Tanya Tagaq

 3,8 Sterne bei 20 Bewertungen
Autor von Eisfuchs.

Lebenslauf von Tanya Tagaq

Tanya Tagaq wurde 1975 in Cambridge Bay im heutigen Nunavut, Kanada, geboren. Als Performerin, Komponistin und Sängerin wurde sie mit ihren preisgekrönten Alben »Animism« und »Retribution« international bekannt. »Eisfuchs« ist ihr belletristisches Debüt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Tanya Tagaq

Cover des Buches Eisfuchs (ISBN: 9783956143533)

Eisfuchs

 (20)
Erschienen am 11.02.2020

Neue Rezensionen zu Tanya Tagaq

Cover des Buches Eisfuchs (ISBN: 9783956143533)Raidens avatar

Rezension zu "Eisfuchs" von Tanya Tagaq

Eiskalte Realität und bezaubernde Natur
Raidenvor 3 Tagen

Der Wechsel zwischen abstrakten, banal realistischen und mythischen Teilen macht dieses Buch zu etwas ganz Besonderem.

Ein Wechselbad der Gefühle, das gleichzeitig bedrückt und begeistert.

Wohl echte Begebenheiten werden mit Mythen und dunkler Vergangenheit vermengt zu einem Meisterwerk, dass wsl. niemanden kalt lässt.

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Cover des Buches Eisfuchs (ISBN: 9783956143533)Runenmädchens avatar

Rezension zu "Eisfuchs" von Tanya Tagaq

Das Buch ist alles, nur nicht gewöhnlich!
Runenmädchenvor 4 Monaten

Inhalt:

Wir begleiten die Autorin, eine Inuit, aufgewachsen in den 1970er Jahren im Norden Kanadas, bei der Aufarbeitung und Bewältigung ihrer Vergangenheit. 

————

Buchgestaltung:

Die Gestaltung des Buches gefällt mir sehr. 

Der weiß strukturierte Einband ist schlicht gehalten und wirkt dadurch sehr edel, die Haptik ist super. Nebst eines schwarz gezeichneten Fuchskopfes stehen natürlich Autorin, Titel und Verlag auf dem Cover. Gleiches ist auf dem Buchrücken des schwarzen Buches (ohne Einband) zu finden. Hier wurden die Buchstaben eingestanzt und mit blutroter, glänzender Farbe „gefüllt“.  Der Buchschnitt ist ebenfalls blutrot.

Das Buch ist in kurze Kapitel aufgeteilt, welche entweder keine Überschriften haben, oder Wörter bzw. Jahreszahlen, je nach Stilrichtung des nachfolgenden Kapitels. Nebst der Geschichte gibt es in passender Form Gedichte und schwarz/weiß Zeichnungen. Auch eine Symboltabelle der „Inuitschrift“ ist zu finden, samt eines Textes in dieser Symbolform, welchen man mit Hilfe der Tabelle übersetzen könnte. Spräche man Inuktitut, könnte man es auch verstehen. 

Auch, dass der Text linksbündig gedruckt wurde und nicht im Blocksatz ist eher ungewöhnlich und hat mich etwas in meinem Lesefluss gestört, da ich die aktuelle Zeile automatisch mit denen darüber verglichen habe. 

————

Schreibstil:

Der Schreibstil der Autorin ist gewöhnungsbedürftig und künstlerisch. Die Autorin richtet sich nicht nur allgemein an den unbekannten Leser, um ihre Geschichte zu erzählen, sondern auch in pronominaler Anrede. Man könnte sagen, dass der Schreibstil genauso besonders und anders ist, wie die Gestaltung des gesamten Buches. 

Dennoch empfand ich den Stil nicht immer poetisch, geschweige denn klar. Manchesmal fand ich es sogar anstrengend. Die Ausdrucksweise der Autorin wird zunehmend vulgärer, aber ihre Erfahrungen auch zunehmend schlimmer. Ein kreatives Stilmittel!

————

Fazit:

Das Buch ist lyrisch, polarisierend, mythologisch, dunkel, individuell, vulgär, beklemmend, künstlerisch, eisig, langweilig, verwirrend, surreal, anders, fesselnd- alles zusammen, ineinander übergehend und/oder nacheinander. 

Aufgrund der ganzen Besonderheiten gebe ich vier Sterne. Inhaltlich/stilistisch würde ich wohl nur drei geben... 

!

Aber, ganz ehrlich: Lies es nur, wenn du dich auf so etwas einlassen kannst, andernfalls wirst du enttäuscht sein! 


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Cover des Buches Eisfuchs (ISBN: 9783956143533)Thomas_Lawalls avatar

Rezension zu "Eisfuchs" von Tanya Tagaq

Bis die Angst wegrennt ...
Thomas_Lawallvor einem Jahr

Als elfjähriges Mädchen treibt sie sich mit ihren Freunden herum. Sie wird wieder zu spät nach Hause kommen. Die Sonne scheint, doch es ist bereits zwei Stunden nach Mitternacht. In Nunavut zeigen sich Tages- und Jahreszeiten in anderem Licht. Das namenlose Mädchen wird es bitter bereuen. Schon ahnt sie die "donnernden Schritte" ihres Vaters.

Sie nimmt es in Kauf, denn die begrenzte Zeit, die ihnen noch bis zum Beginn der Pubertät bleibt, wollen sie in "prickelnder Freiheit und Neugier zelebrieren".

"Im Jungsein schwelgen, wünschen, es würde nie enden."

Die Witterung im Norden Kanadas, am Rande des Eismeers, ist so extrem wie die Geschichte, die uns die Sängerin und Komponistin Tanya Tagaq vorstellt. Die üblichen eingängigen Erzählstrukturen streift sie nur am Rande und tastet sich mit zunehmender Intensität in die Unendlichkeit einer Art poetischer Mystik.

Die Kinder erschaffen sich Freiräume, bevor sie ihnen, teils gewaltsam, genommen werden. Einer davon ist jenes heruntergekommene "Schutzhaus".
Keiner macht Vorschriften und "niemand trinkt". Noch ist Zeit für sinnlose Albernheiten und ein ausgelassenes, grundloses Lachen.

Immer mehr vermischt sich die graue Alltäglichkeit mit phantastischen Fluchten in die Mysterien der Inuit, die in dieser Geschichte als Sinnbild für den Verlust ihrer Traditionen und der kulturellen Umwälzungen stehen. Längst ist nichts mehr, wie es war, und am Horizont droht bereits die Gewissheit, dass es keinen Weg zurück gibt.

Wer sich je mit Tanya Tagaqs Musik beschäftigt hat, wird ahnen, wie ihr literarisches Debüt klingen mag. Sanfte Klänge, die mitunter sogar eine, wenn auch kurze, Harmonie streifen, steigern sich in eine vermeintlich unkontrollierte, disharmonische Ambivalenz und archaische Vehemenz. Die Fähigkeit, ein literarisches Pendant zu finden, mag ganz und gar nicht selbstverständlich, ja fast unmöglich sein.

"Ich bin ein Blitz. Ich gehöre hierher, in diese Welt, in der nichts existiert."

Umso mehr verwundert es, wie berauschend es sein kann, das Unmögliche zu lesen. Hin- und hergerissen verschlingt man Worte und Sätze, die man so noch nie gehört und nicht für möglich gehalten hätte. Schwer zu verkraften sind maßlose Ignoranz und menschliche Grausamkeit, auch wenn sie nur angedeutet werden.

Im Elternhaus wird ebenso schranken- wie pausenlos gefeiert, was sich im Großen und Ganzen auf den ungezügelten Genuss von alkoholischen Getränken beschränkt. Gewalttätige Auseinandersetzungen sind nur eine der katastrophalen, sich fast zwangsläufig ergebenden Folgen. Weitaus schlimmer wird es, wenn sich dunkle Gestalten nachts in Mädchenzimmer schleichen.

Es hat triftige Gründe, wenn Tanya Tagaq ihren Erstling den "verschwundenen und ermordeten indigenen Frauen und Mädchen Kanadas, und den Überlebenden der Residential Schools" widmet. So bekommen dann auch die religiösen Umerzieher ordentlich eingeschenkt.

"Wie können die Christen sagen, wir seien in Sünde geboren?"

"Eisfuchs" erzählt von der Odyssee einer heranwachsenden Frau, ihren notwendigen Fluchten und von der bildgewaltigen Verarbeitung ihres Martyriums.

"Die Angst lernt, vor mir wegzurennen ..."

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