Ta-Nehisi Coates

 3,8 Sterne bei 54 Bewertungen
Autor von Der Wassertänzer, Zwischen mir und der Welt und weiteren Büchern.
Autorenbild von Ta-Nehisi Coates (©Nina Subin)

Lebenslauf

Zwischen Martin Luther King und Malcolm X: Die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung hat eine lange Tradition. Von Rosa Parks über Martin Luther King bis Malcolm X haben sich Schwarze immer wieder gegen die Rassenkonflikte in den USA aufgelehnt. Der Journalist und Schriftsteller Ta-Nehisi Coates ist ebenfalls in diese Tradition einzuordnen. In seinen Werken befasst er sich mit alltäglichem Rassismus und fortwährender Diskriminierung. Dabei macht Coates auch vor polarisierenden Aussagen nicht Halt. So stellte er 2014 in dem Artikel „Atlantic“ die Forderung, dass die USA Reparationszahlungen an die afroamerikanische Bevölkerung leisten solle, um die jahrhundertelange Sklaverei zu entschädigen. Sein Buch „Between the world and me“ erreichte 2015 Platz eins auf der Bestsellerliste der New York Times und wurde im selben Jahr mit dem National Book Award ausgezeichnet. Das autobiographische Werk erzählt vom Leben als Afroamerikaner in den USA und gilt bereits jetzt als einflussreiches Standardwerk in Bezug auf die aktuellen Rassismusdebatten. Nicht zuletzt daher wurde Coates 2015 von Marvel Comics als Autor für die Fortsetzung der Reihe „Black Panther“ um einen schwarzen Superhelden des Comic-Mainstreams vorgestellt. Mit der Verfilmung 2018 haben es Marvel und Coates geschafft, gesellschaftliche Probleme um die Diskriminierung von Schwarzen auch in das Blockbusterkino zu tragen.

Alle Bücher von Ta-Nehisi Coates

Cover des Buches Der Wassertänzer (ISBN: 9783453425491)

Der Wassertänzer

 (21)
Erschienen am 08.08.2021
Cover des Buches Zwischen mir und der Welt (ISBN: 9783596298327)

Zwischen mir und der Welt

 (12)
Erschienen am 24.08.2017
Cover des Buches The Beautiful Struggle (ISBN: 9783896677044)

The Beautiful Struggle

 (4)
Erschienen am 09.05.2021
Cover des Buches Captain America - Neustart (ISBN: 9783741611810)

Captain America - Neustart

 (2)
Erschienen am 26.03.2019
Cover des Buches Black Panther (ISBN: 9783741601620)

Black Panther

 (1)
Erschienen am 22.05.2017
Cover des Buches Black Panther (ISBN: 9783741608223)

Black Panther

 (0)
Erschienen am 27.08.2018
Cover des Buches Black Panther (ISBN: 9783741601194)

Black Panther

 (1)
Erschienen am 23.01.2017
Cover des Buches Black Panther (ISBN: 9783741610202)

Black Panther

 (1)
Erschienen am 22.10.2018

Videos

Neue Rezensionen zu Ta-Nehisi Coates

Cover des Buches Der Wassertänzer (ISBN: 9783453425491)
jtk_0701s avatar

Rezension zu "Der Wassertänzer" von Ta-Nehisi Coates

Ein Einblick in die Geschichte der Sklavenarbeit
jtk_0701vor einem Monat

Ganz schwierig für mich, zu diesem Buch die richtigen Worte zu finden. Ich fang mal damit an, dass ich gleich zu Anfang mit dem magischen Realismus konfrontiert wurde. Und was soll ich sagen, ich habe meine Schwierigkeiten damit. So wusste ich erst mal gar nicht, ob ich weiter lesen möchte. Dann kam aber gleich die Geschichte von Hiram Walker, der als Sklave auf der Plantage Lockless aufwächst, als unehelicher Sohn des Plantagenbesitzers. Er muss miterleben, wie seine Mutter verkauft wurde, wird von einer anderen Sklavin großgezogen und darf als Diener seines Halbbruders im Herrenhaus leben. Im Verlauf der Geschichte flüchtet Hiram irgendwann und schließt sich dem Underground an, ein Netzwerk, das Sklaven zur Flucht hilft. Diese Emotionen, die ich so zwischen den Zeilen gelesen habe, was es mit einem Menschen macht, in solchen Verhältnissen aufzuwachsen, haben mich zutiefst berührt. Welch zwischenmenschlichen Grausamkeiten Kinder und Erwachsene in der Sklavenarbeit erleben mussten. Kinder, deren Elternteile von heute auf morgen verkauft werden, Geschwister, die getrennt werden, Eltern, die machtlos zusehen müssen, wie ihnen die Kinder genommen werden, Liebespaare, die entzweit werden, Ehefrauen, die dem Vergnügen der Plantagenbesitzer dienen. Schreckliche Taten, die bestimmt auch Auswirkungen auf die späteren Generationen haben. Das hat mich stark zum Nachdenken gebracht und ich wollte die Geschichte immer weiter lesen. Allerdings gab es zur Mitte hin Längen, die mich etwas gelangweilt haben und ich das Buch öfters ignoriert habe, weil ich es anstrengend fand. Doch zum Schluss hin war ich dann wieder absolut bei Hiram. Selbst seine magische Fähigkeit hat mich zum Ende hin begeistert, da ich die Idee genial fand. Im Großen und Ganzen auf jeden Fall eine interessante Geschichte.

Cover des Buches Zwischen mir und der Welt (ISBN: 9783596298327)

Rezension zu "Zwischen mir und der Welt" von Ta-Nehisi Coates

Jeder Satz ist der Hieb eines Vorschlaghammers in das Mythengebäude des weißen Amerikas mit seinen Weinproben und Gartenpartys.
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Monaten

Die USA sind entstanden durch die „Plünderung von Leben, Freiheit, Arbeitskraft und Land; durch das Auspeitschen von Rücken, das Anketten von Gliedmaßen, das Erdrosseln von Andersdenkenden, die Zerstörung von Familien, die Vergewaltigung von Müttern, den Verkauf von Kindern“, stellt Ta-Nehisi Coates nüchtern anklagend fest. In einem Brief an seinen 15-jährigen Sohn schildert Coates, was es bedeutet in den USA Schwarz zu sein. Er zertrümmert damit nicht nur das Lügengebäude jener Weißen, die sich selbst als hervorragende Nation begreifen. Er zerstört auch zugleich den Selbstbetrug liberaler US-Amerikaner, die glauben den Rassenkampf in einen Klassenkampf transformieren zu können. Als sei Rassismus lediglich eine Frage der Verteilung des Reichtums.

„Amerikaner glauben an ‚Rasse‘ als fest umrissenes, naturgegebenes Merkmal unserer Welt. Rassismus – das Bedürfnis, Menschen bis ins Mark zu kategorisieren und daraufhin zu demütigen, zu reduzieren und zu vernichten – wäre demnach eine unvermeidliche Folge dieser unabänderlichen Gegebenheit. So wird Rassismus zur unschuldigen Tochter von Mutter Natur (…). Doch Rasse ist das Kind des Rassismus, nicht seine Mutter. Und die Definition eines ‚Volkes‘ hatte nie etwas mit Abstammung und Physiognomie zu tun, sondern immer mit Hierarchie.“ Sätze, die gerade in Deutschland eine bedrückende Wirkmächtigkeit erreichen, ist es doch gerade einmal etwas über 70 Jahre her, dass die Deutschen aus Rassismus und Antisemitismus Millionen Menschen vernichteten.

Ta-Nehisi Coates ist ein herausragender Analyst der Gegenwartsgesellschaft der USA und ihrer Geschichte. Es sind die Kontrastierungen, die das Potenzial haben, Menschen aus ihrem Tiefschlaf zu reißen. Während sich im schwarzen Amerika, junge Menschen gegenseitig bedrohen und ermorden, werden im weißen Amerika Blaubeerkuchen und Eisbecher gegessen. Während das schwarze Amerika in Ghettos lebt, haben sich die Weißen in schicken Vorstädten verschlossen. Während das weiße Amerika die Standards setzt, glätten sich schwarze Frauen die Haare. Rassismus zeigt sich häufig in den Details, im Alltag. Das ist auch der Grund warum es in Amerika keine Rassisten gibt, so wie es in Deutschland keine Antisemiten mehr gibt. Man nimmt sich selbst eben nicht so wahr. „Black is beautiful“ ist der Versuch das eigene als wertvoll zu etablieren, die Standards der weißen Gesellschaft zu durchbrechen. Sich nicht den Normen der Herrschenden unterzuordnen und die Ungerechtigkeit auch noch als naturgegeben zu akzeptieren.

Dabei ist „Zwischen mir und der Welt“ nicht lediglich eine Anklage, sondern zu gleich ein sprachgewaltiges Sachbuch, eine Biografie – eine alternative Biografie der USA. „‚Gute Absichten‘ sind ein Passagierschein durch die Geschichte, eine Schlaftablette für den ungefährdeten Traum.“ Den Traum der amerikanischen Demokratie in der Gleichheit herrscht. Der Traum in der sogar ein Schwarzer Präsident werden kann.

Hass stiftet Identität

Coates zeigt an zahlreichen Beispielen auf, was es bedeutet in den USA Schwarz zu sein. Er zeigt auf, dass ein rassistisches Amerika die Morde an Schwarzen ignoriert. Einerseits um die eigene Macht aufrecht zu erhalten und andererseits, um sich nicht mit den Konsequenzen auseinander setzen zu müssen. Und hier schwankt Coates zwischen soziologischer Analyse und agitierender Anklage. Beides hat seine Berechtigung: „Das Problem mit der Polizei ist nicht, dass alles faschistische Schweine sind, sondern dass das Land von Mehrheitsschweinen regiert wird.“ Aus diesen Worten klingen Wut, Angst und Verzweiflung. Es ist der Ausdruck authentischer Gefühle. „Die Galaxie gehörte ihnen, und während unseren Kindern Schrecken eingeimpft wurde, war es bei Ihnen Überlegenheit.“

Dem Brief an seinen Sohn ist in der deutschen Ausgabe noch ein älterer Essay (von 2014) nachgestellt. Bei seiner Veröffentlichung in den USA verursachte dieser eine heftige Debatte. Brachte Coates doch nicht weniger ein, als die Forderung nach Reparationen an der schwarzen Bevölkerung.

Coates erinnert uns daran, dass Gerechtigkeit erkämpft werden muss. Die Herrschenden sorgen nicht von sich aus für gerechte Bedingungen. Es sind immer die Unterdrückten, die Ausgebeuteten, die für ihre Rechte kämpfen müssen. Erst dann finden sich auch Verbündete in der Mehrheitsgesellschaft. „Zwischen mir und der Welt“ ist der Glockenschlag, um die im Konsum und der eigenen Überlegenheit komatisierende Gesellschaft aufzuwecken. Auch das ist Amerika. Oder besser: Genau das ist Amerika. Es ist nicht lediglich eine Geschichte über das schwarze Amerika. Es ist nicht einmal eine Geschichte über das weiße Amerika. Denn sind wir wirklich anders? Ist ein Sarrazin-Rassismus weniger gefährlich. Und somit schreibt Coates eine universale Geschichte von Menschen. Es ist unsere Geschichte. Es ist die Geschichte des Lesers. Ein modernes Gnothi seauton – Erkenne dich selbst.

Cover des Buches Der Wassertänzer (ISBN: 9783453425491)
ysmns avatar

Rezension zu "Der Wassertänzer" von Ta-Nehisi Coates

Eine Neuerzählung der amerikanischen Geschichte
ysmnvor 3 Jahren

Hiram Walker wächst als Sohn einer Sklavin und eines Plantagenbesitzers auf. Als er noch ein Kind ist, wird seine Mutter verkauft und er arbeitet fortan auf den Plantagen des Vaters. Doch Hiram ist wissbegierig und hat vor allem ein außergewöhnliches Gedächtnis, das schon bald die Aufmerksamkeit des Vaters erregt. So steigt Hiram auf und wird zum Diener des eigenen Bruders Maynard. Als die Brüder während einer Kutschfahrt verunglücken, stirbt Maynard und Hiram entdeckt in sich eine Fähigkeit, die so außergewöhnlich ist, dass sogar der Underground auf ihn aufmerksam wird.

Die Geschichte begleitet Hiram fortan auf seinem Weg in die Nordstaaten. Er muss Gefangenschaften und Qualen über sich ergehen lassen, doch die Sehnsucht nach Freiheit und Gerechtigkeit gibt ihm den Willen, weiterzugehen.

Ta-Nehisi Coates’ Roman erzählt auf eindrückliche Weise vom Grauen, den Verbrechen und von der Unwürdigkeit der Sklaverei. Er erzählt von Eltern, die von Kindern getrennt werden, von Familien, die auseinandergerissen werden, von Gefangenen, die gedemütigt werden, von Trauma, Verlust und schließlich auch von Unterdrückten, die sich gegen die Unmenschlichkeit der Gesetze aus dem Untergrund heraus aufzulehnen beginnen.

Das Bild, das dabei von der Zeit der Sklaverei entsteht, ist detailliert und vielschichtig. Es ist an die Realität angelehnt und in einer historischen Zeit verankert, in der die großen Sklavenplantagen Virginias bereits dem Untergang geweiht waren. Doch historische Wirklichkeit und Fantastisches bedingen sich in der Geschichte, denn Coates baut Elemente des magischen Realismus in sie ein und stattet seinen Protagonisten mit übernatürlichen Kräften aus. Damit überträgt er die Idee des weißen amerikanischen Superhelden auf einen Sklaven und das ist sicherlich eine der bemerkenswertesten Errungenschaften dieses Romans.

Der Wassertänzer ist eine wichtige und notwendige Neuerzählung der amerikanischen Geschichte, die endlich diejenigen als Helden darstellt, die es wirklich verdient haben.

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Zusätzliche Informationen

Ta-Nehisi Coates wurde am 30. September 1975 in Baltimore (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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