Theodor Storm Ein Doppelgänger

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Inhaltsangabe zu „Ein Doppelgänger“ von Theodor Storm

Nach sechsjähriger Haft wird John Hansen, der als junger Mann mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, entlassen und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Er muss feststellen, dass ihn die Verfehlung, die er in seiner Jugend begangen hat, weiterhin verfolgt und er von seinen Mitmenschen mit Misstrauen und Ablehnung betrachtet wird. Sein ganzes Glück ist seine Familie, und John stürzt in tiefe Verzweiflung, als er im Verlauf eines Ehestreits ungewollt den Tod seiner Frau verursacht. Aufgrund der Ablehnung seiner Mitmenschen findet er keine Arbeit und sieht sich schließlich gezwungen, zu stehlen, um seine Tochter ernähren zu können. Im Verlauf einer nächtlichen Diebestour stürzt er in einen Brunnen, in dem er umkommt. In der 1887 erschienenen Novelle, die starke sozialkritische Züge trägt, thematisiert Storm u. a. die Frage nach der Resozialisierung von Strafgefangenen und dem Recht auf Arbeit.

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  • Rezension zu "Ein Doppelgänger" von Theodor Storm

    Ein Doppelgänger
    Heike110566

    Heike110566

    16. August 2010 um 13:28

    Die Novelle erschien 1886 erstmals als Fortsetzungsgeschichte und 1887 in überarbeiteter Form als eigenständige Gesamtveröffentlichung. Theodor Storm )1817-1888) zeigt hier, dass er ein durchaus sozialkritischer Zeitgenosse war. Bevor ich aber darauf näher eingehe, ein kurzer Einblick in die Geschichte selber: Ein Advokat aus einer norddeutschen Kleinstadt ist auf Urlaub in südlicheren Gefilden. In einem Gasthaus begegnet er einem Oberförster. Beide kommen ins Gespräch. Die Stimme und die Sprechweise des Advokaten rufen beim Oberförster Erinnerungen wach. Daraufhin lädt er den Advokaten auf ein paar Tage zu sich und seiner Frau ein. Durch den Wirt erfährt der Urlauber bereits, dass er offenbar aus derselben Gegend stammt wie des Oberförsters Frau. Als er bei seinen Gastgebern einkehrt, stellt sich tatsächlich heraus, dass beide aus derselben Stadt kommen. Die Frau erzählt, dass ihr Vater John Hansen gewesen sei. Der Advokat ist verwirrt, denn er kennt die Familien der Stadt, aber ein John Hansen, nein, den kennt er nicht. Im Gespräch mit der Frau erfährt er, dass ihre Mutter gestorben sei, als sie drei Jahre war und ihr Vater als sie acht war. Danach wurde sie von den Eltern ihres Mannes aufgezogen, die zu jener Zeit dort Urlaub in der Gegend machten und mit dem Schicksal des jungen Mädchen in Berührung kamen. Eines Abends auf seinen Zimmer, kommt den Advokaten die Erinnerung: John Hansen war im Ort nur als John Glückstadt verrufen. Den Namen bekam er, weil er dort einige Jahre im Zuchtahus verbracht hat, nachdem es bei einem Einbruch, an dem er beteiligt war, einen Toten gegeben hat und er zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Nach seiner Entlassung kehrte er in die Stadt zurück und wollte einen Neuanfang machen. Tatsächlich bekam er auch Abeit, heiratete die Dirne Hanna und bekam eine Tochter namens Christine. - Christine ist die jetzige Frau des Oberförsters. - Die Liebe zwischen Hanna und John war eine bsondere. Hanna liebte den Sex nach Gewalt. So prügelten sie sich und liebten sich. Die heranwachsende Tochter bekam dies natürlich mit. Und eines Tages geschah ein Unglück: bei einer dieser Prügeleien fiel Hanna gegen den Ofen und verletzte sich. An der Verletzung starb sie. John war verzweifelt und das dreijährige Kind saß anbei. - John zog Christine alleine auf und war ein fürsorglicher und liebevoller Vater. Aber die Vergangenheit holte ihn ein, immer wieder holte sie ein, obwohl er sich redlich mühte und immer ein liebervoller und fürsorglicher Vater blieb. Aber die Gesellschaft hatte ihn abgestempelt, gebrandmarkt. Er bekam letztlich keine Chance und als die Not riesig war, beide, er und das Kind nur noch hungrig, wollte er Kartoffeln vom Acker stehlen. Aber er kippte den Sack noch auf dem Kartoffelacker wieder aus, brachte es nicht fertig zu stehlen. Auf dem Heimweg ereilte ihn dann ein tragisches Schicksal, dass ich aber jetzt nicht näher benenne, um die Spannung für künftige Leser zu erhalten. Der Advokat wusste nun, wer der Vater von seiner Gastgeberin war. Sie erinnerte sich nur an den fürsorglichen und liebevollen Vater, aber da war in der Erinnerung eben auch dieser Mann, der sich immer mit ihrer Mutter geprügelt hat. Und sie fragte sich: wer war dieser Mann? - Der Advokat wusste dies ja nun, aber wie sollte er damit umgehen? Abgesehen davon, dass die Geschichte um John Hansen schon an sich eine spannende Geschichte ist, ist die Novelle auch eine sozialkritische Betrachtung der Verhältnisse jener Zeit in der die Geschichte entstand. John hatte eine Straftat begangen, war verurteilt worden, hat die Strafe abgebüßt. Doch anstatt er nun eine neue Chance erhält, wird er ausgegrenzt, abgestempelt. Er kann sich noch so gut er will verhalten, für die anderen im Ort bleibt er der Zuchthäusler. Die Folge dieser geselschaftlichen Ausgrenzung sind, trotz aller Bemühungen Johns, Not und Elend im Hause des inzwischen sehr fleissigen Mannes und liebevollen Vaters. Vom Gesetz erhielt er sechs Jahre Zuchthaus, von der Gesellschaft lebenslänglich bis in den Tod. - Theodor Storm bringt dies klar zur Sprache. Deutlich zur Sprache: Nachdem selbst nach dem Tod von John die üble Nachrede nicht aufhörte, sagte der Bürgermeister in der Novelle: "... Nachdem dieser John von Rechtes wegen seine Strafe abgebüßt hatte, wurde er, wie gebräuchlich, der lieben Mitwelt zur Hetzjagd überlassen. Und sie hat ihn nun auch zu Tode gehetzt; denn sie ist ohn Erbarmen. Was ist davon zu sagen? Wenn ich was meinen soll, so sollet ihr ihn jetzt in Ruhe lassen, denn er gehört nun einen anderen Richter." Die Novelle ist in einer klaren und deutlichen Sprache gehalten. Dennoch ist sie sehr poetisch. Den Autor gelingt es, diesen Facettenreichtum in dieser Novelle zusammen zu bringen. - "Ein Doppelgänger" ist ein zweifellos lesenswertes Stück deutscher Literatur.

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