Theodor Michael

 4,4 Sterne bei 18 Bewertungen

Lebenslauf

Theodor Michael kommt 1925 in Berlin als viertes und jüngstes Kind des Kolonialmigranten Theophilus Wonja Michael aus Kamerun und seiner deutschen Frau Martha zur Welt. Ein Jahr nach seiner Geburt stirbt die Mutter. Die Halbwaisen wachsen, teils unter erbärmlichen Umständen, bei Pflegeeltern auf. Als 1934 auch der Vater stirbt, werden die Geschwister getrennt. Michael darf nach der Volksschule aufgrund seiner Hautfarbe keine weitere Ausbildung machen und schlägt sich als Page, Portier und Komparse durch, bis er 1943 in einem Arbeitslager interniert wird, wo er auch die Befreiung erlebt. Nach dem Krieg gründete er eine Familie mit einer jungen Schlesierin, war als Dolmetscher und Schauspieler tätig, studierte auf dem zweiten Bildungsweg Volkswirtschaft und entwickelte sich zu einem anerkannten Afrika-Spezialisten. Als solcher wurde er schließlich vom BND angeworben. Nach seiner Pensionierung trat er wieder als Schauspieler auf und engagierte sich in der afro-deutschen Community. 2018 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für sein Engagement als Zeitzeuge ausgezeichnet. Er starb am 19. Oktober 2019 in Köln.   

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Theodor Michael

Cover des Buches Deutsch sein und schwarz dazu (ISBN: 9783423348577)

Deutsch sein und schwarz dazu

(18)
Erschienen am 01.04.2015

Neue Rezensionen zu Theodor Michael

Cover des Buches Deutsch sein und schwarz dazu (ISBN: 9783423348577)
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Rezension zu "Deutsch sein und schwarz dazu" von Theodor Michael

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Ein Must-Read für in Deutschland lebende!

Bitte wendet euch diesen nicht mal 200 Seiten langen Memoiren, denn sie handelt von einem der wenigen Schwarzen Zeitzeugen der deutschen Geschichte. 


Michaels Leben gleicht einer Odyssee... politisch ist da zunächst die Kolonialzeit, dann der Rassismus, der Menschen mit dunkler Hautfarbe, zunehmend aus den Berufen drängte. Weiter geht es mit Völkerschauen, dann dem Nationalsozialismus und dem Leben in einem Fremdenlager, dem Rassismus der Allierten weißen Amerikaner am Ende des Krieges und der Besetzung usw. Schwere bis tödliche Krankheiten zeichnen Theodor Michael von Kindesbeinen an.. Ich mag darin die harten Belastungen durch seine wirigen Lebensumstände erkennen...und ihr?


Wir sollten nicht vergessen, dass unsere Landesgeschichte sich nicht nur durch den den Holocaust bzgl. Jüdinnen und Juden schuldig gemacht hatte. Auch viele andere Menschen hatten in der Vergangenheit kämpfen müssen für einen Platz in dieser Gesellschaft oder verloren ihr Leben. Aus diesem Grund finde ich dieses Buch wert, in die Hand genommen zu werden.


Heute, so Michael, hat unser Land sein Gesicht gewandelt. Positiv blickte er, übrigens 2019 verstorben, in die Zukunft. Nach seiner Biographie die Güte und Treue gegenüber seinem Land zu halten, finde ich sehr stark und auch sehr differenziert. 



Cover des Buches Deutsch sein und schwarz dazu (ISBN: 9783423348577)
Petra54s avatar

Rezension zu "Deutsch sein und schwarz dazu" von Theodor Michael

Petra54
hochinteressante Geschichte über das Leben eines Afro-Deutschen

Das Titelbild und der Aufkleber „Spiegelbestseller“ hätten mich nicht zum Kauf animiert, doch das Buch schenkte mir eine Nachbarin.

Der geschichtsträchtige Anfang las sich für mich schwer, aber bald packte mich die Geschichte eines Jungen, dessen Mutter eine Deutsche war und der Vater aus der ehemals deutschen Kolonie Kamerun stammt. Er galt als Deutscher. Doch jeder sah in ihm wegen seiner dunklen Hautfarbe einen exotischen Fremden, weshalb sie sich im Zirkus im Baströckchen oder bei diversen Filmen als Komparsen zur Schau stellen mussten.

Der Autor jammert nicht über sein wirklich übles Leben, er klagt auch nicht an – er berichtet. Und genau das ging mir sehr nahe. Er hatte anfangs einen deutschen Pass, der ihm aber mit all seinen Rechten in den 30er Jahren abgenommen wurde. Elternlos und getrennt von seinen Geschwistern muss er viele Ungerechtigkeiten erdulden und nahezu lieblos aufwachsen. Keinesfalls nachvollziehen konnte ich seinen Wunsch, ausgerechnet für die Amerikaner zu arbeiten und sogar dorthin auswandern zu wollen, da dort strenge Rassentrennung herrschte. Ich verstand noch weniger, dass er seine fünfköpfige Familie, die sich ohne sein Einkommen notdürftig durchschlug, verließ, um jahrelang zu studieren, statt zu arbeiten und und seine vier Kinder zu ernähren. Meine Sympathie für den Mann verschwand vollständig, als er sich schließlich vom Geheimdienst kaufen ließ.

Trotzdem empfehle ich diese wirklich hochinteressante Geschichte, die ich so noch niemals zuvor hörte.

Cover des Buches Deutsch sein und schwarz dazu (ISBN: 9783423348577)
Catastrophias avatar

Rezension zu "Deutsch sein und schwarz dazu" von Theodor Michael

Catastrophia
Eine wichtige Perspektive auf ein deutsches Jahrhundert

Deutschland? Ja, wir hatten ein oder zwei Kolonien, aber die Briten und Belgier waren doch viel schlimmer!

So in etwa kann ich das, was ich in der Schule über unsere Kolonialzeit gelernt habe, zusammenfassen. Ignoriert wird dabei nicht nur, dass wir immerhin die zweifelhafte Ehre haben, den ersten Genozid in einer Kolonie verübt zu haben, sondern dass auch die relativ kurze, dafür umso brutalere deutsche Kolonialzeit dazu führte, dass Schwarze Menschen bereits im 19. Jahrhundert in Deutschland lebten. In einer Zeit, in der sie ihr Geld als Schausteller*innen damit verdienten, auf Völkerschauen Tieren gleich ausgestellt und vom deutschen Bürgertum begafft zu werden, weil sie sonst kaum Berufe ergreifen konnten oder durften. Auch im Dritten Reich wurden sie verfolgt, vernichtet, viele Lebensgeschichten sind bis heute ungeklärt. Im aufstrebenden Deutschland war der Rassismus nicht plötzlich weg, und bis heute prägt er das Leben vieler Schwarzer Menschen, die bereits seit mehreren Generationen hierzulande leben.

Theodor Wonja Michael ist einer der eindrucksvollste Zeitzeug*innen des vergangenen Jahrhunderts, er starb 2019 im Alter von 94 Jahren. Sein Vater stammte aus der deutschen Kolonie Kamerun. In dieser Biografie schildert Michael in kurzen Kapiteln vom Leben als Schwarzer Mann in Deutschland, reflektiert, resümiert, ordnet ein. Von seiner Kindheit als Schausteller in Völkerschauen über seine Arbeit in Arbeitslagern der Nazis, den Versuch, danach Fuß zu fassen. Damit liefert er nicht nur eine leider zu selten gehörte Perspektive auf die jüngere deutsche Geschichte, sondern ermöglicht auch, rassistische Kontinuitäten in unserer Gegenwart zu verstehen. Ich habe das Buch mit sehr viel Bewunderung gelesen und kann es nur allen ans Herz legen.


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