Tami Weissenberg

 4,5 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf von Tami Weissenberg

Tami Weissenberg. Jahrgang 1982. Geschieden. Nichtraucher. Geboren in Gotha / Thüringen. Die ersten Kindheitsjahre aufgewachsen in einer 700-Seelen-Gemeinde. Umzug zu DDR-Zeiten ins Erzgebirge. Abitur auf dem 2. Bildungsweg. Berufsbegleitendes Studium. Erstes prägendes Erlebnis: Verkehrsunfall mit Todesfolge. Unverschuldet. 1 Jahr Therapie, stationär. Lebensbeginn bei null, auf allen Ebenen. Das Streben nach Intellekt setzte spät ein. Maßgeblicher Antrieb war eine von Misshandlung und Gewalt bestimmte Ehe. Ein gutes Jahrzehnt prägte dies mein einfaches und bodenständiges Leben. Einsetzen der Flucht ins Schreiben. Gedanken auf Papier. Unzählige…zählen ? – unmöglich. Papier und Poesie hielten und halten mich aufrecht. Schwarz auf weiß, konserviert. Engagiert als Initiator und Koordinator von Männerschutzprojekten. Liebhaber schöngeistiger Dinge. Neugierig. Rastlos. Tiefgründig.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Tami Weissenberg

Cover des Buches Darjeeling Pur (ISBN: 9783959151122)

Darjeeling Pur

 (2)
Erschienen am 13.07.2018
Cover des Buches Weg ins Leben (ISBN: 9783948887179)

Weg ins Leben

 (2)
Erschienen am 30.03.2021

Neue Rezensionen zu Tami Weissenberg

Cover des Buches Weg ins Leben (ISBN: 9783948887179)Fannies avatar

Rezension zu "Weg ins Leben" von Tami Weissenberg

Ungeschönte Fortsetzung der Autobiografie eines männlichen Opfers von häuslicher Gewalt
Fannievor einem Jahr

Das stereotype Bild von Gewalt in der Partnerschaft zeigt eine dem Mann körperlich unterlegene Frau, die den Attacken des Partners wehrlos ausgesetzt ist. Dass sich eine solche Gewalt sehr wohl auch von einer Frau ausgehend gegen den Mann richten kann, mutet für manche Menschen seltsam an. Und doch: Diese Form der Gewalt gegen Männer gibt es - allerdings meist verborgen hinter einer unüberwindbaren Mauer aus Scham.


Der unter dem Pseudonym Tami Weissenberg publizierende Autor aus Sachsen hat in seinem ersten Buch "Darjeeling Pur" mit bedrückender Intensität die sich sukzessive aufbauenden Gewaltexzesse durch seine damalige Ehefrau geschildert. Unglaublich, aber wahr: Die namentlich nicht genannte, zierliche Frau drangsalierte einen beruflich erfolgreichen, hundert Kilo schweren und fast zwei Meter großen Mann, der sich niemals wehrte oder gar zurückschlug.


Im zweiten Band seines autobiografischen Berichts, der den Titel "Weg ins Leben" trägt und am 30. März 2021 in der Edition Outbird erschienen ist, beschreibt Tami Weissenberg, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass er in den Teufelskreis der Abhängigkeit von seiner Frau geriet. Eine Abhängigkeit, die er fast mit seinem Leben bezahlt hätte. Es ist schmerzlich, aber unverzichtbar, vor der Lektüre von "Weg ins Leben" zuerst "Darjeeling Pur" zu lesen.


In sachlich-nüchternem Ton reißt der Autor in seinem aktuellen Buch die Fassade der vermeintlichen Bilderbuchfamilie ein, die mit mondänem Haus, großem Garten und teuren Autos Nachbarn und Bekannte zu beeindrucken wusste. Mit psychologischer Scharfsinnigkeit zeichnet er den Worst Case nach, der seinen Anfang nahm, als er und seine Exfrau sich kennenlernten: Sie weckte in ihm den Beschützerinstinkt, er, unerfahren in Partnerschaftsdingen, gab nach und nach sein eigenständiges Leben für sie auf und fand sich schließlich in seinem eigenen Albtraum wieder. 


Wie weit er gegangen ist, welche Grenzen und Gesetze er überschritten hat, nur um seine damalige Frau ruhigzustellen, schildert Tami Weissenberg mit ehrlicher Reue, ohne sich dabei selbst in Schutz zu nehmen. Er steht zu seinen Fehlern und seinen Worten merkt man an, dass er heute, mit einigen Jahren Abstand zum Erlebten, und nach vielen Stunden Psychotherapie, geläutert und befreit ist. 


Klipp und klar formuliert er, dass er weder Rache an seiner Exfrau üben möchte noch mit den Erlösen aus den Buchverkäufen reich werden will. Denn Letztere fließen ausschließlich in den von ihm gegründeten Weissenberg e. V. - Männernetzwerk Plauen. Der Verein betreibt eine von staatlicher Seite mitfinanzierte Schutzwohnung für von häuslicher Gewalt betroffene Männer und verfügt über ein kompetentes Netzwerk zur Beratung der Opfer. 


Inzwischen ist Tami Weissenberg viel herumgekommen, war in Presse, Funk und Fernsehen vertreten. Er erzählt seine Geschichte nicht, um Mitleid oder Ruhm zu erhaschen. Tami Weissenberg ist ein unglaublich engagierter Kämpfer. Im Anhang des Buchs zeugen Presseartikel und Fotos von seinen zahlreichen Auftritten, in deren Rahmen er dem Thema Gewalt gegen Männer ein Gesicht gibt - sein Gesicht. 


So ist aus etwas Furchtbarem dennoch etwas Gutes erwachsen. Doch bis dahin war es ein steiniger, schmerzhafter und langer Weg, an dem Tami Weissenberg den Leser offen und ehrlich teilhaben lässt. Er hat viel über sich selbst gelernt. Mit Fleiß und Hingabe hat er ehrenamtlich ein Hilfsprojekt initiiert, das es damals, als er selbst Gewaltopfer war, nicht gab. Und das Wichtigste: Er ist endlich glücklich. 

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Cover des Buches Darjeeling Pur (ISBN: 9783959151122)Lottchens avatar

Rezension zu "Darjeeling Pur" von Tami Weissenberg

Ein Buch, das unter die Haut geht
Lottchenvor 2 Jahren

Gerade habe ich ‚Darjeeling Pur‘ von Tami Weissenberg gelesen und ich fühle mich noch immer ganz unwohl. Das Buch erzählt die Geschichte vom Autor, wie er eine Frau kennenlernte, aber viel zu spät entdeckte, dass sie eigentlich gar nichts Gutes im Sinne hat. Ihre Beziehung wird für ihn die Hölle. Nach und nach verliert er seine Unabhängigkeit, bis er nicht mehr weiß, wie er sich noch aus dieser zerstörerischen Situation retten kann.

Bei dem Thema ‚häusliche Gewalt‘ denkt man sehr schnell an eine Frau, die von ihrem Mann misshandelt wird. In diesem Buch ist es aber andersrum. Tami Weissenberg schafft es auf eine klare Weise zu beschreiben, was alles mit ihm passiert es. Er tut dies auf eine nüchterne Weise, ohne die Begebenheiten auszuschmücken. Er erzählt einfach was passiert. Und genau das tut beim Lesen weh. Man ist erschüttert, wie weit Menschen gehen können.

Als Leser weiß man natürlich bevor man anfängt mit lesen, warum es im Buch gehen wird. Das wird im Klappentext ziemlich gut wiedergegeben. Deswegen ist man sofort auf der Hut, wenn man die Frau, die ihm noch so viele Schmerzen hinzufügen wird, kennenlernt. Man denkt sich ständig: ‚Siehst du das denn nicht?‘ oder ‚Warum verlässt du sie nicht einfach? Jetzt wäre doch passend. Man merkt doch, dass hier etwas falsch ist!‘, aber der Protagonist in dem Buch läuft mit geöffneten Augen in der Falle. Das war für mich manchmal sehr schwierig zu verstehen und hat mich beim Lesen auch oft ziemlich aufgewühlt. Für den Protagonisten aber, ist das alles gar nicht so einfach. Er hat eine emotionale Beziehung zu dieser Frau aufgebaut, die ganz genau weiß, wie sie Menschen manipulieren kann, bis sie tun was sie will und sich so vollständig von ihr abhängig machen lassen, bis sie kennen Ausweg mehr sehen.

Das Buch kommt sehr hart an. Die Szenen, in denen beschrieben wird, wie sie ihn körperlich quält, fand ich schwierig zu lesen. Man weiß halt, dass das, was da steht, echt passiert ist und man weiß, dass so was leider viel zu oft geschieht. Ich wollte einfach den Kopf wegdrehen oder das Buch durch den Raum schleudern, um es danach nie wieder aufschlagen zu müssen, aber es ist wichtig, dass dieses Thema beschrieben wird, ohne es zu besänftigen und bestimmte Sachen wegzulassen, damit es besser erträglicher wird. Man darf seine Augen halt nicht für die Realität schließen. Und das hat der Schriftsteller hier ganz gut hingekriegt. Er hat die negativen Erfahrungen, die er erlebt hat, in einem Text gegossen. Es für alle zugänglich gemacht, damit man mit der Problematik konfrontiert wird und das Tabu gebrochen wird.

Nachdem man dieses Buch gelesen hat, kann man nur Respekt haben für den Autor, der es geschafft hat, seine zutiefst persönlichen, negativen Erlebnisse in so verständliche und treffende Worte darzustellen. Es ist grausam, was ihm widerfahren ist, aber bewundernswert, dass er den Mut dazu gefunden hat, das Ganze mit unbekannten Lesern zu teilen. So wird man darauf aufmerksam, dass es viel zu oft falsch geht und dieses Thema viel mehr Aufmerksamkeit verdient. 

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Cover des Buches Darjeeling Pur (ISBN: 9783959151122)AnnaLisaFranzkes avatar

Rezension zu "Darjeeling Pur" von Tami Weissenberg

Sprechen über ein Tabuthema
AnnaLisaFranzkevor 3 Jahren

„Darjeeling Pur“ spricht über ein Thema, das in der Öffentlichkeit kaum präsent ist: häusliche Gewalt gegen Männer.

Tami Weissenberg beschreibt in einer nachvollziehbaren Geschichte den Prozess, wie die Hauptperson Stück für Stück in eine toxische Beziehung gerät, die mit Gewalt gegen ihn endet. Der Prozess ist schleichend. Zuerst verstrickt die Frau die Hauptperson emotional und kettet ihn so an sich. Die Hauptperson ist dabei nur von dem Wunsch getrieben, sie glücklich zu machen, weil sie es verdient hätte, glücklich zu sein. Nach den Lügen und der emotionalen Manipulation übt sie Stück für Stück mehr Gewalt gegen ihn aus. Zuerst noch mit den Ausreden „sie wusste nicht, was in sie gefahren sei“ (S. 58) und „sie wollte das alles nicht und es täte ihr im Herzen leid, was sie eben gesagt und getan hatte“ (S. 58). Prägend zudem ist die nüchterne Sprache, die die Ausmaße der Gewalt neutral wiedergeben, und, dass die wörtliche Rede zum größten Teil nur die Beleidigungen umfasste, die die Frau gegenüber der Hauptperson äußert.

Die Situation spitzt sich zu und immer mehr, bis die Hauptperson mehrfach ins Krankenhaus muss. Nach außen geben sie sich als glückliches Pärchen und so bittet er nie um Hilfe. Immer weiter wird der biographische Roman fortgeführt und lässt den Leser am Ende mit einer Frage zurück: könnte mir das auch passieren?

Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen. Durch das Wechselspiel von Distanz und Nähe wirkten manche Szenen unwirklich und intensiv zugleich. Die nüchterne Darstellung von Gewalt und deren Auswirkung hat mich sprachlos gemacht. Zu keiner Zeit hat sich die Aufarbeitung unangebracht angefühlt und ich bin sehr froh, dass Tami Weissenberg seine Erfahrungen in Form des Buches „Darjeeling Pur“ teilt und damit den Blick auf dieses Tabuthema rückt.

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