Thilo Sarrazin

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Thilo Sarrazin

Lebenslauf von Thilo Sarrazin

Thilo Sarrazin wurde 1945 in Gera geboren und ist heute, aufgrund seiner Buchveröffentlichung "Deutschland schafft sich ab", eine der am kontroversesten diskutierten öffentlichen Personen Deutschlands. Er studierte nach seinem Wehrdienst VWL in Bonn, wo er 1973 promovierte. Bis 1978 war Sarrazin Referent im Bundesministerium der FInanzen, danach im Bundesfinanzministerium, 2000 für einige Zeit Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn AG und im Januar 2002 wurde er Berliner Senator für Finanzen. Seit 2009 agiert Sarrazin als Vorstandmitglied der Deutschen Bundesbank. Seine Vorschläge zu einer Änderung der Berliner Sozial- und Bildungspolitik sowie seine Behauptungen über arabische und türkische Einwanderer werden oft von nationalen Protesten begleitet. Am 22. Mai 2012 erscheint sein neues Buch "Europa braucht den Euro nicht", in dem er sich mit den drohenden Staatspleiten einzelner Euro-Länder und der damit verbundenen Währungsfrage beschäftigt.

Neue Bücher

Feindliche Übernahme

 (1)
Neu erschienen am 30.08.2018 als Hardcover bei FinanzBuch Verlag.

Feindliche Übernahme: Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht

Neu erschienen am 29.08.2018 als Hörbuch bei FinanzBuch Verlag.

Feindliche Übernahme

Neu erschienen am 28.08.2018 als Hörbuch bei FinanzBuch Verlag.

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Deutschland schafft sich ab

Deutschland schafft sich ab

 (132)
Erschienen am 09.01.2012
Europa braucht den Euro nicht

Europa braucht den Euro nicht

 (13)
Erschienen am 22.05.2012
Der neue Tugendterror

Der neue Tugendterror

 (11)
Erschienen am 24.02.2014
Wunschdenken

Wunschdenken

 (2)
Erschienen am 25.04.2016
Feindliche Übernahme

Feindliche Übernahme

 (1)
Erschienen am 30.08.2018
Der neue Tugendterror

Der neue Tugendterror

 (2)
Erschienen am 01.02.2014

Neue Rezensionen zu Thilo Sarrazin

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Rezension zu "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin

Kein Buch wurde jemals so falsch zitiert wie dieses
TheSilencervor 2 Jahren

Tja. Gibt es eigentlich noch irgendetwas, das über dieses Buch noch nicht geschrieben wurde?

Grundsätzlich liegt hier die Intellektuellen-Version von "Generation Doof" vor. Nur nicht krampfhaft lustig, sondern schaudernd realistisch.
Untermauert mit erschlagenden Statistiken und ausuferndem Zahlenmaterial (daß er diesbezüglich seine Lektorin ignoriert hat, gesteht er im Nachwort).

Ein literarischer Leckerbissen ist dieses Buch nicht unbedingt. Dafür fehlt Sarrazin die spielerische Leichtigkeit.

Liefert er neue Fakten? Wer nicht völlig blind durchs Leben läuft, kann sich die Entwicklung der Schuldzuweisungen (Schuld am Lebensstandard sind ja immer die anderen) bzw. den Werteverfall und die daraus resultierende Zukunft selbst ausmalen. 

Daß die Medien auf Sarrazin einhacken, er würde Ausländer (ist das eigentlich auch schon ein Schimpfwort?) in seinem Buch schlecht wegkommen lassen, ist glattweg gelogen. Im Gegenteil: er wird nicht müde, zu wiederholen, daß eingewanderte Ausländer aus bestimmten Nationen dabei sind, den durchschnittlichen deutschen Bildungsstandard zu bereichern.

Hierzu gehören jedoch nicht unbedingt die Mohamedaner, die auch keine Hehl daraus machen, ihr Heil läge diesseits vom irdischen Leben, eher so danach. Wozu dann also hier sein Bestes geben? (Den Beweis treten mohamedanische Länder täglich an.)

Ich reihe mich in die Masse der dumpen Stammtischphilosophen ein und sehe durchaus einen Vorteil darin, daß die "Religion" Islam auf breiter Ebene beäugt wird, "daß es endlich mal einer gesagt hat".

Doch während man die Werte in diesem Land gegen eine politische Bewegung verteidigt, sollte die eigene Leistung nicht außer Acht gelassen werden. Das geht in der ganzen Diskussion leider unter.

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Iudass avatar

Rezension zu "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin

Deutschland auf dem absteigenden Ast
Iudasvor 4 Jahren

Nur wenige Menschen haben in letzter Zeit für soviel Wirbel in einer politischen Debatte gesorgt wie Thilo Sarrazin. Einst Vorstand der Deutschen Bahn AG, Finanzsenator im Berliner Rat und Politiker der SPD, machte er mehr mit seinem Aufreger-Buch, das den provokanten und polemischen Titel »Deutschland schafft sich ab« trägt und 2010 bei DVA erschien, von sich reden und stieß eine Diskussion um die Zukunft Deutschlands an, die auch vor bildungs- und einwanderungspolitischen Fragen nicht haltmachte und die Gemüter erhitzte. Ich habe seine Werke nun entgegen der Chronologie gelesen und fing bei seinem neuesten Werk »Der neue Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland« (DVA) an, um jetzt endlich auch das Buch zu lesen, das in Deutschland hitzig besprochen wurde und Sarrazins Nachfolgewerk über das moralische Klima in Deutschland nach sich zog. Solch‘ ein brisantes Buch zu rezensieren, birgt auch immer Klippen, die man versucht, zu umschiffen. Man kann sich schneller in die Nesseln setzen, wie wenn man einen bewährten Klassiker zerreißt. Aber es macht auch Freude, sich an der Diskussion um ein umstrittenes Buch zu beteiligen, denn über solche Debatten kann man sein Weltbild erweitern, sich Gedanken zu Fragestellungen machen und Möglichkeiten zu Problemlösungen erörtern und weiterentwickeln. Sarrazins These ist schnell zusammengefaßt: Wenn man an der bisherigen Wirtschafts-, Bildungs- und Einwanderungspolitik festhält und sie forciert, wird es Deutschland und die Deutschen in einigen Jahrzehnten nicht mehr geben. Sein Schreckensszenario: eine arbeitsunwillige, von staatlichen Alimenten lebende und ungebildete, mehrheitliche muslimisch-arabische Bevölkerung in einem Land, das einst von Deutschen besiedelt war. Ein Land, in dem die Deutschen selbst in einer signifikanten Minderheit sein werden. Um diese These aufstellen zu können, holt er zu weiten Erklärungen aus. Nach einem historischen Abriß verschiedener, kulturell hochentwickelter Gesellschaften geht er über zu den Zeichen des Verfalls, einer Bestandsaufnahme der Gesellschaft in Punkto Bildung, demographischer und kultureller Zusammensetzung und Sozioökonomie, um darauf aufbauend die Armutsfrage, das Wesen der Arbeit und das Verhältnis der Menschen dazu und die Bildung vor dem Hintergrund der immer wieder zitierten Gerechtigkeit zu erörtern. Die ihm in der anschließenden Debatte oft zu einem Galgenstrick gedrehten Kapitel zur Einwanderungs- und Integrationspolitik folgen und zum Schluß wagt er sich an eine euphemistische und eine pessimistische Zukunftsprognose. Eines ist mir bei der Lektüre aufgefallen: die Erstauflage erschien vor fünf Jahren – also 2010 – und vor dem Hintergrund der Entwicklungen ist es interessant, jetzt seine damaligen Vorhersagen, Deutungen und Erfassung der Situation zu lesen und zu bewerten. Seine Stärke liegt eindeutig in der Statistik und im Auswerten statistischer Daten, das er mit Vorliebe macht. Es vergeht kein Kapitel, in dem Sarrazin nicht eine Tabelle, eine Auflistung, ein Diagramm oder ein Ranking zur Untermauerung seiner Argumente heranzieht. So sagt er scherzhaft, »[w]enn der Leser findet, da und dort gebe es eine Tabelle zuviel, so kann er sich sicher sein, dass sie [Ditta Ahmadi, Lektorin bei DVA] bereits darauf hinwies.« (S. 409). Und es sind ihrer viele, im Text und im Anhang. Sie können abschreckend auf einen Leser wirken, für den diese Zahlenjongliererei reinstes Hexenwerk ist. Geht man davon aus, daß die Statistiken, die Sarrazin heranzieht, ein zwar abstraktes, aber wahrheitsgetreues Bild abliefern, so ist der Argumentationsweg ein durchaus wissenschaftlich fundierter, doch es gibt keine Statistik, bei der man nicht von schon von Weitem Churchills geflügeltes Wort heranflattern sieht. Das muß auch Sarrazin das ein und andere Mal zugeben, wenn er einer zu geschönten Statistik versucht, ihr realistischeres Antlitz zu entlocken. Inwiefern seine bereinigten Statistiken dann allerdings der Wahrheit entsprechen, kann nur der Leser selbst überprüfen, sofern er Zugang zu den Daten hat. Sarrazins Argumentationen sind zumeist sehr nachvollziehbar, er baut sie auf verschiedene Standbeine auf, von denen statistische Auswertung zwar einen großen, aber eben nur einen Platz einnehmen. Neben dem geschichtlichen Fundament fußt seine Argumentation auch auf psychologischen und politischen Ausarbeitungen. Das jedoch hat allerdings zur Folge, daß er sehr ausschweifend wird und erst Daten und Fakten rund um das Problem be- und ausleuchtet, ehe er zum eigentlichen Kern seines Buches – der Bildung, Arbeit, Demographie und Immigration – kommen kann. Das per se als etwas Negatives bewerten zu wollen, wäre aber verfehlt, denn gerade durch diesen faktischen Rahmen wirkt seine Argumentation abgerundeter und plausibler und wer gewillt ist, sich mit dem Buch auseinanderzusetzen und nicht wegen des – in den Augen vieler moderner Leser – zu langen Vorwortes schon im Vorwege abbricht, der wird hier auf Zahlen und Denkanstöße treffen, mit denen er sich auch über Sarrazins Buch hinaus noch ausgiebig befassen kann. Denn auch da wird das Buch seiner Genreeinordnung als Sachbuch gerecht: es wird doch tiefer gegraben und Werte und Aussagen nicht ohne Quellenangabe stehengelassen, sodaß man einen umfangreichen Fußnotenapparat am Ende des über vierhundert Seiten starken Buches vorfindet, in dem auf zahlreiche Artikel, Ausarbeitungen, Studien und Statistiken verwiesen wird. Zu Gute halten muß man Sarrazin auch, daß er, trotz seiner schon im Titel preisgegebenen Prämisse, um Objektivität bemüht ist. Sein Buch soll seine These untermauern und bestärken, aber auch die Gegenseite wird, wenn auch nicht so umfangreich, betrachtet. Man merkt Sarrazins Wunsch nach einer versöhnlichen Debatte an, keine seiner Aussagen ist wirklich auf aggressive Konfrontation getrimmt, sondern zumeist sehr moderat gehalten. Der wirkliche Zündstoff steckt in den Thesen, die doch stark am starren Egalitätssinn so einiger gerüttelt haben mag, ohne daß die ihnen innewohnende Aussage so gravierend gewesen sei; hat Sarrazin doch recht, wenn er von Diversität als Chance und im gesellschaftlichen Wettbewerb eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung sieht, die durch eine Egalisierung im Keim erstickt wird, egal wie gut man es meinte. Anhand verschiedener Studien, wie Pisa, weist er nach, daß Deutschland als Bildungsland schon lang abgelöst wurde und die Talfahrt weiterläuft. Aufschrei erregte Sarrazin aber neben der Aussage (die durch wissenschaftliche Untersuchungen auch bestätigt wurde), daß Intelligenz zum größten Teil erblich ist, aber durch seine Forderungen in der Einwanderungspolitik. Besonders eingeschossen hat er sich dabei auf afrikanische Einwanderer und Immigranten aus muslimisch geprägten Ländern und gerade in ihnen sieht er die größten Probleme für Deutschland, das er durch ihre überkommenen Verhaltens- und Gesellschaftsmuster in seiner Entwicklung und seinem Status gefährdet sieht und bereits Folgen der Islamisierung ausmachen kann. Dabei gelingt es Sarrazin zwar bedauerlicherweise nicht, die Fragen nach dem Warum? und dem Cui Bono? zu beantworten, aber seine Zukunftsprognosen sind dafür umso erschreckender und, wie man schon fünf Jahre nach Erscheinen des Buches feststellen kann, vielerorts bereits eingetroffen, wenn er beispielsweise von der Bildung von Parallelgesellschaften in ganzen Stadtteilen spricht, die sich immer mehr ausweiten und homogener zu werden drohen. Sein Hang zu Wiederholungen ist aber an manchen Stellen im Buch signifikant und die für ihn wichtigen Aussagen spricht er gern in jedem Kapitel mindestens einmal an. Trotz allem ist auch der Schreibstil lobend zu erwähnen: die einzelnen Kapitel sind unter sich noch einmal aufgegliedert und bauen aufeinander auf, sodaß der Leser stets einem roten Faden folgen kann. An einigen Stellen verläßt Sarrazin die geordneten Wege eines wissenschaftlich-fachlichen Stils zugunsten einer emotionalen und lesernahen Plauderei, wenn er zum Beispiel über seine eigene Erziehung und Schulbildung spricht. Das kann man machen, um Leser bei der Stange zu halten, die von dem leicht trockenen Sachbuchcharakter des Buches zu sehr gelangweilt sind, aber es ist der Glaubwürdigkeit nicht zuträglich und führt zu einem stilistischen Bruch in seiner Argumentationsweise. Glücklicherweise sind Fälle dieser humorvoll angehauchten Plauderei eine Ausnahme. Wenn man sich auf das Sachbuch sowie den wissensgeladenen, nüchternen und vom wissenschaftlichen Duktus beherrschten Schreibstil einläßt, kann man bei der Lektüre einiges an Informationen mitnehmen und verarbeiten. Auch Sarrazins Lösungsvorschläge sind zumeist sehr gut und lassen vor allem nicht, wie man es doch oft bei Abhandlungen dieser Art kennen mag, eine realistische Umsetzbarkeit vermissen. Bei einigen Vorschlägen – besonders im edukativen Bereich – gehen aber meines Erachtens nach ihm die optimistischen Gäule durch und so bringt er Vorschläge, angelehnt an Schulsysteme anderer Länder, die in Deutschland nur schwer umsetzbar sind und das Problem als solches auch nicht lösen können, besonders nicht, wenn nicht andere Casi Knacksi gleichzeitig gelöst werden. Ganztagesbetreuung ist bei fehlenden professionell ausgebildeten Betreuern nur eine Verlagerung der Probleme. Auch das umfassende, verpflichtende Betreuungsangebot für Mütter, die in Ernährungsfragen beraten werden sollen, ist doch mehr Utopie als Lösung und finanziell eine Belastung, abgesehen vor der Bevormundung der Eltern und der Zeit, die für solche Unternehmung verloren geht. Ein Satz ist mir aber doch im Gedächtnis hängen geblieben und ich war erstaunt und verwirrt, als ich ihn im Kapitel zu den Zeichen des Verfalls lesen mußte: »Bleiben die Geburtenraten der Migranten über dem deutschen Durchschnitt, setzt sich auch ohne weitere Einwanderung eine ›Verdünnung‹ der einheimischen Bevölkerung fort. Das ist nicht weiter schlimm. Aber wenn sich dadurch das Bildungs- und Qualifikationsprofil verschlechtern sollte, würde sich das sehr nachteilig auf die deutsche Zukunftsfähigkeit auswirken.« (S. 60). Da fragte ich mich, was für ein Deutschland Sarrazin wirklich erhalten will, wenn er doch sich wünscht, daß auch seine »Nachfahren in 50 und auch in 100 Jahren noch in einem Deutschland leben, in dem die Verkehrssprache Deutsch ist und die Menschen sich als Deutsche fühlen, in einem Land, das seine kulturelle und geistige Leitungsfähigkeit bewahrt und weiterentwickelt hat […]« (S. 392). Dieser Widerspruch ist auch gerade in Anbetracht des Titels sehr augenfällig und wird von Sarrazin nicht näher erläutert. Denn wie soll ein Land mit seiner Kultur erhalten bleiben, wenn das Volk verdrängt wird, ausdünnt oder ausstirbt, das diese Kultur tradieren kann? Denn hier hat Integration, egal mit welcher Intensität es auch von Seiten der Immigranten betrieben wird, seine Grenzen. Und auch die Frage bleibt, wie groß das natürliche Interesse der Einwanderer ist, die Kultur seines Einwanderungslandes zu erhalten. Sarrazins Auswertungen zufolge steigt gerade die Zahl der Einwanderer, denen die deutsche Kultur nicht als eine schützens- und fördernswerte erscheint. Auch wenn ich davon überzeugt sein muß, daß sein Buch, so emphatisch wie es diskutiert wurde, nicht das erreichen wird, was es sich wünscht, so ist es gut zu sehen, daß ein solches Buch überhaupt den Weg auf den deutschen Buchmarkt fand und von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen und von einem Teil davon auch besprochen wurde (wenngleich mehr darüber sprachen, als das Buch wirklich gelesen haben). Sarrazin hat aber auch nichts mehr zu befürchten, politische Repressalien werden ihn nicht erwarten und gesellschaftliche Ächtung ist bei diesem trotz allem moderaten Werk auch nicht drin. Und so bleibt zu hoffen, daß das Buch einigen Lesern Denkanstöße geben wird und Sarrazin der politischen Diskussion noch lang erhalten bleibt – sein Wissen ist fundiert und seine Art, es mitzuteilen, angenehm.

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Rezension zu "Der neue Tugendterror" von Thilo Sarrazin

Alle sind gleich. Irgendwie, irgendwo, irgendwann.
Iudasvor 5 Jahren

Das Enfant terrible Thilo Sarrazin, bekannt durch seinen 2010 erschienenen Aufreger »Deutschland schafft sich ab« (DVA), wartet auch dieses Jahr wieder mit einem Buch auf, in dem er wiederholt versucht, den Leser auf Mißstände in der Gesellschaft Deutschlands hinzuweisen. Dabei kommt »Der neue Tugendterror« (DVA) erst wie eine Verteidigungsschrift seines ersten Buches daher. Auf mehr als einhundert Seiten erläutert Sarrazin in allen Facetten, wieso in ihm der Wunsch kam, ein Buch über die neuen Varianten des Tugendwahns verfassen zu wollen. Dabei rückt er »Deutschland schafft sich ab« wiederholt ins Zentrum des Interesses und führt genußvoll Fehler der Journalisten und Kritiker vor, die nach Sarrazins Auffassung das Buch wohl nie gelesen hätten. Und wenn doch, dann hätten sie es nicht verstanden.

Man merkt ihm dabei sichtlich die Befriedigung an, es auf diese Weise den doch manchmal recht harsch und fast schon voreingenommenen vorgehenden Kritikern heimzahlen zu können. Doch auf den Leser wirkt es nach den ersten Seiten irgendwann so, als würde Sarrazin jetzt in seinem Neuwerk einfach eine geeignete Plattform suchen, um sein Werk, das doch recht durch die Medien geschleift wurde, jetzt doch noch verteidigen zu können und ihm Gehör zu verleihen. So manche Kritik sprach schon vom Buch eines gekränkten Mannes (ZEIT).

Zwischen den Zeilen erkennt man aber den roten Faden, der schlußendlich zum zentralen Thema des Sachbuches führt: der Terror falsch verstandener Tugend. Dabei bleibst Sarrazin aber wie gewöhnlich sehr sachlich und führt mittels eines geschichtlichen Abrisses über verschiedene Varianten der Unterdrückung freier Meinungsäußerung über das Postulat sittlicher Interessen ein, bis er zur Neuzeit und seinen Medien kommt. Gerade in der Macht der Medien sieht er den Schlüssel des neuen Tugendterrors. Tugend – an sich ein gutes Ding, aber wenn es zum Redeverbot für nicht konforme Aussagen wird, dann wird daraus die Terrorherrschaft der Tugend.


Im Mittelteil des Buches liegt, wenngleich das nicht der unbedingte Fokus Sarrazins Ausführungen ist, ein wirklich interessanter, lesenswerter Teil, in dem er soziopsychologische Experimente und Untersuchungen darstellt, um so eine Basis für seine weiteren Ausführungen zu schaffen, wie kollektive Meinungen gebildet, geformt und verändert werden können, sowie wie der unbedingte Glauben an die Gleichheit aller Dinge entstand und bis in unsere Zeit weiterentwickelt und verfeinert wurde.

An dieser Stelle möchte ich auch die Recherchearbeit ansprechen, die mich an diesem Buch zugegebenermaßen schon begeisterte, obwohl man es für ein Sachbuch eigentlich vorraussetzen sollte: Sarrazin machte sich einen umfassenden Blick (da frage ich mich doch, wer ihm bei dem Buch wirklich alles zur Seite stand) über die Forschungslage und Neuentdeckungen in der Forschung und belegt auch sämtliche Aussagen, die er trifft, mit den entsprechenden Belegen.


Im dritten Teil seines Buches kommt Sarrazin dann zu seinen sogenannten 14 Axiomen der neuen Tugend, worunter unter anderem Aussagen fallen wie »Die menschlichen Fähigkeiten hängen fast ausschließlich von Bildung und Erziehung ab « oder »Ungleichheit ist schlecht«. In diesenm Axiomen und ihrer Widerlegung seitens Sarrazins weicht er stellenweise doch ganz enorm von einer sachlichen und nüchternen Schreibweise ab und gleitet desöfteren in die Satire oder gar Zynismus. Auch wenn er solches entschuldigend vorher andeutet, ein wenig fehl am Platze wirkt es deshalb trotzdem manchmal und etwas mehr Ernst hätte dem nicht schlecht getan. Witzig ist es trotzallem und man muß beim Lesen doch des öfteren herzhaft lachen. Trotzallem sollte man den Ernst der Sache dabei nicht vergessen.


Ein wenig mehr Biß hätte dem Ganzen dann aber doch noch gutgetan – aber dann wäre der Autor wohl wieder sehr ins Kreuzfeuer der Medien geraten, ist man doch mit Worten wie »Rassist« oder »Frauenfeind« ganz schnell bei der Hand. So bleibt es ein handzahmes Buch, das sich bis auf die Axiome der Polemik und des Sarkamus' fernhält und lieber wissenschafttliche und pseudowissenschftliche Beiträge sammelt, um aus ihnen ein Bild zu formen, daß dem Leser die Realität in Deutschland vor Augen führen soll.

Flüssig zu lesen ist es ob seiner 400 Seiten allemal, aber nicht immer leicht verdauliche Kost. Sarrazin setzt bestimmtes Wissen und einen Schatz an Grundbegriffen beim Leser voraus und wer das nicht hat, wird schnell bei Abhandlungen verschiedener Philosophien und politischer Lehren aussteigen wollen. Daß der Fußnotenapparat sich gesammelt im Anhang des Buches fand, war ein doch umständlich; am Fuße der jeweiligen Seite befindlich, hätte den Lesefluß dann doch weniger unterbrochen.


Recht hat Sarrazin trotzdem in vielem, was er sagt. Gleichheit ist nicht das, was uns die neue Tugend lehren will. Und ob es nun Professorin oder Professx heißt – angemessene Entlohnung hat die Frau Professx deshalb noch lange nicht. Auf einem Pulverfaß sitzt er aber auch immer noch mit Vorliebe, das merkt man ihm an und auch wenn die Diskussionen bei seinem Buch nicht derart hochkochten, wie noch 2010/11, so merkt man die Debatte um die Gleichheit aller immer überall – der universelle Konformismus – doch wieder hochwallen.

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Gespräche aus der Community

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Wer von euch hat Deutschland schafft sich ab von Thilo Sarrazin gelesen? Er wurde für den Deutschen IQ-Preis (www.facebook.com/iqpreis) nominiert, mit einer etwas, wie ich finde, zu kurzen Begründung.Wie seht ihr seine Auseinandersetzung mit dem Thema Intelligenz in dem Buch?
Zum Thema

Zusätzliche Informationen

Thilo Sarrazin wurde am 11. Februar 1945 in Gera (Deutschland) geboren.

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