Teju Cole

 4.1 Sterne bei 55 Bewertungen
Autor von Jeder Tag gehört dem Dieb, Open City und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Teju Cole

Teju Cole, geboren im Juni 1975 in den USA, verbrache seine Kindheit in Lagos (Nigeria). Nach dem Schulabschluss kehrte er in die USA zurück, um dort sein Studium (Kunstgeschichte und Medizin) zu beginnen. Sein Debüt feierte Cole mit "Every Day is for the Thief", das 2007 veröffentlicht wurde. Neben der Schriftstellerei ist er bei verschiedenen Zeitschriften, unter anderem bei der New York Times, tätig und unterrichtet am New Yorker Bard College. Teju Cole lebt heute in Brooklyn.

Alle Bücher von Teju Cole

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Jeder Tag gehört dem Dieb

Jeder Tag gehört dem Dieb

 (19)
Erschienen am 08.08.2016
Open City

Open City

 (19)
Erschienen am 11.04.2016
Vertraute Dinge, fremde Dinge

Vertraute Dinge, fremde Dinge

 (1)
Erschienen am 09.07.2018
Blinder Fleck

Blinder Fleck

 (0)
Erschienen am 04.06.2018
Open City

Open City

 (7)
Erschienen am 17.01.2012
By Teju Cole Every Day is for the Thief

By Teju Cole Every Day is for the Thief

 (4)
Erschienen am 18.04.2014
Every Day is for the Thief

Every Day is for the Thief

 (0)
Erschienen am 03.03.2015

Neue Rezensionen zu Teju Cole

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Kapitel94s avatar

Rezension zu "Open City" von Teju Cole

Ein lehrreicher Spaziergang durch New York
Kapitel94vor 7 Monaten

Open City ist der erste Roman, bei dem es mir schwer fällt, eine Rezension zu schreiben. In einem Uni-Seminar über Weltliteratur war Teju Coles Buch Teil einer Diskussion, aber ich denke nicht, dass ich es auch aus persönlichem Interesse gelesen hätte. Open City hat mich überrascht, zum Nachdenken gebracht und meine Offenheit gegenüber anderen literarischen Werken erweitert.

Als Psychiater muss man sich oft die verrücktesten Geschichten anhören. Man muss sich in Geduld üben, Menschen Rat geben und vor allem dürfen ihre Erlebnisse einen nie nach Hause begleiten. Um einen Ausgleich zu seiner Arbeit zu schaffen, geht Julius spazieren. Während er durch die Straßen New Yorks zieht, befreit er seinen Kopf von lästigen Gedanken und findet Zeit zum Durchatmen. Als Julius aber eines Abends seinem Nachbar begegnet und vom Tod dessen Frau  vor mehreren Monaten erfährt, ist er schockiert, denn ihm wird bewusst, wie ignorant Menschen heutzutage leben: Weder die Abwesenheit seiner Nachbarin noch die Stimmungsveränderung ihres Mannes hat der junge Psychiater mitbekommen. Somit durchstreift er die Straßen nicht mehr nur, um seelischen Ballast abzuwerfen, Julius beginnt außerdem, ein offenes Ohr für seine Mitmenschen zu haben.

Teju Cole schrieb den Roman aus der Ich-Perspektive und lässt Elemente des inneren Monologs in seine Erzählweise einfließen. Daher stolpert man oft über abrupte Gedankensprünge des Protagonisten und auch einen roten Faden erkennt man nur schwierig: Das Buch zeichnet sich nicht durch eine zusammenhängende Handlung aus, sondern ist eher eine Sammlung von Julius‘ Erfahrungen. Auf seinen Reisen, die ihn von New York bis nach Brüssel bringen, begegnet er Rassismus, er denkt über eine verlorene Liebe nach, schließt neue Freundschaften und hinterfragt die Herkunft seiner Familie. Der Schreibstil gefiel mir unglaublich gut. Ich bin ein großer Fan von Romanhelden, die ihre Geschichten in der ersten Person erzählen und Teju Cole wählte seine Worte dabei so, dass sich sein Buch unglaublich schnell lesen lässt. Man hält sich nicht lange an ungewöhnlichen Textkonstruktionen auf oder verliert sich in langen, verschachtelten Sätzen. Man kann den Gedanken von Julius so leicht folgen, als erzählte er uns die Geschichte persönlich.

Ich sagte schon am Anfang, dass ich Open City wahrscheinlich nie aus persönlichem Interesse gelesen hätte, aber ich bin froh, dass ich es doch getan habe. Der Roman ist belehrend, aufschlussreich und sehr gut recherchiert. Das Allgemeinwissen des Protagonisten hat mich regelrecht umgehauen und ich denke, jeder sollte sich einmal von Julius‘ Wesen verzaubern lassen.

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vivreavecdeslivress avatar

Rezension zu "Jeder Tag gehört dem Dieb" von Teju Cole

Jeder Tag gehört dem Dieb | Rezension
vivreavecdeslivresvor 2 Jahren

In seinem Debut sinniert Teju Cole über sein Heimatsland Nigeria. Dabei verleiht er seine Stimme einem namenslosen Protagonisten, welcher nach 15 Jahren die Rückkehr in seine sogenannte Heimat antritt. Schnell bemerkt er allerdings, dass es sich nicht nach Heimat anfühlt, sondern nach Fremde, oder zumindest nach etwas Enttäuschendem.
Teju Coles zweites Buch 'Open City' wurde international gefeiert und hielt auch bei mir Einzug, allerdings hat mich sein unpopuläreres erstes Buch mehr angesprochen. Dass dieses Buch nicht gleichmässig bekannt ist, hat indirekt mit dem Inhalt zu tun - Der Autor kritisiert mit seinem Schreiben Nigeria und dessen Verarmung an Kultur, gleichzeitig erschien der Roman in einem nigerianischen Verlag, wodurch er wenig Berühmtheit erfuhr, meiner Meinung nach nicht zurecht. Denn Teju Cole legt uns hiermit ein Werk vor, dass eine sogartige Wirkung hat, dass mich zum ersten Mal wirklich an den Spruch glauben lässt - Lesen ist wie Reisen. Denn wir erfahren hier eine Stadt, Lagos, in all ihren Ausmassen, wir erleben das Begeisternde und das Abstossende, allen voran das Faszinierende in dieser Fremde.

Spannend ist ja, wie ein Nigerianer dorthin zurückkehrt. Unser Protagonist verbrachte fünfzehn Jahre in New York, ohne dazwischen je wieder in seine Heimat einzureisen. Das gibt dieser vermeintlichen 'Rückkehr' viel grösseres Gewicht. New York als unglaublich sympathischer Gegenpol, eine Stadt, welche sowohl vor neuster Technologie und Modernität strotzt, wie auch in all seiner Grösse das Detail, die Kunst und die Sinnlichkeit einer Stadt in jedem Ecken bereithält. New York durfte ich bereits selbst erleben, und selten konnte mich die Vielfältigkeit einer Metropole so beeindrucken. Dagegen scheint Lagos eintönig zu sein. Die Stadt funktioniert nach ihren eigenen Regeln, und diese sind wohl keinem aus der nordwestlichen Welt bekannt. So begegnet der Protagonist bereits an der ersten Haltestelle, dem Konsulat in New York, Korruption. Diese Begegnung macht ihn fassungslos, mehr noch, als sie vielleicht uns als Nicht-Einbezogene fassungslos machen würde, und sie besetzt ihn. Kaum gelandet, stürzen wir uns auf dieses Thema und entdecken es tatsächlich auch in jedem noch so versteckten Winkel. Das korrupte Nigeria. Dann aber beginnt er mit seinen Beobachtungen, erzählt von diesen, und sie sind so kunterbunt und fremd, wie ich kaum glauben konnte. Er trifft auf unterschiedliche Menschen, auf unterschiedliche Interessen, auf unterschiedlichen Umgang mit verschiedenen Situation. Und auch auf immer wieder sich ähnelnde Muster. 

Und so entwirft Teju Cole ein Bild von einem Nigeria aus dem Heute, aber überlappt es mit Erinnerungsfetzen, Gedankengängen und tiefen Emotionen, von Verwunderung, Abneigung und Liebe. Dabei entsteht auch ein ganz eigenes Gefühl von Heimat, welches er mit seinen behutsam gewählten Worten so gut zu vermitteln weiss - Chapeau. Und vielen Dank, denn ich bin nun um einige Erfahrungen und irgendwie eine Reise nach Nigeria reicher.

http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/04/jeder-tag-gehort-dem-dieb-von-teju-cole.html

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Arizonas avatar

Rezension zu "Jeder Tag gehört dem Dieb" von Teju Cole

Nigeria, ein Land zwischen Korruption und Religion
Arizonavor 3 Jahren

Zunächst eine Vorbemerkung zum Autor sowie zu diesem Buch: Teju Cole wurde als Kind nigerianischer Auswanderer in den USA geboren, die Familie kehrte später jedoch wieder nach Nigeria zurück. Teju, der die doppelte Staatsbürgerschaft hat, ging dann mit 17 Jahren wieder in die USA und lebt in New York. Er studierte Kunstgeschichte und Medizin. 2015 erschien dieses Büchlein „Und jeder Tag gehört dem Dieb“ in Deutschland. Dieser Text war ursprünglich ein Blog, den der Schriftsteller anlässlich eines Besuches seines alten Heimatlandes Nigeria im Jahr 2005 geführt hat. Dieser Text wurde 2007 dann zunächst in Nigeria veröffentlicht. Erst 2014, nach dem Erfolg seines Romanes „Open City“, erschien dieser Text dann auch in den USA. Laut Angaben des Autors handelt es sich jedoch um einen fiktionalen Text, dem allerdings wohl autobiographische Züge zugrunde liegen.

Dieses Buch ist also eher ein Reisebericht als ein Roman, es werden in kurzen Kapiteln jeweils Episoden der Reise des namenlosen Ich-Erzählers in die alte Heimat Nigeria erzählt. Da sein Vater bereits früh verstorben ist und seine Mutter auch wieder in den USA lebt verbringt er diese Wochen bei seiner Tante und seinem Onkel in Lagos.

Er sieht die Situation in Nigeria durchaus sehr kritisch, so stehen dort die Themen Korruption und Kriminalität ganz klar oben auf der Tagesordnung. Dabei wundert er sich über die Gelassenheit, mit der die Nigerianer allen Widrigkeiten zum Trotz ihr Leben führen. Er gibt sehr persönliche Einblicke in die Zustände: Bestechungen, Einbrüche, Diebstähle an jeder Ecke. Auf der anderen Seite übt die Stadt mit ihrer Lebendigkeit auch einen starken Reiz auf ihn als Schriftsteller aus, da sie so voller Geschichten ist. Es herrscht Hoffnung, die Wirtschaft befreit sich von ihren Fesseln, jedoch bestehen trotz allem die alten Strukturen noch fort. Das Land hat mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Er sieht auf der einen Seite die Schattenseiten, aber auch die kleinen Lichtblicke in Form einer kreativen Szene. Aber unter dem Strich fehlt ihm mit seinem westlichen Background die Toleranz, all die Schwierigkeiten zu ertragen, die ein Leben hier mit sich bringt. Die Nigerianer haben so eine Art „zu leiden und zu lächeln“, in ihrer Religiosität, in ihrer Art, wie sie Dinge hinnehmen, ohne sie zu hinterfragen. Dies jedoch sieht der Erzähler auch kritisch, da es den Fortschritt hemmt.

Die Art und Weise wie man Einblicke in die Mentalitäten eines fremden Landes erhält ist schon interessant gewesen, jedoch fehlt mir hier eine richtige Geschichte. Allerdings sind seine Schilderungen sehr authentisch, man spürt seine Ambivalenz, er beleuchtet verschiedene Seiten, schaut auch hinter die Kulissen. Der Roman Open City werde ich mir mal auf die Wunschliste setzen. 

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Teju Cole wurde am 27. Juni 1975 in Vereinigte Staaten von Amerika geboren.

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