Teresa De Sio Lass den Teufel tanzen

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Inhaltsangabe zu „Lass den Teufel tanzen“ von Teresa De Sio

In der Nacht des Karnevalsamstags 1956 wird der Gutsherr Narduccio Greco vergiftet aufgefunden. Der Verdacht fällt sofort auf die zwölfjährige Tagelöhnertochter Archina Solimene, ein unzugängliches Mädchen, das – da sind sich die Bewohner des weltabgewandten apulischen Dorfes Mangiamuso einig – vom Teufel besessen ist. Zusammen mit ihrer Schwester, die sich bei Narduccio verdingte, stellt sie allerlei Kräutertränke her, darunter die hochgiftige Stramunella. Man munkelt, Narduccio habe sich an ihr vergangen und sei aus Rache getötet worden. Doch was passierte wirklich in jener Nacht?

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  • Rezension zu "Lass den Teufel tanzen" von Teresa De Sio

    Lass den Teufel tanzen

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    08. September 2011 um 15:54

    Teresa De Sio nimmt uns mit in ein kleines apulisches Dorf, im Jahre 1956. Die Dorfbevölkerung feiert den Karneval. Am Tag danach ist Narduccio Greco, der junge Gutsherr tot, vergiftet. Es kommt nur Archina Solimene in Frage, das zwölfjährige, hässliche Mädchen des Tagelöhners Nunzio, die praktisch täglich bei den Grecos ein und aus geht. Zudem scheint sie krank zu sein. Und von der Tarantel wurde sie auch gebissen. Zwar hat man ihr durch die Musik, der Tarantella, das Gift aus dem Körper getrieben, aber sie hat den armen Mann bestimmt mit dem Kräutertrank, der "stramunella", vergiftet. Zusammen mit ihrer Schwester brauen die beiden Kräutertränke, das müssen Hexen sein. Das glaubt jedenfalls die Dorfbevölkerung. Angeblich hat er Archina nachgestellt und sogar belästigt. Gerücht, Wahrheit? Findet es selbst heraus, was in diesem Dorf alles passiert ist. Der Roman hat mich fasziniert, denn viel zu selten findet italienische Literatur den Weg zu uns. Obwohl, am Anfang und über viele Seiten des Buches war ich auch etwas verwirrt, denn es wimmelt nur so von Personen und Namen. Kein Wunder, das halbe Dorf kommt darin vor. Man sollte sich also schon konzentrieren, die Geschichte liest sich nicht einfach mal so nebenbei. Teresa De Sio ist Italien-Fans vielleicht als Sängerin und Songwriterin bekannt, sie schreibt aber auch für eine Literaturzeitschrift und dies ist ihr erster Roman und wie ich finde, absolut bemerkenswert. Selber in Süditalien, in Neapel, 1955 geboren, kennt sie die Mentalität, die Bräuche und den Aberglauben ihrer Landsleute. Deshalb bringt sie uns das Leben der Dorfbevölkerung des italienischen Südens sehr präzise nahe. Und endlich erfährt der Leser, was es mit der "Tarantella" auf sich hat. Man sieht die Bilder vor sich und das Buch schreit förmlich nach einer Verfilmung. Wäre ich Regisseurin, hätte ich, in frühreren Jahren, mindestens Anna Magnani, Sophia Loren und Marcello Mastroianni eine Rolle angeboten. Wie die Autorin die Austreibung von Dämonen, nach dem Biss einer Tarantel, beschreibt, ist sehr eindrücklich, selbst die Lieder dazu schien ich zu hören. Ich bin begeistert und hoffe, dass von Teresa De Sio noch weiter als Schriftstellerin zu hören und zu lesen ist.

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  • Rezension zu "Lass den Teufel tanzen" von Teresa De Sio

    Lass den Teufel tanzen

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    14. March 2011 um 12:14

    “Lass den Teufel tanzen” hat mich von der ersten Seite an gepackt. Nicht nur die Geschichte der zwei Schwestern Archina und Santo fand ich interessant. Auch die sprachliche Qualität des Buches hat mich überzeugt. Folksängerin Teresa De Sio legt mit diesem Buch ein erstklassiges Debüt vor. In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, in Mangiamuso, einem Dorf in Apulien: Während des Karnevals wird Narduccio Greco, ein junger Gutsbesitzer, tot aufgefunden. Als der Tote untersucht wird, stellt man fest, dass er vergiftet wurde. Sofort werden die Schwestern Archina und Santo verdächtigt. Beide sind dafür bekannt, giftige Substanzen mischen zu können. Vor allem die zwölfjährige Archina wird verdächtigt eine Hexe zu sein, da ihre Mutter bereits bei der Geburt starb. Hinzu kommt, dass die Dorfbewohner glauben, dass das Mädchen von einer Tarantel gebissen und daraufhin verrückt wurde. “Wissen Sie, hierzulande sagt man, wenn man im Sommer aufs Feld geht, dann kann es sein, dass man von dieser Spinne, der Tarantel, gebissen wird. Es heißt, die Taranteln sind in Wirklichkeit die Geister von Verstorbenen, und wenn sie dich beißen, dann geht die Seele des Verstorbenen auf deinen Körper über und macht dich krank.” Glücklicherweise kennt man im Dorf eine Methode, wie man den bösen Zauber aus einem gestochenen Menschen wegzaubern kann – das Mädchen soll so lange tanzen, bis sie geheilt ist. “Wir sollten die Musikanten rufen, damit sie bei uns zu Hause aufspielten und Archina dazu tanzen konnte, und dann würde sie schwitzen und die Tarantel vertreiben. Und so wurde es gemacht.” Natürlich klärt das noch nicht den Tod von Greco. Nach und nach werden dem Leser jedoch die Wirrnisse der Geschichte dargelegt und die Auflösung des Todesfalls rückt immer näher. Die Autorin beschreibt sehr klar, eindringlich und bildlich das Leben in einem Dorf, in dem Aberglaube ein wichtiger Bestandteil des Alltags ist. In der Gemeinschaft des kleinen Dorfes zeigen sich das Zusammenleben verwirrend und die Beziehungen undurchsichtig. Ich habe “Lass den Teufel tanzen” mit dem wunderhübschen und temperamentvollen Cover sehr gerne gelesen. Leider musste ich immer wieder Pausen einlegen, da mir die Berichte von Spinnen oft zu viel waren. Aber ich empfehle das Buch allen, die einen literarischen Krimi und Entwicklungsroman lesen möchten.

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  • Rezension zu "Lass den Teufel tanzen" von Teresa De Sio

    Lass den Teufel tanzen

    michael_lehmann-pape

    28. February 2011 um 14:56

    Debüt mit Qualität George Clooney gab just den „Americain“ in Castel del Monte, einem der verschlafenen Flecken Apuliens, das landschaftlich den geographischen Rahmen liefert, in welchem Teresa De Sio in ihre Geschichte erzählt. Gottverlassene Dörfer, ein fast lähmender Stillstand im Leben der Menschen und vordergründig klarste Verhältnisse, hinter denen es durchaus gewaltig brodeln kann, das stellt den inneren Rahmen der Geschichte dar. Was auf den ersten Blick wie ein Werk der gängigen Frauenliterator erscheinen mag, entpuppt sich bereits auf den ersten Seiten als ein sprachlich hochqualitatives Buch mit einer originären Geschichte, voller Ideen und mit einer bildhaften Sprache beschrieben, die es dem Leser leicht macht, mitten im Geschehen zu sein. Eine Art Entwicklungsroman nebenbei, konzentriert auf die Dauer weniger Tage und Wochen eines jungen Mädchens, fast noch ein Kind. Archina Solimene, die mit ihren 12 Jahren in eine bedrängende Situation gerät. In an sich bereits schwierigen Lebensumständen als Tochter eines Tagelöhners lebend, dem sie kaum etwas bedeutet und zudem in einem an sich erschwerten Alter. Unzugänglich und fremd wirkt Archina im Umfeld des kleines Dorfes Mangiamuso in Apulien, mit all seinen feststehenden sozialen Regeln und alten Traditionen. Verschlossen und eigenbrötlerisch geht sie ihrer Wege. Zudem beinhaltet das Buch ein Sittengemälde der 50er Jahre im Süden Italiens, welches minutiös die Enge der sozialen Kontrolle, die Engstirnigkeit der Provinz und den weit verbreiteten und tief sitzenden Aberglauben jenes südlichen Landstriches dicht und atmosphärisch zu beschreiben versteht. Zu guter letzt ist das Buch auch noch ein Kriminalroman, an dessen roten Faden alle anderen Teile der Geschichte sich entlang hangeln und mehr und mehr zu Tage treten, ohne dass die Umstände des Mordes wirklich letztendlich sich auflösen werden. Andeutungen, wohin man auch schaut, in vielfachen Facetten, zumeist aber hinter dem Rücken. 1956, mitten in den Festlichkeiten des Karnevals, wird Narduccio Greco, ein junger Gutsbesitzer, tot aufgefunden. Eine Untersuchung ergibt, dass er vergiftet wurde. Und wer kann vergiften im Dorf? Natürlich das verschlossene, fremdartig anmutende Mädchen Archina und ihre Schwester, denn beide sind Heiltrankkundig und verstehen sich auf die Zubereitung auch giftiger Substanzen. Umgehend gilt Archina als Hexe und Hure (beides gehört interessanterweise im Aberglauben immer zusammen), war nicht schon Ihre Mutter im Kindbett nach der Geburt Archinas gestorben? In den Augen der Bewohner vielfältige Zeichen für die Verworfenheit des 12jährigen Mädchens, dass sich nun mehr schlecht als recht ihrer Haut wehren muss. Wie ihr das gelingt, wie sie daran reift, welche Intrigen sie erlebt, wer ihr überraschenderweise hilfreich zur Seite stehen kann und wer sich alles eifernd gegen sie einschwört und das alles in einer in Teilen fast surreal anmutenden, altertümlichen Lebensweise, dass ist der Stoff, aus dem die gut 250 Seiten des Buches gewoben sind. Seiten voller prägnant gezeichneter Gestalten einer urtümlichen Lebensweise, manche am Leben und vielen Freudlosigkeiten nach außen hin hart geworden sind wie die Zwillingsschwestern Santo, deren schon physiognomische Strenge von der Autorin in wenigen Strichen lebhaft vor Augen geführt wird. Bereits im Prolog werden die Wirrnisse des Geschehens deutlich. In fast atemlosen Sätzen, häufig von Assoziationen durchwoben, meldet sich die Schwester Archinas zu Wort und gibt einen wie gedrängten Einblick in die Zeit von wenigen Wochen um Karneval 1956 herum, in dem sie durchaus bereits einiges stichwortartig vorwegnimmt, was Teresa de Sio im Lauf der Geschichte farbenprächtig und in bildreicher Sprache ausgestalten wird. Vor allem dieses, dass die Leute nicht auf ihr Herz hören, sich am Unglück anderer weiden und diese ganz schnell und fast mit Begeisterung an den Pranger stellen. Ein fabelhaftes, farbenprächtiges, das Wesen der Menschen offenlegendes Erstlingswerk, dass auf den Gegenbildern von Aberglauben und Engstirnigkeit das eigentlich Freie und Menschliche bestens vor Augen zu führen versteht.

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