Wer ein Buch von Autorin Tereza Vanek in Händen hält, kann sicher gehen, sich auf einen opulenten historischen Roman zu freuen. Diesmal entführt sie uns in das Jahr 1787 und zwar nach England. Wir treffen auf die verarmte Lebenskünstlerin und Malerin Natalja, Tochter eines russischen Grafen und einer deutschen Freidenkerin, die der Einladung ihrer verheirateten Jugendfreundin Marie Luises nach Bristol folgt. Deren Familie erweist sich als erzkonservativ und als Besitzer einer Plantage in Jamaika, als Sklavenhalter. Eine dieser Sklavinnen ist die junge Schwarze Sadie, deren erotische Ausstrahlung Natalja fasziniert. Als sie ein Porträt von Sadie malt, kommt es zu einem Skandal. Denn die Gesellschaft, in der Standesdünkel und Rassismus vorherrschen, lassen weder eine Beziehung zwischen den Gesellschaftsschichten noch eine zwischen Frauen zu.
Meine Meinung:
Tereza Vanek ist es sehr gut gelungen, die Atmosphäre dieser Tage einzufangen. Auf der einen Seite die erzkonservative Oberschicht, vertreten durch Marie Luise und ihre Familie und andererseits die vorrevolutionäre Natalja sowie der Schwarzen Sadie. Gleichzeitig beschäftigt sich die Autorin mit gleichgeschlechtlicher Liebe zwischen Frauen, die bekannt, aber verlogen verschwiegen wird. Im Gegensatz dazu werden männliche Homosexuelle als Sodomiten verfolgt und bestraft. Ein weiteres interessant verpacktes Thema ist die Sklaverei auf den Plantagen und jene in Europa, nämlich die in Form von Schuldsklaven und Leibeigenschaft. Das wird häufig und gerne vernachlässigt.
Der Roman selbst wird vorrangig aus der Sicht von Natalja und jener von Sadies jüngerem Bruder erzählt. So erhalten wir Einblick in unterschiedliche Leben. Vaneks Schreibstil ist fesselnd, weshalb man in das ausgehende 18. Jahrhindert eintauchen kann und das eine oder andere vielleicht noch unbekannte historische Detail erfahren kann.
Die Charaktere sind, wie bei Tereza Vanek üblich, vielschichtig angelegt und dürfen ihre Macken und Befindlichkeiten durchaus ausleben.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser ungewöhnlichen Liebe zwischen der russischen Grafentochter und der schwarzen Sklavin, die fesselnd und sprachlich auf hohem Niveau erzählt wird, 5 Sterne.






















