Thekla Kraußeneck

 3.6 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Cronos Cube.

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Cronos Cube

Cronos Cube

 (9)
Erschienen am 24.06.2019

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Rezension zu "Cronos Cube" von Thekla Kraußeneck

Vision eines völligen Überwachungsstaates
Gweevor 4 Monaten

Bücher über Computerspiele bzw. Virtual Realitys gibt es ja mittlerweile wie Sand am Meer. Bekannt aus Romanen wie Ready Player One, Erebos oder den Minecraft-Büchern, aktuell wird die Thematik wieder vermehrt aufgegriffen und auch Thekla Kraußeneck bedient sich dieses Motivs. Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich ein Faible für derartige Literatur habe. Bisher habe ich kein Buch über Computerspiele gelesen, dass mich nicht begeistern konnte. Tja, aber wie sieht es nun mit Cronos Cube aus? Kann sich der Roman meinen bisherigen Erfahrungen anschließen – oder war es eine glatte Enttäuschung?

Und da beginnt das Wechselbad meiner Gefühle. Ich bin mit sehr hohen Erwartungen an das Buch herangegangen und das liegt allein schon an der Aufmachung. Allein die Informationen auf dem Umschlag sind liebevoll und ausgeklügelt, aber auch die Zeichnungen im inneren des Umschlags machen Lust auf mehr. Der Roman fängt auch interessant an. Es wird zwar ein bisschen der Handlung vorausgegriffen, aber das macht gar nichts, gehört es doch gleichzeitig zur Spannungserzeugung dazu. Der Leser weiß also quasi, dass es eine Bombe gibt, metaphorisch gesprochen. Zu Beginn lernt man vor allem Zack ein bisschen näher kennen, aber auch von Lachlan bekommt man durch die Augen seines besten Freundes einen guten Einblick in seinen Charakter. Leider kippt die Spannung aber schnell in die falsche Richtung, da Zack und Lachlan vorausahnen, was passieren wird. Das wäre gar nicht so schlimm, wenn sich das Prozedere nicht über die Hälfte des Romans hinwegziehen würde. Dementsprechend wenig Zeit kommt auch dem Computerspiel zugute, in das Zack sich später wagen muss. Und das ist wirklich schade, denn mir persönlich hat dieser Teil mit Abstand am besten gefallen. Die Autorin hat sich ein ausgeklügeltes Charaktermodell für die Figurenerschaffung innerhalb der Spielwelt ausgedacht. Grundsätzlich werden die Handlungsstränge auch interessant verknüpft, aber es bleibt ein Gefühl von Unvollständigkeit. Zwar fügt sich alles halbwegs plausibel, aber oftmals wirkt es mehr, als wären die beiden Protagonisten nur passive Teilnehmer an ihrer eigenen Geschichte. Man kann über das Ende sagen, was man will, – es bietet definitiv Zündstoff für Diskussionen – aber der Schwerpunkt des Romans war für mich einfach falsch gesetzt. Das ist selbstverständlich Geschmackssache, aber meine Erwartungen waren einfach völlig anders gepolt. Letztendlich ist der Roman sehr skurril, was durchaus auch sympathisch ist, und hat eine zum Nachdenken anregende Geschichte, aber es bügelt vor allem die erste Hälfte nicht aus, die viel zu ausschweifend geartet ist.

Zack und Lachlan sind leider auch zwei Charaktere, die nur wenig Identifikationspotenzial bieten. Obwohl sie einen mehr als individuellen Charakter haben, bleiben sie distanziert und es kommt wenig Sympathie für die beiden auf. Man hat fast das Gefühl, die beiden sollen so wirken. Dies hat das Lesevergnügen allerdings zu einer Strapaze gemacht. Leider sind auch die anderen Charaktere nicht besser. Alle haben so einen gewissen Hauch des Unnormalen, als wären sie nicht echt. Es passt zwar zum Roman, aber dadurch fühlt sich jede Interaktion zwischen den Charakteren falsch an. Als müsse die Autorin die Besonderheit jeder einzelnen Figur betonen.

Und apropos betonen: Einfach jede Gegebenheit wird immer wieder herausgekehrt und zerkaut. Ja, das hängt damit zusammen, dass Zack die meiste Zeit Perspektivträger ist und leider keine große Leuchte, aber dennoch ist es auch ein nerviges Merkmal des Buches. Ansonsten lässt es sich aber recht flüssig lesen, wenn man einmal davon absieht, dass es sich anfangs echt lange hinzieht.

Also, dieser Roman ist echt mal etwas anderes und obwohl das jetzt vielleicht so anmutet, nicht ausschließlich auf negative Art. Politik und Computerspiel werden hier auf interessante Art in Kontext gebracht und grundsätzlich ist das ganze Handlungsgerüst durchaus unterhaltend. Ich selbst habe aber trotzdem immer auf mehr gehofft, war dann im Computerspiel-Teil zufrieden, nur um danach wieder zu meiner enttäuschten Haltung zurückzukehren. Und das hat nichts damit zu tun, dass ich mir mehr von dem Spiel erwartet habe, sondern dass sich die Handlung gerade zum Ende hin banalisiert. Letztendlich war das Buch für mich gleichzeitig eine Enttäuschung meiner zugegeben hohen Erwartungen, aber auch interessant und ein kleiner Einblick in ein wichtiges Thema.

Fazit:
Cronos Cube zeigt die Zukunftsvision eines Überwachungsstaates. Sehr kreativ und skurril erzählt die Autorin die Geschichte von Zack und Lachlan, die der Leser schnell näher kennenlernt. Auch die Handlung ist präzise und erfrischend, aber liest sich leider sehr zäh und streift vieles nur am Rande.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 3/5
Schreibstil: 4/5

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O

Rezension zu "Cronos Cube" von Thekla Kraußeneck

Rollenspiel und Entführungen
OffenSchreibenvor 8 Monaten

Die Geschichte wird in der dritten Person von Zack und Lachlan erzählt. Es ist gut zwischen den beiden aufgeteilt und man bekommt tiefe Einblicke in beide Charaktere. Was mich persönlich gestört hat, ist der Fakt, dass die Erzähler auch mitten in einem Kapitel gewechselt wurden. Man merkt es nicht sofort und ist erst einmal verwirrt. Denn die Stimmen der Beiden haben zwar ihre Eigenheit, was aber in der dritten Person auf den ersten Blick nur begrenzt heraus kommt. Man hat es versucht anzukündigen, in dem es eine Leerzeile gab. Allerdings am Ende der Seite. Also nicht offensichtlich und auch nur nach mehrmaligen Hinsehen zu bemerken.

Der Schreibstil ist ausschweifend. Ich hatte öfter das Problem, dass es sich anfühlte, als würde ich nicht von der Stelle kommen. Ein bisschen als würde man mit einem Fuß in einem Sumpf feststecken und der andere wolle schon weiter. Schuld daran sind vielleicht die langen und teilweise ausufernden Kapitel. Ab und an stolperte ich beim Lesen. Einige Worte wirkten auf mich fehl am Platz. Zu schick für die Charaktere. Es waren einfach nur einzelne Worte, die Out-Of-Charakter waren.

Ab und an passiert es auch, dass man dieselbe Information zweimal bekommt. Auf die gleiche Weise, was einen aus der Geschichte zieht.

Der Klappentext verspricht ein episches Abenteuer in einer virtuellen Welt, während die echte um den Prota herum zerfällt. Was stimmt. Zum Teil. Der Klappentext hat mich gehypt. Ich habe mich so unglaublich auf diese Geschichte gefreut. Vielleicht fühlt sich genau deswegen dieser Roman für mich wie ein dickes „fast“ an.

Das Buch heißt Cronos Cube und doch ist die eigentliche Welt in Cronos nur fast extrem wichtig. Ich wurde in Cronos eingeführt. Die Welt wird super beschrieben. Die Klassen sind toll. Als Rollenspielerin fühlte ich mich zu Hause. Auch, wenn Zack und Lachlan nicht zum Spielen da sind, habe ich einiges vom Gameplay gesehen. Und wie cool ist bitte die Szene, in der die Beiden ihre Klasse aufgedrückt bekommen? Wie toll die Kokonstadt und die Monster und einfach alles in Cronos. Trotz ausufernden Schreibstil waren das die tollsten Szenen im ganzen Buch für mich. Und dann? Dann ist es ganz plötzlich vorbei mit Cronos. Es ist nur ein Schauplatz, an dem eine Software gesucht wird. Man hätte Cronos auch durch sagen wir einmal Berlin ersetzen können. Das Spiel und sein System sind an sich nicht wirklich wichtig für die Geschichte. Gerade so als hätte die Autorin nur einen coolen Ort für ihre Schnitzeljagd gesucht. Ein dickes „fast“ eben. Es ist toll und kreativ und für einen Moment fragte ich mich, welches wohl meine Klasse wäre. Und genau in diesem Moment puff weg. Nicht mehr wichtig. Hat für den Moment, in dem es gehalten hat aber dennoch Riesenspaß gemacht.

Die Beziehung von Zack und Lachlan ist toll beschrieben. Ich mochte die Darstellung ihrer Freundschaft sehr. Zack steht bei seinem Kumpel unter dem Pantoffel. Der Grund dafür ist so klasse geschildert, dass sich dieser Umstand total natürlich anfühlt. Und ich habe Lachlan auch sein Geheimnis abgekauft. Die Charaktere an sich sind rund und super umgesetzt.

Zack würde gern auf eine Schule für Sicherheitspersonal gehen. Das steht nicht nur zwischen den Beiden, sondern ist auch ein großer Plotpunkt. Was ich super finde. Zacks Motivation ist so allgegenwärtig und greifbar. Großes Lob dafür. Auch sein Agentenspiel, wo er Leute in Schubladen steckt, passte perfekt.

„Er schloss die Schublade mit Penner mit Sonnenbrille und fuhr damit fort die übrigen Schubladen zu prüfen.“ -Seite 32

Lachlan hingegen. Ich konnte seine Motivation sehen. Sie war da und brannte, wie ein Leuchtfeuer. Aber warum, er will, was er will, keine Ahnung. Da fehlt mir ein wenig Hintergrund. Warum sollte ausgerechnet er so sehr an einer Rebellion hängen? Er der sein Leben lang einen goldenen Löffel im Mund hatte, durch das System, das er zu stürzen sucht? Man hätte hier einen tollen Bogen zu seinem Vater spannen können. Allerdings wird gesagt, dass die Beiden nicht miteinander reden.

„Die klären keine Verbrechen auf, Zack. Die sind nur hier, um uns daran zu erinnern, dass wir besser nicht aus der Reihe tanzen sollten.“ -Seite 44

Und dann möchte ich noch unbedingt Lachlans Mutter erwähnen. Sie ist so fantatisch umgesetzt, dass ich das Gefühl hatte, sie würde mir teilweise gegenüberstehen. Sie hatte für mich diesen bestimmten Grand-Dame-Charme. Keiner tritt ihr auf die Füße und wenn doch bereut er es. Aber er bereut es höflich.

Der Entführer Emil hingegen wirkt auf mich komisch. Er ist ziemlich inkonsistent in seinem Verhalten. Auch, wenn versucht wird das durch seine Vergangenheit zu erklären, kann ich es doch nicht wirklich abkaufen. Es ist wieder so ein „fast“ Moment.

Die Welt wird am Anfang gut in Szene gesetzt, dümpelt dann aber bis zum Ende vor sich hin. Sie blitzt ab und an einmal auf, wird aber hauptsächlich durch den Plot überschattet. Sie ist die meiste Zeit einfach da.

Und dann ist da noch der Fakt, dass die Beiden vollkommen gegen den Cronos Cube sind. Keiner von ihnen hat je gespielt. Was mir zwar ermöglicht, alles von Anfang an mitzuerleben, aber auch irgendwie fehl am Platze wirkt. Cronos Cube scheint in dieser Welt überall zu sein und doch ist nicht einer von beiden mal neugierig geworden. Keiner von ihnen hat sich mal gedacht „Mensch, so viele Menschen spielen CC, was hat es damit denn auf sich?“. Vielleicht haben sie die Phase „neugieriger Teenie“ auch einfach übersprungen und waren immun gegen jede Form von „Mitläufer“.

„Nur Loser spielen Cronos. Leute, die im Leben nichts mehr zu erreichen haben.“ -Rückseite

Noch dazu führt CC ein Schattendasein im ersten Teil des Buches. Das Spiel ist zwar da, aber da die Protas sich keinen Deut dafür interessieren, bekommt der Leser auch nicht viel zu wissen. Außer: Es ist ein Spiel und manche sind süchtig danach.

Die Technik hinter dem CC ist anschaulich. Wie empfindet es der Spieler und warum erfindet er so, ist so toll umgesetzt, dass ich mir vorgestellt habe, wie absolut cool es wäre, wenn es tatsächlich ein Spiel gäbe, dass das kann.

Die Jagd nach der Software ist ebenfalls super geschrieben, auch warum es so schwer ist sie zu finden. Die Idee dahinter ist einfach nur kreativ und umwerfend. Allerdings etwas schade, dass auch das viel zu schnell vorbei war.

Und dann haben wir da noch die richtige Welt im Jahre 2030. Immer wieder kommt Terrorismus, Rebellion und Überwachung zur Sprache. Große Themen. Es werden auch große Reden über selbige geführt. Das alles zwar gut nachvollziehbar, aber auch nicht so ganz authentisch.

Jetzt habe ich nur noch etwas über das Ende zu sagen. Es ist ein Ende, dass ich so schon öfter las und jedes mal fand ich es langweilig. Nachdem Zack und Lachlan ihren Showdown hatten, sind noch viele Fragen offen. Was also tun? Genau, man setzt jemanden hin der alles weiß und es erzählt. Lange. Ich mag es eher, wenn ein Ende natürlich alle Fragen klärt und die richtigen offenlässt. So ein Ende fühlt sich ein bisschen nach Fange an. Der Leser ist schon ein Stück vorausgelaufen und die Geschichte versucht aufzuholen, weil sie es in diesem Moment bemerkt.

Fazit:

Cronos Cube war für mich eine Achterbahnfahrt. Es war alles dabei, aber nicht viel Neues. Ich war begeistert, frustriert und habe mich gefragt warum. Das alles hört sich vielleicht an, als hätte ich das Buch gehasst, aber ich hatte meinen Spaß. Die Idee ist super. Es hakelt eben nur an der ein oder anderen Stelle. Es ist ein Debütroman mit Schwächen, aber auch viel Potenzial.

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E

Rezension zu "Cronos Cube" von Thekla Kraußeneck

Gelungener SF/Fantasy-Hybrid!
eMSigvor 10 Monaten


Thekla Kraußeneck nimmt in ihrem Debut Elemente aus Science FIction und Fantasy und verwebt sie zu einer spannenden und unterhaltsamen Geschichte. Wer beim Lesen anfangs an Tad Williams' Otherland-Zyklus denken muss, hat nicht ganz unrecht, auch ein Hauch Matrix umweht das Ganze. Thekla Kraußeneck geht diesen Vergleichen aber geschickt aus dem Weg. Zum einen entspinnt sie einen ganz anderen Erzählfaden, zum anderen lässt sie sehr glaubwürdige Charaktere das Geschehen erleben, die alles andere als schablonenhaft wirken. Zudem ist die Geschichte rasant und schnörkellos erzählt. Ich bin in wenigen Tagen gebannt durch das BUch geflogen.

Ich hätte zwar gerne noch mehr über die Cronos-Welt, seine unterschiedlichen Teile und seine Bewohner*innen erfahren. Aber das spricht nicht gegen das Buch. Ganz im Gegenteil, schließlich bin ich schon sehr gespannt auf die Fortsetzung(en)!

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