**** Mein Eindruck ****
Dieses Buch setzt sich kritisch und durchdacht mit dem Problem auseinander, nicht in den Schlaf zu finden – obwohl im Leben scheinbar alles funktioniert. Doch was, wenn genau dieses „Funktionieren“ nicht dem entspricht, was man wirklich braucht? In den feinen Zwischentönen geht es um Rollenbilder, Erwartungen und die Frage, wie sehr wir uns in vorgegebene Strukturen fügen. Und noch wichtiger: Was möchte das Herz eigentlich? Was treibt uns wirklich an?
Janis ist berufsbedingt wach, während andere schlafen. Sina hingegen liegt wach wegen ihrer inneren Kämpfe. Statt zur schnellen Pille zu greifen, landet sie im Schlaflabor – und dort begegnen sich die beiden. Eine kurze, aber nachhaltige Begegnung, die leise ihre Kreise zieht. Das Buch ist insgesamt äußerst ruhig erzählt und verfolgt einen versöhnlichen Ansatz im Umgang mit Schlafproblemen und innerer Unruhe. Viele Leserinnen und Leser werden sich hier wiederfinden – in der Rastlosigkeit, im Druck zu funktionieren, in der Suche nach einem sanfteren Umgang mit sich selbst.
Mir persönlich fehlte jedoch ein Element, an dem ich emotional wirklich hätte hängenbleiben können. Die Figuren sind klug gezeichnet, charmant und interessant, doch die Geschichte bleibt sehr kontrolliert. Die Ecken und Kanten, das Laute, das Unbequeme – all das hätte ich mir stellenweise gewünscht. Auch die Botschaft bleibt eher sanft und indirekt, was sie zwar stimmig, aber für mich nicht nachhaltig genug machte, um das Buch zu einem Highlight werden zu lassen.
Stilistisch gibt es nichts zu beanstanden: Der Text ist flüssig, durchdacht und sprachlich sauber. Dennoch fehlten mir die ganz großen, markanten Sätze, die sich ins Gedächtnis brennen.
**** Empfehlung? ****
Ein gutes, ruhiges Buch mit klugen Gedanken und einem versöhnlichen Blick auf innere Unruhe – aber keine Geschichte, die mich langfristig begleitet oder nachhaltig erschüttert hat. Vielleicht geht es dir dabei ja anders.










