auf. Auch Sara steht mit der bürgerlichen Gesellschaft auf Kriegsfuß. Adam und Sara werden ein Paar, doch in Adam wächst die Wut weiter, bis er handelt...

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423145152
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:400 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:26.08.2016

Rezensionen und Bewertungen

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    lui_1907s avatar
    lui_1907vor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Einfach skurril
    Freiheitsanspruch und Verfolgungswahn

    Inhalt

    Adam, den seine Eltern nach etlichen Schulverweisen und Therapiesitzungen aufgegeben haben, ist eine wandelnde Zeitbombe: In der Wildnis, wo er ein Schlafmohnfeld angelegt hat, führt er ein Einsiedlerleben und hortet Waffen gegen imaginäre Feinde. Aber es gibt jemanden, der sich in ihn verliebt. Sara hat ebenfalls ausreichend Feindbilder: Spießertum, Globalisierung, Verschwörer und die Staatsgewalt. Als sie Adam am Straßenrand aufgabelt, beginnt eine leidenschaftliche Liaison. Doch bald merkt Sara, dass Adam es ernst meint mit den Feinden, sehr ernst.

    Als mich meine Kollegin gefragt, wie ich das Buch finde, kam mir einfach nur das Wort "schräg" in den Sinn. Sten, Adams Vater, bringt zu Begin des Buches im Dschungel einen Angreifer um, Sara wird festgenommen und Adam lebt sowieso in einer anderen Welt - so zieht sich die ganze Story weiter. 

    Zur Geschichte kann man ansonsten gar nicht viel erzählen, man muss es einfach lesen, um es zu verstehen.

    Der Schreibstil von Boyle ist toll - flüssig und bildlich.

    Fazit: Ein Roman der irgendwie anders ist.

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    Duffys avatar
    Duffyvor 2 Jahren
    Ein Blick auf Amerikas gespaltene Seele


    Sten Stensen, ein pensionierter Schuldirektor, wird auf einer Kreuzfahrt während eines Landgangs in Costa Rica von drei Jugendlichen überfallen, von denen er einen in einer Art von Notwehrsituation tötet. Die Polizei drückt alle Augen zu und Stensen wird zuhause als eine Art Held gefeiert.
    Sein Sohn Adam, immer schon mit gesellschaftlichen Regeln auf dem Kriegsfuß, kämpft einen anderen Kampf, nämlich den seines Idols Colter, einem Waldläufer aus dem damals wilden Westen. Er sieht in allen staatlichen Organen Feinde, Aliens oder Chinesen, versucht in den Wäldern Marihuana zu züchten und ist auf seine Weise eine tickende Zeitbombe. Er trifft auf Sarah, eine Hufschmiedin, die ihrerseits gegen ein "unrechtmäßiges" System ankämpft, indem sie sich auf einen fast unbekannten Verfassungsartikel beruft, um sich jeder Kontrolle durch den Staat zu entziehen.
    Sarah und Adam werden so etwas wie ein Paar. Eine stille Akzeptanz ihrer individuellen Leben lässt eine richtige Beziehung nicht zu, aber eine starke Emotionalität verknüpft das Schicksal der beiden, auch nachdem Adam in seinen letzten Kampf geht, bei dem auch der Vater das Ende seiner Vater-Sohn-Beziehung fast widerstandslos hinnehmen muss.
    Boyle hat einen beklemmendes Bild seines Landes gezeichnet, das einmal Inbegriff des Freiheitsgedankens war und heute das kontrollsüchtigste und mit am meisten regulierte Land der Erde ist, in dem die Freiheit mit ihren absurdesten Deutungen mit der Waffe verteidigt werden darf. Die hier drastisch geschilderten Gegensätze des ursprünglichen Freiheitsgedankens und der staatlichen Durchsetzung der Kontrollmechanismen machen deutlich, dass Amerika längst nicht mehr das Land ist, in dem die Realisierung der einfachsten Bedürfnisse und Träume möglich ist. Ein erschütterndes Fazit, gerade wenn man die aktuelle Lage betrachtet, von der Boyle bei Abfassung dieses Romans noch keine Ahnung haben konnte.
    Dass Boyle als Autor immer besser zu werden scheint (wenn das überhaupt noch möglich ist), ist natürlich auch noch eine Erwähnung wert, doch bei einem Autoren seines Formats scheint ein schlechtes Buch fast undenkbar zu sein.
    Es ist einer der tiefgehenden und nachhaltigsten Bücher Boyles, eines, das betroffen macht und machen soll. Es wäre wichtig, dass sich jeder auf seine Weise mit dem Stoff auseinandersetzt. Bücher sollten manchmal auch mehr als Unterhaltung sein. Dann könnte einem als Fazit vielleicht der lapidare Spruch "Die Hoffnung stirbt zuletzt" einfallen. Ein guter Effekt und sicher nötig in diesen Zeiten.

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    FranziskaEs avatar
    FranziskaEvor 3 Jahren
    Ich möchte in den Kopf des Amokläufers blicken

    Ich hatte, wie so oft bei T.C. Boyle, sehr hohe Erwartungen. Leider ist die Geschichte durchwachsen. Es geht, nach realem Vorbild, um einen Amoklauf in den USA. Ein junger Mann verschanzt sich mit einem Arsenal von Waffem in den Wäldern und führt Krieg gegen die Behörden. Intensiv wird das Buch, wenn die Perspektive der Eltern geschildert wird, ihre Konflikte, die Unmöglichkeit, mit dem Thema umzugehen, miteinander, angesichts dieses Themas umzugehen. In diesen Teilen ist es richtig gut. Leider bleibt Boyle aber gerade bei jenen Kapiteln, die sich um den Amokläufer drehen, vieles schuldig. Hier will die Identifikation einfach nicht gelingen, die Motive bleiben äußerst theoretisch und schwer nachvollziehbar. Boyle ergeht sich stattdessen lieber in seinem Steckenpferd: Historische Ereignisse in die Geschichte zu flechten. Es ist ein gutes Buch. Es hätte aber eine brillantes sein können.

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    Waschbaerinvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Nach der Lektüre weiß man wie einer tickt, der nicht richtig tickt.
    California und seine Drogen, Waffen, Einwanderer

    Es fängt schon hart an. Adams Eltern sind auf einer Schiffsreise in Südamerika (Costa Rica) und werden während eines Ausflugs überfallen und ausgeraubt. Der Vater Sten Stenson, ein ehemaliger Marine und Vietnam Veteran, erwischt eines der Bürschchen an der Kehle und als er diesen wieder los lässt, ist er tot. Die Reisegruppe bekommt ihr Eigentum zurück und die Mitreisenden feiern ihren Helfer.

    Zurück in den USA geht das Leben dieses älteren Ehepaares Stenson weiter wie immer. Allerdings hat diese Familie mehr als genug Probleme. Sie haben einen einzigen Sohn, Adam, der sich in Gedanken offensichtlich im ewigen Krieg befindet. 

    Es wird erwähnt, dass sein Vater Sten  nie ein eigenes Kind wollte, jedoch seiner jüngeren Frau nachgab, die sich zutiefst Nachkommen wünschte. Man einigte sich auf einen Sprössling, eben Adam, mit dem man aber von Anfang an nicht klar kommt.  In der Schule gibt es nur Ärger, was besonders schlimm ist, wenn der Vater an dieser Schule der Chef ist. Doch die Eltern geben ihren Sohn nicht auf, obwohl dieser ihnen das Leben immer schwer macht, später ihre Nähe meidet.

    Durch Zufall lernt Adam Sara kennen, eine ebenfalls etwas nicht alltägliche Frau in den Vierzigern. Sie wird seine Geliebte, doch sie kann ihn nicht halten. Er kommt und geht wie er möchte. Irgendwann kann auch sie nicht mehr die Augen davor verschließen, dass mit Adam etwas nicht stimmt, hat Angst vor ihm.

    Wenn Adam nicht mit ihr zusammen ist, dann versorgt er seine Mohnfelder. Am Ende knallt er ohne ersichtlichen Grund komplett durch, fühlt sich im Krieg gegen Aliens. Mehr möchte ich nicht verraten, wie das Buch endet.

    Das Interessante an der Schreibweise von Boyle ist, dass es immer wieder einen Wechsel der Perspektive gibt. Mal aus der Sicht der Familie Stenson, dann Adam oder Sara.

    Die typischen californischen Probleme ziehen sich durch das ganze Buch: Drogen, Mexicaner, Waffen.

    Ich kann es nur empfehlen. Konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, als ich angefangen hatte.

     

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    Insider2199s avatar
    Insider2199vor 3 Jahren
    „Die amerikanische Seele ist ihrem Wesen nach hart und ein Mörder.“

    "Die amerikanische Seele ist ihrem Wesen nach hart und ein Mörder."

    Dies ist mein erster Roman des in Montecito, Kalifornien lebenden Autors. Wenn ich den zahlreichen Kritiken glauben kann, ist es wohl nicht sein bestes Buch, daher wäre ich sehr neugierig, noch andere Werke von ihm zu lesen.

    Zum Inhalt: Die Handlung wird aus drei Perspektiven parallel erzählt: da ist zum einen Sten, Vietnamveteran und pensionierter Schuldirektor, der auf einer Urlaubsreise mit einer Luxusjacht bei einem Landausflug in Costa Rica in einen Überfall gerät und als ehemaliger Marine nicht lange zögert und einen der Täter umbringt. Obwohl er als Held gefeiert wird, quälen ihn Schuldgefühle. Dann wechselt die Perspektive zu Sara, Anfang 40, Hilfslehrerin und selbständige Hufschmiedin, die ständig mit dem Gesetz in Konflikt gerät, da sie Autoritäten und Regeln nicht anerkennen kann. Bei einer Autokontrolle (sie fuhr ohne Gurt), wird ihr Hund mitgenommen, weil er eine Polizistin biss. Sara lernt den 25-jährigen Adam, Stens Sohn, kennen, der ihr hilft, ihren Hund aus dem Tierheim zu befreien, und sie verliebt sich schließlich in ihn. Doch Adam hat noch größere Probleme als sie selbst: er ist psychisch krank, hält sich für die Wiedergeburt des legendären Waldläufers John Colter und fühlt sich mangels Indianern – Colters ehemaligen Gegnern – von Aliens und Chinesen bedroht. Als Adam sich mit seinen Waffen immer mehr im Wald isoliert, eskaliert die Situation ...

    Meine Meinung: Eins gleich vorweg: der Roman hat mich mehr durch die Sprache – hier eine Kostprobe: „Die Augen blickten noch immer wütend – rasend, fuchsteufelswild – und lagen in einem Nest aus konzentrischen Linien wie tiefe Senken auf einer topographischen Karte.“ – und die überaus gute Figurenzeichnung begeistert, weniger durch den Inhalt. Aber dennoch fand ich den Anfang auch inhaltlich sehr gelungen. Vier lange Kapitel beschreiben Sten und seine Erlebnisse mit seiner Frau in Costa Rica. Dieser Kampf mit seinen Schuldgefühlen ist sehr interessant, wird aber leider nicht weiterverfolgt. Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich nichts dagegen gehabt hätte, wenn es im ganzen Buch NUR um Sten gegangen wäre.

    Später, als dann die Geschichte mit Sten weiter geht (nachdem Sara und Adam eingeführt wurden), habe ich mich natürlich gefragt, inwiefern dieser scheinbare Sub-Plot in Costa Rica für die Kernhandlung um Adam entscheidend ist, denn Saras und Adams Kapitel führen in eine ganz andere Richtung. Erst am Schluss kam mir der Gedanke, dass der Autor vielleicht die Taten von Sten und Adam gegenüberstellen wollte: beide haben sich die „Freiheit“ genommen, sich zu verteidigen, denn beide fühlten sich bedroht (dass Adams Bedrohung rein illusorisch ist, spielt ja keine Rolle, da er nicht in der Lage ist, dies zu erkennen), doch letztlich ging die Gesellschaft anders damit um, denn während Sten als Held gefeiert wird, gilt Adam als Psychopath. Von außen betrachtet, natürlich verständlich, aber nicht aus Sicht der Charaktere (v.a. Adam) und aus deren Sicht wird der Roman ja erzählt.

    "Die amerikanische Seele ist ihrem Wesen nach hart, einzelgängerisch, stoisch und ein Mörder. Sie ist noch nicht geschmolzen." [D.H. Lawrence] Dem Autor ging es offensichtlich darum, dieses dem Roman vorangestellte Zitat in Handlung zu verpacken, was ihm teilweise auch gut gelungen ist, aber dennoch empfand ich die Auflösung am Schluss etwas enttäuschend, da meines Erachtens zu passiv (näher ins Detail kann ich hier nicht gehen). Es bleibt bei mir ein schaler Nachgeschmack und die Frage zurück: „Und was will mir der Autor damit sagen?“ Natürlich gibt es solche Menschen wie Adam (v.a. in den USA) und natürlich ist die Katastrophe am Ende ein wenig vorhersehbar in einem Land, in dem es „normal“ ist, Waffen zu tragen. Aber was will der Autor wirklich damit ausdrücken? Sicher NICHT, dass in jedem Amerikaner ein Mörder steckt – das wäre auch zu banal und klischeehaft.

    Fazit: Ein Roman, der mich sprachlich und durch seine überaus gute Figurenzeichnung überzeugen konnte, aber inhaltlich flachte es nach einem sehr guten Anfang ein wenig ab, plätscherte so dahin, und der Schluss war eher enttäuschend. Somit muss ich einen Stern abziehen, kann das Buch aber dennoch weiter empfehlen und werde sicher noch andere Werke von Boyle lesen wollen.

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    blauerklauss avatar
    blauerklausvor 3 Jahren
    Boyles Freakshow = Amerika?

    Als großer Amerika-Roman und Auseinandersetzung mit der amerikanischen Gewalt wurde Boyles letzter Roman vom Verlag vermarktet. Für mich hat der Roman auf dieser Ebene nicht funktioniert, er liest sich aber dennoch überaus spannend, denn schreiben kann Mr. Boyle.

    Zum Inhalt:

    Zu Beginn des Buches lernen wir die Eltern der eigentlichen Hauptfigur, Adam, kennen. Auf einem Landausflug bei einer Luxus-Kreuzfahrt in Puerto Rico wird die Reisegruppe von Einheimischen überfallen. Adams Vater, Sten, einem pensionierten Ex-Marine, gelingt es, den Anführer zu überwältigen, worauf die übrigen Räuber fliehen. Der Anführer überlebt diese Aktion nicht. Sten, eigentlich ein Mörder, wird als Held gefeiert.

    Als nächstes lernen wir Sara kennen. Eine Aushilfslehrerin und Hufschmiedin, die (wie wohl zahlreiche andere US-Bürger auch) die Gesetze und Bestimmungen in ihrem Land nicht anerkennt, da sie sich als unabhängige Bürgerin sieht und „keinen Vertrag“ mit Amerika und seinen Repräsentanten hat.

    Diese leicht verrückte Person trifft nun auf den schizophrenen Adam, der sich für die amerikanische Trapperlegende „Colter“ hält und davon überzeugt ist, dass das Land von Chinesen und Aliens angegriffen wird.

    Der Leser ahnt, dass das Zusammentreffen von zwei Verrückten in einem Land, in dem fast jeder freien Zugang zu Schusswaffen hat unweigerlich in eine Katastrophe führen muss.

    Indem Boyle die Erzählperspektive zwischen allen Protagonisten immer wieder wechselt kann man sich hervorragend in der Gedankenwelt der jeweiligen Person hineinversetzen. Einige Szenen sind sehr spannend geschrieben und grenzen schon fast an einen Thriller. Auf dieser Ebene funktioniert das Buch auch sehr gut.

    Für eine Charakterstudie der amerikanischen Gesellschaft sind mir die Charaktere aber zu klischeehaft. Die Personen entsprechen dann doch zu sehr dem Bild, was man als Ausländer so von einem Amerikaner hat. Etwas einfältig und stets gewaltbereit.

    Ganz so einseitig wird es dann wohl in Wirklichkeit doch nicht sein. Hier hätte ich mir ein etwas differenzierteres Bild gewünscht.

    Abgesehen davon, jedoch eine spannende und kurzweilige Lektüre. Das war mein zweites Buch von T.C. Boyle und seine Schreibweise gefällt mir sehr gut. Wenn man den anderen Rezensenten glauben mag, gehört dieses wohl nicht zu seinen besten Büchern. Bin daher auf die weiteren Bücher von ihm gespannt.



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    Poccivor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Eine intensive Geschichte - besonders weil man verschiedene Seiten der Beteiligten kennenlernt.
    Ein fesselndes Buch

    Zu Beginn brauchte ich etwas, um mit dem Buch warm zu werden, was auch daran lag, dass der Einstieg ein völlig anderer ist, als man aufgrund des Klappentextes erwartet. Zunächst befindet man sich als Leser nämlich mit Adams Eltern auf einer Kreuzfahrt.

    Nachdem ich mich jedoch an den unvorhergesehenen Anfang gewöhnt hatte, hat mich das Buch schnell gefesselt. Da die Perspektive zwischen Adam, Sara und Adams Vater wechselt, bekommt man als Leser zwar viel mehr Informationen, als sie einer der Protagonisten zur Verfügung hat, doch immer wieder gibt es kleine Überraschungsmomente, man auch mit diesem zusätzlichen Wissen nicht kommen sehen konnte. Am nächsten kam mir dabei die Perspektive von Adams Vater, was wahrscheinlich daran liegt, dass mir Sara und Adam selbst in ihren Ansichten zu radikal sind.

    Der Schreibstil hat mir insgesamt sehr gut gefallen und ich konnte mich gut in die Geschichte einfinden. Dabei hat jede Perspektive ihre Eigenheiten, wodurch man diese gut voneinander unterscheiden kann. Allerdings erfolgt der Wechsel zwischen den Protagonisten auch immer zum Kapitelwechsel, was ich als sehr angenehm empfinde.

    Trotz des ernsthaften Themas gibt es hin und wieder kleine, humorvolle Momente. Faszinieren finde ich, wie wenig Adam geholfen werden kann, obwohl seine Probleme – wenn auch nicht im vollen Umfang – bekannt sind. Wenn ich mir vorstelle, dass dies auch der Realität entspricht, ist es schon ein wenig beängstigend.

    Insgesamt hat mir das Buch wirklich gut gefallen und es war zwar der erste, aber sicherlich nicht der letzte Boyle, den ich gelesen habe.

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    Sikalvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein herausragendes Buch über Freiheit, ein zu liberales Waffengesetz in den USA und immer wieder aufflammenden Rassismus.
    Colter vs. den Rest der Welt?

    Gleich zu Beginn möchte ich gestehen: Es war mein erster Boyle. Durch eine Challenge wurde ich auf dieses Buch aufmerksam und – um es gleich vorweg zu nehmen – ich wurde nicht enttäuscht.

    Das Buch startet mit einer haarsträubenden Geschichte: Sten, Vietnamveteran, Pensionist und Vater von Adam, gerät während eines Ausflugs nach Costa Rica in einen Überfall. Er reagiert, wie er es als Marine automatisiert hatte und der Täter stirbt. Für Sten wird es schwierig damit umzugehen, einerseits wird er als Held gefeiert, andererseits quälen ihn Schuldgefühle und die Blicke der anderen.

    „Ich habe mit euch keinen Vertrag“, ist die Grundaussage Saras, die sich gegen Behörden, Gesetze, Konzerne usw. auflehnt. Laufend kommt sie mit dem Gesetz in Konflikt, sei es wegen der Gurtpflicht oder des Nichterscheinens vor Gericht. Sie ignoriert einfach sämtliche Anweisungen und macht sich selbst viele Probleme durch ihr destruktives Verhalten. Wie es der Zufall so will, trifft sie auf Adam und verliebt sich in ihn. Damit beginnen erst die Probleme für Sara, denn Adam ist als Gesamtpaket schwierig, paranoid, verehrt den Waldläufer Colter und will in dessen Fußstapfen treten. Auf dem Weg dorthin bricht er mit seinen Eltern, die ihn zu therapieren versuchen, legt sich im Wald einen Unterschlupf zu, in dem er Waffen für den Ernstfall hortet. Gefahren erkennt er an jeder Ecke: Aliens, Chinesen oder andere imaginäre Widersacher. Adam verstrickt sich immer mehr in seine Fantasien, verstärkt wird das Ganze noch durch seinen Alkohol- und Drogenkonsum – bis alles letztendlich eskaliert und Adam plötzlich mit dem Rücken zur Wand steht.

    Der Spannungsbogen zieht sich durch, es steigert sich nicht langsam, sondern liest sich gleich ab den ersten paar Seiten sehr dramatisch. Gegen Ende nimmt der Roman immer mehr an Tempo zu und man kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

    Der Schreibstil ist sehr locker und leicht für dieses Thema – teilweise dann auch wieder schockierend brutal. So musste ich manches Mal innehalten, wenn Adam (Colter) in seinem Drogenwahn seinen Gedanken freien Lauf lässt. Auch Sara spricht nicht immer salonfähig, sondern teilweise vulgär. Anfangs hat mich das irritiert, doch letztendlich kam ich zu dem Schluss, dass alles andere nicht authentisch wäre. Die Protagonisten sind nun mal so, entwickeln sich nicht weiter sondern bleiben auf ihrem Level. Adams Eltern kommen eher passives rüber, obwohl sie sich ganz und gar nicht mit der Situation ihres Sohnes abgefunden haben – wie auch, haben sie doch jeglichen Einfluss verloren und können nur hilflos zusehen.

    Zwischendurch einige Längen, doch insgesamt ein herausragendes Buch über Freiheit, ein zu liberales Waffengesetz in den USA und immer wieder aufflammenden Rassismus.
    Lesenswert!

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    raven1711s avatar
    raven1711vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Gesellschaftsdrama, das zum Nachdenken anregt .Leider schafft der Roman es nicht, sein Potential bis zum Ende zu halten.
    Spannende Gesellschaftskritik mit leichten Schwächen

    Inhalt:

    Gegen die Gesellschaft – für die Freiheit: Der große Amerika-Roman von T. C. Boyle.

    Absoluter Freiheitsanspruch und Verfolgungswahn – T. C. Boyle erkundet in seinem neuen Roman die dunkle Seite der USA. Adam, den seine Eltern nach etlichen Schulverweisen und Therapiesitzungen aufgegeben haben, ist eine wandelnde Zeitbombe: In der Wildnis, wo er ein Schlafmohnfeld angelegt hat, führt er ein Einsiedlerleben und hortet Waffen gegen imaginäre Feinde. Aber es gibt jemanden, der sich in ihn verliebt. Sara hat ebenfalls ausreichend Feindbilder: Spießertum, Globalisierung, Verschwörer und die Staatsgewalt. Als sie Adam am Straßenrand aufgabelt, beginnt eine leidenschaftliche Liaison. Doch bald merkt Sara, dass Adam es ernst meint mit den Feinden, sehr ernst.

     

    Meinung:

    Ab und zu lese ich auch sehr gerne gesellschaftskritische Romane. So auch dieses Buch, das mich von seiner Inhaltsangabe her sehr angesprochen hat. Von T. C. Boyle habe ich bisher noch nichts gelesen, aber schon einige positive Stimmen gehört bzw. gelesen.

    Der Einstieg in das Buch gestaltet sich auch überraschend gut und flüssig. Sehr schnell ist man im Geschehen und begleitet den Rentner Sten auf seiner Kreuzfahrt, bzw. auf seinem Ausflug in den Costa-Ricanischen Dschungel. Bereits die Fahrt dahin ist nervenaufreibend und am Zielort angekommen wird die Touristengruppe von einer einheimischen Bande überfallen und ausgeraubt. Zumindest ist das der Plan der Band, bis Sten sich auflehnt und sich gegen die Diebe wehrt. Dabei tötet er ein Bandenmitglied und avanciert dadurch zum lokalen Helden in seiner Heimat. Genau dort trifft die Hufschmiedin Sara auf Stens Sohn Adam. Sara selber hasst Behörden und Konzerne, weigert sich die öffentlichen Autoritäten anzuerkennen und beruft sich auf Verfassungsgesetze, deren Gültigkeit zweifelhaft erscheinen. Auch Adam ist nicht ohne, sein geistiger Zustand ist mehr als labil und in seinem Verfolgungs- und Drogenwahn sieht er in alles und jedem eine Bedrohung. Die zwei bilden eine explosive Mischung und man ahnt als Leser schon, dass da was Dickes auf den Leser zukommt.

    Die Protagonisten sind sehr gut ausgearbeitet. Sie bleiben ihren Verhaltensmustern treu, haben Ecken und Kanten und manch einer mag sich bestimmt in dem einen oder anderen Muster der Figuren wiederfinden können. Sten ist ein Kriegsveteran und dementsprechend hart im Nehmen. Aber er steht nicht gerne im Mittelpunkt, weswegen er einige Probleme mit seinem plötzlichen Heldentum hat. Auch dass sein Sohn Adam so labil ist, stört ihn. Auch Adams Volljährigkeit ist für ihn ein guter Vorwand, sich nicht allzu sehr mit ihm auseinander zu setzen.

    Adam ist sehr schwer einzuschätzen. Man merkt schnell, dass er geistig nicht ganz zurechnungsfähig ist. Sein Drogen- und Alkoholkonsum fördern seine psychische Störung natürlich umso mehr. Deshalb rechnet man bei ihm auch mit allem und wundert sich nicht über seine Anwandlungen, Einstellungen und Handlungen.

    Sehr verbohrt ist dagegen Sara. Ihre persönliche Freiheit will sie sich nicht von Gesetzen eingrenzen lassen. Anschnallpflicht im Auto? Lobbyismus und Kontrolle des Staates über den freien Bürger. Diese Einstellungen lassen sie verbittert wirken. Zwar kann sie sich auf ihre beste Freundin verlassen, trotzdem wirkt sie sehr einsam und verloren. Daher verwundert es mich nicht, dass sie sich auf jemanden wie Adam so sehr einlässt.

    Wie schon geschrieben ist das Buch sehr flüssig und eingängig geschrieben. T.C. Boyles Schreibstil hat mir unheimlich gut gefallen und das Buch ist ein richtiger Pageturner. Erzählt aus der dritten Person wechselt sich die Sichtweise zwischen Sten, Sara und Adam ab. Dabei zeichnet sich nach und nach immer mehr die Dramatik ab, die die Protagonisten durchlaufen und zu einem gewaltigen Show-Down zu führen scheinen.

    Spitzfindig nimmt der Autor hier gewisse Stereotypen und Gesellschaftskreise aufs Korn, weist auf Engstirnigkeit, Rassismus, Spießertum und andere Fehler hin und regt somit seine Leser zum Nachdenken an. Vorurteile und Verdrängung prägen die Figuren in diesem Drama und halten der Gesellschaft somit den Spiegel vors Gesicht.

    Mein einziger Kritikpunkt ist der Abschluss der Geschichte.

    ACHTUNG: SPOILER! Lesen auf eigene Gefahr ;-)

    Das Ende der Geschichte leidet leider immens! Statt des erwarteten Showdowns läuft die Geschichte insgesamt eher ruhig aus, was ich extrem schade fand. Die Geschichte hat so viel Potential für einen gewaltigen Knall am Ende geboten, den der Autor einfach nicht nutzt und wirkungslos auslaufen lässt. Das hat mich richtig geärgert.

     

    Fazit:

    Ein Gesellschaftsdrama, das zum Nachdenken anregt und auf Missstände hinweist. Leider schafft der Roman es nicht, sein Potential bis zum Ende zu halten.

    Von mir gibt es daher Abzüge und nur 4 von 5 Punkten.

    (Mein Blog: vanessasbuecherecke.wordpress.com)

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    thursdaynexts avatar
    thursdaynextvor 3 Jahren
    Im Kampfgebiet

    Eine Gemeinschaftsrezi von rallus und thursdaynext

    Irgendwo in Costa Rica, Ex-Marine Sten, Schuldirektor im Ruhestand, ist mit seiner Frau auf einer Kreuzfahrt und hat eine Reise in einem nichtklimatisierten Bus gebucht. Die Fahrt wird zur Qual, der Schweiß rinnt ihm in Bächen den Körper hinab, es gibt nur lauwarmes Wasser zu trinken, ein Moment, in dem man als älterer Mensch alle seine verbrauchten Organe und Gliedmaßen spürt und wir dringen wie ein Korkenzieher in diese Gedanken ein, die um sich selbst kreisen, im Strudel immer weiter und tiefer in das Ich von Sten. Am Ende der Busfahrt wird die Gruppe ältlicher amerikanischer Kreuzfahrer von einheimischen Amateurräubern überfallen. Sten ist der Einzige, der sich wehrt, seine Ausbildung als Marine benutzt, um einen Dieb zu fassen und ihn in den Schwitzkasten zu nehmen. Am Ende ist der junge Mann tot.

    Das Unangenehme ist, in der brütenden Hitze weiter auf die Polizei zu warten, die anderen dürfen in das klimatisierte Schiff zurück. Zu Hause ist Sten plötzlich der Held, der Held, der die Freiheit verteidigt - wie ein guter Amerikaner. Ab hier entwickelt die Geschichte um die Familie Stenson ihre ganz eigene Dynamik. Sohn Adam, ein spätes Geschenk seiner lange kinderlos gebliebenen Eltern, mittlerweile stramm auf die Dreißiger zugehend, taucht auf.

    Adam, der als problematischer Jugendlicher jegliche psychologische Behandlung verweigert hat und auch heute noch verweigert. Sich von seinen Eltern komplett entfernt hat, aber immer noch nimmt, was sie zu geben bereit sind, arbeitsloser Waffennarr, und freiheitsverehrender Drogenbauer, dessen vorgebliche Liebe zur Natur ihrer Ausbeutung keine Grenze setzt. Adam der dermaßen "einen an der Waffel" hat, das man schon ahnt, es wird kein gutes Ende nehmen.

    Sein großer Held ist John Colter, ein Trapper aus dem letzten Jahrhundert, der alleine den Lauf gegen die Blackfoot Indianer überlebte. Und so fühlt Adam sich auch, frei in den Wäldern und von jeglicher Verpflichtung und Zivilisation befreit.

    Mit Sara taucht noch eine weitere patriotisch inspirierte Freiheitsfanatikerin auf. So frei, dass sie die Zusammenarbeit mit Behörden verweigert, weil sie "keinen Vertrag" mit ihnen hat. Als Sara sich allen juristischen Konsequenzen ihrer Handlungen zu verweigern versucht, trifft sie auf Adam.

    Unlogik trifft Wahnsinn und die Chose entwickelt Dramatik, allein dadurch, dass jeder geistig gesunde Leser sich sicher sein kann, dass mit dem Gesetz, so lästig wie Steuer und Finanzamt, nicht zu spaßen ist. Auch nicht in Gods own Country. Gerade dort nicht. Sara, Hufschmiedin, geschieden, verbittert, mit sehr eigenen Ansichten über das Leben und die Männer, wird von Adam angezogen. Ihre Beziehung basiert auf Sex. Zumindest für Adam, den noch dazu Saras hausfrauliche Qualitäten hinsichtlich Futterbeschaffung locken. Soweit sein Gehirn das noch erfassen kann.

    Was Sara antreibt, außer den knackigen virilen, jungen, freudenspendenden Körper, weiß sie selbst nicht exakt zu benennen. Egal, diese eine Sache funktioniert für beide, wenn auch unter sehr unterschiedlichen Vorzeichen.

    Alle Personen existieren mehr oder weniger in einem Kampfgebiet, in dem sie versuchen, ihre eigenen bohrenden Gedanken zu beherrschen, der andere wird zum Objekt, Gefühle sind auf eine tiefere tierische Ebene herab gezogen. Boyle beherrscht die Kunst, sich in verschiedene Charaktere einzugraben, perfekt. Selbst Adam, die abwegigste und schwierigste der drei Hauptpersonen, wird beängstigend intensiv in seinen verworrenen, brutalen Gedankengängen geschildert. Die Ursache dafür wird nicht thematisiert. Als Leser muss man ihn so nehmen wie er dargestellt wird. Hier skizziert der Autor grob. Es ist das System, diese dunkle Seite Amerikas, die ihn ankotzt und gegen die er anschreibt, die ihn ebenso verzweifeln lässt, wie seine Protagonisten, die alle selbst in ihrer Verzweiflung gefangen sind.

    Folgerichtig hat er den Humor in seinem neuen Roman fast gänzlich weggelassen - es herrscht ja schließlich Krieg, im Innern wie auch in der Außenwelt. Einzig in den Szenen, in denen er die "typisch amerikanischen Rentner Kreuzfahrer" oder später die selbstorganisierte Heimatschutzgruppe vorführt, blitzt eine Form von resigniertem Zynismus durch. Adam kämpft gegen alle, Sara gegen den bösen Staat und seine Handlanger, Sten kämpft gegen das Alter.

    Boyle hat, in seinem ihm eigenen, distanziert beobachtenden Stil einen harten und trockenen gesellschaftsspiegelnden Thriller erster Güte geschrieben. Nicht jeder Leser wird ihn mögen. Wir konnten uns dem ihm eigenen Sog nicht entziehen. Uns hat er erreicht.

     

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