Das beginnende 20.Jahrhundert ist eine spannende Zeit zwischen Aufbruch und Reaktionismus. Das merkt Lenka, die in Berlin Medizin studiert, aber zur Pflege ihrer Mutter ins weniger progressive Prag zurückkehrt. Dort beginnt sie für die gleiche Zeitung, die Bohemia, wie Egon Kisch zu arbeiten, einem stadtbekannten Kriminalreporter. Und der ist einer vermeintlichen Selbstmordserie/Mordserie auf der Spur, die im Schatten der zunehmenden irrationalen Angst vor dem Halleyschen Kometen Prag in Unruhe versetzt.
Was mir wirklich gut gefällt ist, dass es den Autoren gelingt, den Zeitgeist, der den Alltag für die Protagonisten darstellt, wie selbstverständlich in die Handlung des Kriminalromans einzubetten - ohne dass der Fortgang der Handlung gestört wird oder ins Stocken gerät. Da ist der Antisemitismus und der Nationalismus, der in dieser Zeit gesellschaftliche Normalität ist, die Frauenbewegung, die u.a. ihrem Wahlrecht entgegen strebt, gleichzeitig die Enge der obligatorischen Ehe,, die Kneipen-,Tanzlokal- und Kaffeehaus-Szene, die die eine Seite eines vielschichtigen Lebensgefühls darstellt, deren andere Seiten z.B. die Angst vor Tbc oder die irrationalen Ideen der Esoteriker und Verschwörungsgläubigen sind.
Die erzählte Zeitspanne bekommt ein besonderes Hintergrundrauschen vor der Panik, die das Passieren des Halleyschen Kometen auslöste, aber auch die Beschreibungen der Stadtszenerie, die vielen Szenen, die nachts spielen, tragen viel zu einer dichten Stimmung bei.
Unterm Strich ist es ein Kriminalroman mit am Ende schneller, aber plausibler Auflösung, der aber seine unheimliche Konnotation beibehält, der vor allem spannend erzählt und gut recherchiert ist.
Mir hat das sehr gefallen, zumal das Buch auch sehr angenehm zu lesen war und ich freue mich auf die Fortsetzung.










