Tanya Tagaq

 4 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor von Eisfuchs.

Lebenslauf von Tanya Tagaq

Tanya Tagaq wurde 1975 in Cambridge Bay im heutigen Nunavut, Kanada, geboren. Als Performerin, Komponistin und Sängerin wurde sie mit ihren preisgekrönten Alben »Animism« und »Retribution« international bekannt. »Eisfuchs« ist ihr belletristisches Debüt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Tanya Tagaq

Cover des Buches Eisfuchs (ISBN:9783956143533)

Eisfuchs

 (4)
Erschienen am 11.02.2020

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Rezension zu "Eisfuchs" von Tanya Tagaq

Eine Inuit erzählt von der tiefen Verbundenheit zwischen Mensch und Natur
Highlandervor 6 Tagen

Fangen wir vorne an: Was ein wunderschönes Cover! Der Einband sieht nicht nur schön aus, sondern fühlt sich auch toll an. Der stilisierte Eisfuchs verspricht ein anspruchsvolles Buch. Der Klappentext verspricht Einblicke in die Kultur der Inuit, die man so kaum kennt und der Buchsatz ist ansprechend.

Die Autorin Tanya Tagaq war bislang als Sängerin und Schauspielerin bekannt und begibt sich nun auf sehr kreative Art und Weise in die Literatur. Das Debüt ist - gelinde gesagt - sehr mutig. Mir fällt eine objektive Bewertung sehr schwer, denn diese Art Buch ist sicher nicht jedermanns und jederfraus Sache. Wer sich auf ein Buch mit Gedichten, Mythen und einer bis zum Ende namenlosen Protagonistin einlassen kann, erfährt viel Neues über das wertvolle Gut des Träumens der Inuit. Leider geht gerade bei den Gedichten in der deutschen Übersetzung so manches verloren.

Persönlich war mir das Buch ZU anders. Manche Passagen waren regelrecht verstörend. Grundsätzlich gibt es solche Passagen aber in jedem zweiten Thriller, aber hier hat mir die Erklärung und die Einbettung in die Geschichte oft gefehlt. Die Kapitel waren zwar klar getrennt, aber die aufdringliche und vulgäre Sprache lenkt von einer Geschichte ab, die so gar keinen roten Faden hat. An einigen Stellen bleibt die Autorin wichtige Erklärungen schuldig, besonders der erhebliche charakterliche Wandel wird kaum erklärt. Vielleicht fehlt mir auch die Spiritualität, um das Buch gänzlich zu verstehen.

Trotzdem darf hier nicht der Eindruck entstehen, dass das Buch nicht gut ist. Es ist faszinierend geschrieben, mit Bildern angereichert und strotzt vor spiritueller Kraft. Ich würde mich freuen einen "normalen" Roman mit nachvollziehbarer Handlung zur Kultur der Inuit in nächster Zeit zu lesen. Denn das Missbrauch, Alkohol und Drogen auch in dieser Bevölkerungsgruppe ihr Gift hinterlassen, ist nicht von der Hand zu weisen.

Was mir wirklich gut gefallen hat, war die Darstellung der Trostlosigkeit der Jugend. Die sich abwechselnden ewigen Sommer und Winter in einem kargen Land gepaart mit akuter Perspektivlosigkeit sind schwer zu verdauen und wirken sehr real.

Ich bin gespannt, ob Tanya Tagaq noch weiter schreiben wird und werde mir selbst noch einiges an Wissen zu den Inuit aneignen.

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Rezension zu "Eisfuchs" von Tanya Tagaq

Schwer verständliche Erzählung zwischen Realität und Mythologie der Inuit
buchstabentraeumerinvor 11 Tagen

„Eisfuchs“ von Tanya Tagaq klingt anspruchsvoll, emotional, bedrückend und gleichzeitig ungeheuer faszinierend. Eine Kindheit in Nunavut im Norden Kanadas in den 1970er Jahren, inmitten einer rauen und unnachgiebigen Natur, eine Gemeinschaft, die zerfällt, Kinder, die sich selbst überlassen und von Erwachsenen im Alkohol- und Drogenrausch missbraucht werden. Ein namenloses Mädchen, das versucht, in diesem Umfeld zurechtzukommen und sich selbst zu finden. Alles verwoben mit den Mythen der Inuit. Auch die Gestaltung des Buches ist wunderschön. Das schlichte, aber edle Cover, schwarz-weiße Illustrationen im Text und ein roter Farbschnitt. Doch leider lässt mich der Roman ausschließlich verwirrt zurück. „Eisfuchs“ war für mich eine verstörende und schwer verständliche Leseerfahrung.

Viel liegt im Schreibstil der Autorin begründet, der äußerst extravagant ist. Sicherlich hat sich mir ein grobes Bild von der Handlung erschlossen, auch eine gewisse Stimmung übertrug sich auf mich, doch wird diese Handlung zu sehr von Gedichten, spirituellen Passagen und sagenhaften Erzählungen durchbrochen, als dass sie für mich ein schlüssiges Ganzes ergeben könnte. Die Geschichte, der gesamte Kontext, wurde mir zunehmend fremd. Die Gedanken, die Erlebnisse, die Hoffnungen und Erkenntnisse der Protagonistin wurden zunehmend abstrakt, ich konnte ihnen nicht mehr folgen. Ist sie anfangs noch orientierungslos und ängstlich, wird sie am Ende furchtlos und stark. Doch wie? Ich wäre gerne auf einer realen Ebene näher an ihr drangeblieben, um ihre Entwicklung besser verstehen zu können. Stattdessen driftet die Geschichte immer mehr ins Fantastische und Surreale ab.

Tanya Tagaq ist eine Performerin und Sängerin, die sich weitestgehend dem inuitschen Kehlkopfgesang verschrieben hat, diesen aber durchaus auch mit anderen Musikgattungen mischt. Das Ergebnis ist ein spiritistischer wie expressionistischer Ausdruck, der sich auch in ihrem belletristischen Debüt wiederfindet. Die Idee, dass ein Mädchen zu ihren Wurzeln zurückkehrt und in der Natur Heilung findet, so zumindest meine Interpretation von „Eisfuchs“, finde ich großartig. Doch zu viel Inhalt geht unterwegs verloren. Zu sehr fließen Natur und Mensch ineinander, was in teilweise sehr grotesken, abstoßenden und schockierenden Passagen zum Ausdruck kommt. Auch die Gedichte habe ich, bis auf wenige Ausnahmen wie diese hier, nicht verstanden.

Vermutlich muss man sich auf einer ganz anderen Ebene auf diesen Roman einlassen – ich konnte es leider nicht. Das Lesen war anstrengend und wurde mit jeder Seite anstrengender. Am Ende habe ich nicht mehr ansatzweise gewusst, was wirklich geschieht, was Traumsequenzen sind, was mythologische Einschübe sind. Manchmal dachte ich, die Protagonistin sei einfach verrückt geworden. Es gibt auch keinen Ausgleich, keine weiteren Figuren, die mich besser in der Geschichte hätten verankern können. Die Eltern, die Freunde, die Mitschüler, alle bleiben blasse Schatten, die Erwähnung finden, aber niemals eine tragende Rolle spielen. Sie sind Randerscheinungen, die in der Wahrnehmung der Protagonistin verschwimmen.

International wird Tanya Tagaq für ihr Werk gefeiert, sie loben eben jene Vermischung von Mythologie und Realität. Ich verstehe auch, was an „Eisfuchs“ begeistern kann. Ich empfehle sehr, hierzu weitere Rezensionen zu lesen. Für Leser, die sich gerne in derart extravagante, experimentelle Text einlesen, ist dieses Buch genau das richtige. Es bietet viel Raum zur Interpretation und wäre demnach sicherlich eine Bereicherung. Für alle, die wirklichkeitsnahere Geschichten bevorzugen, ist „Eisfuchs“ unter Umständen nicht die beste Wahl.

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