Tanguy Viel Paris - Brest

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Inhaltsangabe zu „Paris - Brest“ von Tanguy Viel

Die Großmutter erbt viel Geld und eine Putzfrau. Der Vater veruntreut die Kasse des lokalen Fußballvereins. Die tyrannische Mutter bemüht sich um Kontrolle der Situation. Der Bruder hat wenig Talent und ein Geheimnis. Und der Erzähler seinerseits will alles ans Licht bringen. Nachdem seine Familie der Bretagne gezwungenermaßen den Rücken gekehrt und sich im Süden niedergelassen hat, bleibt Louis, der Erzähler, bei seiner Großmutter in Brest und verbringt die Abende mit dem zwielichtigen Sohn ihrer Putzfrau, bei Rotwein und Zigaretten. Ein böser Plan entsteht. Und einmal mehr hört Louis auf seinen vermeintlichen Freund. Im Tonfall eines Geständnisses geschrieben ist dieser Familienkriminalroman ironisch und elegant. Es geht um viel Geld, um bodenlosen Verrat. Genau und schlicht entwickelt der Autor die Geschehnisse, Figuren und das Bühnenbild seiner Geschichte. Mit wenigen, eindrücklichen Strichen baut er eine atemlose Spannung auf, die eines alten britischen Krimis würdig und zugleich voller Humor ist.

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  • Rezension zu "Paris - Brest" von Tanguy Viel

    Paris - Brest
    tedesca

    tedesca

    21. February 2012 um 14:37

    Eine Familiengeschichte voller Geheimnisse, ein paar kleinere oder auch größere Verbrechen und ein junger Mann stehen im Mittelpunkt dieser 140 Seiten. Nicht unspannend, aber auch kein reisserischer Krimi, nicht unwitzig, aber auch kein großer Lacher. Ironisch, bissig und sehr französisch (sagt der Klappentext, finde ich auch) - ein Tipp für alle, die gern kleine feine Geschichten lesen.

  • Rezension zu "Paris - Brest" von Tanguy Viel

    Paris - Brest
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    23. May 2011 um 10:47

    Familie, Geld, Raub und Lebensfragmente Eine Familiengeschichte der besonderen Art in besonderer Form erzählt Tanguy Viel in seinem neuen , schmalen Buch. Eine Geschichte, die in der gewählten, hoch assoziativen Sprache, sprunghaft den Leser mitten hinein nimmt in die innere Entwicklung und das alltägliche Leben seines Protagonisten Louis. An der Grenze zwischen noch jugendlich und fast erwachsen mit 17 Jahren erlebt Louis zunächst ein notgedrungenes, aber auch innerlich folgerichtiges, Auseinandergehen seiner Familie unter besonderen Vorzeichen. Und beschreibt in fast kühler Weise die inneren Verbindungen, Haltungen und, durchaus, Hässlichkeiten der Familie. Bildhaft und doch oft eher indirekt zwischen den Zeilen heraus fliessend. Fest innerlich in Brest verwurzelt wird der Vater der Unterschlagung bezichtigt und verlässt mit seiner Frau und seinem jüngeren Kind Brest in Richtung des verhassten Südens. Nicht ganz mittellos, aber doch entwurzelt und mit Einschränkungen nun versehen. Vor allem mit angeschlagenem Ruf. Ganz anders Louis, der zu seiner Großmutter zieht. Jene Frau, die gerade, nach einer kurzen Ehe mit einem wesentlich älteren Mann mehr geerbt hatte, als Louis Vater unterschlagen haben sollte (eine Ehe, die von vorneherein offen ausgesprochen wie ein Geschäft getätigt wurde. Marie Therese, die Großmutter, erhielt die Offerte des alten Mannes, seine Universalerbin zu werden, im Gegenzug stand die Heirat und das Leben als eine Form der Unterhaltungsdame. Keine Frage, dass sie von Beginn an vorhatte, darauf einzugehen. Aber der eigene Ruf war und ist ebenso wichtig, ein Spannungsfeld, dass unterschwellig durchaus eine Rolle spielen wird). Eine Familie, die im vermeintlichen Blickpunkt der Öffentlichkeit stand und steht, die Wert auf einen Ruf legt und dennoch ihren Ruf durch die äußeren Ereignisse angeschlagen erleben muss. Zudem tritt nun in Brest, in der Wohnung der Großmutter, in die Louis nun einzieht, ein verurteilter Dieb hinzu. Sohn der langjährigen Putzfrau des reichen, alten Mannes. Testamentarisch bestimmt muss Marie Therese diese Putzfrau auf Lebenszeit übernehmen. Der Sohn, ein Schulfreund von Louis, der nach seinem Diebstahl auf Intervention von Louis Mutter die Schule verlassen musste, wird im Folgenden wie ein Zünglein an der Waage die „andere Seite“ des Lebens in den Raum stellen. Hier die auf den Ruf achtende Lebenshaltung der Familie, den höheren Kreisen durchaus zugewandt und dort die geerdete Energie, teils durchaus mit kriminellen Überlegungen. Zwei Einflüsse, denen Louis ausgesetzt ist und die, letztendlich, zu seiner inneren Emanzipation führen werden. Jener Louis, der von seiner Mutter beständige Abwertung erfuhr, den Ansprüchen nie wirklich genügte und nun durch den jungen Kermeur auf die Idee gebracht wird, gemeinsam einen Teil des großen Vermögens der Großmutter an sich zu nehmen. Der Auslöser für eine intensive Wendung im Buch, den Bruch des jungen Louis mit seiner Familie und seinem vermeintlichen Freund samt seinem Umzug nach Paris. Alleine. Und beginnt dort einen Roman zu schreiben, dessen Verlauf seiner Familiengeschichte intensiv ähnelt. Ein Manuskript, dass noch Folgen haben wird du als „Roman im Roman“ fungiert. Einen zwiegespaltenen Eindruck hinterlässt dieser Roman, bei aller Qualität der Sprache, durchaus. Einerseits versteht es Viel, eine intensive, auch schon rein sprachlich andere, Atmosphäre zu erzeugen. Wie gedrängt in einem unermüdlichen Fluss der Wörter, vielfach wie gesteuert durch Assoziationen und mit äußerst bildreicher Sprache, setzt er seinen Louis in die Welt. Fragend, zweifelnd, abschweifend, genau beobachtend und sich wehrend. Einer, der gut drei Seiten benötigt um den einfachen Sachverhalt mitzuteilen, dass seine Großmutter aus finanziellen Erwägungen einen alten Mann heiratete, ohne auf diesen Seiten eine erwähnenswerte innere Spannung der Großmutter zu beschreiben, der aber andererseits diese Entscheidung in ihren äußeren Folgen und Möglichkeiten in jede wichtige Verästelung hinein zu verfolge versteht. Einerseits intensiv und breit, andererseits mit einem Geiz an Informationen, dass ist der gelungene Spannungsbogen der Form des Buches. Die Geschichte selber allerdings bietet einfach nicht genügend Substanz, um wirklich vollständig bei der Sache zu halten. Sicher, diese eher destruktive Familie, wie anderswo formuliert als „Ursprung allen Schreckens“, das ist interessant und spannend. Die äußeren Ereignisse aber, mitsamt dem kleinen „Kriminalfall“ und anderer Begebenheiten, vermögen es nicht, wirklich intensiv zu fesseln. Sprachlich anders, spielend, ironisch, assoziativ und bildreich ein Erlebnis. In der Grundidee einer einander nicht wirklich zugetanen Familie interessant, in mancherlei Eckpunkten der Ereignisse aber auch langatmig und teils einfach langweilig bietet Tanguy Viel eine sprachlich mitreißendes Leseerlebnis mit leichten Schwächen im Spannungsbogen der Geschichte selbst.

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  • Rezension zu "Paris - Brest" von Tanguy Viel

    Paris - Brest
    HeikeG

    HeikeG

    02. October 2010 um 10:59

    Achtzehn Millionen plus versus vierzehn Millionen minus . „Eines Tages muss ich das alles mal auseinanderfieseln (...) dann schreibe ich diese Geschichte auf. Als ich das zu ihm sage, zum jungen Kermeur, ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen war ich sicher, er würde stumm bleiben wie immer, gleichgültig meinen allzu vagen Sätzen gegenüber, doch stattdessen, noch während er sich eine Zigarette ansteckte und während er den ersten Rauch wieder ausstieß, schaute er mich an wie ein seltenes Tier, und dann lachte er los, als wollte er am Lachen ersticken, dieses Lachen aus tiefster Tiefe, in dem sich sein Atem und dieser gelbliche Rauch mischten, den er zugleich ausstieß, ja, er lachte lange, ohne aufhören zu können. Dann wurde er wieder ernst, betrachtete die Bücherregale an allen Wänden und sagte schließlich: Aber kein Schwein interessiert sich für Familiengeschichten.“ . Wiederholend, erklärend, scheinbar endlose Einschübe, eine schnörkellose Handlungsführung, sparsame Beschreibungen und eine lapidare Sprache, das zeichnet die stilistische Finesse und virtuose Darstellungsform des französischen Autors aus. Doch Tanguy Viel vermag gerade durch seine Verknappungen und Verdichtungen Räumlichkeiten Tiefe und Plastizität zu geben sowie immer wieder Überraschungsmomente zu erzeugen. Aus einem langsamen Strudel aus beinahe ungeschickt beendeten, merkwürdig ausstaffierten und verschachtelten Sätzen, entfaltet sich ein "unendlicher Parcours aus Bildern, Gedanken und Rastlosigkeiten, die alle miteinander einen zusammenhängenden Bericht ergeben.", wie es schon in seinem Vorgänger „Unverdächtig“ zu lesen war. . Angelegt sind die 140 Seiten als eine Art kommentierte Inhaltsangabe vergangener Geschehnisse. Der mit sich Zwiesprache haltende Ich-Erzählers Louis, der über seine Familie einen Roman geschrieben hat, fährt mit diesem im Gepäck von Paris nach Brest, um eben jene zu besuchen. Kermeur, der verschlagene Sohn der Putzfrau seiner Großmutter, spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Vor allem geht es um Geld. So wie die eine - Louis‘ Großmutter - durch einen glückliche Zufall zu einem enormen Vermögen kommt, verschwindet im gleichen Atemzug eine nicht minder große Summe aus der Kasse des lokalen Fußballvereins. Dies wird dem Vizepräsidenten - Louis‘ Vater - zur Last gelegt und er ist gezwungen mit seiner Familie Brest zu verlassen. Nur der siebzehnjährige Louis bleibt im Hause seiner Großmutter wohnen. Und genau dort heckt eben jener Kermeur mit ihm einen perfiden Plan aus. . Homo homini lupus - Der Mensch ist des Menschen Wolf (Plautus). . Neid, Intrigen und Missgunst, vor allem in der eigenen Familie, sowie Heuchelei, Betrug und Erpressung sind einmal mehr Tanguy Viels literarisches Thema. Vor allem die Mutter des Ich-Erzählers, eine kalte, hysterische und stets den guten Ruf wahrende Frau, kommt am wenigsten gut weg. „Paris - Brest“ ist in gewissem Sinn eine Familiengeschichte; besser jedoch: eine Abrechnung mit Louis‘ Familie, verpackt in einer kriminalen Humoreske, die gleichzeitig als fein beobachtete Gesellschaftsstudie fungiert. Obwohl eine erdrückende Schwere über dem autobiografisch gefärbten Buch liegt, schafft es der französische Autor immer wieder mit einer gehörigen Portion Humor und Ironie, die vollständige Sezierung seiner Protagonisten zu verhindern und die düstere Stimmung durch bewusstes Konterkarieren zu unterlaufen. . „Vielleicht, wenn der junge Kermeur an dem Abend damals nicht so gelacht hätte, wäre die Idee für immer aus meinem Kopf verschwunden oder wäre immerhin nicht ein paar Monate später so heftig, so unumgänglich wieder hochgekommen. Monate später, als ich mich an meinen Pariser Schreibtisch setzte, um meinen Familienroman zu schreiben, da hatte ich dieses Lachen in den Ohren, das Lachen des jungen Kermeur, und mit diesem Lachen kamen meine Sätze, kam der Ton des Buchs und die Farbe des Buchs, mit der Vorstellung, jemand würde meine Sätze mit einem hämischen Lachen übertönen. Dieses Lachen habe ich in meinem Familienroman häufig erwähnt, denn der junge Kermeur ist der Einzige, der nicht zur Familie gehört und trotzdem einen wichtigen Platz in meinem Buch einnimmt. Und dann sprach ich weiter: Kein Schwein interessiert sich für Familiengeschichten.“ . Ein traditioneller Familienroman ist „Paris - Brest“ mit Sicherheit nicht, eher eine Parodie auf selbigen. Hinzu kommt die Raffinesse des Erzählens im Erzählen, ein Roman im Roman, ganz im Sinne eines anderen großen Franzosen - Marcel Proust.

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