Befreit

von Tara Westover 
4,8 Sterne bei40 Bewertungen
Befreit
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Ein wunderbarer, interessanter autobiografischer Roman über ein Leben als Mormonentochter

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Memoiren eines komplett anderen Weltbildes-und die Befreiung daraus. Es erschüttert und ist gleichzeitg so wichtig zu lesen!

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Inhaltsangabe zu "Befreit"

Von den Bergen Idahos nach Cambridge – der unwahrscheinliche 'Bildungsweg' der Tara Westover.
Tara Westover ist 17 Jahre alt, als sie zum ersten Mal eine Schulklasse betritt. Zehn Jahre später kann sie eine beeindruckende akademische Laufbahn vorweisen. Aufgewachsen im ländlichen Amerika, befreit sie sich aus einer ärmlichen, archaischen und von Paranoia und Gewalt geprägten Welt durch – Bildung, durch die Aneignung von Wissen, das ihr so lange vorenthalten worden war. Die Berge Idahos sind Taras Heimat, sie lebt als Kind im Einklang mit der grandiosen Natur, mit dem Wechsel der Jahreszeiten – und mit den Gesetzen, die ihr Vater aufstellt. Er ist ein fundamentalistischer Mormone, vom baldigen Ende der Welt überzeugt und voller Misstrauen gegenüber dem Staat, von dem er sich verfolgt sieht. Tara und ihre Geschwister gehen nicht zur Schule, sie haben keine Geburtsurkunden, und ein Arzt wird selbst bei fürchterlichsten Verletzungen nicht gerufen. Und die kommen häufig vor, denn die Kinder müssen bei der schweren Arbeit auf Vaters Schrottplatz helfen, um über die Runden zu kommen. Taras Mutter, die einzige Hebamme in der Gegend, heilt die Wunden mit ihren Kräutern. Nichts ist dieser Welt ferner als Bildung. Und doch findet Tara die Kraft, sich auf die Aufnahmeprüfung fürs College vorzubereiten, auch wenn sie quasi bei null anfangen muss … Wie Tara Westover sich aus dieser Welt befreit, überhaupt erst einmal ein Bewusstsein von sich selbst entwickelt, um den schmerzhaften Abnabelungsprozess von ihrer Familie bewältigen zu können, das beschreibt sie in diesem ergreifenden und wunderbar poetischen Buch.
' Befreit wirft ein Licht auf einen Teil unseres Landes, den wir zu oft übersehen. Tara Westovers eindringliche Erzählung — davon, einen Platz für sich selbst in der Welt zu finden, ohne die Verbindung zu ihrer Familie und ihrer geliebten Heimat zu verlieren — verdient es, weithin gelesen zu werden.' J.D. Vance Autor der 'Hillbilly-Elegie'

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783462050127
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:448 Seiten
Verlag:Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:07.09.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    eurydomevor 4 Tagen
    Abnabelungsprozess von der Familie

    Inhalt und meine Meinung:
    Tara Westover wächst mit ihren Geschwistern in der ländlichen Gegend in den Bergen von Idaho auf. Sie sind Mormonen, diese leben im Einklang mit der Natur und den Gesetzen, die das Familienoberhaupt, der Vater, aufstellt. Dieser ist Fundamentalist und davon überzeugt, dass das Ende der Welt naht. Sämtliche Kinder, auch Tara gehen nicht zur Schule, sie haben keine Geburtsurkunden und müssen dem Vater täglich auf dem Schrottplatz helfen, um über die Runden zu kommen. Das Thema Bildung gibt es in der Familie praktisch nicht und dennoch schafft es Tara sich aus diesem Leben zu befreien. Sie nimmt ihr Leben selbst in die Hand und betritt im Alter von 17 Jahren zum ersten Mal eine Schulklasse. Tara muss sich von ihrer Familie abnabeln, sich selbt finden und ihr Leben eigenständig meistern. Ein schwieriger Prozess, ein Kraftakt. Ich kann es kaum in Worte fassen. Dieses Buch muss man gelesen haben um zu verstehen, wie es Tara ergangen ist und wie schwierig ihr Weg war, sich aus ihrem alten Leben zu befreien. In bin sehr ergriffen über ihren Mut, ihren Ehrgeiz und die immense Kraftanstrengung, die sie aufbringen musste, um da hinzukommen wo sie nun steht. Hut ab vor dieser Leistung, ich empfehle das Buch auf jeden Fall weiter. Ich war beim Lesen oftmals ratlos, hin- und hergerissen und tief berührt.
           

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    marialeins avatar
    marialeinvor 5 Tagen
    Die Macht der Bildung

    Tara arbeitet für ihren Vater auf dem Schrottplatz, statt in die Schule zu gehen. Selbst schwerste Verletzungen werden nicht vom Arzt, sondern mit den Kräutern und Ölen von Taras Mutter behandelt. Was sich nach Zuständen irgendwo in der dritten Welt anhört, ist aber das Leben eines Mädchens in Idaho, USA, zum Ende des 20. Jahrhunderts.  Taras Vater ist Mormone und lebt in ständiger Vorbereitung auf das Ende aller Tage – schafft Vorräte, Waffen und massenweise Benzin an. Gleichzeitig glaubt er an eine Verschwörung der Regierung, die ihn und seine Familie kontrollieren wollen. Mit ihrem Bildungssystem will sie den Kindern eine Gehirnwäsche verpassen, Ärzte sind Diener Satans und wollen die Menschen krank, nicht gesund, machen.

    Taras Leben ist geprägt von Furcht, Gewalt, schweren Unfällen und Verletzungen und himmelschreiender Ungerechtigkeit. Ohne jegliche Bildung fällt es Tara schwer, diese Situation in Frage zu stellen. Schließlich hat Gott die Dinge so eingerichtet, wie sie sind, und an der Autorität ihres Vaters als einem der treusten seiner Anhänger  zu zweifeln, würde geradezu Gotteslästerung gleichkommen.

    Das junge Mädchen wächst in der Gewissheit auf, dass ihre Zukunft bereits festgelegt ist: heiraten, Kinder kriegen, ihrem Mann und natürlich Gott dienen. Doch irgendetwas in ihr wehrt sich dagegen. Sie lässt es darauf ankommen und absolviert den Aufnahmetests fürs College. Noch nie zuvor war sie an der Schule und wenn sie „Schule machte“, strich sie eine Weile über die Seiten ihres Mathematikbuchs, bis sie keine Lust mehr hatte und ihre Mutter stolz verkündete, dass ein solcher Fortschritt eben nur im Heimunterricht möglich ist. Entsprechend niedrig sieht Tara ihre Chancen, den Test zu bestehen. Und dennoch – sie schafft es. Als sie ihr Studium an der BYU beginnt, wird sie er einmal nicht nur mit der eigenen Unwissenheit konfrontiert, sondern auch mit der Lebensweise der „anderen“, die körperbetonte Kleidung tragen und ab Sabbat einkaufen.

    Je mehr sie sich in diese neue Welt einlebt, desto mehr entfernt sie sich auch von ihrer Familie. Es ist, als hätte sie den verbotenen Apfel der Weisheit gekostet und erkenne nun, wie sie sich selbst belogen, alle Aussagen ihres Vaters ohne Hinterfragen hingenommen und sich auch die grausamsten Handlungen kleingeredet hatte. Wie einfach wäre es, diese Erkenntnis erneut zu leugnen, zu ihrem alten Leben zurückzukehren. Doch auch das bringt Bildung mit sich – Selbstbetrug ist nicht länger möglich.

    Aus Tara Westovers „Befreit“ geht hervor, dass Bildung so viel mehr ist als Aussichten auf einen gut bezahlten Job. Bildung ist für die junge Frau ein Weg zu sich selbst zu finden, sich für das Leben zu entscheiden, das sie will und nicht das, das ihr von der Gesellschaft oder ihrem Vater aufgezwungen wird. Obwohl es sie unheimlich viel kostet, diesen Weg zu gehen, zieht sie ihre Entscheidung durch, entscheidet sich für die Wahrheit. Sie verliert viel, gewinnt aber auch wertvolle Erfahrungen, gute Freunde und Familienmitglieder und vor allem: die Möglichkeit eines selbstbestimmten Lebens.

    „Befreit“ ist keine leichte Kost, gerade weil einem Taras Schicksal unheimlich nahe geht. Insofern ist es kein Lesevergnügen in dem Sinn, aber ein sehr gut geschriebenes Buch, das dem Leser zeigt, welche Macht man über sein Leben haben kann und dass es auch aus scheinbar hoffnungslosen Situationen einen Ausweg gibt, auch wenn er viel Kraft kosten kann.

    Die Geschichte ist absolut lesenswert, aufwühlend und hoffnungsvoll trotz all der Rückschläge.  Ein unheimlich starkes Buch über Selbstfindung, Emanzipation der Frau und des Individuums und das Streben nach der Wahrheit.

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    R
    robbylesegernvor 7 Tagen
    beeindruckende Biographie

    Ich lese gerne Biographien und diese Biographie von Tara Westover hat es mir besonders angetan. Sie hat mich stark berührt, schockiert, aber zum Schluss doch wieder mit der Welt versöhnt, weil sie schon so etwas wie ein Happyend hat.

    Tara wächst in den USA auf, in Idaho, einer Gegend , die schon sehr ländlich ist Am Fuße des Bear River wird sie als das jüngste von sieben Kindern in einen Mormonenfamilie geboren. Ihr Vater hat bipolare Störungen, die zur Folge haben, dass er unter Panikattacken und Manie und Psychosen leidet und das Ende der Welt des öfteren vor seinem Haus steht. Er baut Bunker, hortet Benzin und Nahrungsmittel, um auf den Fall der Fälle vorbereitet zu sein. Außerdem ist das Leben von Tara von Gewalt geprägt, physischer , wie psychischer, der sie sich nicht entziehen kann und sie bekommt auch keine Hilfe von ihrer Mutter oder anderen Geschwistern. Doch ein Teil ihrer Geschwister verlässt irgendwann das Haus und so auch sie. Dadur5ch dass sie nie eine Schule besucht hat, weil ihr Vater immer an eine Weltverschwörung geglaubt hat und Lehrer Handlanger dieser Verschwörung waren, ist es für Tara sehr schwer an ungefilterte Bildung zu kommen. Um so verwunderlicher ist es zu erleben, wie weit sie ihr späterer Weg in die Bildung bringt.

    Dieses Buch zu lesen ist ein Wechselbad der Gefühle. Die Kindheit und Jugend von Tara mitzuerleben, die reich an psysischer und psychischer Gewalt war, hat mich beim Lesen schon an meine Grenzen gebracht. Mir wurde wieder bewusst, wie manipulativ Glauben gelebt werden kann und was man damit bei seinen Kindern anrichtet. Ihr ganzes Leben kämpfen sie mit diesen Eindrücken und teuen sich sehr schwer, sich von ihnen zu befreien, da sie in einem ständigen Konflikt stehen die Liebe ihrer Eltern zu verlieren.

    Der Schreibstil dieses Buches war zu Anfang etwas gewöhn ungsbedürftig, wird aber nach ca. fünfzig Seiten besser lesbar und die Geschichte fesselt, egal wie bedrückend sie ist.

    Ich möchte dieses Buch empfehlen, so schwer es auch manchmal zu lesen war,denn mein Wunsch, dass so etwas Kindern erspart bleibt, ist größer, als das Entsetzen, dass ich oftmals empfunden habe

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    skiaddict7vor 8 Tagen
    Eine herausragende Biographie

    „Sollte die Welt der Menschen scheitern, würde meine Familie davon unberührt weitermachen.“

    Tara Westover ist in Idaho aufgewachsen. In einem Dorf am Fuß eines Berges, die jüngste von sieben Kindern fundamentalistischer Mormonen. Zuhause geboren hatte sie keine Geburtsurkunde, ihr genauer Geburtstag ist nicht einmal bekannt. Die Regierung wusste nicht von ihrer Existenz oder der ihrer Geschwister. Sie hatte keinen Pass und ist nie zur Schule gegangen. Es gab aber auch keinen Unterricht zu hause. Dafür gab es genügend "life lessons" am Schrottplatz und im Bauunternehmen des Vaters, sowie mit den Kräutertinkturen der Mutter, die nebenbei als (nicht lizenzierte oder registrierte) Hebamme Geld verdiente. Arztbesuche gab es keine. Krankheiten waren gottgewollt und wurden mit Kräutern geheilt. Und Krankheiten bzw. Unfälle gab es viele, mit einigem an häuslicher Gewalt. Mit jedem Jahr schien der Vater weiter in seine eingebildete Welt abzurutschen, und nahm seine Familie mit. Wie Tara es trotzdem an die Universität geschafft hat und wie sie es schließlich geschafft hat, aus dieser Welt auszubrechen, erklärt sie in diesem Buch.

    Das Buch ist herausragend geschrieben. Obwohl das Thema sehr ernst ist schafft Westover, dies mit etwas Humor zu erzählen. In jedem Kapitel kommt wieder ein neuer Aspekt dieser verkorksten Welt zur Schau. Westover ist eine herausragende, inspirierende Biographie gelungen, die sehr zum Nachdenken anregt und hoffentlich auch Dankbarkeit bei uns hervorruft, dass wir eine Ausbildung bekommen durften. Ich möchte dieses Buch wirklich jedem empfehlen! Von mir gibt es 5 Sterne.

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    ulrikerabevor 9 Tagen
    Kurzmeinung: Es ist nahezu unglaublich, welches Leben diese Frau führte. Ich war entsetzt und zweifelnd zugleich.
    Erschreckend und unglaublich

    Tara wächst als jüngstes Kind von sieben in der Einöde Idahos auf. Ihr Leben ist geprägt vom religiösen Fanatismus und paranoiden Wahnvorstellungen des Vaters. Gene Westover lässt seine Kinder lieber auf seinem Schrottplatz schuften statt ihnen Schulbildung zu ermöglichen. Nicht einmal eine Geburtsurkunde existiert für Tara bis sie neun ist. Alles was der Familie zustößt ist von Gott gewollt, Frauen und Mädchen zählen nichts, schon eine entblößte Schulter ist unsittsam und macht Tara zur „Dirne“. Erst kurz vor dem Erwachsenwerden kann Tara durchsetzen, eine Schule zu besuchen. Bildung macht es der jungen Frau möglich, aus einem Leben voller Einschränkungen auszubrechen und ihren eigenen selbstbestimmten Weg zu gehen.

    Es ist eine unglaubliche Geschichte, dass so ein Leben in unserer Zeit, in einem entwickelten, voll industrialisierten Land überhaupt möglich ist. Zornig machte mich Taras Lebensgeschichte. Frauenleben, die nichts wert sind, ausgeliefert einem religiösen Spinner und was ich eigentlich noch viel gefährlicher hielt, dem vollkommen irren und aggressiven Bruder. Wo waren hier die existierenden Großeltern, der Priester aus der Kirchengemeinde, die Nachbarn.

    Manches an der Geschichte ließ mich allerdings auch zweifeln. Die Familienmitglieder überleben zum Teil bizarre Unfälle mit lebensgefährlichen Verletzungen. Ereignisse, die durchaus nach außen drangen und niemand, keine Einsatzkräfte, keine Unfallzeugen, bezieht Position. Schwerste Verbrennungen heilen mit Homöopathie und Kräuterölen – weil Gott es so will? Als Tara dann das kirchliche College besucht, weiß sie nicht, was der Holocaust ist oder  dass Europa ein Kontinent ist, graduiert aber bald darauf in Philosophie? Nicht auf alles in dieser erschreckenden Biografie konnte ich mir einen Reim machen.

     

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    S
    striesenervor 9 Tagen
    Bewegend und inspirierend

    Tara Westover erzählt in ihrer Autobiographie über ihre Kindheit und Jugend im ländlichen Idaho sowie über ihren Weg zur Bildung und ihren akademischen Werdegang. Als eines von sieben Kindern einer Mormonenfamilie geboren, wächst sie in einem Umfeld auf, welches von Paranoia gegen den Staat und seine Institutionen durchdrungen ist. Tara und ihre Geschwister sind nicht registriert und gehen nicht zur Schule. Erst als junge Erwachsene gelingt es ihr, sich von ihren Eltern zu lösen und mit 17 Jahren besucht sie zum ersten Mal eine Schule.

    Auf das Buch bin ich durch die Leseempfehlung von Barack Obama aufmerksam geworden und wurde nicht enttäuscht. Wenn es ein Buch gibt, das die befreiende Wirkung von Bildung veranschaulicht, dann ist es dieses. Die Beschreibungen von Taras Kindheit sind oft bedrückend. Wie die Autorin es trotzdem geschafft hat, sich ein eigenes Leben aufzubauen, ist vor diesem Hintergrund beeindruckend und inspirierend. Zudem ist das Buch auch noch wunderbar geschrieben. Man kann es zeitweise kaum aus der Hand legen. Daher von mir die Höchstwertung.
           

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    wusls avatar
    wuslvor 9 Tagen
    bewegend

    17 Jahre lang lebt Tara Westover ein Leben, wie man es sich nur schwer vorstellen kann, wie es aber in den USA sicher nicht einmalig ist. Ihre Eltern sind Mormonen und der Vater ist zudem psychisch krank und schottet Frau und Kinder gegen die feindliche Umwelt ab. Die Kinder dürfen nicht zur Schule, werden von ihrem Vater streng erzogen und reglementiert und mit seinem Verfolgungswahn belastet. Aber in Tara schlummert von Anfang an ein unbändiger Freiheitswille und sobald sich ihr die Gelegenheit bietet, beginnt sie doch zur Schule zu gehen und all das nachzuholen, was die Eltern ihr vorenthalten haben.

    Innerhalb von 10 Jahren macht sie einen Schoolabschluss, kann schließlich erfolgreich im renommierten Cambridge studierten. Durch die Schulbildung kann sie sich auch aus dem psychischen und mentalen Gefängnis ihrer Familie lösen und wird unabhängig und frei für ein selbstbestimmtes Leben.
    Eine bewegende und faszinierende Autobiographie, sehr spannend und hautnah geschrieben.

    Tara ist Bewundernswertes gelungen und ihr Mut und ihre Klugheit machen sie zu einer ganz besonderen Heldin.

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    Bris avatar
    Brivor 14 Tagen
    Kurzmeinung: Was für ein Buch. Was für eine Frau. UNBEDINGT LESEN
    It's not the waking, it's the rising*

    Schule ist nicht immer ein Zuckerschlecken, das wissen wohl die meisten von uns. Die einen haben gute oder zumindest keine allzu schlechten Erfahrungen gemacht und haben ihre Schulzeit recht unbeschadet hinter sich gebracht, die anderen haben Schule regelrecht gehasst. Zumindest was das Lernen, Prüfungen oder Zeugnisse angeht. Alle haben wir aber gemein, dass wir eine gewisse Anzahl von Jahren auf Schulbänken verbrachten und uns damit Bildung zuteil wurde, denn in Deutschland gibt es eine Schulpflicht. In den USA gibt es diese Schulpflicht nicht, wohl aber eine sogenannten Bildungspflicht, der auch zuhause nachgekommen werden kann. Wie so etwas durchaus kompetent umgesetzt werden kann, zeigt sich eindrucksvoll in einem großartigen Film aus dem Jahr 2016: Captain Fantastic – wobei es in diesem Film nicht nur um Hausunterricht geht. Aber auch in diesem Film prallen zwei Welten aufeinander. Denn die gezeigte Familie lebt völlig fernab jeglicher Zivilisation im Wald. Versorgt sich unabhängig. Die Kinder wachsen ohne den Einfluss moderner Medien auf und erhalten trotzdem eine allumfassende Ausbildung in vielen Bereichen. Ihr Vater möchte sie vor allem zu selbst denkenden, kritischen Menschen erziehen.

    Tara Westover ist am Fuße des Buck Peak in Idaho aufgewachsen. Fast ein bisschen wie die Familie aus Captain Fantastic lebt auch ihre Familie fernab der Stadt, jedoch bei weitem nicht tief in den Wäldern. Die Familie ist geprägt vom mormonischen Glauben. Eine Religion, die den Mann in den Mittelpunkt und die Frau in die Küche stellt. Westovers Vater ist Fundamentalist. Noch dazu hat er das, was man eine bipolare Störung nennt. Doch das wird Westover erst klar, als sie schon fast von der Familie verstoßen ist.

    Denn Tara Westover hat sich für ein anderes Leben entschieden. Dafür, ihre eigene Geschichte zu schreiben, ihre Lebensgeschichte so zu sehen, wie sie war und ist und nichts mehr zu beschönigen. Ein harter Prozess, den sie über Jahre hinweg durchstehen muss, der ihr anfangs nicht klar ist und den sie zögerlich anerkennt. Denn diesen Prozess zu durchlaufen ist mit Scham und Angst verbunden. Scham vor dem, wer sie ist oder zu sein glaubt. Angst um das eigene Leben, Angst davor verstossen zu werden. Doch je weiter der Weg der Bildung sie fort führt von ihrem geliebten Buck Peak, der sie mit seiner Natur geformt und auch gestärkt hat, um so mehr lernt sie, dass sie nicht anders kann, als ihre Geschichte umzuschreiben. Die wahre Geschichte der Tara Westover muss erzählt werden, um beständig sein zu können. Denn was sie ständig auf den Prüfstand stellt, sind ihre eigenen Erinnerungen, ihr Empfinden.

    Westovers Memoir steigt früh in ihrem Leben am Rande des Buck Peak ein. Die Familie besteht aus fundamentalen Mormonen. Der Vater betreibt einen, zeitweise mehrere Schrottplätze und baut Lagerhallen und ähnliches. Sein Team besteht vor allem aus den eigenen Kindern. Sieben sind es insgesamt, Tara ist die Jüngste und hilft zunächst ihrer Mutter bei der Herstellung von Essenzen und ätherischen Ölen aus Heilkräutern. Hier ist Taras Mutter eine Kundige. Der Vater will dieses Wissen ausbauen, will, dass seine Frau auch als Hebamme tätig wird. Ihr selbst ist das zu viel, doch schließlich willigt sie ein und begleitet zuerst die Hebamme der Gegend und als diese wegzieht, übernimmt sie – zunächst zögerlich und später zumindest mit ungutem Gefühl diese Tätigkeit. Sie hat keine Lizenz und die Gefahr, dass sie im Gefängnis landet, wenn etwas passiert oder sie einfach so erwischt wird, ist groß. Doch sie beugt sich dem Willen ihres Mannes, der diesen als göttlichen propagiert. Immer wieder findet der Vater Zeichen dieses göttlichen Auftrags – es gibt genügend Unfälle, die passieren und da Westovers Vater davon überzeugt ist, dass er in die Hände des FBI, quasi des Systems fällt, wenn er sich oder Familienmitglieder in einem Krankenhaus behandeln lässt, ist es die Mutter, die mit Tinkturen und Salben behandelt, die erstaunlicherweise wirken. Allerdings bleiben in den meisten Fällen natürlich Schädigungen zurück, auch weil die Tragweite der Verletzungen gar nicht recht überblickt werden kann.

    Tara ist zehn, als sie das erste Mal mit auf dem Schrottplatz hilft. Eine mehr als harte und auch überaus gefährliche Arbeit, nicht nur für eine Zehnjährige. Durch einen ihrer großen Brüder kommt sie das erste Mal mit Chorgesang in den Kontakt und ist hingerissen, dass es so etwas Schönes geben kann. Während sie unter dem Schreibtisch des Bruders den Gesängen lauscht, bereitet er sich auf die Collegeaufnahmeprüfung vor …

    Was genau uns zu Handlungen treibt, die uns aus dem bisher bekannten Umfeld drängen, weiter zu anderen Horizonten, ist manchmal auf den ersten Blick nicht klar. Was man nicht anders kennt, nimmt man häufig als gegeben hin. Die Vorstellungskraft, dass etwas, das man erleidet – Gewalt, Manipulation oder ähnliches – nicht richtig sein könnte, hat man häufig gerade als Kind nicht. Und schafft man es nicht, sich davon zu befreien, verharrt man – auch wenn man nach und nach ein Gefühl dafür entwickelt, dass etwas nicht stimmen kann – in einer Art Duldungsstarre. Tara Westover wagte den Schritt hinaus in die Welt. Sie traute sich, sich selbst zu vertrauen. Auch wenn es Jahre dauerte.

    Tara Westover beschreibt ihren Weg eindrucksvoll und unprätentiös. Dabei ist sie vollkommen ehrlich mit sich, ihrem eigenen Verhalten und dem ihres Umfelds. Das ist an manchem Stellen nichts für zarte Gemüter, zeigt aber eindrücklich, wie schwer es ist, sich aus dem ureigensten Umfeld zu befreien, von dem man, wächst man darin auf, glaubt, dass es nur das Beste für einen möchte. Und im Grunde ist es ja auch so, dass Westovers Vater – gesteuert durch seine bipolare Störung und seinen religiösen Fundamentalismus – daran glaubt, alles richtig und zum besten der Familie zu tun. Der Blick von außen zeigt anderes und zwar sehr schnell. Und so merkt auch Westover, dass das, was sie als Kind erfahren hat, nicht richtig sein kann. Die Brutalität ihres Bruders ihr gegenüber ist unglaublich – auch für sie. Manipulativ wie er mit ihr umgeht, gelingt es ihm sogar, ihr ein Bild von sich selbst einzupflanzen, dass völlig falsch ist. Sobald sie sich von der fundamentalistischen Linie nur ein My entfernt, ist sie sich sicher, von Grund auf verdorben zu sein. Schlußendlich traut sie ihren Gefühlen und damit sich selbst nicht mehr über den Weg.

    Wie und dass sie es dennoch schafft, sich zu befreien, das verdankt sie ihrem festen Stand, wo ihn andere nicht haben, auch wenn sie selbst denkt, dass dieser feste Stand sie eben als nicht würdig auszeichnet, überhaupt die Möglichkeiten zu erhalten, die ihr nun offenstehen. Und obwohl man vieles über dieses berührende, aber in keinster Weise „gefühlige“ Buch noch zu sagen wäre, fürchte ich, es nicht annähernd adäquat darstellen zu können. Tara Westovers Geschichte ist so vielschichtig, wie ihr Buch es ist. Weil es zwar für mich nicht ganz greifbar bleibt, zumindest mit Worten, und eben gerade wegen der Komplexität ihrer scharfen Analyse dessen, was Bildung bewirkt, was ein weiter Horizont vermag,, ist es ein absolutes Lesemuss. Die Quintessenz jedoch ist ganz klar und deutlich zu erkennen: Es ist nicht das Erwachen, sondern das Aufstehen, das zählt.

    *Zitat aus „Nina cried Power“ von Hozier

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    Wuestentraumvor 16 Tagen
    Kurzmeinung: Ein wunderbarer, interessanter autobiografischer Roman über ein Leben als Mormonentochter
    Befreit

    Tara Westover wächst mit ihren 5 Brüdern und einer Schwester in den Bergen Idahos auf. Ihr Blick von zu Hause ist stets gerichtet auf den Berg Buck Peak, auf dem sich jedes Jahr die Umrisse einer Indianerprinzessin abbilden. Ihr Vater ist ein fundamentalistischer Mormone, vom baldigen Ende der Welt überzeugt. Tara muss als junges Mädchen auf seinem Schrottplatz helfen, in eine staatliche Schule dürfen die Kinder nicht, da ihr Vater voller Misstrauen dem Staat gegenüber ist, von dem er sich verfolgt fühlt. Sie bekommen angeblich zu Hause Unterricht, doch die Mutter ist bald nach einem schweren Autounfall mit der ganzen Familie nicht mehr fähig, ihre eigenen Kinder zu unterrichten, was sie auch vorher nur sporadisch tat.

    Tara bemüht sich auf Drängen ihres älteren Bruders Tylers, eine Aufnahmeprüfung für das College zu machen und lernt fleißig dafür. Sie wird angenommen und so entwickelt sich ihr Weg zu hoher Bildung und Auszeichnungen, von  denen sie nie zu träumen gewagt hätte. Sie studiert letztendlich sogar in Havard. Ihr ganzes Leben, welches sie immer zurück an den Buck Peak zu ihrer Familie führt, führt ihr Bruder Shawn wie ein roter Faden hindurch. Er ist gewalttätig und brutal, er misshandelt seine Freundinnen ebenso wie Tara selbst. Er hat sie geschlagen, an den Haaren gezogen, ihren Kopf in die Kloschüssel gesteckt. Durch Zufall erfährt Tara, dass es auch ihrer älteren Schwester Audrey mit Shawn so ergangen ist. Sie versuchen mit ihren Eltern darüber zu reden, aber die wehren die Vorwürfe nur ab und wollen nichts davon hören. Es kommt dadurch zu einem großen Bruch zwischen Tara und ihren Eltern, da ihr Vater ihr Handeln nicht akzeptiert und nicht für sie einstehen kann und will.

    Tara Westover schreibt wundervoll und berührend ihre Geschichte nieder, die beeindruckend ist, was ihre Familie alles erlebt, wie sie mit dem anscheinend bipolar erkrankten Vater leben müssen, dessen Wort gilt und sonst keines, außer dem Gottes natürlich. Wie sie die Gewalttätigkeit und die Demütigungen ihres Bruders Shawn erträgt und es sie trotz allem immer wieder nach Hause zieht. Ich konnte nicht nachvollziehen, warum sie nicht im College in England blieb, anstatt immer wieder zu ihrer Familie zu fahren, wo es wieder Streit und Gewalt gab. Tara verachtet ihre Eltern nicht dafür, dass sie ihr keine anständige Bildung zukommen ließen als Kind, sie verachtet sie dafür, dass sie all die Jahre weggeschaut und nichts getan hatten, als Shawn sie quälte.

    Beeindruckend ist, wie Tara es selbst geschafft hat, sich durch Lernen und Lesen ihre heutige Bildung anzueignen, sogar ihren Doktortitel zu machen, obwohl sie nie das dafür notwendige, wie sie glaubte, Selbstvertrauen hatte. Es war ein langer und steiniger Weg, den sie gehen musste und dafür verdient sie volle und große Anerkennung, die sie von ihrer eigenen Familie nie bekam.

    Fazit:

    Ein wunderbarer, faszinierender und berührender autobiografischer Roman, der mir oft den Atem raubte und mich mit Stolz erfüllte, obwohl ich Tara gar nicht kenne, dass sie zu sich selbst gefunden hat und sich ihren Traum von Bildung erfüllen konnte.

    Ich bedanke mich herzlich beim Kiepenheuer & Witsch-Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares. Ohne sie hätte ich dieses wunderbare und faszinierende Buch wahrscheinlich nie gelesen.

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    Tini1887s avatar
    Tini1887vor 17 Tagen
    Kurzmeinung: Memoiren eines komplett anderen Weltbildes-und die Befreiung daraus. Es erschüttert und ist gleichzeitg so wichtig zu lesen!
    Eine tiefgreifend prägende Bildungsgeschichte, die einem die Sprache verschlägt

    Lange habe ich überlegt, wie ich das Gelesene in Worte fassen soll. Das Cover und die eigene Meinung zu diesem Buch sind eigentlich sekundär. Wichtig sind die gelesenen Zeilen, die mich zum Teil sprachlos gemacht haben.

    Vorweg muss ich etwas zum Titel „Befreit- Wie Bildung mir die Welt erschloss“ mitteilen. Als ich zum ersten Mal diesen Titel las, dachte ich an ein Sachbuch, eine Art Anleitung, die mir helfen könnte die Welt zu verstehen. Weniger an eine tiefgreifende Autobiographie. Vergleicht man diesen Titel mit dem englischen Original, so ist er mit dem Inhalt des Buches nicht ganz stimmig: „Educated“ hat die Bedeutung, sich Wissen anzueignen. Daraus resultiert die Übersetzung „gebildet“. „Befreit“ widerum erschließt sich mir aus dem vorhergehenden Status des Gefangenseins und eines neuen Lebens, das daraus beginnen kann. Dabei dominiert meines Erachtens eher die körperliche Gefangenschaft, anstatt die geistige.

    Tara Westover lebt mit ihren Eltern und Geschwistern auf einem Berg Idahos. Sie wächst in einer Familie auf, die streng mormon lebt. Wobei es im Laufe der Geschichte viele Aspekte gibt, die dies widerlegen. Ihr Vater, bipolar gestört, ihre Mutter eine illegale Hebamme, die ihr Geld mit heilerischen Ölen verdient und ein Bruder, der gewalttätig ist. Jede heikle und problematische Situation, wird mit ihrem Glauben erklärt. Unfälle und Verletzungen werden nicht vom Arzt behandelt, sondern mit Mutters Tinkturen. Alles ist gottgewollt. Tara geht nicht zur Schule und muss auf dem Schrottplatz ihres Vaters aushelfen. Bildung ist ihr fern, alles was ihr Vater sagt, ist Gesetz. Eigentlich ist sie sich sicher, dass sie bald einen Mann heiraten wird, der sich in dieser Familie miteinbringt und sie mit ihrer Mutter weiter als Hebamme arbeiten wird. Mit großen Schritten kommt dann jedoch alles anders. Sie schafft es aufs College, dann nach Cambridge. Ein Sprung, der nach und nach das Bild, das sie von ihrer Familie hatte, sprengen lässt.

    Viele Passagen dieses Werkes muss man gelesen haben. Gerade auch die Beziehungsgeflechte und Handlungen, die meistens so gar nicht nachzuvollziehen sind, haben mich oft nachdenken lassen, was Menschen bewegt, so zu handeln. Tara, die bis zum Ende ihre Familie trotz allen Geschehnissen nicht aufgeben wollte, ist zu bewundern. Manchmal ist es doch besser, mit Familie zu brechen, als andauernd eine Last mit sich rumzutragen, die wie in ihrem Fall, auch zur Gefahr werden kann. Ich bin erstaunt über so viel Kraft, Mut und Ausdauer. Danke für dieses Buch. Es ist so wichtig, solche Geschichten aufzuschreiben, denn es gibt auf dieser Welt Menschen, dessen Geschichte wir lesen müssen. Einfach um daraus lernen zu können.

    Und nochmal zum Titel: Tara ist während dieser Geschichte nie wirklich gefangen. Nur ungebildet. Natürlich befreit sie sich durch Bildung aus ihrem alten Leben. Das Gewicht und der Fokus sollten dennoch auf Bildung liegen. Denn dieser ist nun mal der Schlüssel zu Taras Befreiung.


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    supersusivor einem Monat
    Das klingt spannend, vor allem, weil ich einen Patienten habe, der unter ähnlichen Bedingungen groß geworden ist. Allerdings hat dort der Vater alle 9 Kinder unterrichtet. Aber es gab weder Wasser noch Strom, sie versorgten sich selbst mit allem, wohnten im Wald und waren streng religiös.
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    ulrikerabes avatar
    ulrikerabevor 2 Monaten
    #Vorfreude!
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    Stefanie_Lickerts avatar
    Stefanie_Lickertvor 4 Monaten
    Dieses Buch habe ich bei Good reads schon in Englisch für mich entdeckt. Toll das es nun endlich auch in Deutsch erhältlich ist.
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    Daniliesings avatar
    Daniliesingvor 4 Monaten
    "Befreit" erzählt eine unglaubliche und zugleich wahre Geschichte, die ich unbedingt lesen möchte.
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