T. C. Boyle Willkommen in Wellville

(99)

Lovelybooks Bewertung

  • 96 Bibliotheken
  • 1 Follower
  • 5 Leser
  • 13 Rezensionen
(24)
(45)
(26)
(2)
(2)

Inhaltsangabe zu „Willkommen in Wellville“ von T. C. Boyle

Dr. John Harvey Kellogg, Erfinder von Cornflakes, Erdnussbutter und 75 weiteren gastrisch einwandfreien Lebensmitteln, ist angetreten, den uralten Traum der Menschheit vom ewigen Leben zu erfüllen. Zu seinem Tempel der Gesundheit wallfahrtet die gesundheitsbewußte Oberschicht Amerikas. Während eine kuriose Gruppe von Gesundheitsaposteln, Körnchenfressern und Sonnenanbetern sich um das Wohl der Patienten bemüht, versuchen Abenteurer und Scharlatane aller Couleur ebenfalls von dem gesunden Wahn zu profitieren und den Rahm des Geschäfts mit der Magermilch abzuschöpfen. Das Buch wurde 1994 von Alan Parker mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle verfilmt.

Allein, wie Verdauung und Peristaltik in die Sprache kommen, ist schon großartig!

— Beust

Kurzweilig und unterhaltsam!

— BluevanMeer

Kurzweilige Lektüre über eine frühe Ausprägung von Ernährungswahn, die dadurch auch heute noch - oder wieder - aktuell ist

— schmives

Kurzweilige Satire, sehr zu empfehlen. Zum guten Schluss noch die Verfilmung gesehen...

— Maribelle

Witzig und spannend

— Alira

Charmant!! Was man nicht alles lernt zu Themen wie Entgiftung, Darmspülung, Darmtrakt.. etc... lernt...

— Ay73

Stöbern in Romane

Die Schlange von Essex

Der Klappentext hat dann doch nicht so viel mit dem tatsächlichen Buchinhalt zu tun. Lasst Euch da nicht verwirren!

CathyCassidy

Die Insel der Freundschaft

Ein nettes Buch über eine Insel mit besonderen Lebewesen, nämlich Ziegen, und über den Versuch der Käseherstellung.

xLifewithbooks

Die Außerirdischen

Ein äußerst kritischer Blick auf unsere Gesellschaft. Fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite!

miro76

Der verbotene Liebesbrief

Unglaublich spannend bis zur letzten Seite. Lucinda Riley in Höchstform.

bekkxx

Liebe zwischen den Zeilen

Eine Liebeserklärung ans Lesen und an die Bücher!

Sarah_Knorr

Der gefährlichste Ort der Welt

Ein sehr aktuelles Buch über junge Menschen, die dazu gehören möchten, koste es, was es wolle!

Edelstella

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Frühstücksflockenfanatiker

    Willkommen in Wellville

    BluevanMeer

    13. December 2016 um 21:34

    T.C. Boyle wählt gerne historische Persönlichkeiten als Bezugsgrößen in seinen Romanen. In Willkommen in Wellville geht es in erster Linie um Dr. Frühstücksflocken Kellog, genau den Kellog, der mit vegetarischer Ernährung und gesunder Lebensweise die Welt Anfang des Jahrhunderts revolutionieren wollte. In seinem Sanatorium, das hauptsächlich von der gutbetuchten Schicht besucht wird, wird Vegetarismus als Heilsversprechen gefeiert und Darmspülungen und Sinuselektrobäder sollen dabei helfen, die versuchten toxischen Fleischreste endlich aus dem Körper zu spülen. Da versteht der Doc keinen Spaß. Will Lightbody ist seit geraumer Zeit krank. Vielleicht könnte es daran liegen, dass seine Frau ihm regelmäßig (Geheimtipptinktur aus der Apotheke für geplagte Ehefrauen) im Verborgenen alkoholische Tropfen verabreicht - wie dem auch sei, Will ist krank und seiner Frau geht es auch nicht gut. Sie hat ihr ungeborenes Kind verloren und sucht dringend Halt und Unterstützung. Da kommt ihr der rigorose Diätplan von Dr. Kellog gerade recht. Und Will macht natürlich mit. Auch wenn er nicht begreifen kann, dass Dr. Kellog nicht nur Fleisch, sondern auch Sex unter Eheleuten als toxisches Element versteht. Neben der vegetarischen Lebensweise, predigt der Doktor in seinen wöchentlichen Pflichtseminaren für die Besucher des Sanatoriums auch konsequente Enthaltsamkeit. Will, geschwächt durch den Alkohol, die Darmspülungen, die schreckliche Milchdiät (ausschließlich Milch, danach ausschließlich Trauben - für Wochen) verzehrt sich nicht nur nach einem Stückchen Braten und einem Glas Bier, sondern auch nach seiner Frau, die allerdings ganz neue Therapieformen für sich entdeckt. Statt zu ihrem Mann zu kommen, entdeckt Eleanor die Freuden der manuellen Therapie, die von einigen noch fortschrittlicheren Ärzten in der Stadt verordnet wird. Da wendet sich Will eben an die liebevolle und hübsche Schwester Irene, sein einziger Lichtblick in dieser finsteren Diätgefängniswelt. "Er hatte nicht zugenommen - im Gegenteil, er hatte gut fünfzehn Pfund verloren - und in seiner Abendgarderobe sah er aus wie ein lebender Kleiderständer. Unter der gestärkten weißen Hemdbrust, die mit Kragenknöpfen aus schwarzem Satin gesichert wurde, trug er ein leichtes Unterhemd, und unter dem Unterhemd befand sich eine ordentliche, saubere, achtzehn Zentimeter lange Narbe, eine einzelne Eisenbahnschiene, die die Anhöhe seines Bauches erklomm. Das war Dr. Kellogs Werk. Er hatte geschnitten, gegraben, herumgewühlt und entfernt und er hatte den Bauch auch wieder zugenäht. [...] Die Wunde war wunderbar verheilt. Selbstverständlich hatte die Operation, soweit Will es beurteilen konnte, überhaupt nichts genützt." (S.410) Doktor Kellog ist ein ziemlich harter Hund, experimentell im Umgang mit seinen Patienten und streng ist er auch noch. Das hat auch sein Pflegesohn Georg zu spüren bekommen. Von der eigenen Familie vernachlässigt, wird er von Kellog als achtes Pflegekind aufgenommen, die Familie lebt genau so streng vegetarisch, wie die Sanatoriumsbesucher. Und wer nicht hört, muss fühlen. Doch Georg will sich endlich an seinem Vater rächen. Er will Geld und er will den Flockenfanatismus, dem er seit seiner Kindheit ausgesetzt war, nicht länger dulden. Neben den Lightbodys spielt auch noch Charlie eine wichtige Rolle, der mit dem Erbe seiner Tante ganz groß ins Frühstücksflockengeschäft einsteigen will. Und wo kann das besser gehen, als in der Stadt, die berühmt für ihre Vegetarierfreaks ist. Er hat schon einen wichtigen Geschäftsmann an Land gezogen, der ihm helfen wird. Und dann lernt er auch noch den verschrobenen Sohn von Dr. Kellog kennen... Willkommen in Wellville ist ein wunderbarer Roman über eine frühe Phase der Medizin, die noch in den Kinderschuhen steckte. 1907 wurden Patienten mit Radium verstrahlt, aus Interesse operiert, mit Elektroschocks therapiert. Der vegetarische Diätwahnsinn ist ein Heilsversprechen, das auch vor Tieren nicht halt macht (ein Höhepunkt der abendlichen Vortragsreihen des Doktors liegt in der Präsentation seiner vegetarisch lebenden Wölfin - einem klapperdürren Gerippe). Boyle gelingt es neben abstrusen und absurden Situationen auch immer ernste Sequenzen einzubinden. Man muss einfach Mitleid mit Will haben, der unverschuldet in dieses Gefängnis gerät. In der Schilderung des Sanatoriumaufenthalts und des Themas und Stoffs kann man sich vielleicht entfernt an den Zauberberg erinnert fühlen. Oder auch an andere Romane von T. C. Boyle. Ich musste sofort an Riven Rock denken. Willkommen in Wellville ist für mich sehr viel unterhaltsamer gewesen. Allein, weil Georg noch einige überraschende Wendungen in den durchgeplanten Diätalltag bringt. Fantastisch!

    Mehr
  • Eine Satire auf den Gesundheits- und Vegetarier-Wahn

    Willkommen in Wellville

    Alira

    26. December 2015 um 07:56

    Die Stadt Battle Creek in Michigan um 1900, die Gesellschaft ist in weiß und schwarz geteilt. Dr. John Harvey Kellogg, Erfinder der Cornflakes, Erdnussbutter und von 75 weiteren “gastrisch einwandfreien Lebensmitteln”, hat ein weltberühmtes Sanatorium gegründet, in das die gesundheitsbewusste Oberschicht Amerikas strömt. Der revolutionäre Lifestyle in der Wellness-Oase des charismatischen Arztes Kellogg besteht aus vegetarischer, pflanzlicher Ernährung, Verzicht auf Kaffee, Tabak und Alkohol sowie sexueller Enthaltsamkeit und mehrmaligen täglichen Darmspülungen. Während eine kuriose Gruppe von Gesundheitsaposteln, Körndlfressern und Sonnenanbetern sich um das Wohl der Patienten bemüht, versuchen Abenteurer und Betrüger aller Art ebenfalls von dem neuen Hype der “physiologischen Lebensführung” zu profitieren. Viele skurille Figuren machen das Buch zu einem spannenden Vergnügen, in dem T.C.Boyle das Leben Kelloggs - oder wie es gewesen sein könnte – mit Witz und Ironie beschrieben hat. Das Buch eignet sich auch als (letzter) Anstoß zu einer Diät bzw. für Leser, die Vegetarier werden wollen, denen aber der Umstieg auf fleischloses Essen bis jetzt nicht gelungen ist. ;)

    Mehr
    • 2
  • Auf dem Weg zu einem gesunden Körper!!!!

    Willkommen in Wellville

    Ay73

    Die Geschichte erzählt über den berühmten Kellogs Erfinder Dr. Harvey Kellog, der ein Sanatorium der Gesundheit in Ballte Creek führt und leitet. Seine Gäster / Patienten werden von Dr. Kellog zu einem gesunden Leben geführt, in dem sie alle auf Fleisch, Alkohol, Zigaretten und Sex verzichten sollen. Fast alle seine Patienten leiden unter Autointoxikation, haben einen Belag auf der Zunge oder haben ganz schwache Nerven (besonders die Frauen). Und nicht, aber wirklich gar nichts geht über permanente Darmspülung und Darmentleerung.. Die Patienten fühlen sich mehr oder wenig gut behandelt, es treten Charaktere auf, die auch im Frühstückskost-Branche tätig werden wollen, was nicht jedem gelingt. Eine serh amüsante Geschichte rund um den Gesundheitsbereich..

    Mehr
    • 2

    Arun

    11. October 2014 um 21:41
  • Willkommen in Wellville

    Willkommen in Wellville

    CanYouSeeMe

    Willkommen in Wellville hat mir einige schöne Lesestunden bereitet. Aber mindestens genauso viele verwirrende. Nicht nur, dass ich für dieses Buch länger gebraucht habe als erwartet, auch der Schreibstil war zeitweise anstrengen zu verfolgen. Ungeachtet dessen war die Handlung hervorragend ausgearbeitet, die Charaktere tiefgründig und die geschichtlichen Aspekte größtenteils Korrekt. Der Gesundheitswahn von Dr. Kellogg ist, üblich für Boyle, mit einer gehörigen Portion Ironie wiedergegeben worden. Alles in Allem ist dieses Buch, trotz überflüssiger Passagen, angenehm zu lesen und hat einen ganz eigenen Charme.

    Mehr
    • 3
  • Rezension zu "Willkommen in Wellville" von T. C. Boyle

    Willkommen in Wellville

    PrinzessinMurks

    29. March 2010 um 23:02

    Die Geschichte der Cornflakes, die Geschichte der Hysterietherapie, die Geschichte des amerikanischen Grundspinnertums. Wunderbar unterhalsamer Roman, der Boyles Talent der geschickt konstruierten und zugleich ziemlich abwegigen oder zumindest sehr schrägen Storykonstruktion. - Ach, was schwafel ich. Lest es. Ihr werdet es nicht bereuen.

  • Rezension zu "Willkommen in Wellville" von T. C. Boyle

    Willkommen in Wellville

    Monsignore

    05. February 2010 um 17:25

    Satirische Romane aus den USA sind selten. Und James Harvey Kellog (1852-1943) verstand nicht viel Spaß - als Arzt und Ernährungsfanatiker führte er in seinem Sanatorium ein strenges Regiment. Schon damals war Übergewicht in den USA ein echtes gesellschaftliches Problem. Dr. Kellog ging rigoros gegen Fleischesser vor. Kurios kommt uns heute vor, dass er der Erfinder der Cornflakes und der Erdnussbutter war. Man muss aber bedenken, dass in der US-Oberschicht damals Speck&Eier in Massen zum Frühstück gereicht wurden. - T.C. Boyle geht wunderbar satirisch mit diesem frühen Gesundheitswahn um. An der frühen Gesundheitsindustrie verdienten Geschäftemacher und Scharlatane, und die Menschen fielen gutgläubig auf alles Mögliche herein. Genauso wie heute. Mein Lesetipp: Das Lesen mit dem Verzehr eines saftigen Mega-Steaks unterbrechen.

    Mehr
  • Rezension zu "Willkommen in Wellville" von T. C. Boyle

    Willkommen in Wellville

    Holden

    15. August 2009 um 19:13

    Weiß nicht, irgendwie ist der Funke nicht so richtig übergesprungen, habe wohl schon zu viele Bücher von TCB gelesen. Habs aber auch gelesen, als ich selbst in Kur war. :-)

  • Rezension zu "Willkommen in Wellville" von T. C. Boyle

    Willkommen in Wellville

    The iron butterfly

    15. July 2009 um 16:48

    Willkommen in Wellville - ein typischer Boyle würde ich sagen. Erzählt wird die Geschichte von Dr. Kellogg und seinem Sanatorium für betuchte Anhänger seiner Gesundheitsphilosophie im Jahr 1907. Kein Fleisch, kein Alkohol, kein Sex...er verspricht seinen Anhängern Heilung von ihren Zipperlein durch die absolute Reinigung des Körpers. Wie immer bei Boyle sind die Protagonisten keine Sympathieträger an sich, eher Verlierer, Kämpfer, Individualisten, eben „Normalos“. Aber Boyle schafft es immer wieder eine Atmosphäre zu erschaffen, die den Leser umschließt und bis zum Schluss festhält.

    Mehr
  • Rezension zu "Willkommen in Wellville" von T. C. Boyle

    Willkommen in Wellville

    buxe1877

    19. June 2008 um 13:07

    Die Plot ist grandios erdacht, wirkt so allerdings auch recht hölzern und wird so gegen Ende eher anstrengend zu lesen. Nicht unbedingt der beste Boyle, die wirklich unterhaltsame Verfilmung tut's auch.

  • Rezension zu "Willkommen in Wellville" von T. C. Boyle

    Willkommen in Wellville

    FlorianTietgen

    01. May 2008 um 22:51

    Das zweite Buch Boyles, das ich nicht zu Ende gelesen habe. Irgendwann empfand ich diesen Roman als zu konstruiert, um mir noch glaubwürdig zu erscheinen. Ich weiß nicht, ob er so gut geschrieben war, dass die Figuren mich anwiderten oder so schlecht. Ein Buch nicht auszuhalten hat ja nicht immer etwas mit dessen Qualität zu tun.

  • Rezension zu "Willkommen in Wellville" von T. C. Boyle

    Willkommen in Wellville

    Kalliope

    28. November 2007 um 17:58

    Ein - meiner Meinung nach - typischer Boyle.

  • Rezension zu "Willkommen in Wellville" von T. C. Boyle

    Willkommen in Wellville

    Catblue22

    21. June 2007 um 23:52

    Wann immer ich nun in Zukunft Gelüste auf Corn-flakes zum Frühstück bekomme, werde ich diese allseits bekannte Schachtel nur mit einem breiten Grinsen aus dem Schrank nehmen können und daran ist T.C. Boyle Schuld. Nein T.C. ist nicht ein verflossener Liebhaber oder der dämlich grinsende Werbemensch, der perfekt frisiert und schon morgens erschreckend gut gelaunt seine Kraft aus eben diesen Weizenflocken zieht, die er ständig in die Kamera hält - nein, T.C. ist der Autor des Buches, über das ich nun berichten möchte. ( - Nur falls es jemanden geben sollte, der ihn noch nicht kennt) Bevor ich auf die Corn-flakes zurückkomme, kurz etwas zu diesem Schriftsteller, der mich absolut fasziniert, seit ich seinen Roman "Wassermusik" verschlungen habe. T.C. wurde 1948 als Sohn irischer Einwanderer in Peekskill geboren. Sein Vater war Alkoholiker, was seine Kindheit stark prägte. Er studierte Englisch und Geschichte und erwarb 1977 den Doktortitel in englischer Literatur des 19. Jahrhunderts. Er ist seit 1974 verheiratet, lebt mit Frau und drei Kindern in Santa Barbara in Kalifornien und liebt das Schreiben so sehr, dass er jedes Jahr einen Roman herausbringen will, wie er sagt. Bisher sind 10 Romane und mehrere Sammlungen mit Kurzgeschichten von ihm erschienen. Hier kann man mehr über ihn lesen: http://de.wikipedia.org/wiki/T.C.Boyle Nun aber zu den Corn-flakes: Nein, das Buch handelt nicht direkt von den nahrhaften Weizenflocken, doch Dr. John Harvey Kellogg, der Erfinder von Corn-flakes, Erdnussbutter, Malzkaffee, Bromose, Nuttolene und ca. 75 weiteren gesunden (wie er sagen würde "gastrisch einwandfreien") Lebensmitteln, spielt hier eine Hauptrolle. Bevor ich erzähle, wovon es nun handelt muss ich vielleicht noch erwähnen, dass T.C. Boyle hier keine wahre Geschichte oder gar die Biografie des Doktors erzählt - Er nimmt einfach eine reale Person, historische Fakten und macht einen Roman daraus: Da ist zum einen der oben erwähnte Dr. Kellogg, der in der Stadt Battle Creek ein Sanatorium führt, dass sich der gesunden Lebensweise verschrieben hat. Weitere Hauptpersonen sind Mrs. und Mr. Lightbody, die nach diversen gesundheitlichen Schicksalsschlägen dieses Sanatorium besuchen und einen amüsanten Nebenpart hat Mr. Charles Ossining, der ins Frühstücksflockengeschäft einsteigen will und mit einigen gesammelten Dollars nach Battle Creek reist, um mit dem inzwischen berühmten Namen der Stadt ein Geschäft, ja ein Imperium aufzubauen. Dr. Kellogg hat dieses Sanatorium zu seinem kleinen Staat ausgebaut. Er ist der Alleinherrscher und versucht seine Patienten mit allen Mitteln von der "physiologischen Lebensweise" zu überzeugen. So hält er eindrucksvolle abendliche Vorträge über die fatalen Folgen von Fehlernährung und die schlimme, ja tödliche Wirkung von Sex. Er verabscheut Sex und hat mit seiner Frau aus diesem Grund 42 Kinder adoptiert, die er streng vegetarisch aufzieht. Nebenbei dürfen sie als Versuchskaninchen für seine neuesten Nahrungsmittelkreationen herhalten. Man hat den Eindruck, dass alles, was er beginnt, gelingt (er selbst von sich übrigens auch). Dieser Mann erträgt kein Scheitern und doch gibt es da einen schlimmen Fehler aus seiner Vergangenheit, der ihn ständig zu verfolgen scheint: Sein Adoptivsohn George. Kellogg hatte gewettet, dass es möglich sei, ein Kind aus den schlimmsten sozialen Verhältnissen zu reißen und einen wertvollen Menschen aus ihm zu machen. Leider entwickelt sich George zu einem Trunkenbold und erscheint zu unregelmäßigen Zeiten völlig verwahrlost in seiner Klinik und droht, den sauberen Ruf des Harvey Kellogg zu ruinieren. Will Lightbody, der es nach Alkohol- und Drogenkonsum ziemlich heftig am Magen hat, wird von seiner Frau Eleanor, die sich der physiologischen Lebensweise verschrieben hat, in die Klinik gedrängt, um mit ihr gemeinsam nach der neuen Ernährung und Philosophie des Dr. Kellogg zu leben und zu genesen. Kaum in der Klinik, wird er von seiner Frau getrennt, muss unzählige Klistiere ertragen und wird auf eine rigorose Milchdiät gesetzt. Und während er leidend im Speisesaal mit euphorischen Anhängern der gesunden Kost am Tisch sitzt und seine Frau schmerzlich vermisst, wächst langsam eine Abneigung gegen den Verursacher seiner Misere. Als er eines Abends zu Eleanor ins Zimmer geht, weil er nach Wochen der Enthaltsamkeit den Drang verspürt, mit seiner Frau Sex zu haben, wird er erwischt. Ein guter Zeitpunkt, für eine Leseprobe: Die niederen Begierden Ein erwartungsvolles Schweigen senkte sich über die für den abendlichen Vortrag im großen Empfangssaal versammelte Menge. Die Palmen standen unerschütterlich in ihren irdenen Töpfen, hie und da kämpfte ein auf die Psyllium-Diät gesetzter Patient, gegen den Drang, die Toilette aufzusuchen, und die von Milch aufgeschwemmten Tycoons waren plötzlich so hellwach wie ein Truthahn, der im staubigen Hof einen Fleck erspäht. Dr. Kellogg hatte eben einen Donnerkeil geschleudert - ein Paar sitze unter ihnen, so verkündete er, Anfänger in der physiologischen Lebensweise, die sich entgegen seiner ausdrücklichen Anordnung ehelichen Beziehung hingegeben hätten und von nun an die Konsequenzen würden tragen müssen - , und jetzt schwieg er, um diese erstaunliche Information wirken zu lassen. Dreihundert Augenpaare waren auf seine rundlichen weißen Chirurgenhände geheftet, als er sich aus dem Krug auf dem Pult ein Glas Wasser einschenkte. Dreihundert Augenpaare sahen zu, als er das Glas gegen das Licht hielt, als wolle er sagen: Seht her, hier ist alles, was das menschliche Tier braucht, um seine Gelüste zu befriedigen, aqua pura und eine Handvoll Wurzeln und Nüsse, und dreihundert Augen verfolgten das Glas bis zu seinen Lippen und das delikate physiologische Auf und Ab seines Adamsapfels, als er es leerte. (…) "Ich erwähne die Überschreitung nicht leichthin, meine Damen und Herren," sagte er, stellte das leere Glas ab und bedachte das Publikum mit seinem strengsten Blick, "sondern als warnendes Beispiel für sie alle und als strenge Mahnung, das größte Risiko für Leben und Gesundheit zu vermeiden, das ich mir vorstellen kann!" Jetzt fing er an, sich zu ereifern, sein Gehirn voll gestopft mit einem Wirrwarr medizinischer Ausdrücke, grauenerregender Statistiken und Namen hervorragender Ärzte und eindrucksvoller Befunde, seine Arme zuckten ständig hin und her, weil er keine Geste vollständig ausführte, seine Füße machten sich selbständig - und plötzlich stand er nicht mehr hinter dem Pult, sondern aufrecht und beherzt zwischen den guten, aber fehlgeleiteten Menschen, die sich versammelt hatten, um ihn zu hören…(…) "Ich möchte hier noch etwas betonen, meine Damen und Herren, die sie nach Gesundheit und der rechten Lebensweise streben, denn Mr. Taylor trifft den Nagel aus den Kopf: Exzessives Ausleben geschlechtlicher Gelüste führt bei verheirateten Paaren zu ebenso großen und andauernden schädlichen Auswirkungen, wie bei allein stehenden Männern und Frauen und ist nicht mehr oder weniger als legalisierte Prostitution. Meine Damen und Herren, ich wiederhole, legalisierte Prostitution!! … Kellogg ist also ein ziemlich fanatischer Anhänger seiner eigenen Überzeugungen und erwartet diese Konsequenz von seinen Patienten, Mitarbeitern und Kindern auch. Täglich arbeitet er an neuen Vorträgen und lässt sich eindrucksvolle Beispiele und Manipulationen einfallen, um seine Thesen zu untermauern. So richtet er zum Beispiel einen Wolf ab ausschließlich Gemüse zu fressen, in dem er ihn jedes Mal hart bestraft, wenn er auch nur den Versuch macht, in ein Stückchen Fleisch zu beißen, und zeigt seinen ihn bewundernden Zuhörern, wie "glücklich und zahm" Wölfe sein können, wenn man sie auf vegetarische Kost setzt. Es könnte also alles so schön sein, wären da nicht der zweifelnde Mr. Lightbody und George, die ihn immer wieder herausfordern und letztlich sogar sein Lebenswerk in Gefahr bringen…Mehr sei hier nicht verraten. Mein Eindruck T.C. Boyle hat hier eine wundervolle Charakterstudie geschaffen. Er erzählt die Geschichte eines Gurus, Perfektionisten und Fanatikers. Menschen, wie den fiktiven Dr. Kellogg gab und gibt es immer wieder und wenn sie ihre Macht auch nur einsetzen, um Menschen gesund zu machen, oder vermeintlich Erleuchtung zu bringen, so zeigt er anhand vieler kleiner Geschichten und der Gedanken dieses Mannes auf, wie gefährlich sie sein können. Boyle macht das in diesem Buch, wie auch schon in "Wassermusik" auf eine Art, die einen erst schmunzeln lässt und dann nachdenklich stimmt. Wer schon einmal erlebt hat, wie gutgläubige Menschen auf vielerlei Manipulationen hereinfallen, ihrem Guru jedes Wort von den Lippen ablesen und oft in vorauseilendem Gehorsam alles tun, was von ihnen erwartet wird, der erschrickt, wie gut T.C. Boyle es schafft, solche Situationen zu schildern. Es ist kein Buch, das mich mit seiner Spannung am Lesen gehalten hat, sondern es ist die Fähigkeit des Autoren einen in die Geschichte des Sanatoriums hineinzuziehen. Er schreibt so lebendig und mit einem so intelligenten Witz, kommt niemals mit heftigen Worten daher und gibt dem Leser ein dankbares Gefühl, nicht so dumm und so leicht manipulierbar zu sein, wie die geschilderten Personen, oder deren Schicksal (unzählige Gläser Milch als einzige Ernährung, heiße Paraffin-Klistiere, oder die nach Pappe schmeckende Aufbaukost) erleiden zu müssen. Man schüttelt den Kopf und fragt sich, warum sich diese Leute freiwillig in solch ein Sanatorium gehen, man überlegt, wie der Doktor so tief in ihre Privatsphäre eindringen kann und man ist erstaunt, dass sie dafür auch noch viel Geld bezahlen. Die knapp 630 Seiten waren schnell gelesen und ich habe mich keine Minute auch nur ein bisschen gelangweilt, sondern häufig laut lachen müssen über soviel Dummheit und Fanatismus. Aus diesem Grund empfehle ich diese Lektüre uneingeschränkt weiter und klebe dafür 5 hübsche Sternchen auf das Cover… Willkommen in Wellville T.C. Boyles ISBN 3-423-20905-4 Deutscher Taschenbuch Verlag 9,90 Euro 627

    Mehr
  • Rezension zu "Willkommen in Wellville" von T. C. Boyle

    Willkommen in Wellville

    Omi

    17. April 2007 um 14:51

    Sehr lohnenswert. Unbedingt lesen, so wie fast alle Boyle Bücher!

  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks