T. C. Boyle Talk Talk

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Inhaltsangabe zu „Talk Talk“ von T. C. Boyle

Sie ist jung, schön, zierlich, gehörlos und lässt sich wirklich nichts gefallen. Als Dana Halter eines Morgens ein Stoppschild überfährt, gerät sie in die Fänge der Justiz, die ihr Delikte vorwirft, die sie nie begangen hat. Es dauert Tage, bis sich herausstellt, dass Dana Opfer eines Betrügers geworden ist, der mit ihrer Kreditkarte bezahlt, Schecks auf ihren Namen ausstellt - und überhaupt ihre ganze Identität gestohlen hat. Als Dana nach erniedrigenden Tagen im Gefängnis auch noch ihren Job verliert, hat sie nur noch ein Ziel: diesen elenden Betrüger, der auf ihre Kosten in Saus und Braus lebt, zu finden. Der Kampf beginnt!

Kurzweilige Unterhaltung, leider ohne besonderen Tiefgang.

— Hoffin
Hoffin

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  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht
    GrOtEsQuE

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 24.09.2017: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   239 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  646 Punkte Beust                                          ---   302 Punkte Bibliomania                               ---   201 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  397,5 Punkte ChattysBuecherblog                --- 253 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   130,5 Punkte Code-between-lines                ---  136 Punkte eilatan123                                 ---   53 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   168 Punkte Frenx51                                     ---  82 Punkte glanzente                                  ---   82 Punkte GrOtEsQuE                               ---   78 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   157 Punkte Hortensia13                             ---   130 Punkte Igelchen                                    ---   25 Punkte Igelmanu66                              ---  178 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    95 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   122 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte katha_strophe                        ---   53 Punkte Kattii                                         ---   78 Punkte Katykate                                  ---   110 Punkte Kerdie                                      ---   239 Punkte Kleine1984                              ---   142 Punkte Kuhni77                                   ---   114 Punkte KymLuca                                  ---   103 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   259 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   226 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   92 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  55 Punkte mistellor                                   ---   181 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  131 Punkte Nelebooks                               ---  235 Punkte niknak                                       ----  285 Punkte nordfrau                                   ---   97 Punkte PMelittaM                                 ---   213 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   115 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   67 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 65 PunkteSandkuchen                              ---   205 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   178 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   279 Punkte SomeBody                                ---   178,5 Punkte Sommerleser                           ---   198 Punkte StefanieFreigericht                  ---   213,5 Punkte tlow                                            ---   149 Punkte Veritas666                                 ---   117 Punkteverruecktnachbuechern         ---   61 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   69 Punkte Wolly                                          ---   179 Punkte Yolande                                       --   171 Punkte

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    • 2303
  • Wer ist Dana Halter?

    Talk Talk
    BluevanMeer

    BluevanMeer

    15. August 2016 um 20:37

    Dana Halter ist eine junge Frau. Sie hat einen Job, sie hat einen Freund und sie ist eine unbescholtene Bürgerin. Als sie eines Tages ein Stopp-Schild überfährt, wird sie direkt festgenommen und auf die Polizeiwache gebracht. Sie wird verhört, festgehalten, gedemütigt, denn die Ermittler glauben, eine waschechte Kriminelle vor sich zu haben. Betrug, Diebstahl, die Liste der Vorwürfe ist lang, aber Dana hat sich nichts zu Schulden kommen lassen. Das einzige Problem: sie ist gehörlos und wird allein deshalb von den Polizisten als unterbelichtet eingestuft. Im Gefängnis gibt es keinen Gebärdendolmetscher und niemand hilft ihr. Es dauert bis sich die demütigende Situation klären kann. Dana ist Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden. Irgendjemand gibt sich als sie selbst aus und begeht am laufenden Band kriminelle Delikte. Und dann verliert sie auch noch ihren Job. Ein Alptraum! Aber Dana will die Situation nicht auf sich sitzen lassen. Wieder zu Hause plant sie gemeinsam mit ihrem Freund Bridger, den Unbekannten zu enttarnen. Ein spannender Roadtrip beginnt, bei dem die Hobbyermittler Dana und Bridger keine Ahnung haben, worauf sie sich einlassen... Ich bin von T. C. Boyle bisher noch nie enttäuscht worden. Auch die Geschichte von Dana und dem Unbekannten entpuppt sich als absoluter Pageturner. Dana will die Ungerechtigkeit nicht auf sich sitzen lassen und ihr Freund Bridger hilft ihr, wo er kann. Am Ende habe ich so viel Mitleid mit der Protagonistin, dass ich mir ein deutlich anderes Ende gewünscht hätte. Vielleicht habe ich in letzter Zeit zu viel Revenge geguckt, aber so wie die Situation am Ende gelöst wurde, bin ich keinesfalls zufrieden. Außerdem fehlt ein bisschen dieses typische T.C. Boyle - Gefühl beim Lesen. Dana ist ein tragisches Opfer der Umstände und am Ende schafft sie es, hoch erhobenen Hauptes über den Dingen zu stehen. Komischerweise hätte ich mir einen größeren Knall gewünscht, irgendetwas, was diese ganze Ungerechtigkeit ein bisschen weniger ungerecht macht. Das gibt es leider nicht und das lässt mich ein bisschen traurig und mit dem frustrierenden Gefühl zurück, dass Boyles Figur in diesem Roman eindeutig zu viel leiden musste.

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  • Rezension zu "Talk Talk" von T. C. Boyle

    Talk Talk
    awogfli

    awogfli

    Manche Leser meinen, dies sei der schlechteste Boyle, das finde ich gar nicht, dennoch läßt mich dieses Buch zwiegespalten zurück. Ganz T.C.-untypisch wirft der Autor den Leser sofort direkt in die Geschichte, bereits auf der ersten Seite passiert wesentliches, und das Tempo der Story reisst bis zum Schuss nicht ab. Das ist nicht das typische episch breite Herumgelabere des Autors, und dieser neue Stil hat mich außerordentlich begeistert. Auch das Thema des Romans - Identitätsdiebstahl - ist brandaktuell und kann uns alle treffen, vor allem die Bürger der USA, da nicht mal ein zentrales Melderegister existiert und mit Kreditkarten sehr sorglos ungegangen wird. Gerade weil ein derartiges Verbrechen jedem passieren kann, ist mir völlig unverständlich, warum Boyle als Opfer und Hauptfigur ausgerechnet eine Gehörlose gewählt hat. Eine typisch Benachteiligte - ein sogenanntes Doppelopfer, mit dem sich Otto Normalverbraucher nicht identifizieren kann. Die Geschichte geht in atemberaubenden Tempo weiter, als das Opfer mangels Engagements der Polizei beschliesst, den Täter auf eigene Faust aufzuspüren. Sowohl die Seelenwelt der Jäger als auch die der Gejagten werden ausgezeichnet erforscht, wobei die Rollen mehrmals wechseln. Das Ende hat mich leider gar nicht befriedigt, aber das ist ein sehr persönlicher Standpunkt. Ich wollte mehr Gerechtigkeit - oder Rache? ;-) Fazit: Sicher nicht der schlechteste Boyle aber untypisch. Sehr schwungvolle spannende Geschichte mit ein paar etwas zu effektheischenden dramatischen Elementen in Plot und Figurenaufbau.

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    • 4
    Arun

    Arun

    26. December 2015 um 10:24
  • "Talk Talk" von T. C. Boyle

    Talk Talk
    esmerabelle

    esmerabelle

    Eigentlich hat die Gehörlose Dana Halter nur ein Stoppschild ignoriert, aber als ihre Daten von der Polizei überprüft werden, prasseln die gegen sie vorliegenden Anzeigen nur so auf sie nieder. Erst nach einigen Tagen im Gefängnis stellt sich heraus, dass sie unschuldig ist und Opfer eines Identitätsdiebstahls. Trotz ihrer Schuldlosigkeit verliert sie ihren Job und ihren inneren Frieden und beschließt, selber etwas unternehmen zu müssen. Gemeinsam mit ihrem Freund Bridger macht sie sich auf die Suche nach dem wahren Täter und ist ihm schon bald dicht auf den Fersen. „Talk Talk“ von T. C. Boyle ist ein schwer zu greifendes Buch. Auf dem Cover findet man Zitate aus diversen Rezensionen, in denen Worte wie „Thriller“, „rasanter Roadmovie“ und „Spannung“ wiederholt genannt werden und man fragt sich unweigerlich, ob man tatsächlich das gleiche Buch gelesen hat. Ja, es wird verfolgt, beschimpft und gedroht, ja, Aggressionen liegen ununterbrochen in der Luft und ja, natürlich möchte man irgendwie wissen, wie es ausgeht. Aber das alleine garantiert noch keine Spannung. Die Geschichte schleppt sich dahin und als Leser läuft man Gefahr, spätestens auf halber Strecke das Interesse zu verlieren. Was aber nicht heißen soll, dass Boyle ein schlechter Schriftsteller wäre. Sein Stil ist, trotz der diskussionswürdigen Metaphern, klar und präzise und man fragt sich unwillkürlich, ob das Buch nicht doch ganz nett wäre, wenn er sich gut 250 Seiten kürzer gefasst hätte. Leider bleiben die Charaktere, trotz Boyles Talent für lebendige Beschreibungen, irgendwie formlos, neutral bis unsympathisch und der tiefere Sinn von Danas Behinderung ebenso nebulös und unbefriedigend, wie das ganze Werk, wenn man schließlich auf der letzten Seite angekommen ist. „Talk Talk“ ist ein Buch, das vielleicht mehr Spaß machen würde, wenn die Covergestaltung weniger Erwartungen wecken würde...vielleicht aber auch nicht. Sicher wird es Stimmen geben, die anderer Meinung sind, aber an dieser Stelle kann eine dringliche Leseempfehlung mit gutem Gewissen leider nicht erfolgen.

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    • 6
  • Über die "Sicherheit" unserer persönlichen Daten

    Talk Talk
    Alira

    Alira

    Der Titel bezieht sich auf die gehörlose Protagonistin, die Erzählung behandelt einen Identitätsraub aus verschiedenen Perspektiven und bekommt durch viele Zufälle immer wieder Wendungen, die einen positiven Ausgang unmöglich machen. Auch der Schluss bleibt offen. Ein Radmovie und ein typischer Boyle, nicht nur aufgrund der klaren Sprache ... PS: Mein (Baum)Buch hat einen blauen Umschlag, und ich habe beim Schreiben der Rezension gegrübelt, was "der Popo" mit der Geschichte zu tun hat. Erst als ich die übrigen Kritiken gelesen habe, habe ich die Zähne mit der Lippe erkannt. ;)

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    • 3
  • Ein hochspannender literarischer Thriller

    Talk Talk
    WolffRump

    WolffRump

    01. August 2013 um 21:36

    Genre: Literarischer (Psycho-)Thriller. Umfang: Ca. 457 Seiten (TB). Inhalt: Dana Halter ist gehörlos, aber es ist ihr mit viel Ehrgeiz gelungen, sich ein unabhängiges und erfolgreiches Leben aufzubauen. Sie begreift ihre Taubheit nicht als Behinderung, sondern als etwas, das sie besonders macht. Als sie eines Tages ein Stoppschild übersieht, bricht ihre Existenz wie ein Kartenhaus zusammen. Bei der Überprüfung ihrer Personalien stellt die Polizei fest, das Dana Halter in mehreren Bundesstaaten wegen diverser Verbrechen gesucht wird. Dana wird festgenommen und zusammen mit anderen potenziellen Kriminellen in ein Gefängnis gebracht. Sie kann sich verbal nur unzureichend verteidigen und muss miterleben, dass ihre Taubheit sie in den Augen von Polizei und Mitgefangenen gleichermaßen zu einer Aussätzigen macht. Sie verkriecht sich in die innere Isolation. Erst als ihr eine engagierte Pflichtverteidigerin zur Seite gestellt wird, wendet sich das Blatt. Die Anwältin kann schließlich nachweisen, dass Dana das Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden ist. Dana kommt frei und richtet ihre gesamte Energie auf die Ergreifung des Täters. Zusammen mit ihrem Freund gelingt es ihr, seinen Wohnort zu ermitteln, doch ihre Suche ist nicht unbemerkt geblieben. Das Thema des Romans (Identitätsdiebstahl) ist vor dem Hintergrund leicht zugänglicher kritischer Informationen über das Internet sowie der Möglichkeit der Täter, über dieses Medium unpersönlich wirtschaftlich aktiv zu werden, hochaktuell. Die Situation hat sich heute gegenüber dem Zeitpunkt, als der Roman erschien, noch deutlich verschärft. Die im Roman geschilderten Methoden wirken aus heutiger Sicht - ca. 7 Jahre später – und wenn man sich mit der Thematik etwas auskennt, fast harmlos. Viel wichtiger für das Buch ist jedoch die Frage, wie ein Mensch damit umgeht, dass seine Identität und damit auch sein psychisches Selbstkonzept angegriffen wird – und hierfür ist die verwendete Technik lediglich ein Katalysator. Perspektive: Wechselnde personale Perspektiven der Hauptfiguren. Da jede Figur eine ganz eigene Motivationslage hat und die Perspektiven sich zeitlich zT überschneiden, entsteht für den Leser ein multidimensionales Bild der Ereignisse. Die Zeitebenen sind anfangs gewöhnungsbedürftig, sie erweisen sich jedoch als reizvolle Besonderheit des Romans. Erzählzeit: Präteritum. Setting: Unterschiedliche Orte in Kalifornien und New York. Boyle spielt mit dem Kontrast, den das reale Grauen vor dem Hintergrund eines bürgerlich-spießigen Ambientes bietet. Struktur und Spannungsbogen: Der Aufbau ist für einen Spannungsroman klassisch: Die Welt der Protagonistin Dana Halter wird durch das auslösende Ereignis (Festnahme/Bedrohung durch Id.-Diebstahl) erschüttert. Hieraus ergibt sich der zentrale Konflikt: Um den Antagonisten davon abzuhalten, dass er ihr Leben vollends zerstört, muss Dana ihn zur Strecke bringen, auch wenn sie sich und andere damit neuen Gefahren aussetzt. Die Ausgangssituation der Protagonistin ist gegenüber dem Antagonisten hoffnungslos unterlegen und damit umso bedrohlicher. Dana ist in ihren Kommunikationsmöglichkeiten eingeschränkt und sie hat keinerlei Erfahrung im Hinblick auf das, was sie vorhat, ganz im Gegensatz zum Antagonisten, der ein Experte im Untertauchen ist. Dana hat zudem ihren Job verloren und findet lediglich in ihrem Freund einen mal mehr, mal weniger motivierten Unterstützer. Aus den Reibungen zwischen der übermotivierten Dana und ihrer Umwelt, die sie (aus ihrer Perspektive) zu wenig unterstützt, entsteht zusätzliche Spannung. Kurzum, die Ausgangssituation ist hoffnungslos und genau so sollte sie auch sein, um ein Maximum an Spannung zu generieren. Dana gibt trotz ihrer Unterlegenheit nicht klein bei und überlässt die Angelegenheit nicht der unmotivierten Polizei. Durch ihre ‚Behinderung’ gestählt, geht sie zum Gegenangriff über. Ihre Überreaktionen werden angesichts eines übermächtigen Antagonisten für sie und ihren Freund wiederholt zu einer Gefahr (Spannung!). Die Whodunit-Suche und -Überführung führt zu zahlreichen Twists. Immer, wenn die Verfolger dem Antagonisten nahe kommen, erfolgt ein Rückschlag und stellt sie vor eine noch größere, scheinbar unlösbare Aufgabe. Auf der anderen Seite der ‚Krimi-Gleichung’, wird der ‚Goliath-Antagonist’ durch seinen ‚David-Verfolger’ immer mehr unter Zugzwang gesetzt. Sein geliebtes bürgerliches Scheinleben gerät in Gefahr. Auch seine Existenz beginnt in der Folge zu bröckeln. Aufgrund seiner psychischen Konstitution verhält er sich zunehmend irrational und bringt die eigentlich abgeschlagenen Verfolger wieder ins Spiel. Es kommt zum Show Down (Klimax) und - für den Leser überraschend und für manchen auch frustrierend, zum Bruch mit der liebgewonnenen Krimilogik. Was erwarten wir? Die Protagonistin siegt, der Antagonist wird bestraft und die Protagonistin heiratet im Epilog von Dankbarkeit beseelt ihren Co-Protagonisten. Die Nihilisten unter uns erwarten möglicherweise ein Neo noir – Finale. Beide haben ihre Rechnung nicht mit TC Boyle gemacht. Formale Tools, wie zB Cliff-Hanger, werden konsequent eingesetzt, um die Spannung zu maximieren. Charaktere: Auch wenn der Plot alle Insignien des Spannungsromans aufweist, liegt der Fokus eindeutig auf den Chakteren und ihrer Entwicklung. Dana Halter: Protagonistin, taub, hochintelligent, Lehrerin an einer Gehörlosenschule, hat Panik vor jeder Form von Abhängigkeit; sie hat in der Vergangenheit gelernt, dass die Umwelt sie als zurückgeblieben oder durchgeknallt wahrnimmt; sie reagiert bissig auf Zurückweisungen und ist egoistisch in der Durchsetzung ihrer Ziele. Bridger: Webdesigner, gibt nichts auf Äußerlichkeiten oder Geld, Danas Freund und Support, ist etwas lethargisch, wird von Dana permanent (über)gefordert; er will sie beschützen und gerät durch sie in Gefahr. Peck Wilson: Antagonist, kriminelle Historie, hatte einst ein bürgerliches Leben mit Familie, wechselt seine Identitäten wie ein Taschenkrebs sein Gehäuse, intelligent, überheblich, rücksichtslos, soziopathisch, legt viel Wert auf bürgerliche Symbole, sein Schwachpunkt ist seine leibliche Tochter, die von ihm ferngehalten wird. Alle Hauptfiguren sind tief ausgearbeitet und durchweg dual angelegt: Dana hat sympathische Eigenschaften wie ihre Stärke und Furchtlosigkeit und negative wie ihre Überreaktionen, mit denen sie andere leichtfertig in Gefahr bringt. Wie es Boyle gelingt, in die Welt einer Gehörlosen einzutauchen und dabei an allen gängigen Klischees vorbei eine emphatische, aber gleichzeitig auch kritikstiftende Figur zu entwerfen, ist eindrucksvoll. Bridger ist ein herzensguter Kerl, der Dana bedingungslos liebt – er hat jedoch zu wenig Ehrgeiz und ist zu passiv, um mit Dana in einer Liga spielen zu können. Dadurch fühlt sie sich von ihm behindert, und hat gleichzeitig ein schlechtes Gewissen, weil sie ihn überfordert und sich undankbar fühlt. Peck ist gegenüber seinen Gegnern kalt und brutal, aber er empfindet Zuneigung für seine Freundin und deren Tochter und will ihnen alles bieten, auch wenn er sich von ihnen zeitweise ausgenutzt fühlt. Peck hat auch eine sensible Seite, die in der bedingungslosen Liebe zu seiner leiblichen Tochter und seinem Faible für das Kochen ihren Ausdruck findet. Die inneren Konflikte der Figuren sind das Leitmotiv des Romans. Sie sind spannend und dabei absolut authentisch. Insbesondere Danas Kampf mit ihren Dämonen (ihre Stärke, die sie aus der Krankheit gezogen hat, ist gleichzeitig ihre Schwäche gegenüber ihren Mitmenschen) ist nachfühlbar und lässt den Leser zwischen Empathie und Kritik schwanken. Peck entlarvt in seinem Streben nach Bürgerlichkeit und seinem gleichzeitigen Hass auf die blasierte Hohlköpfigkeit, die ihm in dieser Umgebung begegnet, die Insignien der Neureichen, die er doch so sehr begehrt. Peck hat ganz ähnlich wie Dana ein untrügliches Gespür für das Sein der Menschen hinter dem Schein. Die Nebenfiguren setzen Dana und Peck als Hauptcharaktere lediglich in Szene. Sie sind klischeehaft angelegt und repräsentieren bestimmte Typen, wie. z. B. Pecks Freundin Natalie (Osteurop., einfache Herkunft, shoppingsüchtig, geltungsgeil, egoistisch, nutzt Peck aus, um selbst nach oben zu kommen; als er ihr keine Vorteile mehr bringt, lässt sie ihn fallen). Sprache/Duktus: Boyle haucht seinen Figuren und ihrem Innenleben mit einer kraftvollen metaphorischen Sprache Leben ein. Dennoch ist sein Ausdruck nicht barock überladen. Boyle gelingt es, die einstürzenden emotionalen Fassaden seiner Figuren sprachlich perfekt auszutarieren. Der körperliche Verfall der Hauptfiguren, der ihre psychische Belastung optisch permanent spiegelt‚ liefert eindrucksvolle Bilder für das sensorische Miterleben des Lesers. Der Roman ist insgesamt sprachlich am oberen Ende des Genres anzusiedeln. Fazit: ‚Talk Talk’ ist ein hochspannender literarischer Thriller, der den Leser miterleben lässt, wie ein simpel zu realisierender Identitätsdiebstahl einen Betroffenen in den Augen der Behörden zum Täter macht – Umkehr der Beweispflicht gegenüber Banken und Versicherungen inklusive. Boyle nutzt das Thema jedoch nur als Aufhänger rsp. als Haifischbecken, in das er seine Protagonistin wirft, die durch ihre Gehörlosigkeit ohnehin schon besonderen Bewährungsproben ausgesetzt ist. Wer in der Folge eine tränenfeuchte Story voller Mitleid und sozialer Wohlfühlromantik erwartet, wird angenehm enttäuscht. Boyles taube Protagonistin ist alles andere als nur ein Opfer, und ihre Gehörlosigkeit ist alles andere als nur eine Behinderung. Ihr Gegner, der Identitätsdieb, kann zwar die bürgerlichen Existenzen seiner Opfer imitieren, sein Ziel, selbst dazuzugehören, bleibt ihm verwehrt. ‚Talk Talk’ ist ein psychologisch fein ausgeloteter und sprachlich dichter Kampf zweier herausragender Figuren gegeneinander und gegen sich selbst. Lediglich das Finale wirkt etwas uninspiriert. Das sprachliche Niveau des Romans ist deutlich am oberen Ende des Genres anzusiedeln.

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  • Rezension zu "Talk Talk" von T.C. Boyle

    Talk Talk
    R-E-R

    R-E-R

    03. July 2012 um 21:48

    “Er sah ihr unverwandt in die Augen. Sein Mund war fest geschlossen - kein Mitgefühl. Da merkte sie, dass er es glaubte. Er glaubte, sie habe ein Doppelleben geführt, jede Regel des Anstands verletzt und die Gemeinschaft der Gehörlosen in Verruf gebracht. Wieder einmal war ein Vorurteil der Hörenden bestätigt worden. Ja, sagte sein Blick, die Gehörlosen leben nach Ihren eigenen Regeln, und die sind minderwertig und verwässert, sie leben von uns und auf unsere Kosten. Dieser Blick hatte sie ihr Leben lang begleitet.” Dana Halter überfährt auf dem Weg zum Zahnarzt ein Stoppschild. Was zunächst wie eine routinemäßige Verwarnung der Straßenpolizei beginnt, weitet sich zu einem Alptraum kafkaesker Dimensionen. Die junge Lehrerin wird ins Gefängnis gesteckt. Nach mehreren Tagen unter schlimmen Bedingungen in Haft, stellt sich der Irrtum heraus. Ein Unbekannter hat ihre Identität übernommen und unter ihrem Namen diverse Straftaten begangen. Dana wird zwar entlassen, aber die Justiz spricht sie nicht frei. Um sich von allen Vorwürfen reinzuwaschen, muss sie den Beweis führen unschuldig zu sein. Zunächst sieht sie von dieser Art der Selbstjustiz ab. Als Sie jedoch ihren Job verliert und ihr offenes Misstrauen entgegenschlägt beschließt sie ihren guten Ruf wieder her zu stellen und den wahren Täter zu finden. Boyle erzählt die fesselnde Geschichte aus drei Perspektiven. Aus der Sicht von Dana, Bridge (ihrem Freund) und Peck Wilson, dem Betrüger. Bridger ist die Figur der man seine Sympathie vorbehaltlos schenkt. Er liebt die Andersartigkeit seiner Freundin. Unermüdlich tut er alles um sie aus dem Gefängnis zu holen. Verständnisvoll kümmert er sich nach der Entlassung um ihre seelische Verfassung. Beides wird ihm nicht wirklich gedankt. Geduldig begleitet er sie auf ihrer Verfolgungsjagd quer durch Amerika ohne zu ahnen, dass auch seine Identität schon benutzt wird. Dana ist in ihrer Sturheit rücksichtslos. Sie verurteilt die Welt aufgrund ihrer Vorurteile gegenüber Gehörlosen und oft muss ihr netter Freund für Wut und Enttäuschung herhalten. Das Mitleid mit Dana hielt sich bei mir in Grenzen. Manchmal war ich eher wütend über ihren Eigensinn ohne Rücksicht auf Verluste. Was bei Dana allerdings der Egoismus einer von Klein auf antrainierten Selbständigkeit trotz Handicap ist, stellt sich bei Peck als krankhafte Selbstüberschätzung gepaart mit unbändiger Wut auf alles was sich seinen Wünschen entgegenstellt dar. Boyle skizziert einen selbstverliebten, eitlen Charakter, der vor Gewalt nicht zurückschreckt, wenn etwas nicht nach seinem Willen geht. Er weckt auch bei diesem Charakter keine falschen Sympathien. Egal wie elegant der Snob sich im edlen Umfeld seiner ergaunerten Existenz bewegt und wie faszinierend seine erlesenen Kochkünste und Weinkenntnisse bis ins kleinste Detail geschildert werden, man erkennt das schwarze Loch unter der glatten Oberfläche. Und fragt sich unwillkürlich, wie oft man sich schon täuschen ließ von einem bestechenden Äußeren, teurer Kleidung und nach außen guten Manieren. Neben aller Spannung, Dramatik und Tragik geht es in seinem Roman “Talk, Talk” aber vor allem um eines: Sprache. Wie wir uns verständigen und wie wir mit denjenigen umgehen, mit denen wir uns nicht auf gewohnte Weise verständigen können. Dana nimmt ihr Schicksal nicht ergeben hin, sondern quält sich, ihr Umfeld und den Leser mit einer ganz eigenen Sturheit. Sie ist gehörlos, nicht hilflos. Und will auch nicht so behandelt werden. Sie richtet ihre Worte unermüdlich an eine Welt, die nicht zuhören will oder kann. Der Einblick den sie dem Leser in die Welt der Gehörlosen gewährt ist faszinierend. Die Gedanken, die Dana in der Mimik ihrer Gegenüber lesen kann, sind oft die eigenen, derer man sich schamhaft bewusst wird. “Wir sind unsere Sprache, aber unsere wirkliche Sprache, unsere eigentliche Identität liegt in der inneren Sprache, die den individuellen Geist bestimmt”. Dieses Zitat von L.S. Wygotski stellt Boyle seinem Roman voran. Es ist wohl der Leitspruch für die Figur Danas, die taub aber nicht stumm ist. Und die sowohl mit ihrer inneren Stimme als auch in hörbarer Sprache ein Plädoyer für Gleichheit und Toleranz formuliert.. Ein glänzend geschriebener Roman über “unsere eigentliche Identität.

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  • Leserunde zu "Netzkiller" von Oliver Wolf

    Netzkiller
    oliverwolf

    oliverwolf

    Drei befreundete Gleitschirmflieger stoßen durch Zufall auf eine Leiche, bei der sie einen Zettel mit einer seltsamen Notiz und ein Messer finden. Ein junger Mann versucht in einer Besenwirtschaft jemanden abzupassen, wird daran aber gehindert. Eine Studentin stößt in einer überfüllten Straße in London mit einem deutschen Touristen zusammen. Nachdem sie sich von dem ersten Schreck erholt hat, findet sie in ihrer Tasche ebenfalls eine mysteriöse Notiz. Was diese Fälle miteinander zu tun haben, kommt erst heraus, als ein Schüler zufällig auf eine Internetseite stößt, auf der illegale Downloads angeblich verfolgungssicher angeboten werden. Der Download funktioniert nicht, stattdessen wird er ungewollt Spielfigur in einem ganz anderen, viel realeren Spiel, denn jeder, der sich einloggt, ist dem »Gamemaster« hilflos ausgeliefert und nimmt an einem ganz besonderen Spiel teil. Die Regeln sind einfach: Finde eine Person auf einem vorgegebenen Google-Street-View-Bild oder sie wird sterben. Die Kriminalbeamten André Bürkle und Antonia Ronda machen sich auf die Jagd nach dem Mörder, doch selbst als dieser gefasst wird, ist das Spiel noch lange nicht vorbei … Wie die Geschichte weitergeht erfahrt Ihr in meinem neuen Buch „Netzkiller“ das am 13.02.2012 im Gmeiner Verlag erscheint. Ab 20.02.2012 startet dann die Leserunde hier bei Lovelybooks. Selbstverständlich werde ich selbst auch an der Leserunde teilnehmen und Euch Rede und Antwort stehen. Unter Allen, die mir bis 17.02.2012 mitteilen, was ihre größten Ängste im Zusammenhang mit sozialen Online-Netzwerken sind, verlose ich 10 von mir signierte Exemplare meines Buches „Netzkiller“. Ich wünsche Euch jetzt schon viel Spaß beim Lesen und freue mich auf Euer Feedback. Vielleicht möchte auch jemand von Euch am Ende der Leserunde eine Rezension über das Buch schreiben. Eine Leseprobe, eine Hörprobe sowie den Buchtrailer findet Ihr unter: http://www.oliverwolf.org/index-2.html

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  • Rezension zu "Talk Talk" von T. C. Boyle

    Talk Talk
    Holden

    Holden

    Das Buch wird oft als schlechtestes von TCB dargestellt, verstehe ich nicht, ein runder Krimi um Identitätsdiebstahl mit der Besonderheit, daß das Opfer gehörlos ist. Wirklich gut.

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  • Rezension zu "Talk Talk" von T. C. Boyle

    Talk Talk
    lovely_ann

    lovely_ann

    06. March 2011 um 13:20

    Talk Talk heißt: das unterhalten in Gebärdensprache. Damit wäre schon ein Thema des Romans bestimmt: die Hauptperson ist Dana Harper, eine taube Gebärdensprachelehrerin an einer Gehörlosenschule. Der Roman beginnt mit dem zweiten großen Thema des Romans: als Dana eines Tages in einer Polizeikontrolle gerät, stellt die Polizei fest, daß unzählige Haftbefehle wegen unterschidelichster Betrügereien gegen sie vorliegen und nimmt sie fest. Nach einem trostlosen Wochenende im Knast stellt sich dann aber heraus: hier hat jemand ihre Identität gestohlen. Unter ihrem Namen, mit ihrer Sozialversicherungsnummer und mit ihrer Identität lebt da ein zweiter Mensch, der all diese Verbrechen begangen hat. Nicht nur die Polizei ist hinter diesem Dr. Dana Harper (ein Mann!) her, auch diverse Gläubiger. Und so bekommen die wahre Dana und ihr Freund Bridger schließlich die Telefonnummer des Kerles und sind dem Identitätsdieb auf der Spur. Der Roman wechselt mehrfach die Perspektive und man erfährt auch aus dem Leben des zweiten Dana Harper, Peck. Seine Geschichte, wie er dazu kam... Und es entwickelt sich zu einer Jagd von der West- an die Ostküste. Wie schon erwähnt steht Talk Talk nicht für sinnloses Gerede, sondern für die Gebärdensprache. Aber ersteres wäre auch möglich gewesen. Mich hat der Roman von T.C. Boyle etwas enttäuscht. Bei einem anderen, unbekannten Autor hätte ich so manches wohl nicht so krumm genommen, aber von Boyle erwarte ich besseres. Die Geschichte ist schnell und ruckzuck gelesen. Sie ist sehr kurzweilig und es gibt sogar eine gewissen Spannung. Es kommt nicht oft vor, daß ich einen 390 Seiten an einem Tag durchlese. Der Roman ist locker, flockig, leicht verdaulich und belastet nicht. Aber genau hier liegt auch das Problem: es ist so gemütlich wie ein Fast Food Restaurant und läd nicht zum verweilen ein. Es fehlt vieles, was ältere Boyle Romane auszeichnen: das Verweben von Themen, die skurillen, aber absolut glaubhaft gestalteten Personen. Hier bleiben zwei Themen nebeneinander stehen, die sicher beide ihre Brisanz haben. Das Thema Identitätsdiebstahl hat sicher seine Aktualität. Aber Boyle scheint bei diesem Thema keine Stellung zu beziehen, außer der Tatsache: seht her, so leicht ist es. Und beim Thema Taubheit versagt Boyle meiner Meinung nach völlig. Es gelingt ihm kaum, daß Leben in der stillen Welt einzufangen. Hier mag eventuell auch die Übersetzung eine Rolle spielen, denn wie die Gebärdensprache im englischen Original dargestellt ist, kann ich nicht sagen. Boyle gelingt es auch nicht, diese Themen in zu verweben. Er stellt sie in den Raum, behandelt sie nicht miteinander und auch im einzelnen nicht konsequent. Und noch ein Wort zu den Charakteren: sie bleiben im Klischee und werden so nicht glaubhaft, wie Boyle es sonst so schafft. Die hübsche, gute und bemitleidenswert gehandicapte Dana und ihr fürsorglicher, liebender, herzensguter Freund Bridger haben keine Schattenseite, nichts böses. Sie sind zu gut für diese Welt. Und dann ist da Peck, der böse Dieb, der sich hineinsteigert, kein Mitgefühl hat, egoistisch, böse und dumm. An seiner Seite ein oberzickiges, aus Russland emigriertes Luxusweibchen. Und sie entwickeln sich aus diesem Stadium auch kaum hinaus. Schade - wie gesagt, von Boyle hätte ich einfach mehr erwartet.

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  • Rezension zu "Talk Talk" von T. C. Boyle

    Talk Talk
    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    22. December 2010 um 10:08

    Im neuen Roman des amerikanischen Kultautors T.C. Boyle geht es um einen Identitätsdiebstahl, der an der jungen Dana Halter verübt wird. Dana ist eine Attraktive, gehörlose Frau, die ihr Leben voll im Griff hat. Bis zu dem Tag als sie urplötzlich im Gefängnis landet. Es stellt sich sehr schnell heraus, dass sie völlig unschuldig ist und ein unbekannter Krimineller ihre Identität gestohlen hat. Der Fremde hat sich auf ihren Namen Führerscheine ausstellen lassen, Handyverträge abgeschlossen und Kreditkarten benutzt, mit denen er in Saus und Braus lebt. Die Polizei unternimmt nur wenig und so macht sich Dana mit ihrem Freund Bridger auf die Jagd nach dem Betrüger quer durch Amerika. Diese Jagd aber ist hochgradig gefährlich, denn der Täter ist brutal und kaltblütig. Da er mit verschiedenen Namen unterwegs ist und seine eigene Identität dadurch aufgegeben hat, ist er nur schwer auszumachen. T.C. Boyle erzählt seinen temporeichen Thriller aus zwei Perspektiven, die für extreme Spannung sorgen. So lernt der Leser sowohl die drastischen Auswirkungen dieser Verbrechen auf Danas Leben kennen, als auch die Motive des Täters. "Talk Talk" ist ein Thriller, der atemlos und rasant eine Hetzjagd schildert, in der der Jäger schnell zum Gejagten und der Gejagte zum Jäger werden kann. Man merkt diesem Buch an, dass Boyle sich hier eines Themas annimmt, welches ihn stark beschäftigt haben muss. Dieses Buch ist daher sehr ambitioniert und zeigt auf, dass wir in diesem digitalen Zeitalter zu "gläsernen" Menschen werden können und es jederzeit möglich sein kann, seiner Identität beraubt zu werden.

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  • Rezension zu "Talk Talk" von T. C. Boyle

    Talk Talk
    theworldisavampire

    theworldisavampire

    01. March 2010 um 15:23

    einer gehörlosen wird die identität 'geraubt'. aber wie soll sie sich gegen die ganzen anschuldigungen wehren, wenn sie nicht verstanden wird? ist genauso merkwürdig sinnlos zusammenkonstruiert, wie es klingt. kann aber auch sein, dass ich boyle einfach nicht begreife. =)

  • Rezension zu "Talk Talk" von T. C. Boyle

    Talk Talk
    Hinck

    Hinck

    16. January 2010 um 14:41

    Identitätsdiebstahl ist ein hochaktuelles Thema. Boyle benutzt es als Vehikel für einen m.E. doch recht recht mittelmäßigen "hochdramatischen Thriller" (Aussage des Verlages). Dass die Protagonistin gehörlos ist, erscheint für das Geschehen nicht von Bedeutung. Beides, Identitätsdiebstaht und Gehörlosigkeit, ist nicht wirklich gut recherchiert. Da ich nicht annehme, dass Boyle seine Sprache und seine Ausdruckskraft verändert oder gar verloren hat, scheint mir der neue Übersetzer hier sein Unwesen getrieben zu haben. Fazit: ein langatmiges, nicht wirklich spannendes Buch, an dem ich vier Wochen "herumgeslesen" habe.

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  • Rezension zu "Talk Talk" von T. C. Boyle

    Talk Talk
    Bernhard

    Bernhard

    08. June 2009 um 11:44

    Klasse Buch lies sich wie geschnitten Brot. Der Klau einer Identität ist ein interessante Idee und noch dazu wirklich gut umgestetzt.

  • Rezension zu "Talk Talk" von T. C. Boyle

    Talk Talk
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    23. February 2009 um 12:27

    (Talk Talk, Ausdruck aus der Amerikanischen Gebärdensprache (ASL), in der Deutschen Gebärdensprache (DGS) »gebärden«, bedeutet ein entspanntes Gespräch unter Gehörlosen mittels Gebärden.) Der amerikanische Schriftsteller T.C. Boyle liebt das Wechselspiel. Hat er gerade einen Band mit Kurzgeschichten veröffentlicht, muss es danach wieder die Kunst des Romanschreibens sein, der er sich widmet. Hat er einen historischen Roman veröffentlicht, wie zuletzt über den amerikanischen Sexualforscher Alfred Kinsey, so wechselt er mit dem nächsten wieder in die Gegenwart oder in die Zukunft. »Talk Talk«, betrifft sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft. Denn er thematisiert darin den Identitätsdiebstahl, ein aktuelles Problem, wenn man bedenkt, dass die US-Handelsaufsicht FTC im Jahre 2002 insgesamt 168.000 Anzeigen und 380.000 Beschwerden wegen Identitätsdiebstahl registrieren musste und dieses Vergehen damit als eine der am stärksten zunehmenden Kriminalitätsformen in hochtechnisierten Ländern gilt. Nicht nur die polizeilichen Ermittler professionalisieren ihre Methoden, auch die Kriminellen. Hierzulande mit Kameras und Scannern manipulierte Geldautomaten markieren da sicher nur den Anfang einer Entwicklung, deren Höhepunkt noch lange nicht in Sicht ist. Opfer in Boyles Geschichte ist die gehörlose Dana Halter, die eines hektischen Morgens ein Stoppschild überfährt. Die Folge: Eine Geldstrafe und vielleicht ein paar Punkte im Verkehrssünderregister? Viel schlimmer! Dana Halter findet sich in Untersuchungshaft wieder. Die Delikte, die ihr vorgeworfen werden, reichen von Autodiebstahl bis zu Drogenmissbrauch und Angriff mit einer tödlichen Waffe. Zu Unrecht. Denn es stellt sich heraus, dass jemand ihre Identität gestohlen hat. Nach mehreren Tagen eines – nicht zuletzt wegen ihrer körperlichen Behinderung – erniedrigenden Gefängnisaufenthalts begibt sich Dana Halter zusammen mit ihrem Freund Bridger Martin auf die Suche nach der Person, die ihr das angetan hat, nach der Person, die mit ihrem Namen und auf ihre Kosten in Saus und Braus lebt. Es ist der Beginn einer bis zum Ende offenen Verfolgungsjagd. Den Übeltäter stellt Boyle in seinem neuen Buch ebenfalls ausführlich vor. Er greift damit auf eine seiner bewährten Schreibtechniken zurück: das Schildern einer Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Obwohl man nicht alle Handlungen von Dana Halter und ihrem Freund nachvollziehen kann oder Sympathien für ihren Gegenspieler entwickeln mag, fiebert man doch mit beiden Parteien mit. Denn Boyle knüpft in »Talk Talk« einen Spannungsbogen, der von der ersten bis zur letzten Seite reicht. Es ist sicher nicht sein gelungenstes Werk, wohl aber das temporeichste, das er bisher geschrieben hat.

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