Effi Briest

von Theodor Fontane 
3,4 Sterne bei1,618 Bewertungen
Effi Briest
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Positiv (818):
E

Ein zeitloser Klassiker: Das Schicksal von Effi Briest hat mich sehr berührt, ihre Einsamkeit, die sie todkrank macht.

Kritisch (378):
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Meine literarische Epoche ist es nicht Sehr detaillierte umgebungsbeschreibung halt...

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Inhaltsangabe zu "Effi Briest"

Fontanes berühmtester und populärster Roman.

Die siebzehnjährige Effi Briest heiratet den einundzwanzig Jahre älteren Baron von Innstetten. Zum Ministerialrat befördert, zieht er mit seiner jungen Frau und dem Kind nach Berlin. Nach sieben Jahren löst der Zufall ein Geschehen von zerstörerischer Unerbittlichkeit aus. Ein Meisterwerk von unvergänglicher Wirkung.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746634869
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:345 Seiten
Verlag:Aufbau TB
Erscheinungsdatum:09.11.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 19.01.2009 bei Hörbuch Hamburg erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    EmmaSeeschwalbevor 15 Tagen
    Kurzmeinung: Ein zeitloser Klassiker: Das Schicksal von Effi Briest hat mich sehr berührt, ihre Einsamkeit, die sie todkrank macht.
    Ein zeitloser Spiegel, den Fontane der Gesellschaft vorhält

    Ich habe das Buch schon einmal mit 16 gelesen, damals ist es mir nicht lange im Gedächtnis geblieben. 

    Die Lektüre 8 Jahre später hat mich sehr berührt, ja sogar etwas erschüttert. Die Figur der Effi Briest ist einerseits verspielt und kindlich, aber zugleich nachdenklich und etwas melancholisch. Sie hat kaum eine Vorstellung von der Ehe, auf die sie sich mit 17 einlässt bzw. einlassen muss. Theodor Fontane erzählt dann vom Gefühl des Heimwehs, der Einsamkeit und der Furcht. Hohen-Cremmen wird zum Sehnsuchtsort von Effi, der in ihrer Erinnerung noch idyllischer wird. Dieses Gefühl, das um so stärker wird, wenn man unglücklich ist, transportiert dieser Roman so eindringlich. Mich hat vor allem Fontanes Bild der gesellschaftlichen Konventionen, die das individuelle Glück überschatten und erdrücken, beeindruckt, das Schicksal einer Frau, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird. Dieser Roman hat mich sehr nachdenklich gestimmt: Gesellschaftliche Zwänge sind nichts anderes als menschengemachte Konstrukte, nichts, was tatsächlich greifbar ist und dennoch so real und wirkungsmächtig. Gesellschaft bedeutet hier Unfreiheit, wenn das kein zeitloser Diskurs ist...

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    Viv29s avatar
    Viv29vor 4 Monaten
    Fein beobachtet, wundervoll geschildert

    Effi Briest lese ich immer wieder gerne. Theodor Fontane hatte einen ungemein angenehmen Schreibstil: die genauen Beobachtungen, die lebendigen Charaktere und der feine Humor. Die Geschichte fließt in seinen Büchern immer recht gemächlich dahin, Effi Briest hat sogar noch ein verhältnismäßig flottes Tempo (für Fontane-Verhältnisse!). Es geht auch vorwiegend um die Schilderungen der Gesellschaft, der Menschen, ihrer Intentionen und Gefühle. Hier ist dies eingebettet in eine zum Ende hin durchaus dramatische Geschichte, die aber doch sehr ruhig erzählt wird, was sicher nicht jedermanns Sache ist.

    Effi Briest liest sich angenehm, man ist gleich mitten in dieser preußisch-kaiserlichen Welt, die Fontane immer so exzellent zum Leben erwecken kann. Die Schilderungen der jeweiligen Orte sind detailverliebt, unterbrechen für mich aber den Erzählfluß nie. Zwischendurch gibt es einige für meinen Geschmack zu lange Exkurse zu politischen oä Themen, dies aber zum Glück weniger intensiv als zB bei Fontanes "Irrungen, Wirrungen". Die Charaktere sind auf typische Fontane-Art hervorragend geschildert.

    Eine weitere Stärke Fontanes ist, daß er einige Dinge bewußt im Unklaren läßt (so zB die Ursache des Spuks) und dem Leser somit auch über das Lesen hinaus Gedankenstoff mitgibt. So gibt es zu dem Buch auch zahlreiche Diskussionen über den Spuk und natürlich die Schuldfrage(n), wenn es um Ehe, Ehebruch und den Umgang damit geht. Fontane stellt, ohne zu urteilen, die Motivationen und Gedanken mehrerer Parteien dar. Genau das ist die Stärke dieses Buches und sicher ein Grund dafür, daß es sein bekanntestes Werk ist. (Es ist auch etwas, was Hermine Huntgeburth in ihrer ausgesprochen einseitigen, von der Vorlage übel abweichenden Buchverfilmung von 2009 entweder nicht erkannt oder bewußt mißachtet hat - schade, daß hier der im Buch durchaus vielschichtige Innstetten platt zum Bösewicht und Effi eindimensional zum Opfer gemacht wurde.).

    Diese vielseitigen Charaktere machen das Buch echt. Effi ist keineswegs das unschuldige übervorteilte Mädchen, auch wenn man Mitleid mit ihr empfindet. Sie ist egozentrisch, manipulativ und voller Dünkel. Andererseits aber eben auch eine Frau, die viel zu früh von ihrer Mutter in eine unpassende Ehe gedrängt und von den Gesellschaftsnormen zerbrochen wurde. Innstetten ist nicht der rücksichts- und gefühllose Mistkerl, der seine Frau schlecht behandelt, auch wenn dies gerne so gesehen wird. Fontane ermöglicht es dem Leser, sich ein genaueres Bild zu machen, wenn man richtig liest und bietet eben keine einfachen "gut-und-böse"-Lösungen an.

    Die Kritik an der Gesellschaft ist hervorragend gestaltet - sie ist nie direkt, zeigt sich aber unmittelbar in den Reden und Aktionen der Charaktere, bis hin zu Nebenfiguren. Das ganze Buch ist ein großes Gesellschaftspanorama mit wundervollen Details. Es wird gut aufgezeigt, wie schwer es war, sich gegen diese Normen aufzulehnen, daß es aber doch durchaus möglich war. Genau diese Vielschichtigkeit macht das Buch so interessant und lesenswert.

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    Type-Ovor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Klassiker
    Ein weites Feld

    Als Neurppiner kommt natürlich an Fontane nicht vorbei. Habs in der Schule gelesen. War nicht meins. Die Wanderungen durch die Mark Brandenburg sind deutlich besser.

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    V
    valentin204vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Die Handlung ist äußerst langweilig. Trotzdem steckt auf jeder Seite diese Buches soviel, dass man alles zu Tode interpretieren könnte...
    Persönliche Identität und die gesellschaftliche Rolle konkurrieren...

    Kurz zum Inhalt des Romans: Effi Briest, 17 Jahre und Tochter eines wohlhabenden Elternhauses, heiratet - durch Ihre Eltern veranlasst - den gut 20 Jahre älteren Baron von Innstetten. Effi, verwöhnt, abenteuerlustig, kindlich, wird von einen auf den anderen Tag mit einer Welt konfrontiert, in der sie gesellschaftlichen Standards entsprechen und ihres Ehemanns Repräsentationsobjekt sein muss. Eine Ehe, die anfänglich Hoffnung macht, aber später offenkundig zum Scheitern verurteilt ist.


    Fontanes Roman beruht auf einer wahren Geschichte, die nur geringfügig verändert wurde, um die Privatsphäre der betreffenden Personen zu wahren. Die reine Handlung ist - ich muss es gestehen - eine äußerst anstrengende Angelegenheit, da langatmig und wenig ereignisreich. Man beginnt recht sich recht schnell mit jeder Seite zu "quälen", soweit dies beim Lesen möglich ist. 
    Nichtsdestotrotz habe ich dem Roman in seiner Bewertung 4 von 5 möglichen Sternen gegeben und das wegen seiner unglaublichen Tiefe. Fontane baut auf jeder Seite, man mag sagen in jeder Zeile, soviel Symbolik, Leitmotive, Vorausdeutungen, stilistische Mittel ein, dass man sich zu Tode interpretieren könnte, wollte man alles analysieren, was in diesem Roman steckt. 
    Sprachlich ebenfalls unglaublich toll und vor allem geschickt geschrieben. Es werden gezielt Dialoge zum Wiedergeben von Geschehnissen gewählt, um gleichzeitig die gesellschaftliche Denkweise darüber deutlich zu machen und in vielen Fällen zu kritisieren.
    Die Erzählerfigur ist nicht klar zu deuten, sie schwankt zwischen auktorialen und personalen Elementen hin und her. Die starke Zeitraffung deutet auf auktoriale, persönliche Beschreibungen auf personale Erzählweise hin. Da der Roman aber zu etwa 60% in Dialogform geschrieben ist und der Erzähler sich nicht in den Vordergrund drängt, ist dies wenig auffällig.
    Ebenfalls äußerst gut sind die Beschreibungen der Umgebung, die bereits im ersten Satz zu Tage treten. Unglaublich detailverliebt und präzise wird dort die Gegebenheit in Effis Elternhaus beschrieben.


    Im Verlaufe des Romans wird schnell deutlich, wo das Problem für Effi liegt. Sie liebt Natürlichkeit und kann nichts mit dem starren Gesellschaftskonstrukt, in welches sie nun zu passen hat, anfangen. Sie beginnt irgendwann ihr Leben als eine Rolle in einem Theater zu betrachten und wird unglücklich, da auch ihre Ehe zu Innstetten größtenteils auf gesellschaftlichem Zwang, ihren Eltern und Angst beruht. Dieser Konflikt spitzt sich zu, Innstetten findet Beweise, dass Effi fremdgegangen ist und trennt sich. Effi wird von ihrem Elternhaus, das sie über die ganzen Jahre hinweg sehr vermisst, verstoßen, ihre Tochter wird ihr weggenommen. 
    Auch wenn sie am Ende nochmal den Weg in ihr elterliches Zuhause findet, ist sie verzweifelt und einsam und "siecht" letztlich dahin.


    In diesem Roman Theodor Fontanes sucht man Inhalt auf Ebene der Handlung vergebens, findet sie aber doppelt auf sprachlicher Ebene und vor allem zwischen den Zeilen. 
    Es handelt sich hierbei um keinen Roman, den man liest oder lesen sollte, falls es um Unterhaltung geht. Dies ist anspruchsvolle Literatur für Deutschliebhaber und Germanisten, oder halt für Deutsch-Leistungskurs-Schüler wie mich, die dazu gezwungen werden (aber das weiß man ja vorher :D ).


    Zum Schluss der Anfang: Von Fontane stammt das Zitat, dass im ersten Satz der Kern des Ganzen stecken müsse. Nachdem man den ersten Satz dreimal gelesen hat, bis man am Ende weiß, womit er am Anfang begonnen hat, hält man dies für eine gelungene Beschreibung des Elternhauses. Am Ende vermag man zu sagen, es ist der Kern des Ganzen. Auch dort nicht im Inhalt, sondern in den Symbolen und zwischen den Zeilen.


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    ada86s avatar
    ada86vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Wenn ich solche Sachen lese, bin ich froh in der heutigen Zeit zu leben.
    Arme Effi....

    Wenn ich solche Sachen lese, bin ich froh in der heutigen Zeit zu leben. Allerdings mag ich die Umschreibung der Frauengefühle nicht. Viel zu sehr Ansicht der Männerwelt wie Frauen ticken. 

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    Freyheits avatar
    Freyheitvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Für Wissenschaftler, Abiturienten und Germanisten sicher ein gelungenes Werk. Für die einfache Frau einfach nur langweilig.
    Konnte mich nicht wirklich überzeugen

    Inhalt:

    Effi Briest ist 17 Jahre alt, als die Ehe zwischen ihr und dem Landrat Baron Geert Innstetten von ihren Eltern arrangiert wird. Jung, verspielt und verwöhnt findet sie sich in einer Ehe mit dem 21 Jahre älteren Mann wieder. Kann sie ihm und seinem Stand entsprechend eine gute Ehefrau sein?

    Meine Meinung:

    Es gibt ja diese Listen im Internet von Büchern, die man gelesen haben sollte. Natürlich taucht auf jeder dieser Listen Effi Briest auf. Da ich klassische Literatur liebe, stand es für mich außer Frage, dass ich dieses Buch irgendwann lesen muss!Nun habe ich es gelesen und bin doch etwas enttäuscht. 
    Vom Sprachgebrauch und Stil war es machbar. Auch wenn ich manchmal innehalten musste. Es liest sich nicht so schnell weg, wie ein Schmöker der heutigen Zeit.Die Geschichte an sich hat mich nicht mitgerissen.Innstetten fand ich sehr sympathisch. Er hat sich wirklich Mühe gegeben, seine recht junge Frau glücklich zu machen. Ab und an hat er sie zu Gunsten seiner Karriere hintenangestellt. Für eine Frau meines Alters kein Problem. Für das verwöhnte Mädchen jedoch schon. So kam natürlich Langeweile auf. Und was macht so ein junges Ding dann? Sie hat eine Liebschaft!An Effi kam ich überhaupt nicht heran. Im Gegenteil. Mir ging sie mit ihrer Wankelmütigkeit einfach auf die Nerven. Ich empfand sie als unsicher, ängstlich und nach Aufmerksamkeit haschend.
    Fontane hat sich derart in Nebensächlichkeiten ausgelassen, dass die Hochzeit, die Geburt des Kindes und andere wesentliche Dinge geradezu untergingen. Schade.
    Ich für mein Teil schaffte es bist zur Hälfte und dann begann die Quälerei.Für Wissenschaftler, Abiturienten und Germanisten sicher ein gelungenes Werk. Für die einfache Frau einfach nur langweilig.

    Fazit:

    Klassische Literatur, die sich in die Länge zieht. Als Lehrstoff geeignet, aber als einfache Sommer-/ Winterlektüre ungeeignet.

    Kommentare: 2
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    ErinaSchnabuvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein sprachlich und historisch wertvoller Roman über eine Kind gebliebene Frau, die sich nach nichts mehr sehnt, als Zerstreuung.
    Effi Briest (Reclam-Ausgabe)

    „Effi Briest“ kannte ich bereits als Verfilmung von 2009. Ich mochte die Geschichte sehr gerne. Allgemein bin ich für Ehebruchgeschichten aus dem 18. bis 19. Jahrhundert immer zu haben. Deshalb musste ich auch den Roman lesen. Es musste sowieso mal wieder ein Klassiker sein. Den Roman hatte ich, in Form einer 80er-Reclam-Ausgabe, schon einige Jahre hier liegen. Ich hatte das Buch mal aus der Schule mitgenommen, wo ein Karton mit aussortierten Büchern herumstand. Der Griff hatte sich gelohnt.

    Inhalt
    Effi ist 17 Jahre alt, als der 38-Jährige Baron von Innstetten um ihre Hand anhält. Mehr oder weniger auf Drängen ihrer Eltern heiratet sie ihn und zieht mit ihm in seine Heimat Kessin in Hinterpommern. Bereits als ledige junge Frau war ihre größte Angst die Langeweile und diese ist es auch, warum sie in ihrer neuen Heimat nie richtig glücklich wird. Effi sehnt sich nach ihrer Familie und ihren Jugendfreundinnen, sie fühlt sich alleine und sucht „Zerstreuung“: „Liebe kommt zuerst, aber gleich hinterher kommt Glanz und Ehre, und dann kommt Zerstreuung - ja, Zerstreuung, immer was neues, immer was, dass ich lachen oder weinen muss“. Hinzu kommt, dass sie sich in dem Haus fürchtet. Ihrer Meinung nach spukt es in dem Haus, was ihre Bedienstete auch bestätigt. Einzig ihr Hund Rollo und ein guter Freund ihres Mannes Alonzo Gieshübler können sie ablenken. Mit ihrem Hund unternimmt sie Spaziergänge und der Familienfreund lenkt sie mit kleinen Aufmerksamkeiten ab.

    9 Monate nach der Hochzeit wird Annie geboren. Roswitha, eine Frau, die Effi beim Spaziergang kennen lernt, wird das Kindermädchen und etwa zeitgleich tritt auch der Major von Crampas in Kessin auf, ein gutaussehender Lebemann, der mit Geert Innstetten zur selben Zeit beim Militär war. Er ist selber nicht allzu glücklich verheiratet und umso charmanter zu anderen Frauen, vor allem Effi.
    Es kommt irgendwann zu einer Affäre zwischen Crampas und Effi, was ihr Gewissen plagt. Jedoch schafft sie es nicht von alleine, diese Situation zu beenden.
    Regelrecht dankbar ist sie, als Innstetten verkündet, dass sie nach Berlin umziehen werden, um eine Stelle im Ministerium anzunehmen.

    Einige Jahre später, als Effi auf Kur ist, entdeckt Innstetten Briefe und ihr und Crampas aus der sündigen Zeit. Er reicht die Scheidung ein und fordert Crampas zum Duell auf, wobei er ihn erschießt. Effi wird von ihren Eltern verstoßen, erhält lediglich finanzielle Unterstützung von ihnen und wird von ihrer Tochter Annie getrennt, da diese beim Vater bleibt. Effi wird von Tag zu Tag unglücklicher in ihrer neuen Lebenssitutation, bis es sich scheinbar zum Besseren wendet…

    Meine Meinung
    Ich habe nun fast einen ganzen Monat mit Effi und ihrer Geschichte verbracht und fand mehrere Dinge recht interessant.
    Spannend ist, dass dieser Roman durch und durch preußisch ist. Er stellt preußische Sitten und das Wesen der Preußen dar. Effis Mann Innstetten ist preußisch bis aufs Blut: Er hält sich an Regeln und Prinzipien, ist im Großen und Ganzen ein ernster Mann und verpflichtet sich der Karriere. „Was man empfängt, hat man auch verdient.“
    Auch Fontanes Sprache ist passend dazu preußisch-steif, ein wenig geschwollen. Trotzdem fiel es mir leicht, über die Zeilen zu fliegen.

    „Effi Briest“ war einer der ersten deutschen Gesellschaftsromane und ist meiner Meinung nach ein interessantes Zeugnis einer Zeit, in der Frauen dem Manne untergeordnet waren und in der Prinzipien galten, die heute undenkbar wären. Der Roman „Buddenbrooks“ von Thomas Mann erschien kurz nach „Effi Briest“ und es lassen sich einige Parallelen feststellen: Effi scheint Tony Buddenbrooks literarische Schwester zu sein. Beide sind sie wenig damenhaft, sie lieben es, unterhalten zu werden und sind von Haus aus recht verwöhnt. Sie verlieren sich schnell in Träumereien und erwischen Ehemänner, bei denen sie sich langweilen und/oder unglücklich sind. Der Name „Buddenbrooks“ scheint auch vom Roman „Effi Briest“ inspiriert zu sein, da dort eine Person namens Buddenbrook auftaucht.
    Die Prinzipienreiterei ist eines der größten Motive in diesem Roman, wenn nicht sogar das größte. Man meine, es ginge um Ehebruch, aber viel mehr dient dieser dazu, gesellschaftliche Umstände, in einer tragischen Geschichte verpackt, zu beschreiben. Denn alle möglichen Personen halten sich an Prinzipien und Konventionen, von denen sie eigentlich gar nicht viel halten: Innstetten fordert Crampas zum Duell auf und trennt sich von seiner Frau, um seine Ehre wieder herzustellen. Er weiß jedoch selber, dass dieses Ritual altmodisch ist und er hätte vermeiden können. Auch die Scheidung hätte er sich am liebsten gespart. Effi hätte er verzeihen können, die Affäre ging ihm nicht so nah, wie er anfangs dachte, auch bemerkt er, nach einigen Jahren, dass es ihm nach der Scheidung schlechter geht, als vorher. Trotzdem entscheidet er sich so, um sein Gesicht in der Gesellschaft zu wahren.
    Effis Eltern handeln ähnlich, indem sie sie verstoßen. Effi hat bei ihren Eltern kein zu Hause mehr, weil diese, wie ihr Ehemann, ihr Gesicht in der Gesellschaft wahren wollen.

    Wie der Autor tabubeladene Dinge thematisiert, zeigt, in was für einer Gesellschaft er sich befand, als er seinen Roman schrieb. Vieles in dieser Geschichte wird umschrieben, Dinge geschehen subtil. Explizit wird nur ein Kuss zwischen Effi und Crampas genannt. Die Affäre als solches, die ständigen Treffen, sind während des Großteils des Romans kaum ersichtlich. Ich dachte beim Lesen zuerst, dass Effi und Crampas sich nur geküsst hätten, dass sie deshalb ein schlechtes Gewissen hatte, was vor allem zu dieser Zeit ja durchaus ausreichend war. Erst als Innstetten ihre Briefe fand, wurde mir bewusst, dass Effi eine richtige Affäre gehabt hatte. Ich lebte fast in derselben Unklarheit wie ihr Mann. Selbst Effis Schwangerschaft, die legal durch die Ehe zustande kam, wurde nicht explizit ausgesprochen, sondern poetisch verklärt und dem Leser nicht direkt auf die Nase gebunden.

    Im Sinne der Literaturepoche des Realismus werden Umstände und Ereignisse von Theodor Fontane erzählt, jedoch nicht bewertet. Als Autor tritt er da einen Schritt zurück, er scheint in den Hintergrund getreten zu sein, um den Leser entscheiden zu lassen, was er für (moralisch) richtig oder falsch empfindet. Denn oftmals stößt der Leser auf Situationen, die die moralische Bewertung fordern.

    Dieser Roman hat jedenfalls Lust auf mehr gemacht und ich bin geneigt, weitere Ehebruchklassiker wie „Madame Bovary“ oder „Anna Karenina“ eines Tages zu lesen.

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    hausknechthildes avatar
    hausknechthildevor 2 Jahren
    Ein Klassiker der Weltliteratur, dessen Sprache ich immer noch sehr genieße. Schade, dass die Epoche

    Ein Klassiker der Weltliteratur, dessen Sprache ich immer noch sehr genieße. Schade, dass die Epoche vergangen ist.

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    Tintenklecks98s avatar
    Tintenklecks98vor 2 Jahren
    Wenn die Gesellschaft über Leichen geht

    Ein Gesellschaftsroman aus der Zeit des Realismus', so haben wir es in Deutsch gelernt und so wird es dann wohl sein. Leider hat mir die Geschichte um das Schicksal der jungen Effi wenig bis gar nicht zugesagt. Effi wird jung verheiratet, wird jung Mutter, wird praktisch zur Affäre mit anschließender Scheidung gezwungen und natürlich nimmt es kein gutes Ende mit ihr. Obwohl sie die Hauptfigur spielt, geht sie in diesem Buch unter. Ein sagenhaftes Beispiel dafür, wie man sich damals, insbesondere als Frau, der Gesellschaft unterwerfen musste/sollte. Obwohl ihr Schicksal tragisch ist, konnte es mir kaum mehr als ein Schulterzucken entlocken. Ich fand einfach keinen Draht zu Effi, noch zu irgendeiner anderen Figur. Zusätzlich drehte sich die Handlung ständig im Kreis und wichtige Ereignisse wie Hochzeit oder Schwangerschaft waren in 1-2 Sätzen abgehandelt. Nach ausführlicher Behandlung dieses abiturrelevanten Buches war ich kurz versucht, 3 Sterne zu verteilen, denn es gab viele Erklärungsversuche, weshalb Fontane dieses Buch in dieser Zeit genau so und nicht anders geschrieben hat. Ich habe mich dagegen entschieden, denn mich muss ein Buch nach dem 1. Lesen und nicht nach stundenlanger möglicher Interpretation überzeugen. Der Fairness halber, im Vergleich zu anderen Büchern, bleibt es bei 2 Sternen für diesen schleppenden und doch anstrengenden Roman.

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    black_horses avatar
    black_horsevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Interessanter Klassiker. Erst etwas langatmig, zum Ende hin durchaus ansprechend.
    Durchhalten lohnt

    Ich habe mir dieses Buch als Hörbuch vorgenommen, um eine "Bildungslücke" zu füllen.

    Anfänglich war ich überhaupt nicht begeistert. Ich fand die ganze Beschreibung, wie die blutjunge Effi den viel älteren Baron heiratet, mit ihm an die See zieht, ihren drögen Alltag  und wie sie mit ihrem Umfeld hadert seeeehr langatmig.

    Erst mit dem Umzug nach Berlin kommt endlich ein bisschen Schwung in die Geschichte. Und so habe ich die letzten Hörbuchstunden doch noch genossen.

    Alles in allem ein recht interessantes Gesellschaftsporträt, wobei ich nicht verstehe, wie so etwas als Schulliteratur dienen kann. Ich glaube, als Jugendliche hätte mich das Buch überhaupt nicht angesprochen.

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