Tamara Štajner

 3,7 Sterne bei 76 Bewertungen
Autor*in von Luft nach unten und Raupenfell.

Lebenslauf

Geboren 1987 in Novo mesto, Slowenien. Sie schloss ihr Master-Studium im Konzertfach Viola an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien ab. Derzeit promoviert sie im Fach Musiktheorie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. 2020 wurde sie in die Junge Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz aufgenommen, 2022 folgte die Aufnahme in die Gutenberg Akademie. 2022 war sie Stipendiatin des 25. Klagenfurter Literaturkurses im Rahmen des Bachmannpreises. 2022 erschien ihr erster Gedichtband, Raupenfell (2023) ist ihr erster Roman. Sie lebt in Wien und im Rhein-Main-Gebiet.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Luft nach unten (ISBN: 9783552075825)

Luft nach unten

(76)
Neu erschienen am 21.07.2026 als Gebundenes Buch bei Zsolnay, Paul.

Alle Bücher von Tamara Štajner

Cover des Buches Luft nach unten (ISBN: 9783552075825)

Luft nach unten

(76)
Erschienen am 21.07.2026
Cover des Buches Raupenfell (ISBN: 9783884237014)

Raupenfell

(0)
Erschienen am 21.08.2023

Neue Rezensionen zu Tamara Štajner

Cover des Buches Luft nach unten (ISBN: 9783552075825)
Amerdales avatar

Rezension zu "Luft nach unten" von Tamara Štajner

Amerdale
nicht meins

          Von der Kurzbschreibung des Romans her erwartete ich eine Geschichte um ein lange gehütetes Familiengeheimnis, welches nun ans Licht kommt.


Das ist aber nicht, worum es hier wirklich geht. Es gibt zwar ein Geheimnis oder vielleicht existiert es auch nur in der Fantasie eines alten Menschen -- der Leser erfährt es nicht, er bleibt mit seinen Fragen dazu zurück. Denn der Autorin ist es egal. Darum geht es ihr nicht. Es geht ihr nur um Iva, die Protagonistin des Buches. 


Und genau da lag mein Problemmit dem Ganzen. Iva war mir sehr unsympathisch und ihre Probleme sind vor allem solche Probleme, weil sie sie nie anspricht und nicht kommuniziert. Weder mit ihrem Mann, noch mit ihrem geheimen Geliebten oder gar mit ihrer Mutter, die für Iva eine Art allgemeines Feindbild und schuld an allem ist. Warum auch immer. Iva kommuniziert gern über Textnachrichten, gerne auch ein Dutzend an die gleiche Person im Sekundentakt geschickt.Jede einyekne enthält dabei ungefähr drei Wörter und zwei Beleidigungen/Flüche/Schimpfwörter. Was vieles war, abernicht angenehm zu lesen.


Insgesamt ist das Buch ein langgezogener Ausschnitt aus Ivas Leben - allerdings weder ein spannender noch wirklich einer mit einem Ende. DasBuch hört auf, Ivas Leben geht weiter ohne dass sich irgendwas darin geändert hat. Iva hat nichts dazu gelernt und nichts verändert, keine ihrer Beziehungen hat sich gewandelt.

        

Cover des Buches Luft nach unten (ISBN: 9783552075825)
coffee2gos avatar

Rezension zu "Luft nach unten" von Tamara Štajner

coffee2go
viele Themen, viel Chaos

Der Roman ist vielschichtig und intensiv, er behandelt Themen, die nicht einfach zu verarbeiten sind, wie Mutterschaft, unerfüllter Kinderwunsch und auch Prägung durch die Herkunftsfamilie. Im Mittelpunkt steht Iva, eine Musikerin, die mit ihrem Mann versucht ein Kind zu bekommen und vor immer größere Hürden gestellt wird, da es nicht so funktionieren will, wie sie es gerne hätte. Mit der Zeit stellt sich Iva die Frage, ob sie den Wunsch auf ein Baby nicht aufgeben oder zumindest vorerst mal verschieben sollte, obwohl die Zeit rennt. Gleichzeitig belasten sie alte, ungeklärte Konflikte mit ihrer Mutter und neue Konflikte in ihren aktuellen Beziehungen. 

Bei Iva merkt man, dass sie hin- und hergerissen ist. Sie versucht Dinge zu verdrängen, das funktioniert aber nur bedingt und äußert sich wiederum auf andere Weise. Wenn sie versucht Probleme anzusprechen und zu lösen, handelt sie impulsiv und reagiert schnell über, sodass die Situationen eskalieren. Man spürt, dass sie nicht ganz im Reinen ist mit sich selbst und mit ihrem Umfeld und dass sie vieles aus ihrer Kindheit auf ihr heutiges Leben projiziert. Auf der inhaltlichen Ebene gefällt mir der Roman sehr gut, auf sprachlicher Ebene bin ich zwiegespalten. Einerseits gibt es Chatverläufe, die die Handlung unterbrechen, kurzweiliger machen, aber auch etwas stören und zwischendurch findet man poetische Passagen, die sich nicht so recht in die Alltagserzählungen, die häufig nüchtern und direkt, fast schon plump erscheinen, einordnen lassen. Hier hätte mir eine gerade Linie oder eine Entscheidung für eine Art der Literatur besser gefallen. Auch themenmäßig war es fast zu viel an Themenvielfalt, sodass nicht alle gleich stark ausgeprägt waren. Die slowenische Geschichte kommt im Vergleich zu den aktuellen Ereignissen zu kurz und hat stellenwiese wenig Platz, hier hätte man auch noch mehr herausholen können.

Cover des Buches Luft nach unten (ISBN: 9783552075825)
Kwinsus avatar

Rezension zu "Luft nach unten" von Tamara Štajner

Kwinsu
Die Kunst des wuchtigen Erzählens

Iva will ein Kind, um jeden Preis. Iva will ein Kind mit ihrem Ehemann, Felix. Als der Kinderwunsch längere Zeit unerfüllt bleibt, stresst sie jegliche Aktivität, die es zum Kindermachen braucht - die Lust ist schlicht nicht mehr wirklich vorhanden. Da kommt Gabriel ihr sehr gelegen, mit dem sie ungehemmt entspannen kann. Aber das Leben ist nie so einfach, wie man es sich ausdenken vermag - neben den körperlichen Gelüsten ist auch die familiäre Last erdrückend und steht der Erfüllung tiefgründig im Weg.

"Luft nach unten" ist ein Buch, das in seiner Rohheit verstört, das mit seiner Ehrlichkeit und Komplexität teilweise schwer zu ertragen ist. Gleichzeitig betört es aber auch mit seinem Realitätsbezug, ist so authentisch und aus dem Leben gegriffen, dass jede Zeile wahrhaftig erscheint. Und es lässt sich nicht reduzieren auf das eine Thema, denn es sind mannigfaltige Topics, die sich in die Geschichte einweben. Zentral ist zweifelsohne der unerfüllte Kinderwunsch, aber gleichsam geht es auch um Identität, um familiäre Netzwerke, um gewaltvolle Sozialisation und um die Unehrlichkeit in Beziehungen, die in diesem Buch nicht zu verurteilen sind, denn sie sind überaus menschlich und natürlich.

Besonders kurzweilig ist die wechselnde Erzählperspektive. Größtenteils wird aus der Ich-Perspektive erzählt, das Geschehen wird aus Ivas Sicht geschildert. Immer wieder sind aber auch Chatverläufe eingewoben, die zwar die Wahrnehmung Ivas stärken, aber auch andere Perspektiven - hauptsächlich jene ihrer Liebhaber - zulassen. Zudem kommt immer wieder die persönliche Anrede an Ivas Mutter ins Spiel, die die toxische Mutter-Tochter-Beziehung aufblättert und die teils zwänglerische Verhaltensweise der Protagonistin ein Stück weit erklärt.

Die Geschichte selbst spielt immer wieder mit der unklaren Identität, welche die Protagonistin durchlebt - sie selbst, Geigerin von Beruf und aufgewachsen zwischen Wien, Slowenien und ein Stück weit auch in Mazedonien, springt sie auch in der Erzählung zwischen diesen kulturellen Welten. Geprägt wurde sie von allen, fein und subtil arbeitet die Autorin diese aber anhand von kulturellen Unterschieden heraus und verordnet sie exakt darin, wo sich die Protagonistin befindet: nämlich zwischendrin.

Eine besondere Rolle nimmt - wie schon angedeutet - die Mutter-Tochter-Beziehung ein. Die Mutter verhält sich ihrer Tochter gegenüber äußerst psychisch gewaltvoll und die Tochter leidet auch im Erwachsenenalter sehr unter der dominanten und abwertenden Rolle ihrer Erzeugerin. Wenn man die Lesung bei den Bachmann-Tagen der Autorin in Erinnerung hat, kann man davon ausgehen, dass ein stark autobiographischer Anteil dieser Geschichte zugrunde liegt. Die Eltern, beide stark übergewichtig, wollten die Tochter formen, so wie sie die Gesellschaft für wertvoll genug hält, auch wenn sie selbst diesem Ideal nie genug werden würden. Die Rolle der jugoslawischen Identität - oder jener der slowenischen, mazedonischen oder österreichischen - schwelt kontinuierlich mit, ohne das ganz klar wird, ob sie tatsächlich eine so gewichtige Rolle spielt.

"Luft nach unten" ist ein äußerst forderndes Buch, das vor allem durch seine Rohheit und Irritation in der Gegensätzlichkeit von modernem Schreibstil, traditioneller Erzählweise und grundsätzlicher Bedürftigkeit nach Nähe besticht. Es glänzt durch einprägsame Bilder, Widersprüchen in kulturellen Belangen sowie der Erzählung von Grundbedürfnissen des menschlichen Seins, die sich tief ins Gedächtnis einprägen. Der Roman kommt mit einer Wucht daher, die einen umreißt und zugleich sprachlos macht und entwickelt sich stet aber unvergesslich zu einem Ereignis, das man nicht so schnell vergessen wird.

Gespräche aus der Community

Bisher gibt es noch keine Gespräche aus der Community zum Buch. Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Welche Genres erwarten dich?

Community-Statistik

80 Bibliotheken

5 Merkzettel

1 Leser*innen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks