Teresa Solana

 3.3 Sterne bei 23 Bewertungen
Autor von Mord auf katalanisch, Höllenfahrt ins Paradies und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Teresa Solana

Mord auf katalanisch

Mord auf katalanisch

 (17)
Erschienen am 01.09.2008
Höllenfahrt ins Paradies

Höllenfahrt ins Paradies

 (6)
Erschienen am 11.01.2011
Un crimen imperfecto / An Imperfect Crime

Un crimen imperfecto / An Imperfect Crime

 (0)
Erschienen am 06.05.2008

Neue Rezensionen zu Teresa Solana

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Barbara62s avatar

Rezension zu "Mord auf katalanisch" von Teresa Solana

Eine Beschattung und die Folgen
Barbara62vor 3 Jahren

Dieses Krimidebüt der Katalanin Teresa Solana ist wahrlich kein Thriller, nicht blutrünstig und die Krimihandlung steht nicht einmal sehr dominant im Vordergrund. Dafür haben mich die satirehafte Beschreibung der katalanischen Gesellschaft und das Lokalkolorit von Barcelona bestens unterhalten und ich habe wesentlich häufiger gelacht, als das bei einem Krimi sonst der Fall ist.

Die Handlung lebt von den beiden Hauptfiguren Eduard und Pep, die der Welt verheimlichen, dass sie Zwillingsbrüder sind. Sie sind Hochstapler, Machos und in chronischen Finanznöten, was sie dazu veranlasst, ohne belastendes Vorwissen ein Detektivbüro zu eröffnen.

Der Auftrag eines reichen Politikers und sicheren Anwärters auf die katalanische Präsidentschaft, seine des Ehebruchs verdächtige Frau zu beschatten, kommt den beiden Hobbydetektiven wie gerufen, denn sie spüren, dass sie auf eine Goldader gestoßen sind. Die Ermittlungen führen sie in die High Society von Barcelona.

Die überraschende Wendung, die der Beschattungsfall nimmt, und der Umgang der beiden Detektive mit der schließlich ermittelten Wahrheit machen den Krimi zu einem unterhaltsamen Lesevergnügen, auch für Nicht-Krimileser!



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Rezension zu "Mord auf katalanisch" von Teresa Solana

Pfiffige Abrechnung mit den oberen Zehntausend
Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren

Borja und Eduard betreiben eine kleine Detektei, die sich auf Beratungen und Nachforschungen spezialisiert hat. Ihr Erfolg beruht maßgeblich auf den Kontakten und dem Auftreten Borjas, der gekonnt den Mann von Welt mit Geschmack, Umgangsformen und Geld gibt, während Eduard an der versnobten und stinkreichen Klientel eher wenig Interesse hat. Aber er tut sein Bestes, denn die Reichen und deren Sorgen finanzieren seine Familie gut. Da sie die Detektei vermutlich gerne mit Schwarzgeld bezahlen, fällt auch nicht auf, dass es das kleine Beratungsbüro offiziell gar nicht gibt. Detektei nenne sich die beiden allerdings ungern; Borja betont, dass der Firmenerfolg davon abhängt, sich als guter Freund zu präsentieren, der aus einer misslichen Lage hilft. Auf diese Weise kommt auch der Politiker Font zu ihnen. Er hat große politische Ambitionen und will sichergehen, dass das Privatleben seiner Frau dafür keine Stolperfallen bietet. Denn wäre sie mit einem Maler liiert, wie er vermutet, könnte das seiner Karriere schaden. Borja und Eduard beginnen, Lídia Font zu beschatten.

Dezent weist der Einschub „Ein Barcelona-Krimi“ auf dem Cover auf den Lokalkolorit hin. Den hat der Krimi zweifellos, weil Solana auf geliebte Konditoreien hinweist, überfüllte Einkaufsstraßen oder Cafés und Restaurants, die sogar im Anhang samt Adresse für neugierige Reisende aufgelistet sind. Viel mehr Lokalkolorit aber bekommt der Krimi dank der beiden Hauptpersonen und ihres sonderbaren Auftrags. Damit zeichnet Solana wohl besser das Ambiente nach, als es typische Ortsbeschreibungen jeder Couleur jemals könnten. Denn sie bringt mit dem Pärchen Borja und Eduard zwei Figuren ins Spiel, die das Nebeneinander der Bürger zu spiegeln scheinen.

Borja kennt viele der Spielregeln der oberen Zehntausend ziemlich gut. Unverfroren knöpft er dem Politiker schon im ersten Gespräch einen Vorschuss ab, der Eduard nach Luft schnappen lässt. Während der Beschattung erklärt er regelmäßig, wie die Reichen untereinander Probleme regeln. Vieles hat sich Borja gekonnt abgeguckt, denn beherrschen muss er die Formen: Borja Masdéu-Canals Sáez de Astorga, wie er sich nennt, ist in Wirklichkeit Eduards Zwillingsbruder Pep. Pep hat sich eine markante Vita zurecht gelegt und bewegt sich in Barcelona als Lebenskünstler und Hochstapler. Mit einem raffinierten Dreh in seiner Geschichte hat er auch die Sympathien einer der einflussreichsten Frauen Barcelonas gewonnen, Mariona Castany. Er gilt als Verwandter einer alten Schulfreundin von ihr und verfügt damit über zahlreiche offene Türen in der Gesellschaft. Nicht zuletzt ist die bestens vernetzte Castany eine unerschöpfliche Quelle für Klatsch und Tratsch und Wissenswertes, das dem ungleichen Brüderpaar bei ihren Fällen weiter hilft.

Eduard kann dem versnobten Tun wiederum nichts abgewinnen. Während seines Studiums setzte er alles daran, das Getue um den Nationalhelden Don Quijote zu entlarven. "Es mag ein Jammer sein, aber ich finde dieses Buch unerträglich. … Ich weiß nicht, woher das kommt, aber ich bin allergisch gegen dieses Buch, furchtbar allergisch, möglicherweise, weil es das einzige ist, das einfach jeder lobt. Politiker zitieren es auswendig, heben es in alle Himmel und scheuen nicht davor zurück, unsere Steuergelder für kostspielige Gedenkfeiern und Ehrungen auszugeben, was zumindest misstrauisch machen sollte. Trotzdem bin ich überzeugt, dass die Mehrzahl unserer Parlamentarier es nie vollständig gelesen hat.“ Seine Mutmaßung kann Eduard sogar nachweisen, doch veröffentlichen durfte er seine Studie auf Druck der Fakultätsleitung nie. Verheiratet ist er mit Montse, die eine Praxis für alternative Heilmethoden betreibt, aber nur wenig über den eigentlichen Berufsalltag ihres Mann weiß.

Zu guter Letzt nimmt Solana ihre eigene Arbeit aufs Korn. „Im Fall Lídia Font wird zudem die Mehrzahl der Regeln verletzt, die ein mutmaßlich perfektes Verbrechen ausmachen, bei dem der Zufall eben ausgeschaltet sein muss. Die Geschichte taugt also nicht einmal für einen Kriminalroman.“ Gut, dass jemand an dieser Stelle anderer Meinung war. Das Ende ist ebenso unkonventionell wie das Zwillingspaar Borja und Eduard, das Hin und Her zwischen zwei Gesellschaften ist ebenso unterhaltsam wie die Ausreden, die sich Eduard immer wieder einfallen lassen muss. Und die Kritik an den politischen Machenschaften ist bei Solana genauso präsent, wie bei politisch schärfer aufgestellten Kollegen, nur anders aufbereitet.

Von Solana sind anno 2007 und 2008 nur zwei Bände der Serie ins Deutsche übertragen worden. Eigentlich schade, dass pfiffige Autoren mit einem Hang zur Satire so schnell wieder aus dem Blickfeld verschwinden.

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Stefan83s avatar

Rezension zu "Höllenfahrt ins Paradies" von Teresa Solana

Mord im Literaturmilieu
Stefan83vor 7 Jahren

Schon ihr Erstling, "Mord auf katalanisch", gehörte für mich im Genre des Kriminalromans zu den positiven Überraschungen des Jahres 2007. Dementsprechend hohe Ansprüche stellten sich automatisch ein, als mit "Höllenfahrt ins Paradies" Teresa Solanas zweites Buch um das Detektiv-Duo Eduard und Borja den Weg in mein Bücherregal fand.

Warum ich es nicht auf Anhieb nach dem Kauf verschlungen habe ist für mich im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar, denn die katalanische Autorin schafft es tatsächlich noch mal die Messlatte ein Stück höher zu legen. Nach gut zwei, drei Seiten war ich sofort wieder in der Story und ließ mich vom knackig, trockenen Schreibstil Solanas an die Hand nehmen. Kam ich schon beim Vorgänger streckenweise aus dem Schmunzeln nicht mehr raus, so sorgte ich nun wohl für Unterhaltung im Kreise der Nachbarn, derart häufig wurde ich von lauten Lachattacken geschüttelt.

Im Mittelpunkt stehen erneut die Zwillinge Eduard und Borja, von denen keiner weiß, dass sie miteinander verwandt sind und die jeder fälschlicherweise für echte Detektive hält. Tatsache ist: Beide haben keinerlei Lizenz für ihre kleine Detektei, die im Prinzip nur aus einem Büro und einer imaginären, durch versprühtes Parfum dem Klienten vorgegaukelten Sekretärin besteht. Ihre Erfahrung in detektivischer Ermittlung dürfte im Bereich null tendieren, was allerdings durch ein gewisses Maß an Bauernschläue ausgeglichen wird. Oft nur mit Ehebrüchen und Beobachtungsjobs von der katalanischen Upper-Class beauftragt, werden sie nun auf einen Mordfall angesetzt.

Elisenda Palau, Autorin von seichten, Liebesschnulzen, wurde hinterrücks mit dem Bronzenen Apfel, einem noch am selben Abend erhaltenen Literaturpreis erschlagen. Hauptverdächtiger ist der Zweitplatzierte, leicht psychotische Amadeu Ribot, dessen Agentin nun Eduard und Borja darauf ansetzt, die Unschuld ihres Mandanten zu beweisen. Das erweist sich als schwierig, da der einzige Mensch, der dem Schriftsteller ein Alibi geben könnte, ein verzweifelter und verschuldeter Familienvater ist, der Ribot zur Mordzeit mit einer Spielzeugpistole überfallen hat. Was folgt ist eine Tour de Force durch Barcelona, die beim Leser kein Auge trocken lässt.

Solanas Schreibstil überzeugt mit einer Leichtigkeit, um die sie wohl der Großteil ihrer Konkurrenz beneiden dürfte. Da werden ganze Absätze zum feisten Fest und Sprachgenuss, so dass man sich bald beim Zurückblättern ertappt, um es noch mal zu lesen. Absolutes Highlight ist hier die Szene, in der das literarische Who is Who Barcelonas den halluzigenen Wirkungen einer Überdosis Stechapfel in ihren Kanapees erliegt und einen amüsanten Abend mit nettem Pläuschchen in eine handfeste Orgie verwandelt. Der eigentliche Krimi-Fall gerät, wie auch schon beim Erstling, zur Nebensache, was mich allerdings in keinster Weise gestört hat. Vielmehr bietet "Höllenfahrt ins Paradies" eine derartige Portion Kurzweil, dass mir die Auflösung, abgelenkt von all dem Lesespaß, letztendlich ziemlich gleich war. Das diese aber dennoch toll und mit viel Ironie ausgearbeitet wurde, setzt dem Ganzen noch das Sahnehäubchen auf.

Insgesamt ist "Höllenfahrt ins Paradies" ein wunderschöner, saukomischer Ausflug ins Literaturmilieu Barcelons, mit dem Solana einen Großteil ihrer eigenen Biographie verarbeitet (Sie war selbst lange Zeit Übersetzerin) und sich auch gleichzeitig ganz weit nach oben in meiner persönlichen Bestenliste geschrieben hat.

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