„No Mercy“ war mein erstes Werk von Taylor Adams, und ich muss sagen, ich war eigentlich relativ positiv überrascht.
Aber worum geht es eigentlich?
James und Elle Eversman wollen einen Neuanfang wagen, doch ihre Reise in die Mojave-Wüste wird zum Albtraum.
Nach einem Steinschlag müssen sie auf eine abgelegene Piste ausweichen. Plötzlich wird ihr Auto durch Beschuss lahmgelegt – sie haben nur eine Wasserflasche, keinen Handyempfang und befinden sich mitten im Ödland.
Schon bald wird klar: Ein Scharfschütze hat sie ins Visier genommen – aus einer Entfernung von etwa einer Meile, mit perfekter Sicht und tödlicher Präzision.
Ihr Auto ist die einzige Deckung in der sengenden Sonne. Währenddessen stoßen andere Reisende dazu und werden ebenfalls zur Zielscheibe.
Die Prämisse der Handlung kam mir direkt bekannt vor, da es einen Film gibt (Downrange), welcher so ziemlich genau dasselbe Thema behandelt. Da ich diesen Film wirklich gerne mochte, habe ich mich dazu entschlossen, dem Buch eine Chance zu geben.
Und was soll ich sagen? Ich wurde nicht enttäuscht.
Der Schreibstil von Taylor Adams liest sich angenehm. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Story unnötig in die Länge gezogen wurde, und dennoch hat es der Autor geschafft, eine angespannte, beklemmende Atmosphäre zu schaffen.
Seine Beschreibungen sind so detailliert, dass ich bei angenehmen 23 Grad zu schwitzen begonnen habe.
Auch fand ich es angenehm, dass die Kapitel eher kürzer gehalten wurden. Dadurch kam ich noch besser durch die Handlung hindurch.
Während das Buch mehrere Charaktere hat, liegt der Hauptfokus auf James, Elle und Tapp. Wirkliche Sympathie habe ich hier nur für James empfinden können, jedoch hatte jeder einzelne Charakter etwas Interessantes an sich. Man bekommt auch einen erstaunlich „tiefen“ Einblick in die Persönlichkeiten der Protagonisten. Naja … so tief es auf knapp 400 Seiten halt geht. Dennoch konnte ich mich in die verschiedenen Personen gut hineinversetzen und habe mit ihnen mitgefühlt und mitgefiebert.
Natürlich muss man bei einer Story dieser Art einfach sein logisches Denken ausschalten. So viele Szenen sind absolut unrealistisch und nicht umsetzbar in der realen Welt. Aber wer möchte sich schon beim Lesen mit Akkuratesse und der Realität langweilen? Gerade diese überspitzten, unrealistischen Darstellungen und Handlungen machen so viel Spaß!
Es gab ein paar Momente, in denen ich mir nicht ganz sicher war, ob mir dieses Buch wirklich gefallen würde, da ich mir einfach nicht vorstellen konnte, wie der Autor von dieser Ausgangssituation nun weitermachen würde. Was soll jetzt schon noch groß passieren? Spoiler: Sehr, sehr viel!
Taylor Adams hat sich durchwegs neue „WTF“ Momente einfallen lassen, die mich manchmal einfach nur sprachlos zurückgelassen haben. An Kreativität und Verrücktheit mangelt es dem Autor auf jeden Fall nicht.
Manche Momente/Kapitel haben sich dennoch etwas langatmig angefühlt.
Die letzten 60–70 Seiten waren eine absolut wilde Fahrt, bei denen ich mir vorab nicht vorstellen konnte, was für eine Wendung Adams jetzt noch einfallen würde, und ich habe wohl noch nie so schnell 60–70 Seiten gelesen. Absolut aufregend und spannend. Mein Puls war durchgehend auf 180!
Leider muss ich aber sagen, dass ich den finalen Kampf dann doch etwas unterdurchschnittlich fand, bzw. mir dieser einfach zu schnell vorbei war. Man hätte woanders 10–15 Seiten sparen können und sie dem Ende widmen sollen.
Den einen kleinen Plot am Ende, der etwas mit einem anderen Charakter zu tun hatte, konnte ich direkt von Anfang an erahnen, somit war dieser nichts Schockierendes für mich.
Auch hat mir die Erklärung gefehlt, wieso Tapp macht, was er eben macht. Aber gut. Vielleicht braucht es bei einem Psychopathen auch einfach keine Erklärung.
Abschließend kann ich sagen, dass mir „No Mercy“ wirklich Spaß gemacht hat. Auch wenn es kein Highlight war, werde ich in der Zukunft definitiv wieder zu einem Taylor-Adams-Buch greifen.
Gerade Lesende, die auf Survival-Thriller mit vielen „WTF“ und „Wie sollen die da jemals lebend rauskommen?“-Momenten stehen, könnten mit diesem Werk ihren Spaß haben!