Willkommen in Wellville

von T. C. Boyle 
3,9 Sterne bei103 Bewertungen
Willkommen in Wellville
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Allein, wie Verdauung und Peristaltik in die Sprache kommen, ist schon großartig!

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Kurzweilig und unterhaltsam!

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Inhaltsangabe zu "Willkommen in Wellville"

Dr. John Harvey Kellogg, Erfinder von Cornflakes, Erdnussbutter und 75 weiteren gastrisch einwandfreien Lebensmitteln, ist angetreten, den uralten Traum der Menschheit vom ewigen Leben zu erfüllen. Zu seinem Tempel der Gesundheit wallfahrtet die gesundheitsbewußte Oberschicht Amerikas. Während eine kuriose Gruppe von Gesundheitsaposteln, Körnchenfressern und Sonnenanbetern sich um das Wohl der Patienten bemüht, versuchen Abenteurer und Scharlatane aller Couleur ebenfalls von dem gesunden Wahn zu profitieren und den Rahm des Geschäfts mit der Magermilch abzuschöpfen. Das Buch wurde 1994 von Alan Parker mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle verfilmt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783446245273
Sprache:Deutsch
Ausgabe:E-Buch Text
Umfang:552 Seiten
Verlag:Carl Hanser Verlag GmbH&Co. KG
Erscheinungsdatum:30.09.2013

Rezensionen und Bewertungen

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    BluevanMeers avatar
    BluevanMeervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Kurzweilig und unterhaltsam!
    Frühstücksflockenfanatiker

    T.C. Boyle wählt gerne historische Persönlichkeiten als Bezugsgrößen in seinen Romanen. In Willkommen in Wellville geht es in erster Linie um Dr. Frühstücksflocken Kellog, genau den Kellog, der mit vegetarischer Ernährung und gesunder Lebensweise die Welt Anfang des Jahrhunderts revolutionieren wollte. In seinem Sanatorium, das hauptsächlich von der gutbetuchten Schicht besucht wird, wird Vegetarismus als Heilsversprechen gefeiert und Darmspülungen  und Sinuselektrobäder sollen dabei helfen, die versuchten toxischen Fleischreste endlich aus dem Körper zu spülen. Da versteht der Doc keinen Spaß.

    Will Lightbody ist seit geraumer Zeit krank. Vielleicht könnte es daran liegen, dass seine Frau ihm regelmäßig (Geheimtipptinktur aus der Apotheke für geplagte Ehefrauen) im Verborgenen alkoholische Tropfen verabreicht - wie dem auch sei, Will ist krank und seiner Frau geht es auch nicht gut. Sie hat ihr ungeborenes Kind verloren und sucht dringend Halt und Unterstützung. Da kommt ihr der rigorose Diätplan von Dr. Kellog gerade recht. Und Will macht natürlich mit. Auch wenn er nicht begreifen kann, dass Dr. Kellog nicht nur Fleisch, sondern auch Sex unter Eheleuten als toxisches Element versteht. Neben der vegetarischen Lebensweise, predigt der Doktor in seinen wöchentlichen Pflichtseminaren für die Besucher des Sanatoriums auch konsequente Enthaltsamkeit. Will, geschwächt durch den Alkohol, die Darmspülungen, die schreckliche Milchdiät (ausschließlich Milch, danach ausschließlich Trauben - für Wochen) verzehrt sich nicht nur nach einem Stückchen Braten und einem Glas Bier, sondern auch nach seiner Frau, die allerdings ganz neue Therapieformen für sich entdeckt. Statt zu ihrem Mann zu kommen, entdeckt Eleanor die Freuden der manuellen Therapie, die von einigen noch fortschrittlicheren Ärzten in der Stadt verordnet wird. Da wendet sich Will eben an die liebevolle und hübsche Schwester Irene, sein einziger Lichtblick in dieser finsteren Diätgefängniswelt.

    "Er hatte nicht zugenommen - im Gegenteil, er hatte gut fünfzehn Pfund verloren - und in seiner Abendgarderobe sah er aus wie ein lebender Kleiderständer. Unter der gestärkten weißen Hemdbrust, die mit Kragenknöpfen aus schwarzem Satin gesichert wurde, trug er ein leichtes Unterhemd, und unter dem Unterhemd befand sich eine ordentliche, saubere, achtzehn Zentimeter lange Narbe, eine einzelne Eisenbahnschiene, die die Anhöhe seines Bauches erklomm. Das war Dr. Kellogs Werk. Er hatte geschnitten, gegraben, herumgewühlt und entfernt und er hatte den Bauch auch wieder zugenäht. [...] Die Wunde war wunderbar verheilt. Selbstverständlich hatte die Operation, soweit Will es beurteilen konnte, überhaupt nichts genützt." (S.410)

    Doktor Kellog ist ein ziemlich harter Hund, experimentell im Umgang mit seinen Patienten und streng ist er auch noch. Das hat auch sein Pflegesohn Georg zu spüren bekommen. Von der eigenen Familie vernachlässigt, wird er von Kellog als achtes Pflegekind aufgenommen, die Familie lebt genau so streng vegetarisch, wie die Sanatoriumsbesucher. Und wer nicht hört, muss fühlen. Doch Georg will sich endlich an seinem Vater rächen. Er will Geld und er will den Flockenfanatismus, dem er seit seiner Kindheit ausgesetzt war, nicht länger dulden.

    Neben den Lightbodys spielt auch noch Charlie eine wichtige Rolle, der mit dem Erbe seiner Tante ganz groß ins Frühstücksflockengeschäft einsteigen will. Und wo kann das besser gehen, als in der Stadt, die berühmt für ihre Vegetarierfreaks ist. Er hat schon einen wichtigen Geschäftsmann an Land gezogen, der ihm helfen wird. Und dann lernt er auch noch den verschrobenen Sohn von Dr. Kellog kennen...

    Willkommen in Wellville ist ein wunderbarer Roman über eine frühe Phase der Medizin, die noch in den Kinderschuhen steckte. 1907 wurden Patienten mit Radium verstrahlt, aus Interesse operiert, mit Elektroschocks therapiert. Der vegetarische Diätwahnsinn ist ein Heilsversprechen, das auch vor Tieren nicht halt macht (ein Höhepunkt der abendlichen Vortragsreihen des Doktors liegt in der Präsentation seiner vegetarisch lebenden Wölfin - einem klapperdürren Gerippe). Boyle gelingt es neben abstrusen und absurden Situationen auch immer ernste Sequenzen einzubinden. Man muss einfach Mitleid mit Will haben, der unverschuldet in dieses Gefängnis gerät. In der Schilderung des Sanatoriumaufenthalts und des Themas und Stoffs kann man sich vielleicht entfernt an den Zauberberg erinnert fühlen. Oder auch an andere Romane von T. C. Boyle. Ich musste sofort an Riven Rock denken. Willkommen in Wellville ist für mich sehr viel unterhaltsamer gewesen. Allein, weil Georg noch einige überraschende Wendungen in den durchgeplanten Diätalltag bringt. Fantastisch!

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    Aliras avatar
    Aliravor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Witzig und spannend
    Eine Satire auf den Gesundheits- und Vegetarier-Wahn

    Die Stadt Battle Creek in Michigan um 1900, die Gesellschaft ist in weiß und schwarz geteilt. Dr. John Harvey Kellogg, Erfinder der Cornflakes, Erdnussbutter und von 75 weiteren “gastrisch einwandfreien Lebensmitteln”, hat ein weltberühmtes Sanatorium gegründet, in das die gesundheitsbewusste Oberschicht Amerikas strömt.

    Der revolutionäre Lifestyle in der Wellness-Oase des charismatischen Arztes Kellogg besteht aus vegetarischer, pflanzlicher Ernährung, Verzicht auf Kaffee, Tabak und Alkohol sowie sexueller Enthaltsamkeit und mehrmaligen täglichen Darmspülungen.

    Während eine kuriose Gruppe von Gesundheitsaposteln, Körndlfressern und Sonnenanbetern sich um das Wohl der Patienten bemüht, versuchen Abenteurer und Betrüger aller Art ebenfalls von dem neuen Hype der “physiologischen Lebensführung” zu profitieren.

    Viele skurille Figuren machen das Buch zu einem spannenden Vergnügen, in dem T.C.Boyle das Leben Kelloggs - oder wie es gewesen sein könnte – mit Witz und Ironie beschrieben hat. Das Buch eignet sich auch als (letzter) Anstoß zu einer Diät bzw. für Leser, die Vegetarier werden wollen, denen aber der Umstieg auf fleischloses Essen bis jetzt nicht gelungen ist. ;)

    Kommentare: 1
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    Ay73s avatar
    Ay73vor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Charmant!! Was man nicht alles lernt zu Themen wie Entgiftung, Darmspülung, Darmtrakt.. etc... lernt...
    Auf dem Weg zu einem gesunden Körper!!!!

    Die Geschichte erzählt über den berühmten Kellogs Erfinder Dr. Harvey Kellog, der ein Sanatorium der Gesundheit in Ballte Creek führt und leitet. Seine Gäster / Patienten werden von Dr. Kellog zu einem gesunden Leben geführt, in dem sie alle auf Fleisch, Alkohol, Zigaretten und Sex verzichten sollen. Fast alle seine Patienten leiden unter Autointoxikation, haben einen Belag auf der Zunge oder haben ganz schwache Nerven (besonders die Frauen). Und nicht, aber wirklich gar nichts geht über permanente Darmspülung und Darmentleerung..

    Die Patienten fühlen sich mehr oder wenig gut behandelt, es treten Charaktere auf, die auch im Frühstückskost-Branche tätig werden wollen, was nicht jedem gelingt.

    Eine serh amüsante Geschichte rund um den Gesundheitsbereich..

    Kommentare: 1
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    CanYouSeeMes avatar
    CanYouSeeMevor 4 Jahren
    Willkommen in Wellville

    Willkommen in Wellville hat mir einige schöne Lesestunden bereitet. Aber mindestens genauso viele verwirrende. Nicht nur, dass ich für dieses Buch länger gebraucht habe als erwartet, auch der Schreibstil war zeitweise anstrengen zu verfolgen. Ungeachtet dessen war die Handlung hervorragend ausgearbeitet, die Charaktere tiefgründig und die geschichtlichen Aspekte größtenteils Korrekt. Der Gesundheitswahn von Dr. Kellogg ist, üblich für Boyle, mit einer gehörigen Portion Ironie wiedergegeben worden.
    Alles in Allem ist dieses Buch, trotz überflüssiger Passagen, angenehm zu lesen und hat einen ganz eigenen Charme.

    Kommentare: 2
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    PrinzessinMurkss avatar
    PrinzessinMurksvor 9 Jahren
    Rezension zu "Willkommen in Wellville" von T. C. Boyle

    Die Geschichte der Cornflakes, die Geschichte der Hysterietherapie, die Geschichte des amerikanischen Grundspinnertums. Wunderbar unterhalsamer Roman, der Boyles Talent der geschickt konstruierten und zugleich ziemlich abwegigen oder zumindest sehr schrägen Storykonstruktion. - Ach, was schwafel ich. Lest es. Ihr werdet es nicht bereuen.

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    Monsignorevor 9 Jahren
    Rezension zu "Willkommen in Wellville" von T. C. Boyle

    Satirische Romane aus den USA sind selten. Und James Harvey Kellog (1852-1943) verstand nicht viel Spaß - als Arzt und Ernährungsfanatiker führte er in seinem Sanatorium ein strenges Regiment. Schon damals war Übergewicht in den USA ein echtes gesellschaftliches Problem. Dr. Kellog ging rigoros gegen Fleischesser vor. Kurios kommt uns heute vor, dass er der Erfinder der Cornflakes und der Erdnussbutter war. Man muss aber bedenken, dass in der US-Oberschicht damals Speck&Eier in Massen zum Frühstück gereicht wurden. - T.C. Boyle geht wunderbar satirisch mit diesem frühen Gesundheitswahn um. An der frühen Gesundheitsindustrie verdienten Geschäftemacher und Scharlatane, und die Menschen fielen gutgläubig auf alles Mögliche herein. Genauso wie heute. Mein Lesetipp: Das Lesen mit dem Verzehr eines saftigen Mega-Steaks unterbrechen.

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    Holdenvor 9 Jahren
    Rezension zu "Willkommen in Wellville" von T. C. Boyle

    Weiß nicht, irgendwie ist der Funke nicht so richtig übergesprungen, habe wohl schon zu viele Bücher von TCB gelesen. Habs aber auch gelesen, als ich selbst in Kur war. :-)

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    The iron butterflyvor 9 Jahren
    Rezension zu "Willkommen in Wellville" von T. C. Boyle

    Willkommen in Wellville - ein typischer Boyle würde ich sagen. Erzählt wird die Geschichte von Dr. Kellogg und seinem Sanatorium für betuchte Anhänger seiner Gesundheitsphilosophie im Jahr 1907. Kein Fleisch, kein Alkohol, kein Sex...er verspricht seinen Anhängern Heilung von ihren Zipperlein durch die absolute Reinigung des Körpers.
    Wie immer bei Boyle sind die Protagonisten keine Sympathieträger an sich, eher Verlierer, Kämpfer, Individualisten, eben „Normalos“.
    Aber Boyle schafft es immer wieder eine Atmosphäre zu erschaffen, die den Leser umschließt und bis zum Schluss festhält.

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    buxe1877s avatar
    buxe1877vor 10 Jahren
    Rezension zu "Willkommen in Wellville" von T. C. Boyle

    Die Plot ist grandios erdacht, wirkt so allerdings auch recht hölzern und wird so gegen Ende eher anstrengend zu lesen. Nicht unbedingt der beste Boyle, die wirklich unterhaltsame Verfilmung tut's auch.

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    FlorianTietgens avatar
    FlorianTietgenvor 10 Jahren
    Rezension zu "Willkommen in Wellville" von T. C. Boyle

    Das zweite Buch Boyles, das ich nicht zu Ende gelesen habe. Irgendwann empfand ich diesen Roman als zu konstruiert, um mir noch glaubwürdig zu erscheinen. Ich weiß nicht, ob er so gut geschrieben war, dass die Figuren mich anwiderten oder so schlecht. Ein Buch nicht auszuhalten hat ja nicht immer etwas mit dessen Qualität zu tun.

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