Tanguy Viel Unverdächtig

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Inhaltsangabe zu „Unverdächtig“ von Tanguy Viel

Lise arbeitet als Animierdame in einer Bar und schläft am Tag. Ihr Liebster Sam hingegen verbringt seine Tage vor dem Fernseher. Der Traum von einem anderen Leben scheint auf ewig ein Traum bleiben zu müssen. Bis Lises bester Kunde ihr einen Heiratsantrag macht. Das ist die Chance, findet Lise und unterbreitet Sam den perfekten und perfiden Plan … Die Atmosphäre eines bretonischen Küstenstädtchens, die Requisiten der Nouvelle Vague, eine Prise Maigret und Hitchcock ergeben einen spannenden Roman über menschliche Abgründe, Treue und Verrat.

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  • Rezension zu "Unverdächtig" von Tanguy Viel

    Unverdächtig
    tedesca

    tedesca

    23. January 2012 um 11:42

    Der Ich-Erzähler Sam liebt Lise, diese heiratet einen reichen Mann, die beiden schmieden einen perfiden Plan um an sein Geld zu kommen, und der geht schief. So könnte man die 120 Seiten zusammenfassen. Komplexer wird es dort, wo es um den Inhalt geht, der zwischen den Zeilen steht, um die Emotionen und feinen Nuancen, die die eigentlichen Spannungserzeuger sind. Ein kleines, sehr feines Büchlein, das sich durch eine aussergewöhnliche Sprache auszeichnet, ein kurzes Lesevergnügen für alle, die gerne einmal etwas länger bei einem Satz verweilen.

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  • Rezension zu "Unverdächtig" von Tanguy Viel

    Unverdächtig
    kfir

    kfir

    04. January 2009 um 21:22

    Sam und Lise leben ihr tristes Leben an der französischen Atlantikküste. Er verbringt den Tag bei sinnfreien TV-Shows, sie arbeitet nachts als Animierdame eines Nachtclubs. Ihre Geldsorgen scheinen mit einem Mal vorbei, denn Lise entwickelt einen Plan. Der ältere und reiche Witwer Henri möchte sie heiraten. Sie willigt ein, Sam mutiert zu ihrem Bruder und zusammen inszenieren sie ihre eigene Entführung. Henri geht natürlich auf die Lösegeldforderung ein, doch bei der Geldübergabe geht etwas schief und der so sicher geglaubte Plan wendet sich auf eine unvorhergesehene Weise. Der vermeintliche Bruder erzählt ihre Geschichte nach, richtet seine Worte an Lise, einer Lebensbeichte gleich. Dabei lässt Sam seinen Worten freien Lauf, seine Gefühle mischen sich mit dem Erlebten. Dieser Bewusstseinsstrom sprudelt die Geschichte nur so hervor, die Sätze gehen fließend ineinander über, der Erzähler kommt immer mehr in Fahrt. In einer selten gekannten Vitalität erzeugt Tanguy Viel so Bilder, die sich mit zunehmender Lesegeschwindigkeit zu einem bunten Kopfkino steigern. Ein wesentlicher Anteil an dem Lesevergnügen gebührt sicherlich dem preisgekrönten Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel. In manchen charakterlichen Ausarbeitungen bleibt einiges ungesagt, schafft es jedoch zusätzlichen Raum für eigene Interpretationen. Dennoch kommen einem die beiden Looser mit ihrem infamen Plan schnell näher, fast mag sich Sympathie unter das Mitleid mit den zum Scheitern verurteilten Tätern mischen. Eine an sich einfache und tragische Geschichte, überaus virtuos und bunt in Szene gesetzt.

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  • Rezension zu "Unverdächtig" von Tanguy Viel

    Unverdächtig
    HeikeG

    HeikeG

    14. August 2008 um 17:05

    Millionäre aus Pappmaché Geld ist der Bumerang unseres Lebens meint der französische Autor Tanguy Viel Tanguy Viel verwebt einen Schleier aus Sätzen virtuos zu Bildern, zu Dimensionen und Farben in seinem Deutschlanddebüt "Unverdächtig". Er erzählt dem Leser das "blinde Schicksal" von vier unglücklich miteinander "verwachsenen" Personen. Literarische Neuigkeiten gab es bei unseren französischen Nachbarn in den letzten Jahren nicht gerade im Übermaß zu entdecken. Allenfalls Michel Houellebecq oder Jean Echenoz, vielleicht noch die faden Sex-Skandälchen der Catherine Millet erregten einigermaßen Beachtung. Ansonsten dominieren die Alten Meister den Diskurs. Dem setzt der Wagenbach-Verlag einen jungen Mann entgegen, der zwar in Deutschland noch völlig unbekannt ist, von der Presse seines Heimatlandes jedoch hoch gelobt wird, und sicherlich auch hierzulande bald in aller Munde sein dürfte. Dann nämlich, wenn sein erster auf Deutsch vorliegender Roman "Unverdächtig" seine Leserschaft gefunden haben wird. Die ersten zwölf Jahre seines Lebens verbringt der 1973 geborene Tanguy Viel in Brest. Als junger Mann und Wehrdienstverweigerer beschränken sich seine Habseligkeiten "auf sechs Kartons, fünf davon waren Bücherkartons“, erzählt der Schriftsteller François Bon. Viel wohnte im Zentrum der dramatischen Kunst von Tours in Bedienstetenkammern und auf Dachböden, immer ganz in der Nähe des Stadtzentrums und dessen Bars. Nachdem der Verlag Minuit sein erstes Manuskript ablehnte, veröffentlicht er anschließend seinen ersten Roman: "Le Black Note". Es folgen "Cinéma" und "L’Absolue perfection en crime", wo er sich in der literarischen Form des Krimis ausprobiert. Züge eines Kriminalromans fließen auch in sein nun erstmals auf Deutsch erschienenes Buch "Unverdächtig" ein. Das Umfeld und Milieu haben Tanguy Viel offensichtlich stark geprägt und ihm einen ganz eigenen, ungewöhnlichen, aber wunderbaren Ton verliehen: sein Stil ist ausgefeilt, fast cineastisch, alle Personen zeichnen sich durch - zum Teil charmante - Unvollkommenheit aus, seine Sprache ist äußerst assoziationsstark. Die Sätze sind verschachtelt und oft ungrammatikalisch, aber entwickeln eine ungeheure Sogwirkung, einhergehend mit Tiefe und Prägnanz. Dies ist auch der großartigen Übersetzung Hinrich Schmidt-Henkels zu der verdanken, der mit "sichtlichem Vergnügen" einen nicht unbedeutenden Einfluss auf die Qualität dieses Werkes genommen hat. Er paralysiert seinen Leser. Angelegt ist die Erzählung in Form des Zwiesprache haltenden Ich-Erzählers Sam: eine Art kommentierte Inhaltsangabe vergangener Geschehnisse. Insoupçonnable - über jeden Verdacht erhaben Die Erzählung beginnt mit der Erinnerung an die Hochzeitsfeier seiner - Sams - großen Liebe Lise mit Henri Delamare. Sam emergiert als Lises "Bruder" und Trauzeuge. Bruder? Ja Bruder! Denn das Pärchen hatte einen teuflischen Plan. Um ihrer monetären und zerebralen Ausweglosigkeit, dem täglichen "Crescendo ihrer Fantasien" zu entgehen, nimmt Lise, die als Animierdame in einem Edeletablissement arbeitet, die ihr gebotene Hand in Form des doppelt so alten "Vereinigten Auktionskommissares" Henri an, der sie heiraten möchte: DIE Chance für ein veritableres Leben. Sam wird kurzerhand als Lises Bruder vorgestellt und sein bis dahin tristes Dasein vor dem Fernseher, verlagert sich nun in Richtung nicht minder trostloserer Aktivitäten auf den Golfplatz. Denn Henri macht seinen Schwager zu seinem Golfschüler. "Du hast wirklich Glück, Sam, dass du mit Golfern wie uns spielst. Und ich sagte, es sei mir eine Freude, ja, genau das sagte ich, es ist mir eine Freude, ich sprach schon wie sie … genau da war ich mit meinem Leben, nichts wurde sichtbar". Aber es gibt da noch Henris Bruder Édouard. Der große Schweigsame, der Undurchschaubare in diesem "Amüsement for four". Offensichtlich scheint er das falsche Spiel der Zwei zu durchschauen, "das ist eben das Problem mit so einer Geschichte, wenn sie anfängt, dann weiß sie noch nicht, wen sie alles mitnimmt." Als Lise und Sam eines Tages auch noch eine Entführung vortäuschen und Lösegeld fordern, wird Édouard zur zentralen Schlüsselfigur. Es kommt alles ganz anders, als sie sich es gedacht haben… Homo homini lupus - Der Mensch ist des Menschen Wolf (Plautus). Das veranschaulicht der französische Schriftsteller Tanguy Viel in seinem von Geld, Liebe und Verrat handelnden Roman "Unverdächtig" auf eindrucksvolle Weise. Vier Personen, in ihren Grundzügen skizziert und ohne ausschweifende Explikationen, werden durch ihr ausgeprägtes Verhalten vortrefflich charakterisiert. Tanguy Viel fokussiert eine Aura des Ungesagten, des Magischen, ja fast Metaphysischen, ähnlich einem Alfred-Hitchcock-Krimi. Er transformiert die Gedanken und Gefühle der vier Protagonisten linear in den Kopf des Lesers. Räumlichkeiten gewinnen - obwohl sie geradezu sparsam beschrieben werden - an Tiefe, an Plastizität, um plötzlich eine Dreidimensionalität anzunehmen. Dazu passen die schnörkellose Handlungsführung und die lapidare Sprache. Doch trotz dieser Verknappung und VerDichtung erzeugt der Autor immer wieder Überraschungsmomente, wenn er von einer trügerischen, luftigleicht schwebenden, fast ballerinenhaften Idylle - einem fliegenden, flüchtigen Schatten - im nächsten Moment "schreiende Leuchtfeuer, unsichtbare Sirenen" mit Worten auftauchen, und diese dann wie Luft rundherum kreisen lässt. Der Leser steht dabei in der Mitte. Aus einem langsamen Strudel aus beinahe ungeschickt beendeten, merkwürdig ausstaffierten Sätzen entfaltet sich ein "unendlicher Parcours aus Bildern, Gedanken und Rastlosigkeiten, die alle miteinander einen zusammenhängenden Bericht ergeben." Wohltuend und treffend auch die Covergestaltung von Julie August, die eben dieses trügerische Bild brillant wiederzugeben weiß. Fazit: "Unverdächtig" ist gleichzeitig Liebesroman und spannende Kriminalgeschichte mit unerwarteten Wendungen: eine zum Teil witzige, sarkastische "Quadratur des Kreises". Das Buch ist ungeheuer eindringlich - es ist schlichtweg "formidabel".

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