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MagicAllyPrincess

vor 7 Monaten

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Die 19. jährige Jesslyn erhält die erschütternde Diagnose Krebs. Zunächst verschließt sie sich komplett, will nichts näheres über ihren speziellen Krebs, die Behandlungsmethoden, den weiteren Verlauf oder über eventuelle Heilungschancen wissen. So vergehen einige Wochen, in denen Jess die erste Chemo erhält und in dieser Zeit nur gelegentlich Besuch von ihrer Alkoholsüchtigen Mutter bekommt. Das Verhältnis der Beiden ist total zerrüttet, sodass die Besuche für Jesslyn eher eine Qual, anstatt trostspendend sind. Erst nach einigen Wochen, traut sich Jess ihrem Halbbruder Boomer von ihrer Krankheit zu erzählen. Und auch für Pfleger James entwickelt sie Gefühle, die auf Gegenseitigkeit beruhen. So beginnt Jesslyn trotz ihrer Krankheit aufzublühen. Bevor sie sterben muss, möchte sie noch ein paar für sie sehr wichtige Dinge erleben. Daher entsteht die "Dass-muss-ich-noch-alles-dringend-machen-bevor-ich-an-Scheißkrebs-sterbe"-Liste. Ein Wettlauf gegen den Tod beginnt. 



Ich lese Bücher immer sehr gerne dann, wenn die Zeit einfach passend ist. Da ich schon recht lange wusste, dass ich auf die Premierenlesung der Autorin zu ihrem Debütroman "Der Club der letzten Wünsche" gehen würde, habe ich erst einige Tage zuvor zu dieser Geschichte gegriffen. Es war auch der absolut perfekte Zeitpunkt, weil ich den Inhalt einfach noch einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel heraus gelesen habe.  

Jesslyn ist bedingt durch ihre familiären Verhältnisse eine kleine Rebellin, extrem taff und gegenüber Menschen im allgemeinen sehr kritisch und meist unfreundlich. Ihre Mutter trinkt seit vielen Jahren und ihr Vater hat sich selbst das Leben genommen. So lässt Jesslyn kaum Menschen an sich heran, einzig Halbbruder Boomer und ihre beste Freundin Yuliya, die zu der Zeit, als Jess ihre Diagnose erhält, noch in Frankreich lebt, haben Zugang zu der verschlossenen jungen Frau. Für James, einen ihrer Pfleger, entwickelt sie mit der Zeit allerdings auch immer mehr Gefühle. Und auch der smarte und gutaussehende Typ, der ebenfalls einen schlimmen Schicksalsschlag erleiden musste, verliebt sich in die eigenwillige Jesslyn. So schöpft die junge Frau wieder ein wenig Lebensmut und möchte die letzten Monate die ihr noch bleiben, so gestalten, wie sie sich dies wünscht. Gemeinsam mit Halbbruder Boomer erstellt sie ihre "Dass-muss-ich-noch-alles-dringend-machen-bevor-ich-an-Scheißkrebs-sterbe"-Liste. Als definitiv sicher ist, dass die Chemotherapie ihr Leben "nur" verlängert, bricht Jesslyn diese ab und zieht mit ihren Freunden, James, Boomer und Yuliya, die wegen Jess Krankheit zurück gekehrt ist, in eine eigene Wohnung. Gemeinsam "arbeiten" die Vier Jesslyns "Wunschliste" ab. 

Ich bin seht zwiegespalten, was diesen Roman angeht. Zum einen hat er mich wahnsinnig berührt und besonders auf den letzten Seiten auch ziemlich zum Weinen gebracht, zum anderen war mir manches aber "to much" und anderes wiederum durch zu viele Fügungen fast zu "perfekt". Ich möchte nicht zu viel verraten, euch aber dennoch ein wenig erklären, was ich mit meinen Aussagen meine. Die Diagnose unheilbar krank zu sein und bald sterben zu müssen, ist definitiv das schlimmste Schicksal, dass einem widerfahren kann. Doch Jess trifft es noch einiges härter, wenn man ihre familiäre Situation betrachtet. Ihr Bruder Boomer ist schwul, ihre beste Freundin Yuliya bricht ihre Zelte in Frankreich ab und kommt zurück, um bei Jess zu sein. Was speziell mit ihr passiert, war für mich auch schnell klar und ein daraus entstehendes Ereignis, war extrem vorhersehbar, obwohl dies natürlich trotzdem sehr rührend ist. Es gibt diese klassische Liebesgeschichte, der Held ist selbstverständlich gutaussehend, hat tolle Grübchen und selbst ein hartes Schicksal erlitten. Da Jesslyn unmöglich zu ihrer Mutter zurück kann, als sie sich dazu entschließt, das Krankenhaus zu verlassen, muss eine andere Lösung her, diese heißt, eine eigene Wohnung. Der Einzige der Vier, der tatsächlich einen Job hat (James) kann diese ohne jegliche Schwierigkeiten anmieten. Weder Boomer noch Yuliya verdienen Geld, die Beiden leben mit Jesslyn in den Tag hinein. Dennoch ist die Wohnung recht groß, richtig schön und mit neuen Möbeln ausgestattet, die Vier haben einen vollen Kühlschrank etc. Ich könnte hier noch einiges mehr aufzählen, will aber nicht noch mehr vorwegnehmen. Tamy Fabienne Tiede bedient sich leider vieler Klischees und erschafft zum Teil ziemlich realitätsferne Szenarien.
 
Doch dann gibt es eben auch die andere Seite. Die Autorin ist noch recht jung, in ihr steckt aber unheimlich viel Potential. Tamy Fabienne Tiede hat einen sehr schönen und angenehmen Erzählstil. Sie schaffte es durchaus, mich an ihr Buch zu binden. Ihre Charaktere sind ebenfalls toll ausgearbeitet. Protagonistin Jesslyn kann sich unheimlich glücklich schätzen, gleich mehrere dieser fantastischen Menschen an ihrer Seite zu haben. Die Autorin erzählt leidenschaftlich und voller Enthusiasmus. Was mir auch ganz besonders gut gefallen hat, ist die Botschaft, die sie ihren Lesern vermitteln möchte. Das Leben kann so viele schöne und wundervolle Momente bereit halten, wenn man diese nur bewusst wahrnimmt, (er)lebt und mit den richtigen Menschen teilt. Protagonistin Jesslyn erkennt dies recht spät, doch ihre letzten Monate sind berührend und bereichernd gleichermaßen. Gemeinsam mit den Menschen die sie von Herzen liebt, verbringt Jess eine extrem intensive und trotz all ihrer Schmerzen und dem Zerfall ihres Körpers, einmalige Zeit. Nicht immer ist es die Blutsverwandtschaft, die einem den größten Halt im Leben gibt, sondern die Familie, die man sich selbst aussucht. Trotz des nahenden Todes und des beklemmenden Gefühls, hat mich dieses Buch auch oft bezaubert. 

Jesslyn ist eine außergewöhnliche Person, die ich nicht sofort, dann allerdings aber um so mehr mochte. Boomer ist ein liebenswerter Kerl, den sich wohl jedes Mädchen als Bruder oder besten Freund wünscht, er ist feinfühlig, süß, aber trotzdem stark. James ist ein richtiger Dreamboy, in den man sich einfach verlieben muss. Er tut alles für Jess und wächst dabei über seine Grenzen hinaus. Yuliya ist keine typische beste Freundin, für Jess ist sie aber mehr als passend, die Beiden gehören einfach zusammen. Ein weiterer Charakter, der mir sehr gut gefallen hat, ist Krankenschwester Bonnie, auch sie wird für Jesslyn eine sehr wichtige Person, große Schwester und Mutter in einem.

Das Ende ist klischeebehaftet, gleichzeitig aber auch unheimlich lebensbejahend, rührend, sehr gefühlvoll, tragisch, aber dennoch wunderschön. Genauso wünscht es sich jeder Leser, der zu einer solchen Geschichte greift.  

Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass die Bücherwelt noch einiges von Tamy Fabienne Tiede hören bzw. zu lesen bekommen wird. Für mich hat sie auch absolut zu recht den "Piper-Award" auf wattpad gewonnen. Durch die Lesung und den somit auch besseren Einblick in die Entstehung des Buches, die Recherche daran, sowie das persönliche Kennenlernen, wird mir diese Geschichte ganz bestimmt immer im Kopf und auch im Herzen bleiben. 



"Club der letzten Wünsche"
von Tamy Fabienne Tiede ist ein sehr berührendes und tiefgreifendes Buch. Allerdings bedient sich die Autorin auch vieler Klischees, dies war mir oft ein wenig zu viel des Guten. Manche Gegebenheiten sind leider auch zu realitätsfern. Die toll ausgearbeiteten Charaktere, die Liebe und tiefe Verbundenheit zwischen Jesslyn und ihren Wegbegleitern und das emotionale und ebenso Mut-machende Ende, konnten mich wiederum überzeugen.

Autor: Tamy Fabienne Tiede
Buch: Club der letzten Wünsche
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