Teddy Kollek

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Teddy KollekEin Leben für Jerusalem
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Ein Leben für Jerusalem
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 (3)
Erschienen am 01.11.1992
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Jerusalem
Teddy KollekDie Apotheke im Krakauer Ghetto
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Die Apotheke im Krakauer Ghetto
Die Apotheke im Krakauer Ghetto
 (1)
Erschienen am 01.04.1997

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Rezension zu "Die Apotheke im Krakauer Ghetto" von Teddy Kollek

Die Apotheke im Krakauer Ghetto
FabAustenvor 4 Jahren

1942 wurde in der polnischen Stadt Krakau, so wie in vielen anderen Städten, von den deutschen Besatzern ein jüdisches Ghetto eingerichtet. Die Apotheke „zum Adler“, die der polnische Apotheker Tadeusz Pankiewicz von seinem Vater geerbt hatte, befand sich innerhalb der neuen Grenzen. Er schaffte es, eine Ausnahmeerlaubnis zu erhalten und durfte seine Apotheke weiterführen, um die Insassen pharmazeutisch zu versorgen. In den folgenden Monaten wurde das Geschäft zur Anlaufstelle der verfolgten und vom Tode bedrohten Menschen. Der Apotheker und seine Mitarbeiterinnen versuchten, zu helfen soweit es ihnen möglich war und das ging über die Versorgung mit Medikamenten weit hinaus. Sie wurden Zeugen, wie die Ghettobewohner immer neue Repressalien erdulden mussten und von „Aussiedlungsaktionen“ betroffen waren, die nicht in ein anderes Gebiet führten, sondern in den unvermeidlichen Tod. Immer mehr Menschen starben, das Ghetto wurde kleiner, die Lebensbedingungen immer unmenschlicher. Schließlich wurde das Wohnviertel aufgelöst, seine Bewohner getötet und die wenigen Überlebenden ins benachbarte Konzentrationslager gebracht, wo der Lagerkommandant Amon Göth brutal herrschte. Hier endet der Bericht des Apothekers.

Die Apotheke im Krakauer Ghetto ist ein Zeitdokument. Der Verfasser schrieb während der Besatzung und unmittelbar nach dem Krieg seine Erlebnisse auf. Es gibt keinen Plot, keine Hauptakteure. Es sind Aufzeichnungen über die grausame und brutale Willkür der Deutschen mit der sie im Ghetto herrschten und die „Aussiedlungen“ durchführten. Aber die Aufzeichnungen zeugen ebenso vom Mut einzelner Menschen.

Der Bericht besteht aus Streiflichtern. Mal wirft er Licht hierhin, mal dorthin. Es werden sehr viele Namen genannt, Schicksale kurz erzählt, Ereignisse notiert. Es ist gut so, denn der Leser erhält ein Gefühl dafür, wie viele Menschen betroffen waren. Und sowohl die namentlich Genannten als auch die Namenlosen werden dem Vergessen entrissen. Sie verlieren den Status als unbekannte Opfer und werden zu Menschen, mit denen man mitfühlt. Deren Leiden wieder in Erinnerung gerufen werden. Man versetzt sich unwillkürlich in die Menschen hinein und ist zutiefst ergriffen.

Alles wird in kurzen, knappen Passagen erzählt und ist dennoch sehr ergreifend. 

Eine Tochter geht auf dem Sammelplatz zu ihrer Mutter, um mit ihr in den sicheren Tod zu fahren. Sie wird zusammengeschlagen. Die Mutter tröstet sie, streicht ihr übers Haar. Die Tochter wird weggejagt. Sie dürfen nicht zusammenbleiben. 

Eltern bitten Ihre erwachsenen Kinder, ihnen Gift zu verabreichen, um im eigenen Bett in Würde zu sterben.

Ein Blinder wird auf dem Weg zum Sammelplatz immer wieder von johlenden SS-Leuten zu Fall gebracht. 

Alte Menschen müssen rennen, werden gelobt für ihre Sportlichkeit, um dann wenige Sekunden später erschossen zu werden. 

Tadeusz Pankiewicz hat diese Begebenheiten und noch viele mehr durch die Fenster seiner Apotheke beobachten können. 

Im Krakauer Ghetto war auch Oskar Schindler tätig. Er wird jedoch nur kurz vom Autor erwähnt. Dies zeigt, dass diejenigen, die helfen wollten, sehr auf sich allein gestellt waren und häufig keinen Kontakt zueinander hatten. 

Schade, dass Die Apotheke im Krakauer Ghetto nur noch antiquarisch erhältlich ist. Das sollte dringend geändert werden. Natürlich entzieht sich das Buch jeglicher Bewertungsskala. Teddy Kollek hat nur eines der Vorworte verfasst.

Tadeusz Pankiewicz war kein Widerstandskämpfer. Er hat bei den alltäglichen Nöten geholfen. Sei es eine Medizin auszugeben, einen Brief an jemanden außerhalb der Ghettomauern zu überbringen oder einfach nur zuzuhören. An ihm kann man sich ein Beispiel nehmen. Es kommt nicht immer auf die großen Taten an, sondern auf gelebte Mitmenschlichkeit. Auch hierfür ist das Werk ein Zeugnis. 

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