Theresia Enzensberger

 3.9 Sterne bei 13 Bewertungen
Autorin von Blaupause.
Theresia Enzensberger

Lebenslauf von Theresia Enzensberger

Theresia Enzensberger wurde 1986 in München geboren und studierte Film und Filmwissenschaft am Bard College in New York. Heute ist sie freie Journalistin und schreibt unter anderem für die FAZ, FAS, ZEIT Online, Krautreporter und Monopol. Das vielfach preisgekrönte BLOCK Magazin wurde 2014 von ihr gegründet. Bei Hanser erschien ihr Debütroman Blaupause (2017). Heute lebt sie in Berlin.

Alle Bücher von Theresia Enzensberger

Blaupause

Blaupause

 (13)
Erschienen am 31.01.2019

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Naburas avatar

Rezension zu "Blaupause" von Theresia Enzensberger

Eine Studentin am Bauhaus zwischen Aufbruch und Vorurteilen
Naburavor einem Jahr

Weimar im Jahr 1921: Luise Schilling ist die Tochter einer großbürgerlichen Familie aus Berlin, die es sich in den Kopf gesetzt hat, Architektin zu werden. Mit Mühe hat sie ihre Eltern überzeugt, sie am Bauhaus studieren zu lassen. Dort muss sie feststellen, dass ihre Ambitionen von einigen Männern belächelt werden. Um dem geheimnisvollen Jakob näher zu kommen, in den sie sich verliebt hat, schließt sie sich der Gruppe rund um den einflussreichen Johannes Itten an, die Anhänger des Mazdaznan, einer religiösen Lehre, sind. Wie wird sich Luise am Bauhaus schlagen?

Ich war vor einiger Zeit in Weimar und habe mich dort mit dem Bauhaus auseinandergesetzt. Deshalb war meine Neugier schnell geweckt, als ich las, dass dieses Buch den Leser mit in die 1920er Jahre nach Weimar nimmt und an der Seite einer Studentin das Bauhaus erkunden lässt. Das Cover zeigt ein nachkoloriertes Bauhaus-Foto, auf dem die Studenten unbeschwert in die Kamera schauen. So muss sich auch die fiktive Protagonistin Luise gefühlt haben, als sie endlich ihrer traditionell denkenden Familie entkommen ist und in Weimar den Vorkurs beginnt.

Luise hat das Ziel, Architektin zu werden, doch bald lenken andere Dinge sie von ihren Bemühungen ab. Als sie sich verliebt, schließt sie sich den berüchtigten „Kuttenträgern“ rund um Johannes Itten an. Dieser hat zwar keine allzu hohe Meinung von ihren Fähigkeiten und auf die Rituale rund um das praktizierte Mazdaznan hat sie wenig Lust, doch so kann sie Jakob nahe sein. Letzterer zeigt Interesse, lässt sie jedoch zappeln.

Luise wirkte auf mich oft wie eine Mitläuferin, die in ihrem Wunsch, dazuzugehören, beinahe sich selbst verleugnet. Doch im entscheidenden Moment findet sie dann doch wieder zu sich selbst zurück. Sie rebelliert nie energisch, sondern sucht sich still ihren Weg, zum Beispiel indem sie in einer Werkstatt arbeitet, für die sie nicht vorgesehen ist, die Pläne ihres Bruders für sie kommentarlos ignoriert und mit dem Direktor Walter Gropius über ihre Ideen spricht. Doch nicht alles führt zum Erfolg, ihre Entscheidungen ziehen auch Entbehrungen und Enttäuschungen nach sich.

Während der Zeit in Weimar, in Dessau und auch bei Ausflügen nach Berlin erlebt man als Leser die verschiedensten Facetten der Weimarer Republik. Luise begegnet überzeugten Kommunisten, einem Studenten aus Palästina, Sympathisanten des nationalistischen Gedankenguts und gänzlich Unpolitischen und erlebt eine Welt zwischen Großbürgertum und Armut, Emanzipation und Diskriminierung, Tradition und Aufbruch, Fleiß und Exzess.

Der Autorin vermittelte mir ein umfassendes Bild der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Ich hatte aber teils den Eindruck, dass sie den Anspruch verfolgt, auf den 250 Seiten alles möglichst vollumfänglich darzustellen. Ich hätte mir stattdessen noch mehr Einblicke ins Bauhaus wie ausführlichere Begegnungen mit historischen Persönlichkeiten wie Klee oder Kandinsky gewünscht. Mit dem titelgebenden Abschluss von Luises Bauhaus-Zeit konnte die Autorin mich auf den letzten Seiten überraschen. Anhand einiger Dokumente erfährt man schließlich in aller Kürze, wie es Luise in den Jahrzehnten danach ergangen ist.

In „Blaupause“ erlebt der Leser an der Seite der fiktiven Luise die Bauhaus-Zeit in Weimar und Dessau. Sie trifft auf so manche historische Persönlichkeit und ihr Wunsch nach Zugehörigkeit und Unterhaltung ist oft größer als ihr Wille zum Erfolg in einer Umgebung, die so manche Vorurteile gegen Frauen hat. Man erfährt viel über die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Ich hätte mir aber noch tiefere Einblicke in das Arbeiten am Bauhaus gewünscht. Das Buch bietet eine interessante Perspektive auf die Zeit der Weimarer Republik, für die ich sehr gute vier Sterne vergebe.

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marieliliths avatar

Rezension zu "Blaupause" von Theresia Enzensberger

Tolles Romandebüt
marielilithvor einem Jahr


Anfang der 20er Jahre kommt die junge, wissbegierige Luise Schilling ans Bauhaus um Architektin zu werden. Doch die Herren der Schöpfung sehen die "Frau" nach wie vor am Webstuhl.
Das Debüt einer jungen deutschen Autorin: ein wunderbarer Emanzipationsroman und ein Roman über die Freiheit sich selbst zu verlieren und neu zu erfinden.
 

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bigpandas avatar

Rezension zu "Blaupause" von Theresia Enzensberger

Die Sprache hat mich etwas enttäuscht.
bigpandavor einem Jahr

Nachdem die Frauen des Bauhauses lange in der Geschichtsschreibung eher etwas vernachlässigt worden sind brachten vor einigen Jahren mehrere wissenschafltichen Publikationen das Bild der emanzipierten, modernen Frau, das mit dem mit dem modernen Bauhaus verbunden wurde zum schwanken und zeigten auf, dass die Emanzipation auch am Bauhaus nicht ganz so modern war wie angenommen.
Das bevorstehende Jubiläum der Gründung des Bauhauses 2019 bietet sich an, das Thema auch erzählerisch aufzugreifen. Theresia Enzensberger greift dieses Thema nun belletristisch auf und der Leser begleitet in ihrem Roman die Protagonistin in ihren Studienjahren erst am Weimarer Bauhaus und später in Dessau und erhält so Einblick in verschiedenen Studiengänge und Bereiche der berühmten Schule. Und hier kommen auch schon zwei Schwächen des Buches zum Vorschein. Erstens wirkt der ganze Plott etwas sehr konstruiert, so dass alle relevanten Bereiche und Studiengänge aufgezeigt werden. Die Autorin scheint zu oft dazu verleitet worden zu sein alle Rechercheergebnisse miteinzubauen auch wenn sie für die Handlung belanglos sind. Zweitens erscheint einem die Ich-Erzählerin nicht aus den 1920er Jahren. Eher aus der Sicht und der Sprache einer heute Zwanzigjährigen wird der Roman erzählt und das passt nicht immer. Redewendungen wie "Es richt nach Plastik" oder auch die selbstverständliche Benutzung des Begriffs "Transvestit" scheinen unpassend für die 1920er Jahre und zeugen von einer nicht reflektierten Sprache bzw. einer zu oberflächlichen Recherche. Einerseits ist das schade, denn ansich bietet das Setting wie auch der Plott guten Stoff für einen Roman und andererseits hat es zwischenzeitlich auch etwas für sich, da durch diese Sprache man sich mit Luise Schilling so gut identifizieren kann, die Geschichte so nah und aktuell wirkt. Das Entwickeln einer eigenen Persönlichkeit in diesen Jahren des Studiums wird einfühlsam geschildert.
Der Roman scheint aus einem feministischen Impetus heraus geschrieben und zeigt die Hürden auf, die die Erzählerin überwinden muss um die gleichen Möglichkeiten wie ihre männlichen Kollegen zu erhalten. Schade ist, dass gerade die einzige Frau, Gunta Stölzl, die es am Bauhaus geschafft hat sich eine Professoren-Position zu erarbeiten, nämlich als Meisterin der Weberei nicht mit richtigem Namen genannt wird während alle männlichen Professoren des Bauhauses wie Itten, Gropius, Klee, Kandinsky, etc. ihre richtigen Namen tragen. Dass die Leiterin der Weberei bei Enzensberger einen anderen Namen trägt ist sicher der Handlung des Buches geschuldet, schade ist aber, dass damit die historische Figur Gunta Stölzl mal wieder vor den bekannten Herren Gropius, Itten Schlemmer, Klee, etc. zurückstecken musste.

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