Theodor Buhl Winnetou August

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Inhaltsangabe zu „Winnetou August“ von Theodor Buhl

Wie Erinnerungen entstehen. Rudi Rachfahl erinnert sich an seine Kindheit: an die Flucht vor der Roten Armee, an das brennende Dresden, den Hunger und an das Mädchen, das direkt neben ihm vergewaltigt wurde. Vor allem jedoch erinnert er sich an seinen Vater August, dessen steifer Arm und Hang zum Alkohol noch aus dem Ersten Weltkrieg herrühren. August rettet seine Familie clever durch eine Welt, in der Tod und Gewalt alltäglich sind. Neben seinem Vater lässt Rudi nur einen anderen Helden gelten: Karl May, dessen Geschichten für ihn zum Lebenselixier werden. «Das erstaunlichste Debüt des Jahres!» (Felicitas von Lovenberg, SWR - «Literatur im Foyer») «‹Winnetou August› ist ein Roman, der spät, dafür mit umso größerem Nachdruck eine Lücke in der deutschen Nachkriegsliteratur schließt.» (Tagesspiegel)

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  • Rezension zu "Winnetou August" von Theodor Buhl

    Winnetou August

    Uthred

    09. February 2013 um 20:35

    Packende Geschichte die einen plastischen Eindruck des Zeitgefühls vermittelt. Ohne Klischees zu bedienen, anzuklagen oder sentimental zu sein. Trotzdem spannend und mitreissend.

  • Rezension zu "Winnetou August" von Theodor Buhl

    Winnetou August

    Gospelsinger

    28. September 2010 um 14:22

    Es gibt Dinge, die sollte ein Kind nicht zu sehen bekommen. Tote, die in Zeitungspapier gewickelt mit der Straßenbahn zum Friedhof transportiert werden. Die Gruppenvergewaltigung eines 14jährigen Mädchens. Am Tisch festgebundene gefolterte Frauen. Tote Babys, die am Straßenrand abgelegt werden. Der Zustand der Toten nach der Zerstörung Dresdens. Die Aufzählung ließe sich endlos fortsetzen. Was im Kriegsalltag zu sehen war, ist mehr, als ein Kind verkraften kann. Kein Wunder, dass sich die Gefühle im Laufe der Zeit abstumpften. „Willy schien das wenig auszumachen, in Dresden hatte er noch nachts geheult.“ Trost gab es nicht, denn um die Bedürfnisse der Kinder konnte sich kaum gekümmert werden. Zu sehr war der Alltag ausgefüllt mit dem Versuch, zu überleben. Dieser Alltag mit Krieg und Vertreibung, mit all den Schrecken für die Zivilbevölkerung und vor allem für die Kinder, wird im Buch aus der Sicht des achtjährigen Jungen Rudi erzählt, der in Schlesien aufwächst und mit seiner Familie zunächst nach Dresden flieht. Dort kommt er zweieinhalb Stunden vor der Zerstörung der Stadt an und hat zur Zeit der Angriffe glücklicherweise ein nahegelegenes Dorf erreicht. Aber die Folgen der Zerstörungen sind für ihn und seinen Bruder direkt sicht- und erfahrbar. Wieder flieht die Familie. Für kurze Zeit kann eine Art Normalität einkehren. Der Vater unterrichtet die Jungen, die seit Monaten keinen Schulunterricht mehr hatten, auf seine Art: Die Bibliothek eines verlassenen Hauses wird in Besitz genommen. Mitten im Krieg besteht der Vater auf dem Wert der Bildung: „Wer nicht nachschlägt, bleibt beschränkt! Wortschatz und Wissen ständig erweitern!“. Eine bessere Grundlage kann man Kindern nicht geben. Die Jungen lesen aber nicht nur die vom Vater ausgesuchten Bücher, sondern sie wühlen sich auch durch die Karl-May-Gesamtausgabe. Hier finden sie Ablenkung und Trost. Das Lesen wird zum Mittel, ihre geistige Gesundheit zu bewahren und den Kriegsalltag zumindest teilweise in ein großes Abenteuer umzudeuten. Schließlich wird die Familie endgültig aus ihrer Heimat vertrieben. Das Buch endet mit der Ankunft im Westen. Ich hoffe auf eine Fortsetzung, denn ich wüsste gern, wie es mit den Protagonisten, die mir ans Herz gewachsen sind, weitergeht. Denn dieses Buch hat mich tief beeindruckt. Die Tiefe der Charaktere, die Sprachgewalt, das Fehlen von Schuldzuweisungen und Groll, die im Buch fühlbare Menschlichkeit des Autors. Schade, dass im Geschichtsunterricht keine Lektüre vorgesehen ist. Dieses Buch wäre ideal dafür.

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