Tamar Verete-Zehavi

 4.3 Sterne bei 13 Bewertungen
Autor von Aftershock.

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Cover des Buches Aftershock (ISBN:9783570307113)

Aftershock

 (13)
Erschienen am 19.10.2010

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Rezension zu "Aftershock" von Tamar Verete-Zehavi

Ein Buch was unter die Haut geht und man mitleidet
biscoteria85vor 9 Monaten

Mitten am Tag in einem Supermarkt in Jerusalem. Die beiden jungen Mädchen Jerus 17 Jahre und ihre Freundin Ella 15 Jahre treffen sich zum gemeinsamen Einkauf im Supermarkt. Nadira 18 Jahre ist Palästinenserin. Bzw. sie war es, bis zu dem Zeitpunkt wo sie vor dem Supermarkt ihren Sprengstoffgürtel zündet.  Ella überlebt den Angriff aber für ihre Freundin Jerus kommt alle Hilfe zu spät.

Von dem Anschlag psychisch schwer angeschlagen, wird aus dem Lebenslustigen Mädchen ein Schatten ihrer selbst. Vorwürfe und Angst bestimmen fortan ihr Leben. Aber vorweg auch die große Frage des: WARUM?

Im Buch wird aus ihrer Sicht beschrieben wie es ihr geht, wie die Fragen und die Unsicherheit ihren Alltag bestimmen. Sie möchte vergessen aber auch verstehen. Sie nimmt über einen arabischen Freund Kontakt zur Familie von Nadira auf und versucht zu verstehen wie es dazu kommen kann.

 

Das Buch beschreibt sehr gut wie sich Ella fühlt und geht einen unter die Haut. Der Hass, der auf beiden Seiten besteht, auch in der Familie von Nadira welche die Schuld für den Selbstmord bei den Juden sucht. Ein Buch was man gelesen haben sollte.

 

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Rezension zu "Aftershock" von Tamar Verete-Zehavi

Tamar Verete-Zehavi - Aftershock
miss_mesmerizedvor 3 Jahren

Bevor Ella sich mit ihrer Freundin Jerus für den Abend zurechtmachen kann, soll sie noch kurz für ihre Großmutter einige Besorgungen tätigen bevor der Schabbat beginnt. Plötzlich durchzieht ein Knall die Luft, ein Selbstmordattentat vor dem Supermarkt, der Ellas Freundin in den Tod reißt und sie sowie unzählige andere verletzt. Ella hatte Glück, denn sie hat keine allzu schweren Verletzungen und ist noch am Leben – aber ist das wirklich ein Glück? Schon im Krankenhaus drehen sich ihre Gedanken nur noch um die Attentäterin, ein 18-jähriges Mädchen aus Palästina. Sie will nicht wie die extremen Rechten anfangen die Araber zu hassen und doch verspürt sie eine enorme Wut, dass man ihr die Freundin genommen hat. So zu leben wie vorher ist nicht mehr möglich, denn alles hat sich verschoben.

Tamar Verete-Zehavi schildert glaubwürdig aus der Sicht eines jungen Mädchen das einschneidende Erlebnis. Zunächst die unmittelbaren Gedanken bezogen auf sich selbst, bevor sie den größeren Zusammenhang erfassen kann. Die kritische emotionale Lage zwischen dem eigenen Überleben und dem Verlust der Freundin, der bedeutungslos gewordenen Umwelt und den immer tiefer eingrabenden Gedanken um die Motive der Täterin werden intensiv und nachvollziehbar geschildert. Man kann die Reaktionen des Mädchens verstehen, der Wunsch einerseits nach Rache, aber auch danach zu verstehen, warum so etwas passieren kann und gleichzeitig doch auch der Wille nicht noch mehr Hass zu säen, sondern Frieden zu suchen. Die langsame Annäherung an die palästinensische Realität, wo sie ebenfalls auf Schmerz und Wut trifft.

Die Autorin schafft es, eine individuelle Geschichte, wie sie sich leider täglich ereignet, exemplarisch zu erzählen ohne in stereotype Muster zu verfallen und allzu einfache Erklärungen zu geben. Die Zerrissenheit ob der komplexen sachlichen wie emotionalen Lage kommen hierbei gut zu tragen und bieten auch keine schnellen Lösungen für diesen andauernden Konflikt. Sie zeigt auch, dass der Blick nicht nur auf die Täter gerichtet sein darf, sondern die Überlebenden ebenfalls Aufmerksamkeit verdienen in ihrem Kampf zurück ins Leben.

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Rezension zu "Aftershock" von Tamar Verete-Zehavi

Rezension zu "Aftershock" von Tamar Verete-Zehavi
yokovor 9 Jahren

Manchmal kennt der Mut keine Grenzen. Man springt über den eigenen Schatten, begräbt Vorurteile und schiebt Ängste beiseite. Ein besonders aufwühlendes Beispiel dafür ist das Buch „Aftershock: Die Geschichte von Jerus und Nadira“ von Tamar Verete-Zehavi.

Sie erzählt in ihrem Jugendroman von zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können. Jerus ist siebzehn und Israelin, die achtzehnjährige Nadira Palästinenserin. Beide leben im selben Land, aber nicht in der gleichen Welt. In einem Supermarkt in Jerusalem zündet Nadira ihren Sprengstoffgürtel. Zufällig ist Jerus auch dort und wartet auf ihre Freundin Ella. Jerus stirbt, Ella überlebt schwer verletzt. Von einem Tag auf den anderen ändert sich das Leben der 15-Jährigen komplett.

Über Ellas Schmerz schwebt eine dunkle Wolke, aber nach dem ersten Schock spielt sie die Starke und unterdrückt jeden Schmerz. Nach und nach taut sie ein wenig auf. Trotzdem legt sich eine düstere Erkenntnis wie ein zu eng gebundener Schal um ihren Hals und die ist genauso bitter wie der Schmerz über den Verlust ihrer besten Freundin: Sie fühlt sich nicht mehr dazugehörig im Kreis ihrer Freundinnen. Sie igelt sich ein und schottet sich ab von der Welt. Erst kann sie nicht verstehen, was da mit ihr passiert. Sie taucht immer mehr ab und strickt sich einen eigenen Schutzmantel, der sie vor der Realität bewahrt und nicht an das Schlimme erinnert. In einer Phantasiewelt malt sie das Bild der jungen Palästinenserin und schreibt sich alles von der Seele. Doch schon bald möchte sie es nicht bei ihrer ausgedachten Geschichte belassen und nimmt Kontakt zu Nadiras Familie auf.

Wenn man die Geschichte liest, schafft es die Luft nicht immer über den Hals hinaus. Eigentlich möchte man die Augen schließen. Nicht sehen, zu was Menschen in der Lage sind. Nicht lesen, wie weh es tut, wenn man von heute auf morgen ein fremdes Ich im Spiegel anschaut. Nicht fühlen, wie es ist, einen geliebten Menschen zu verlieren. Aber ich ermuntere alle, weiter zu lesen, denn Hoffnung und Mut brechen bald die düstere Kruste auf. Die Sonne kommt durch. Es ist eine Freude, wie aus der zusammengekauerten Ella ein Mädchen heranreift, das wieder laufen kann und dabei unwahrscheinlich gerade ist. Wie sie mit Rückgrat über Brücken läuft, die die Erwachsenen versperrt haben. Tamar Verete-Zehavi hat mit Ella eine Figur geschaffen, die sehr authentisch wirkt. Es liest sich wie ein Tagebuch, als gäbe es keine Autorin, sondern nur Ella ganz allein, die der Welt ihre eigene Geschichte erzählen möchte.

Mich hat der Roman außerordentlich beeindruckt. Es ist eines jener Bücher, die man nicht so schnell vergessen kann. Immer wieder sitzt du neben Ella und lauscht ihren Gedanken. Man möchte Ellas Hand nehmen und alle Fragen beantworten. Reden ist wichtig. Besser als schweigen. Und dass man auch aufeinander zu gehen kann, obwohl Stacheldraht dazwischen liegt, beweisen Helden wie Ella immer wieder. Mut und Zivilcourage kennen eben keine Grenzen.

PS: Es gibt diese mutigen Menschen auch im wirklichen Leben. Nicht oft, aber es gibt sie: Einer von ihnen wurde mit dem Hessischen Friedenspreis ausgezeichnet. Der Palästinenser Ismail Khatib hat 2005 seinen Sohn verloren, er wurde von israelischen Soldaten erschossen. Gemeinsam mit seiner Frau hat Ismail Khatib die Organe seines Sohnes als Spende für israelische Kinder freigegeben. Damit wollte er ein Zeichen des Friedens setzen. Im Schmerz hat der Palästinenser menschliche Stärke und außergewöhnlichen Mut bewiesen.

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