Wassermusik

von T. C. Boyle 
4,3 Sterne bei338 Bewertungen
Wassermusik
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (282):
Andreas_H__Dreschers avatar

Was für ein Können! Was für ein Schwung! Der Niger selbst hätte mich nicht schäumender fortspülen können.

Kritisch (18):
fuxlis avatar

Am Ende fragt man sich, warum man das eigentlich gelesen hat ...

Alle 338 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Wassermusik"

T.C. Boyles Meisterwerk in limitierter Sonderausstattung

Er ist das Enfant terrible der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Er ist ein Popstar, ein lustvoller Provokateur, die coolste Sau unter der kalifornischen Sonne. Und: Er feiert seinen 70. Geburtstag! Unser Geschenk: Seine vier kultigsten Romane in einer limitierten Sonderausstattung.

Der schottische Afrikaforscher Mungo Park begibt sich Ende des achtzehnten Jahrhunderts auf die Suche nach dem Niger. Auf der Tour de Force sind außerdem dabei: Huren, Schläger, Kannibalen, Stammesfürsten und Glückritter. Eine humorvolle groteske Abenteuerreise durch das ferne Afrika.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423146814
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:576 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:26.10.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 14.05.2007 bei Random House Audio erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    Valentina75s avatar
    Valentina75vor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Opulent und sprachgewaltig
    Ein wirklich gelungenes Buch!

    Ich bin ein großer Fan von T.C. Boyle und glaube, dass dieses Buch sein Meisterwerk ist. Opulent, sprachgewaltig, spannend, grausam, mitreißend, tragisch – hier ist alles drin. Ja, man muss sich auf seinen Stil einlassen, es "liest sich nicht einfach so weg", aber wer es tut, wird mit einem fantastischen Buch belohnt.

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    Sikals avatar
    Sikalvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Herrlich, humorvoll und sowas von schräg!
    Nichts für Zartbesaitete

    Der Roman erzählt von dem jungen schottischen Forscher Mungo Park, Ende des 18. Jahrhunderts, der mit viel Enthusiasmus nach Afrika reist, um den Niger zu erkunden. Mit seinem Begleiter und Dolmetscher Johnson steht ihm ein loyaler, verlässlicher Partner zur Seite, mit dem Park etliche Abenteuer zu bestehen hat.

    In einem zweiten Erzählstrang erfährt man von Pechvogel Ned Rise, seinen Geschäftsideen und seinen Exzessen in London. Wie sich die beiden Erzählstränge verbinden, kann man als Leser lange Zeit nicht vermuten und wartet gespannt – und man wird von Boyle natürlich nicht enttäuscht.

    Boyles Abenteuerroman wurde hochgelobt und punktet ganz sicher durch seine ausdrucksstarken, vielschichtigen Charaktere. Man findet den Schurken ebenso wie den Idealisten, Adelige, Kannibalen, Stammesfürsten, Geschäftemacher, Schläger und viele andere mehr. Zu Beginn war ich von der Fülle an Personen mit den nicht leicht zu merkenden Namen schlichtweg überfordert. Erst nach ca. einem Drittel war ich so von dem Buch gefangen, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen wollte. Boyle schafft es hier besonders, mich in das Buch zu ziehen und mich nicht mehr loszulassen.

    Doch nicht nur eine Flut an Charakteren überschwemmt das Buch, auch Handlungen, Nebenhandlungen, verschachtelte Sequenzen und rasante Geschehnisse wechseln Schlag auf Schlag. Boyle gelingt es, absurde und skurrile Szenerien einzubinden(das tote Huhn um den Hals war hier nicht so ganz meine Sache …), ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren (obwohl ich beim Harfe-spielenden Krokodil schon nahe dran war …).

    Boyle lässt nicht zu, dass seine Bücher leicht und überschaubar bleiben, dass man so nebenbei mal ein paar Seiten liest. Nein, er will seine Leser fordern, will die ganze Aufmerksamkeit, den ihm zustehenden Ekel, aber auch die Schmunzler auf seiner Seite. Und – er hat es sich verdient, seine Fabulierkunst ist einzigartig.

    Der Roman ist ziemlich schräg, lässt auf Leser-Seite so ziemlich alles zu: Staunen, Ekel, Humor, Tränen … Es ist kein einfaches Buch, man muss sich darauf einlassen können und etwas Geduld kann nicht schaden, doch man wird dafür belohnt.

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    fuxlis avatar
    fuxlivor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Am Ende fragt man sich, warum man das eigentlich gelesen hat ...
    Warum habe ich das gelesen?

    Eines kann man sagen: T. C. Boyle kann schreiben. Die sprachliche Schönheit, kombiniert mit einer Erzählweise, die die Gradwanderung zwischen Beschreibungen bis ins kleinste Detail geht und humoristischen (manchmal recht derben) Einwürfen perfekt beherrscht, ist schon etwas Besonderes. So verschachtelte Sätze wie den eben jetzt findet man übrigens häufig. Ich mag so etwas. Aber ich mag auch Bücher, bei denen ich mich am Ende nicht fragen muss, warum ich das eigentlich gelesen habe. Eine Story mit einem richtigen Ende? Ein Höhepunkt, auf den alles zusteuert? Spannung mit einer Lösung am Ende? Nicht wirklich. Faszinierende neue Einblicke? Wirklich Wissenswertes? Nein.
    Die Handling hat drei Stränge. Zwei hängen zusammen, warum es den dritten gibt, wurde mir bis zum Schluss nicht klar. Interessante Ansätze gab es auch eine menge. Zum Beispiel als Ailie die Welt des Mikroskops entdeckt. Aber anstatt daraus etwas zu machen setzt sie sich lieber hin und macht, was sie eigentlich das ganze Buch hindurch macht. Sie wartet auf Mungo Park. Und der sucht den Niger, findet ihn, scheitert aber eigentlich, zieht nochmal los … und lernt dabei nichts dazu. Sein Charakter ändert sich nicht, er wächst nicht an seinen Problemen, entwickelt sich nicht weiter. Und der dritte im Bunde, Ned Rise, von dem ich, wie schon gesagt, nicht weiß, warum er überhaupt vorkommt, bleibt auch immer der kleine Lump, der er von Anfang an war. Auf 700 Seiten wird letztlich von Menschen berichtet, die einem am Ende so egal sind wie am Anfang. Die einzige wirklich berührende Figur im Buch ist Johnson. Er atmet und lebt, man nimmt Anteil an seinem Schicksal – das aber schon im ersten Drittel des Buches damit zu enden scheint, dass ihn ein Krokodil frisst.
    Insgesamt hat dieser Roman für mich nicht so recht einen Sinn gemacht. Da hilft auch die Schönheit der Sprache nicht. Ein eher enttäuschendes Leseerlebnis also.

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    awogflis avatar
    awogflivor 2 Jahren
    Odysseus und Kara Ben Nemsi treffen tausendundeine Nacht in Afrika und Oliver Twist in London

    Am Anfang habe ich mich sehr über das Thema von Boyles Roman gefreut, denn Afrika kannte ich literarisch abgebildet so gut wie gar nicht außer Trojanov und Conrad, und die typische episch breite Fabulierkunst von T.C. Boyle war auf den ersten Seiten dieser Geschichte eher ein Vorteil als ein Manko: Man roch förmlich sowohl die afrikanische Wüste als auch das dreckstarrende, nach Fäkalien stinkende London.

    ....und dann musste es der Autor dermaßen übertreiben - übrigens ein Paradefehler von T.C. - sodass ich teilweise am Ende des ersten Teils wirklich ein bisschen genervt war. Man kann fast von määndernder Sprache sprechen, hier geben sich bis zum Erbrechen ausufernde Manierismen, methaphernschwangere Beschreibungen und einige böse Anachronismen derart übel die Klinke in die Hand, flankiert von der Beihilfe eines Übesetzers, der auch gaaanz tief im Wörterbuch der fast nie verwendeten abstrusen Synonyme gekramt hat, sodass es mich als Leser manchmal richtig geschüttelt hat.

    "Es ist ein Alptraum. Wie der Versuch, den Himalaya auf Rollschuhen zu bezwingen oder den Ärmelkanal mit einer eisernen Kanone am Bein zu durchschwimmen. "

    Mein Lese-Mitstreiter Armin nannte es ganz treffend Gewimmel und genau wie ein kleinkindliches Wimmelbilderbuch ist die Geschichte strukturell aufgebaut. Die aus dem Ruder gelaufene Erzählsprache, die Zillionen von Figuren, die diesen Roman bevölkern, die hundert kleinen Handlungsstränge.  Es passiert manchmal viel zu viel, sodass sich das Gehirn zu verknoten droht. Auch die Beziehungen der Figuren untereinander sind derartig mit Unwahrscheinlichkeitsantrieb (a la man trifft sich im Leben mindestens 6 Mal) konzipiert, dass dem Leser bald klar wird: Dies ist die 6. Potenz der der Fiktion, die Urmutter des Märchens, das Lehrbuch des Baron von Münchhausen, wenn er denn je eines gehabt hätte.

    Odysseus und Kara Ben Nemsi treffen tausendundeine Nacht in Afrika und Oliver Twist in London.

    ....und dann kann man sich als Leser ganz allmählich wieder anfreunden mit diesem außerdordentlich schrägen Konzept, man könnte es auch eine satirische Überspitzung des Genres Abenteuerroman bzw. -märchen nennen und vermag auch den Witz dahinter ein bisschen zu schätzen. Zum Beispiel meine persönliche LieblingsFigur Ned Rise, der Auferstehungslazarus mit passendem Namen, den man wie eine räudige Katze mindestens neunzehn Mal totschlagen muss, bis er endlich wirklich die Radieschen von unten sieht und nicht mal dann funktioniert es. Oder der zweite Hauptprotagonist Mungo Park, fast ein Odysseus, der aber nicht wie sein griechisches Vorbild mit gewiefter Verschlagenheit brilliert, sondern der mit mehr Glück als Verstand durch das Boylsche Abenteuer stolpert und dem letztendlich seine unsagbar dummdreiste-dämliche britische Präpotenz in fernen Landen zum Verhängnis wird. Oder Mungos Geliebte und Frau Allie, die irgendwann verständlicherweise aus sehr menschlichen Gründen aus ihrem Penelpoe-Komplex ausbricht.....
    Ihr seht schon, nahezu alle Haupt-und Nebenfiguren sind extrem liebevoll entwickelt, auch jede einzelne auf der afrikanisch-maurischen Seite, was eben zwangsläufig zum oben erwähnten Gewimmel führt.

    Die bildhafte anachronistische Sprache versöhnte mich dann in einigen Szenen mit ihrem Humor zum Beispiel als ein Arzt die Wiederauferstehung von Ned Rise erlebt:

    Wäre ein Wunder des Weges gekommen und hätte ihn georfeigt, als er eben über seinem kleinen Bier und den Keksen saß, er hätte es höchstwahrscheinlich angebrüllt und dahin zurückgejagt, wo es hingehörte, und falls er erbost genug gewesen wäre, ihm auf lateinisch einen kleinen Vortrag über die empirische Unmöglichkeit seiner Existenz gehalten.

    Was mich an Boyle in all seinen Werken faziniert, ist die enorme Recherchearbeit des Autors. Sehr viel Fachwissen wird punktgenau, realistisch und detailgetreu in den Plot eingewebt, das erstaunt und begeistert mich immer wieder, denn ich weiß, wieviel Arbeit so etwas erfordert, und dass sich die meisten Autoren nicht diese Mühe machen. Auch diesmal hat T.C. gute Arbeit geleistet. Zufällig stolperte ich erneut über den urgrauslichen Guineawurm, dessen Bild ich damals mit 21 Jahren erschüttert und angewidert in Pschyrembels klinischem Wörterbuch betrachtet habe. In diesem Lexikon für Medizinstudenten wird genau beschrieben, wie man den Wurm mit einem Staberl aufwickelt, was auch in der Geschichte detailgetreu thematisiert wird. Diesmal stieß ich aber erstmals in seinen Werken auch auf einen vermeintlichen Recherchefehler, bin aber ob der Stärke Boyles fast geneigt zu glauben, dass er hier möglicherweise mehr weiß als ich. Die notgeile österreich-ungarische Gräfin wird als eine Base des englischen Königs dargestellt, was angesichts der Adelsbeziehungen zwischen Habsburgern und Welfen sehr unwahrscheinlich ist.

    Nun aber wieder zur Geschichte. Der letzte Teil des Afrikabenteuers und somit die zweite Expedition zum Niger begeisterte mich doch sehr und entschädigte auch für manche ausufernden Exzesse davor sowohl im Plot, in den Figuren und auch in der Sprache, da einige Szenen, schräge Kausalitäten und Verbindungen sich erst ganz zum Schluss aufklären. Das Finale gipfelt sowohl metaphorisch als auch real im zwangsläufigen Treiben in die Arme der Feinde mit Exitus und Auferstehung. Jeder Charakter erntet genau das, was er/sie verdient, insofern ist Boyle derart konsequent, dass es eine Freude ist und er tatächlich ein Mitglied einer übergeordneten Gerechtigkeitsliga sein könnte :D

    Fazit: Ich bin mit Blut, Schweiß, und Tränen durch Afrika und London gewandert, habe mir Blasen geholt, mich geekelt und mich angestrengt, ich habe viel gelernt, mich abgemüht, ABER DAS ABENTEUER HAT SICH GELOHNT!

    Kommentare: 8
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    BluevanMeervor 2 Jahren
    Liebe auf den zweiten Blick

    T.C. Boyles Wassermusikroman wurde von der Kritik gelobt, aber ich hatte so meine Zweifel. Anfang des Jahres habe ich schon einmal versucht, das nicht gerade schmale Abenteuerepos zu lesen und was soll ich sagen, Mungo Park und ich sind nicht richtig warm geworden. Dieses Mal war es anders. Nach knapp zweihundert Seiten konnte ich fast gar nicht mehr aufhören zu lesen, auch wenn Boyles Debüt mir sehr viel verschachtelter und langatmiger erscheint, als seine nachfolgenden Romane.

    Mungo Park ist ein junger Schotte, der sich Ende des 18. Jahrhunderts auf eine Afrikaexpedition begibt. Er möchte den Niger kartografisch erfassen. Während Mungo slapstickartig durch einen für Europäer_innen damals kaum zu begreifenden wilden und unbekannten Kontinent stolpert, wartet daheim seine fast-verlobte Ailie auf ihn. Sie wartet  darauf, dass ihr Freund zurückkommt, während der neue Hilfsarzt ihres Vaters schon ein Auge auf sie geworfen hat. Aber Ailie glaubt an Mungo und lässt Georgie stehen. Auf das Gerede der Leute gibt sie nichts, stattdessen beschäftigt sie sich mit mikroskopischen Betrachtungen der Natur, denn wenigstens da hat sie das Gefühl, die Welt im Griff zu haben.

    Mungo ist der Abenteurer, Ailie sitzt zuhause und dann gibt es noch Ned, einen Halunken, der sich mit zwielichtigen Geschäften in London versucht über Wasser zu halten. Er ist verliebt in Fanny, er sitzt mal im Gefängnis und dann wieder nicht und irgendwann werden sich die Wege von Mungo, dem Entdecker und Ned kreuzen.

    Der Roman besteht aus drei Teilen. Mungos erste Afrikaexpedition, in der Boyle ein ziemliches Feuerwerk von absurden und grotesken Szenerien abbrennt (ein Krokodil spielt Harfe, weil ihm, nachdem er den Harfenspieler gegessen hat, das Instrument zwischen den Zähnen klemmt; es gibt eine gigantische Häuptlingsfrau und wilde Szenen im Niger), dann eine Phase der häuslichen Niederlassung, als Mungo von seiner Reise zurückkehrt und Ned weiterhin versucht zu Geld zu kommen und im Gefängnis landet und dann eine dritte Phase, in der es Mungo aus lauter Reiselust wieder nach Afrika zieht (ein Abenteurer ist eben kein Familienmensch) und er Ailies Bruder Alexander gleich mitnimmt und Ned auf verschlungenen Pfaden ebenfalls dort landet.

    "Ich höre es in meinen Träumen, höre es des Morgens, wenn ich erwache und die Vögel in den Bäumen singen- ein Rascheln, ein Raunen - den Klang von Musik. Weißt du, was das ist? Der Niger. Rauschend und tosendbraust er seiner verborgenen Mündung entgegen, ins Meer hinaus. Ich höre das ständig, Ailie, Tag und Nacht, Musik." (S.384)

    Wassermusik ist ein Abenteuerroman, ein Roman über eine Entdeckungsreise und gleichzeitig auch eine ironische Beobachtung des Kolonialismus und dem "weißen" Herrschaftsanspruch. Aber eben auch mehr als das. Boyle lässt Totgeglaubte wieder auferstehen, fabuliert über Angriffe von wilden Kannibalen und Sandstürmen und Angriffe von Krokodilen. Ein Fest der Ideen und der Formulierkunst, das unglaublich lässig daherkommt. Aber ich brauchte ein bisschen, um mich in Boyles Wassermusik einzuhören.

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    Janine2610s avatar
    Janine2610vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Zu ausschweifelnd, zu verschachtelt; die Handlung geht unter. Einfach zu anstrengend. Nicht meine Welt.
    Nicht meine Welt

    Der Klappentext:

    Mungo Park, Afrikaforscher aus Schottland, begibt sich Ende des achtzehnten Jahrhunderts wie viele Europäer vor ihm auf die Suche nach dem Niger. Johnson, ein Afrikaner, den ein wechselvolles Schicksal zeitweilig in Londons beste Gesellschaft verschlug, bis er infolge eines Duells zurück nach Afrika verbannt wurde, steht ihm als Dolmetscher zur Seite. Eine verwegene Reise beginnt, ein Abenteuer, das durch die Begegnung mit Ned Rise, einem Pechvogel und Trunkenbold, eine schicksalhafte Wendung nimmt. Mit dabei auf dieser Tour de Force: Huren, Schläger, Kannibalen, Stammesfürsten, Glücksritter.

    Meine Meinung:

    Also, wenn T. C. Boyle in all seinen Romanen so ausschweifend und verschachtelt schreibt, war die Wassermusik hier nun definitiv mein erstes und letztes Buch von ihm.
    Der Klappentext verrät eigentlich noch nicht wirklich viel und da der Autor recht bekannt und, wie mir scheint, teilweise auch hochgelobt wird, war ich anfangs noch sehr erpicht auf diese Geschichte.
    Aber schon nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass es mir wohl sehr schwer fallen wird, in der Story anzukommen, da ich durch Boyles andauernder Fabuliererei, zu oft gedanklich abgeschweift bin.

    ~ Immer noch über die Schulter blickend, sieht er, dass alle neun ihn schweigend und respektvoll anstarren, als wäre das Pinkeln in Unterhosen gegen eine Mauer dem Weihen einer Hostie oder der Verwandlung von Wasser in Wein vergleichbar. ~
    (S. 500)

    Aufgegeben habe ich dennoch nicht.
    Im Groben hat diese Geschichte für mich nicht so recht einen Sinn gemacht. Die Handlung findet etwa Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts statt. Es gibt zwei Erzählstränge, die (sehr viel) später aber zusammenführen. In einem lernen wir Mungo Park kennen; er ist sogenannter Entdeckungsreisender, abenteuerlustig und hat es sich, trotz Ailie, die Zuhause auf ihn wartet, zum Ziel gemacht, den Niger (Fluss) in Afrika zu entdecken. Und dann gibt es da noch im zweiten Erzählstrang den Trunkenbold und Pechvogel/Glückspilz Ned Rise; er verbringt den Großteil des Buches in England/London, um ... ja, gute Frage. Vermutlich lebt er dort einfach nur, versucht sich an diesem und jenem, stiehlt, säuft, betrügt, lügt, macht sich Feinde, usw.

    Soviel dazu. Um ehrlich zu sein, ist die Handlung für mich ein wenig untergegangen zwischen all den Ausschweifungen und dem detaillierten Geschreibsel. Und das Wenige, das ich aktiv von der Handlung mitbekommen habe, war in meinen Augen irgendwie völlig ohne Sinn, ich hatte fast nie das Gefühl, als würde das zu irgendetwas Spannendem führen.

    ~ Die ganze Welt stinkt nach Kompost und schleichender Fäulnis. ~
    (S. 463)

    Ein eher enttäuschendes Leseerlebnis also. Hinzu kommt, dass ich viele Wörter auch einfach nicht gekannt habe und wenn es dann mal so weit kommt, dass man ein paar Wörter pro Seite googeln muss, ist das auch nicht mehr witzig ...
    Wenigstens das Ende war in Ordnung. Hätte zwar von mir aus gerne auch etwas schöner und hoffnungsfroher enden können, aber wenn man dann mal den Stil des Autors und den Verlauf der Geschichte kennt, war es fast zu erwarten.

    Lesern, die gerne ausschweifende und verschachtelte Geschichten lesen und sich auch gerne in Details verlieren (bzw. wiederfinden) sollte dieses Buch zu empfehlen sein.
    Leuten wie mir, die sowas einfach nur anstrengend und zum Abschweifen finden, und auch der Ansicht sind, dass die Handlung dadurch untergeht, würde ich eher raten, die Finger davon zu lassen.

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    Buchstabenliebhaberins avatar
    Buchstabenliebhaberinvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Skurril, rotzfrech und unglaublich fantasievoll. Tabulos realistisch? Das Leben um 1800, ein knöcheltiefes Waten durch Exkremente aller Art.
    Mittelalter ungeschönt

    Das Buch zieht sich. Bis zum 3. Teil hatte ich richtig viel Spaß, doch gerade frage ich mich, ob ich noch einen zweiten Aufguss von Mungos Afrika-Expedition brauche und quäle mich etwas. Als ob sich das Skurrile und Fantastische auf der langen Strecke etwas abgenutzt hätte ...
    T.C. Boyles Klassiker, der ihn berühmt gemacht hat. Ich hatte ihn vor 15 Jahren das erste Mal gelesen und hatte den Inhalt aber überhaupt nicht mehr auf dem Schirm. Tatsächlich passiert hier so unglaublich viel, die Protagonisten sterben wie die Fliegen, werden hemmungslos ausgetauscht, kaum hat man sie lieb gewonnen. Und dann schleicht sich der nächste ins Herz, bis es auch diesen dann dahinrafft, durch Meuchelmörders Hand, Krankheiten, Drogen oder gefährliche Tiere.
    T.C. Boyle lässt seiner Fantasie freien Lauf. Tabulos bis weit über die Schmerzgrenze. Politisch wahrlich nicht korrekt! Ich weiß nicht, wie der Autor das schafft, dass ich ihm das durchgehen lasse, normalerweise bin ich da sehr empfindlich. Weil es wirkt, als ob er damit eher ein realistisches Zeitzeugnis abgibt, als dass es seinem Sprachgebrauch und seiner Weltansicht entspricht. Ja, so kommt es mir vor. Früher war die Welt nicht so globalisiert wie heute, da waren fremde Kulturen wahrhaftig fremd und komplett unbekannt, kulturelle und soziale Unterschiede ein echtes, teilweise lebensbedrohliches Problem!
    England und Schottland um 1800, alles andere als romantisch. Hunger, Kälte, Gewalt. Prostitution und brutale Ausbeutung und eine unberechenbare, käufliche Justiz. Müll, menschliche Ausscheidungen, Gestank überall. Unglaublich gut beschrieben. Alleine diese Teile lohnen sich. Die Afrika-Expedition, nun ja, wirkt auf mich dann doch deutlich überzogen, mit den diversen Gefangenschaften, dicken Königinnen und Medizinmännern. Interessant der Teil über die Sklaven als Handelsware.

    Mein Fazit:"Wassermusik" hätte für mich auch mit dem zweiten Teil abschließen können. Wäre eine runde Sache gewesen. Ich habe herzhaft gelacht, mir blieb der Lacher im Halse stecken, ich hab geschluckt und gestaunt. War heilfroh, heute und nicht damals zu leben. Hab den wilden Ritt genossen, den T.C. Boyle hier bietet. Kein Buch für zarte Gemüter!

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    KristinaKepplers avatar
    KristinaKepplervor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Fängt super an, befriedigt am Ende nicht ganz
    Boyles Stärke sind die Charaktere

    man schließt die beiden Taugenichtse, deren Geschichte hier über einen langen Zeitraum erzählt wird, schnell ins Herz. Das Buch hat starke komödiantische Seiten und ist sicherlich schön geschrieben. Aber irgendwann fragt man sich, wo die Geschichte eigentlich hinführen soll. Boyle gibt nicht wirklich eine Antwort. Schade.
    Geht es übrigens nur mir so, oder hat sich noch jemand anderes sehr an Kehlmanns "die Vermessung der Welt" erinnert gefühlt. Obwohl die Frage natürlich andersherum lauten müsste, weil Boyles Buch um einiges älter ist...

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    Aliras avatar
    Aliravor 4 Jahren
    Hat mich enttäuscht

    So sehr ich immer noch von „America“ überzeugt bin, so sehr hat mich dieses Buch gelangweilt, in dem es um die erste Nigerexpedition geht.

    Der Humor in diesem Werk ist – vorsichtig ausgedrückt - gewöhnungsbedürftig, und die verschiedenen Ebenen – eine Boyle-Spezialität – sind in diesem Buch so angelegt, dass sie immer genau zu dem Zeitpunkt abgebrochen werden, wenn es gerade spannend wird. U.a. war  diese Technik auch Schuld an meinen Konzentrationsstörungen, sodass jedes Mal, wenn ich in einen Handlungsstrang hineingefunden hatte, derselbe auch schon wieder zu Ende war ...

    Das absolute Ende war für mich auf Seite 160, und für die nächsten Monate mache ich jetzt einmal eine Boyle-Pause.

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    MrAllrounder90vor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Fulminante Sprache, kraftvoll, poetisch
    Fulminanter Roman voll sprachlicher Kraft

    Ich habe eine Weile gebraucht, um T.C.Boyle's "Wassermusik" zu lesen. Die Handlung dürfte hinreichend bekannt sein und muss hier nicht mehr erklärt werden. Ein Forschungsreisender aus England des 18./19. Jahrhunderts bricht unter damaligen unmöglichen Umständen nach Afrika auf, um den Niger zu entdecken. Dabei widerfahren ihm so viele skurrile Dinge, die man sich nicht vorstellen kann. Alles kommt vor, Liebe, Sex, Dreck, Tod, Mord usw. Dabei benutzt Boyle eine so authentische Sprache, dass es einem teilweise die Haare zu Berge stehen lässt. Man kann nur staunen! Er benutzt Metaphern, die man noch nie vorher gehört hat. Einmalig!

    Mir hat der Roman super gefallen. Allein die Fantasie von Boyle in den Handlungen und der Sprache ist nicht zu übertreffen. Grandios!!

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    krimielses avatar
    Eine neue Leserunde im Rahmen "SuB-Aufbaus mit Niveau" von Buchrättin im März ist "Wassermusik" von T.C. Boyle

    Jede/r, die/der mitmachen möchte, ist herzlich willkommen!
    Ich wünsche viel Vergnügen mit Mungo Park.

    Ach ja: Es gibt keine Bücher zu gewinnen, wir lesen bitte alle mit eigenem Exemplar.
    Zur Leserunde

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