Tahar Ben Jelloun Papa, was ist ein Terrorist?

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Inhaltsangabe zu „Papa, was ist ein Terrorist?“ von Tahar Ben Jelloun

Tahar Ben Jelloun verlor mit den Zeichnern Cabu und Wolinski zwei Freunde und mit der Fotografin Leila Alaoui eine Angehörige durch den islamistischen Terror. Jetzt stellt sich der in Paris lebende Schriftsteller marokkanischer Herkunft den Fragen seiner Tochter und erklärt in verständlichen, einprägsamen Worten, wie wir eine der größten Bedrohungen unserer Zeit verstehen können: Was lehrt die weltweite Geschichte des Terrorismus? Wie kann sich eine Demokratie gegen den Terror wehren? Ist die Verhängung des Ausnahmezustands gerechtfertigt? Ben Jelloun erklärt die Rolle der Religion, analysiert die Bedeutung der Propaganda im Internet und beschreibt die Motive der Täter. Angst ist unvermeidlich, stellt er als Betroffener fest. Aber der Angriff auf unsere Lebensweise darf unsere Kultur der Vernunft und gegenseitigen Akzeptanz nicht erschüttern.

Sehr geschichtlich informatives und ruhiges Buch über die Hintergründe von dem heutigen Terror

— rallus

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  • ‚Es ist ein Kampf gegen den Westen [...].'

    Papa, was ist ein Terrorist?

    sabatayn76

    30. November 2016 um 20:02

    ‚Es ist ein Kampf gegen den Westen, seine Kultur, seine Lebensweise, die Freiheit der Frauen, die Ehe für alle, den Humor, die Karikaturen, gegen Gotteslästerung und alles, was mit der Freiheit zu denken, zu schreiben und zu zeichnen zusammenhängt.‘Inhalt: Tahar Ben Jelloun führt in ‚Papa, was ist ein Terrorist?‘ einen imaginären Dialog mit einer seiner Töchter. Er möchte ihr und dem Leser dadurch helfen, Terroranschläge, ihre Ursachen und ihre Folgen besser verstehen zu können. Dabei bietet er zu Beginn des Buches einen historischen Abriss zu Terrorismus in Deutschland und Europa und geht im Folgenden auf verschiedene Fragen ein: Was ist Terrorismus, woher kommt er, wie erkennt man Terroristen, welche Rolle spielen Rassismus und Migration etc.? Mein Eindruck: Obwohl ich mehrere Bücher des Autors im Bücherregal stehen habe, war ‚Papa, was ist ein Terrorist?‘ das erste Buch, das ich von Tahar Ben Jelloun gelesen habe. Mir gefällt Tahar Ben Jellouns Einstellung zu Offenheit und Ehrlichkeit, und ich empfinde den Autor nach der Lektüre als sehr überlegten, menschlichen und sozial kompetenten Mann. Allerdings empfand ich den Schreibstil als etwas hölzern, und ich bin mir auch nach dem Lesen nicht ganz sicher, wer die Zielgruppe für dieses Buch ist. Auf mich wirkte das imaginäre Gespräch nicht authentisch im Sinne eines Dialogs mit einem Teenager, denn viel zu oft lässt der Autor Passagen einfließen, die in meinen Augen nicht nach einem Gespräch mit einem Jugendlichen klingen. Vom Schreibstil abgesehen fand ich die Betrachtungen und Erklärungen von Tahar Ben Jelloun überzeugend und sehr informativ. Als Leser bekommt man hier Einblicke in Themen wie Geschichte, Philosophie, Literatur und Islam. Mein Resümee: Ein schmales Büchlein, das schnell gelesen ist und voller Informationen steckt. Ganz ist der Funke nicht übergesprungen, was vor allem daran liegt, dass mir der Schreibstil nicht allzu gut gefallen hat.

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  • Terror

    Papa, was ist ein Terrorist?

    rallus

    06. November 2016 um 16:35

    „Papa, ich habe panische Angst!“ So beginnt der imaginäre Dialog von Tahar Ben Jelloun mit seiner Tochter. Wenn Erwachsene schon so viel Angst haben vor dem Terror, vor dem Schrecken, aber auch vor Migranten, vor dem Anderssein, was ist dann mit den Kindern. Diese dürfen wir nicht alleine lassen, mit ihren Gefühlen. Alleine lassen dürfen wir aber auch nicht die Verwirrten und von der Politik Verlassenen, die in jedem dunkelhäutigen Fremden einen Terroristen und im Islam eine Terrorreligion sehen. „Diese Angst ist, was der Terror hervorbringt. […] Es ist ein Zustand, der auf Entsetzen gründet, und manchmal löst er Panik aus. Wer terrorisiert wird, büßt seine Widerstandskraft ein. Er ist entwaffnet, verletzlich und schwach, er hat den Eindruck, vom Unheil verfolgt zu sein. Er ist entsetzt. Die Vernunft kann ins Schwanken geraten, das Denken vermag nichts mehr.“ Tahar Ben Jelloun geht in seinem Buch „Papa, was ist ein Terrorist?“ sehr methodisch vor. Ausgehend von einem Gespräch mit seiner Tochter, die wichtige und auch intelligente Fragen stellt, geht er erst auf die Angstgefühle ein, erklärt den geschichtlichen Hintergrund von Terror und den wichtigen Unterschied zu Widerstand. „… seit jeher haben die Menschen sich geweigert, ohne Freiheit und Würde zu leben, Sklaven zu sein. Deshalb lehnen sie sich auf und wählen dazu das wirksamste Mittel. Auf keinen Fall darf Terrorismus mit Widerstand verwechselt werden. Ich betone noch einmal: Der Terrorismus ist ein Mittel, eine Vorgehensweise, kein Denken und keine Philosophie.“ Er gibt Beispiele des Terrors in der Geschichte und in heutiger Zeit. Dabei hat sich die Qualität des Terrors seit der RAF-Zeit und heute sicherlich gewandelt. Terror heute ist Gewalt gegen Unschuldige, die RAF hat sicherlich auch den Tod von Unschuldigen billigend in Kauf genommen, hat sich aber, in ihren Anschlägen, auf die verhassten Staatsträger konzentriert. Terror heute, richtet sich wahllos gegen wehrlose Menschen. Gewalt, die auch der Islam verurteilt. Für den Autor ist nicht der Islam schuld an dem jetzigen Terror, der Islam wird nur für dessen Zwecke missbraucht. (So wie sicherlich die Idee des Christentums in den Kreuzzügen strategisch missbraucht wurde). Wir müssen akzeptieren dass es Terror gibt, der einem Menschen nicht anzusehen ist, der grundlos und wahllos zuschlagen kann. „Akzeptieren ist lernen, den Tatsachen ins Auge zu sehen und zu erkennen, dass das Leben kein Zuckerschlecken ist, bei dem alles wunderbar abläuft, alle Menschen gut und freundlich, großherzig und hilfsbereit sind, dass das Böse existiert und ein jeder fähig ist Böses zu tun, sei es einfach so, sei es aus einem schändlichen Grund, der sich jeder Logik entzieht.“ Terroristen morden heute im Namen des Islams, missbrauchen diesen dabei aber auch fälschlicherweise für ihre Zwecke. Klug und fundiert zeigt uns der Autor viele Stellen des Islam und interpretiert diese. Auch auf unangenehme Fragen, warum die arabischen Staaten nichts gegen den Terror unternehmen, ja ihn sogar unterstützen, geht er ein. Hier ist natürlich die Kriegsindustrie und das Kapital wesentlicher Motor der Uneinigkeit und des Übels. Doch Tahar Ben Jelloun schreibt keine Hetzschrift. Klug, intelligent, sachlich und weitgehendst wertfrei, erarbeitet er seiner Tochter die Geschichte und Hintergründe des Terrors. Letztendlich liegt es in unserer Hand, die nächste Generation auf dem langen Weg der Aufklärung vorzubereiten, der noch zu gehen ist. „Es bleibt die Arbeit der Eltern, die sehr wachsam sein und überprüfen müssen, was für ein Bild die Kinder über das Netz empfangen. Doch ich betone, diese Wachsamkeit ist schwer aufrechtzuerhalten; es ist dabei sehr wichtig, feste und dauerhafte Beziehungen zu seinen Kindern aufzubauen, sie zu unterstützen, zu warnen, mit ihnen zu sprechen, ihnen die Dinge zu erklären, ihnen zu vertrauen, und ihnen Verantwortung zu übertragen.“ Ein sachliches, fundiertes und kluges Buch, dass unaufgeregt die geschichtlichen Grundlagen unserer Welt beschreibt und in Kinderhände ab 14 gehört. Es braucht mehr solcher Stimmen in dieser verrückten verwirrten Welt.

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