TaraShea Nesbit

 4 Sterne bei 9 Bewertungen

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Taschenbücher / Was wir nicht wussten

Taschenbücher / Was wir nicht wussten

 (9)
Erschienen am 14.01.2016

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Rezension zu "Taschenbücher / Was wir nicht wussten" von TaraShea Nesbit

Was wir nicht wussten
SteffiWausLvor 2 Jahren

was sofort an diesem buch auffällt ist der schreibstil: alles wird in der ersten person plural erzählt, und es wird immer das gegensätzliche im kollektiv herausgearbeitet (through a collective voice):

„wir waren rundgesichtig, sportlich, burschikos, ernst, feingliedrig, katzengleich, unbeholfen... wir heirateten männer, die genau wie unsere väter waren oder aber völlig anders, oder nur deren beste eigenschaften hatten.“ (Zitat S. 20)


diesen Stil muss man mögen. ich brauchte erstmal eine weile, um mich hineinzufinden. obwohl es nicht das erste in diesem schreibstil verfasste buch ist, das ich gelesen habe. das buch „wovon wir träumten“ von julie otsuka ist genauso geschrieben. „wovon wir träumten“ war jedoch packender geschrieben, was es für mich leichter gemacht hat.


nun aber zurück zu diesem buch: es geht um die frauen der wissenschaftler und arbeiter, die in los alamos während des zweiten weltkrieges, genauer gesagt von 1943-1945, an der atombombe gebaut haben. sie haben ihre männer nach los alamos begleitet, ohne zu wissen, was dort geschieht und an was ihre männer arbeiten. das soziale leben, der alltag und das miteinander in der unwissenheit wird beschrieben. das ist ein interessanter blickwinkel, der aber nicht lange interessant geblieben ist. für meinen geschmack gab es keinen richtigen spannungsbogen, und wenn, dann nur ganz leicht. auch als die bomben abgeworfen waren und alle bescheid wussten hatte ich nicht den Eindruck, dass dies ein besonderer moment im buch ist. diesen „höhepunkt“, auf den alles hinausgelaufen ist, habe ich als sehr nüchtern beschrieben empfunden. die großen emotionen blieben aus, oder wurden nur in einem nebensatz erwähnt. hier hätte ich mir mehr erhofft. vor allem nachdem all die Seiten vorher über alltägliche Begebenheiten in großer ausführlichkeit geschrieben wurde. und so klingt das buch auch leise aus: was ist aus den frauen, aber auch aus den kindern geworden? von den männern wird nur wenig gesprochen, was ich auch gut finde, denn dieses buch ist wirklich nur den frauen gewidmet (im original heisst es auch: the wives of los alamos), mit all ihren gefühlen, ängsten, hoffnungen und alltäglichen problemen. 

das buch ist lesenswert, wenn man sich für diese spezielle thematik oder auch zeit interessiert. es ist auf eine art das gegenstück zu „in der sache j. robert oppenheimer“ von heinar kipphardt, was einige von uns sicher in der schulzeit gelesen haben. kipphardt geht in die tiefe, wo nesbit an der oberfläche bleibt. in dem einen buch geht es um die, die bescheid wissen, in dem anderen um die unwissenden. beide werke zusammen ergeben ein interessantes zusammenspiel von fakten und erfundenem, und beleuchten jeden blickwinkel dieser zeitgeschichte.


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Jetztkochtsies avatar

Rezension zu "Was wir nicht wussten" von TaraShea Nesbit

Eigenwillig und sehr gelungen!
Jetztkochtsievor 3 Jahren

Dieses Buch der Frauen von "Los Alamos" hat mich sehr gereizt, ein wenig historisch interessiert, ein bisschen sensationslüstern und natürlich schlichtweg neugierig war ich, wie diese Geschichte, die bislang in literarischer Form meines Wissens nach noch nicht bearbeitet wurde, wohl erzählt werden würde.
Dass es nicht einfach sein würde, diese Geschichte zu erzählen, ohne zu werten, ohne zu verurteilen, ohne skeptisch zu sein, ohne zu bejubeln, war mir klar.
Dass Frau Nesbit aber diesen eigenwilligen Weg der Erzählung in der Wir-Form gewählt hat, überraschte mich sehr. Die ersten paar Seiten dachte ich noch, "ist das jetzt ihr Ernst?" und dann ließ ich mich darauf ein und dachte einfach nur noch "GRANDIOS!" Durch ihre distanzierte Schilderung weckt sie beim Leser die Möglichkeit, selbst in die Rolle dieser Frauen zu schlüpfen und zwar nicht in irgendeine, sondern in alle jene, deren Schuhe einem passen. Kann man sich mit den aufgeregten etwas neurotischen Hühnern nicht so recht anfreunden, dann ist man halt die zupackende Macherin mit Hochschulabschluss, fühlt man sich dort nicht erkannt, kann man auf die Gedanken der mütterlichen etwas älteren Matrone zurück greifen. Durch ihr Wir gelingt es Tarashea Nesbit, die Geschichte dieser Frauen auf einmal und in einem Stück und aus jedem Blickwinkel zu beleuchten. Es werden Ängste genannt und Gegenmaßnahmen, es werden die Neugierigen erwähnt und die lethargisch schweigenden. Es wird deutlich, wie zerrissen man ist, als den Frauen und ihren Kindern bewußt wird, was sie und ihre Männer dort eigentlich getan haben.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass dieser Erzählstil der weniger der einer Erzählung ist, nicht jeden überzeugen mag, nicht jedem gefällt, der gerne eine komplette Geschichte lesen möchte. Eine Geschichte, bei der er nicht selbst denken muß und in der alles schön schwarz weiss ist. Hier ist allerdings nichts schwarz weiss, hier ist alles sehr farbig, sehr schattiert, sehr abgründig, sehr intensiv.
Ich habe mich selten von einem Buch, das sich auf ein reales historisches Ereignis bezieht so angesprochen gefühlt. Selten wurden mir die Gedanken und Gefühle der agierenden Personen so nahe gebracht, selten die Unterschiedlichen Menschen so klar dargestellt.
Ich bin von diesem Buch absolut begeistert, es hat mich viele Tage lang begleitet und mich zum Nachdenken angeregt, mir aufgezeigt, wie unterschiedlich wir Menschen in unseren Gedanken, Gefühlen und Zielen sind und gerade in der heutigen Zeit, ist es ein wichtiges Buch, weil es zeigt, dass man die unterschiedlichen Gefühle und Ansichten der Menschen akzeptieren muß, dass man sie nun mal nicht ändern kann, wie es einem paßt und dass man manchmal auch in Dinge einfach so hereinrutscht, sie erst später begreift und mit ihren Folgen dann leben muß. Sie akzeptieren muß und sich vielleicht auch für das was man getan oder ausgelöst hat, entschuldigen muß.
Aus meiner Sicht hat Tarashea Nesbit hier einen ganz großen Roman unserer Zeit abgeliefert und ich würde wirklich wünschen, dass diesen Mut zu einem neuen Stil, einer neuen Art und einem literarischen Experiment sehr viel mehr Schriftsteller unserer Zeit hätten. Dies hier ist aus meiner Sicht, nämlich sehr gelungen und hat mir beim Lesen Freude bereitet und mich mehr als gut unterhalten und angeregt!
Danke dafür!

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raven1711s avatar

Rezension zu "Taschenbücher / Was wir nicht wussten" von TaraShea Nesbit

Beeindruckender Blickwinkel in die Geschichte
raven1711vor 3 Jahren

Inhalt aus dem Klappentext:
Sie kommen von überall auf der Welt: Frauen, deren einzige Gemeinsamkeit darin besteht, dass ihre Männer an der Entwicklung der Atombombe beteiligt sind. In New Mexico erwartet sie ein improvisiertes Leben hinter Stacheldraht. Die absolute Geheimhaltung des »Manhattan Project« durchdringt alle Aspekte ihres Alltags: Namen werden geändert, Kontakte unterbrochen. Ihr Leben ist definiert durch die Dinge, die sie nicht sagen, die Briefe, die sie nicht schreiben, die Freiheiten, die sie sich nicht nehmen können. Und doch bildet sich auf dem verlassenen Schulgelände mitten im Nichts allmählich eine Gemeinschaft. Babys werden geboren, Freundschaften entstehen. Das Leben behauptet sich. Und die Frauen wachsen zusammen, bis sie mit einer einzigen Stimme sprechen. Sie erzählt davon, was wirkliche Humanität im Angesicht des Kriegs bedeutet. TaraShea Nesbits unaufgeregte, ruhige Sprache und die ungewöhnliche Erzählperspektive entfalten einen meditativen Sog.

Meinung:
Normalerweise versuche ich bei meinen Bewertungen einem Schema zu folgen: Etwas über den Inhalt erzählen, auf die Figuren eingehen, vom Erzählstil schreiben und die Thematik ansprechen. Bei diesem Buch aber ist es sehr schwierig, diesem Schema zu folgen, denn der ungewöhnliche Stil hat mich vor eine Herausforderung gestellt, der ich mich aber unerschrocken gestellt habe:
Von 1940 bis 1945 entwickelten die Amerikaner in Los Alamos die Atombombe. Aber die Wissenschaftler gingen nicht allein nach Los Alamos, sondern wurden von ihren Frauen und Familien begleitet. Dieses Buch widmet sich diesen Frauen und erzählt, wie das Leben für sie dort war. Eindrucksvoll schildert die Autorin von den vielen Einschränkungen und Entbehrungen, aber auch von der Gemeinschaft, die dort entstanden ist. Dabei liegt der Blickwinkel nicht auf einzelnen Frauen, sondern TaraShea Nesbit lässt alle Frauen gleichzeitig zu Wort kommen. So entsteht eine große gemeinsame Stimme, die viele Blickwinkel und Perspektiven enthält.
Dieser Erzählstil wirkt auf der einen Seite natürlich immens anstrengend, überraschenderweise aber ist es das nicht und ich konnte mich sehr gut in die Frauen hineinversetzen, ihre Ängste und Sorgen nachvollziehen und mich mit ihnen in den glücklichen Momenten freuen. Aber das Buch geht auch sehr nah und immer wieder musste ich es beiseitelegen, um eine kurze Atempause von der Geschichte zu bekommen. Denn jeder, der in Geschichte aufgepasst hat, weiß, worauf hier alles hinausläuft. Es wird über den zweiten Weltkrieg erzählt, über die Kämpfe in Europa, ja quasi auch vor meiner eigenen Haustüre, und natürlich auch über die Ereignisse im Pazifik, wo die Japaner gegen die Amerikaner kämpfen und alles auf den großen Knall in Hiroshima hinsteuert.
Ich habe die Frauen sehr bewundert für die Zeit, die sie in Los Alamos mitmachen mussten und wie gut sie mit der Situation umgegangen zu sein scheinen. Die vielen Einschränkungen z.B. beim Essen, verfügbarem Wasser und andere Gebrauchsgegenstände, diese ständige Unwissen um das, was ihre Männer tun oder das Halbwissen darüber. Die ständige Überwachung des Militärs und die Zäune, die sie umgeben. Und zwischen drin die Alltags-, Ehe- und Erziehungsprobleme, die gelöst werden wollen. Und doch haben viele es geschafft, ihre Familien in dieser Zeit irgendwie zusammen zu halten. Einzelne Schicksale verschmelzen hier zu dem Schicksal vieler Frauen. Die vielen historischen Anspielungen runden die Geschichte perfekt ab und machen dieses Buch zu einem besonderen Stück Zeitgeschichte.

Fazit:
Was wir nicht wussten legt eine faszinierende und bewegende Sicht auf bekannte historische Ereignisse dar, die mich stark berührt haben. Der besondere Erzählstil macht dieses Buch zu etwas ganz Besonderem. Ein Buch, in das sich jede Frau und Mutter hineinversetzen kann.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.

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