Thilo Sarrazin Deutschland schafft sich ab

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Inhaltsangabe zu „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin

Thilo Sarrazin beschreibt mit seiner profunden Erfahrung aus Politik und Verwaltung die Folgen, die sich für Deutschlands Zukunft aus der Kombination von Geburtenrückgang, problematischer Zuwanderung und wachsender Unterschicht ergeben. Er will sich nicht damit abfinden, dass Deutschland nicht nur älter und kleiner, sondern auch dümmer und abhängiger von staatlichen Zahlungen wird. Sarrazin sieht genau hin, seine Analyse schont niemanden. Er zeigt ganz konkret, wie wir die Grundlagen unseres Wohlstands untergraben und so den sozialen Frieden und eine stabile Gesellschaft aufs Spiel setzen. Deutschland läuft Gefahr, in einen Alptraum zu schlittern. Dass das so ist, weshalb das so ist und was man dagegen tun kann, davon handelt dieses Buch. Mit aktuellem Vorwort.

Was Sarrazin für spätere Jahrzehnte prophezeite, schaffte Merkel in einem Sommer. Yippieh!

— TheSilencer

Nicht schlecht - mal ehrlich und mutig die Meinung zu sagen. Widerspricht sich allerdings manchmal selbst und hat Schwächen im Detail

— Nanni87

Geniale und treffende Analyse mit Schwächen im Detail. Die Abwertung von Sarrazin stammt aus einem grün bis linken Mainstream der BRD...

— Elydrasil

Widerspricht sich eigentlich oft selbst.

— fc1406

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    Deutschland schafft sich ab

    TheSilencer

    18. August 2016 um 07:19

    Tja. Gibt es eigentlich noch irgendetwas, das über dieses Buch noch nicht geschrieben wurde?Grundsätzlich liegt hier die Intellektuellen-Version von "Generation Doof" vor. Nur nicht krampfhaft lustig, sondern schaudernd realistisch.Untermauert mit erschlagenden Statistiken und ausuferndem Zahlenmaterial (daß er diesbezüglich seine Lektorin ignoriert hat, gesteht er im Nachwort).Ein literarischer Leckerbissen ist dieses Buch nicht unbedingt. Dafür fehlt Sarrazin die spielerische Leichtigkeit.Liefert er neue Fakten? Wer nicht völlig blind durchs Leben läuft, kann sich die Entwicklung der Schuldzuweisungen (Schuld am Lebensstandard sind ja immer die anderen) bzw. den Werteverfall und die daraus resultierende Zukunft selbst ausmalen. Daß die Medien auf Sarrazin einhacken, er würde Ausländer (ist das eigentlich auch schon ein Schimpfwort?) in seinem Buch schlecht wegkommen lassen, ist glattweg gelogen. Im Gegenteil: er wird nicht müde, zu wiederholen, daß eingewanderte Ausländer aus bestimmten Nationen dabei sind, den durchschnittlichen deutschen Bildungsstandard zu bereichern.Hierzu gehören jedoch nicht unbedingt die Mohamedaner, die auch keine Hehl daraus machen, ihr Heil läge diesseits vom irdischen Leben, eher so danach. Wozu dann also hier sein Bestes geben? (Den Beweis treten mohamedanische Länder täglich an.)Ich reihe mich in die Masse der dumpen Stammtischphilosophen ein und sehe durchaus einen Vorteil darin, daß die "Religion" Islam auf breiter Ebene beäugt wird, "daß es endlich mal einer gesagt hat".Doch während man die Werte in diesem Land gegen eine politische Bewegung verteidigt, sollte die eigene Leistung nicht außer Acht gelassen werden. Das geht in der ganzen Diskussion leider unter.

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  • Deutschland auf dem absteigenden Ast

    Deutschland schafft sich ab

    Iudas

    10. May 2015 um 20:24

    Nur wenige Menschen haben in letzter Zeit für soviel Wirbel in einer politischen Debatte gesorgt wie Thilo Sarrazin. Einst Vorstand der Deutschen Bahn AG, Finanzsenator im Berliner Rat und Politiker der SPD, machte er mehr mit seinem Aufreger-Buch, das den provokanten und polemischen Titel »Deutschland schafft sich ab« trägt und 2010 bei DVA erschien, von sich reden und stieß eine Diskussion um die Zukunft Deutschlands an, die auch vor bildungs- und einwanderungspolitischen Fragen nicht haltmachte und die Gemüter erhitzte. Ich habe seine Werke nun entgegen der Chronologie gelesen und fing bei seinem neuesten Werk »Der neue Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland« (DVA) an, um jetzt endlich auch das Buch zu lesen, das in Deutschland hitzig besprochen wurde und Sarrazins Nachfolgewerk über das moralische Klima in Deutschland nach sich zog. Solch‘ ein brisantes Buch zu rezensieren, birgt auch immer Klippen, die man versucht, zu umschiffen. Man kann sich schneller in die Nesseln setzen, wie wenn man einen bewährten Klassiker zerreißt. Aber es macht auch Freude, sich an der Diskussion um ein umstrittenes Buch zu beteiligen, denn über solche Debatten kann man sein Weltbild erweitern, sich Gedanken zu Fragestellungen machen und Möglichkeiten zu Problemlösungen erörtern und weiterentwickeln. Sarrazins These ist schnell zusammengefaßt: Wenn man an der bisherigen Wirtschafts-, Bildungs- und Einwanderungspolitik festhält und sie forciert, wird es Deutschland und die Deutschen in einigen Jahrzehnten nicht mehr geben. Sein Schreckensszenario: eine arbeitsunwillige, von staatlichen Alimenten lebende und ungebildete, mehrheitliche muslimisch-arabische Bevölkerung in einem Land, das einst von Deutschen besiedelt war. Ein Land, in dem die Deutschen selbst in einer signifikanten Minderheit sein werden. Um diese These aufstellen zu können, holt er zu weiten Erklärungen aus. Nach einem historischen Abriß verschiedener, kulturell hochentwickelter Gesellschaften geht er über zu den Zeichen des Verfalls, einer Bestandsaufnahme der Gesellschaft in Punkto Bildung, demographischer und kultureller Zusammensetzung und Sozioökonomie, um darauf aufbauend die Armutsfrage, das Wesen der Arbeit und das Verhältnis der Menschen dazu und die Bildung vor dem Hintergrund der immer wieder zitierten Gerechtigkeit zu erörtern. Die ihm in der anschließenden Debatte oft zu einem Galgenstrick gedrehten Kapitel zur Einwanderungs- und Integrationspolitik folgen und zum Schluß wagt er sich an eine euphemistische und eine pessimistische Zukunftsprognose. Eines ist mir bei der Lektüre aufgefallen: die Erstauflage erschien vor fünf Jahren – also 2010 – und vor dem Hintergrund der Entwicklungen ist es interessant, jetzt seine damaligen Vorhersagen, Deutungen und Erfassung der Situation zu lesen und zu bewerten. Seine Stärke liegt eindeutig in der Statistik und im Auswerten statistischer Daten, das er mit Vorliebe macht. Es vergeht kein Kapitel, in dem Sarrazin nicht eine Tabelle, eine Auflistung, ein Diagramm oder ein Ranking zur Untermauerung seiner Argumente heranzieht. So sagt er scherzhaft, »[w]enn der Leser findet, da und dort gebe es eine Tabelle zuviel, so kann er sich sicher sein, dass sie [Ditta Ahmadi, Lektorin bei DVA] bereits darauf hinwies.« (S. 409). Und es sind ihrer viele, im Text und im Anhang. Sie können abschreckend auf einen Leser wirken, für den diese Zahlenjongliererei reinstes Hexenwerk ist. Geht man davon aus, daß die Statistiken, die Sarrazin heranzieht, ein zwar abstraktes, aber wahrheitsgetreues Bild abliefern, so ist der Argumentationsweg ein durchaus wissenschaftlich fundierter, doch es gibt keine Statistik, bei der man nicht von schon von Weitem Churchills geflügeltes Wort heranflattern sieht. Das muß auch Sarrazin das ein und andere Mal zugeben, wenn er einer zu geschönten Statistik versucht, ihr realistischeres Antlitz zu entlocken. Inwiefern seine bereinigten Statistiken dann allerdings der Wahrheit entsprechen, kann nur der Leser selbst überprüfen, sofern er Zugang zu den Daten hat. Sarrazins Argumentationen sind zumeist sehr nachvollziehbar, er baut sie auf verschiedene Standbeine auf, von denen statistische Auswertung zwar einen großen, aber eben nur einen Platz einnehmen. Neben dem geschichtlichen Fundament fußt seine Argumentation auch auf psychologischen und politischen Ausarbeitungen. Das jedoch hat allerdings zur Folge, daß er sehr ausschweifend wird und erst Daten und Fakten rund um das Problem be- und ausleuchtet, ehe er zum eigentlichen Kern seines Buches – der Bildung, Arbeit, Demographie und Immigration – kommen kann. Das per se als etwas Negatives bewerten zu wollen, wäre aber verfehlt, denn gerade durch diesen faktischen Rahmen wirkt seine Argumentation abgerundeter und plausibler und wer gewillt ist, sich mit dem Buch auseinanderzusetzen und nicht wegen des – in den Augen vieler moderner Leser – zu langen Vorwortes schon im Vorwege abbricht, der wird hier auf Zahlen und Denkanstöße treffen, mit denen er sich auch über Sarrazins Buch hinaus noch ausgiebig befassen kann. Denn auch da wird das Buch seiner Genreeinordnung als Sachbuch gerecht: es wird doch tiefer gegraben und Werte und Aussagen nicht ohne Quellenangabe stehengelassen, sodaß man einen umfangreichen Fußnotenapparat am Ende des über vierhundert Seiten starken Buches vorfindet, in dem auf zahlreiche Artikel, Ausarbeitungen, Studien und Statistiken verwiesen wird. Zu Gute halten muß man Sarrazin auch, daß er, trotz seiner schon im Titel preisgegebenen Prämisse, um Objektivität bemüht ist. Sein Buch soll seine These untermauern und bestärken, aber auch die Gegenseite wird, wenn auch nicht so umfangreich, betrachtet. Man merkt Sarrazins Wunsch nach einer versöhnlichen Debatte an, keine seiner Aussagen ist wirklich auf aggressive Konfrontation getrimmt, sondern zumeist sehr moderat gehalten. Der wirkliche Zündstoff steckt in den Thesen, die doch stark am starren Egalitätssinn so einiger gerüttelt haben mag, ohne daß die ihnen innewohnende Aussage so gravierend gewesen sei; hat Sarrazin doch recht, wenn er von Diversität als Chance und im gesellschaftlichen Wettbewerb eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung sieht, die durch eine Egalisierung im Keim erstickt wird, egal wie gut man es meinte. Anhand verschiedener Studien, wie Pisa, weist er nach, daß Deutschland als Bildungsland schon lang abgelöst wurde und die Talfahrt weiterläuft. Aufschrei erregte Sarrazin aber neben der Aussage (die durch wissenschaftliche Untersuchungen auch bestätigt wurde), daß Intelligenz zum größten Teil erblich ist, aber durch seine Forderungen in der Einwanderungspolitik. Besonders eingeschossen hat er sich dabei auf afrikanische Einwanderer und Immigranten aus muslimisch geprägten Ländern und gerade in ihnen sieht er die größten Probleme für Deutschland, das er durch ihre überkommenen Verhaltens- und Gesellschaftsmuster in seiner Entwicklung und seinem Status gefährdet sieht und bereits Folgen der Islamisierung ausmachen kann. Dabei gelingt es Sarrazin zwar bedauerlicherweise nicht, die Fragen nach dem Warum? und dem Cui Bono? zu beantworten, aber seine Zukunftsprognosen sind dafür umso erschreckender und, wie man schon fünf Jahre nach Erscheinen des Buches feststellen kann, vielerorts bereits eingetroffen, wenn er beispielsweise von der Bildung von Parallelgesellschaften in ganzen Stadtteilen spricht, die sich immer mehr ausweiten und homogener zu werden drohen. Sein Hang zu Wiederholungen ist aber an manchen Stellen im Buch signifikant und die für ihn wichtigen Aussagen spricht er gern in jedem Kapitel mindestens einmal an. Trotz allem ist auch der Schreibstil lobend zu erwähnen: die einzelnen Kapitel sind unter sich noch einmal aufgegliedert und bauen aufeinander auf, sodaß der Leser stets einem roten Faden folgen kann. An einigen Stellen verläßt Sarrazin die geordneten Wege eines wissenschaftlich-fachlichen Stils zugunsten einer emotionalen und lesernahen Plauderei, wenn er zum Beispiel über seine eigene Erziehung und Schulbildung spricht. Das kann man machen, um Leser bei der Stange zu halten, die von dem leicht trockenen Sachbuchcharakter des Buches zu sehr gelangweilt sind, aber es ist der Glaubwürdigkeit nicht zuträglich und führt zu einem stilistischen Bruch in seiner Argumentationsweise. Glücklicherweise sind Fälle dieser humorvoll angehauchten Plauderei eine Ausnahme. Wenn man sich auf das Sachbuch sowie den wissensgeladenen, nüchternen und vom wissenschaftlichen Duktus beherrschten Schreibstil einläßt, kann man bei der Lektüre einiges an Informationen mitnehmen und verarbeiten. Auch Sarrazins Lösungsvorschläge sind zumeist sehr gut und lassen vor allem nicht, wie man es doch oft bei Abhandlungen dieser Art kennen mag, eine realistische Umsetzbarkeit vermissen. Bei einigen Vorschlägen – besonders im edukativen Bereich – gehen aber meines Erachtens nach ihm die optimistischen Gäule durch und so bringt er Vorschläge, angelehnt an Schulsysteme anderer Länder, die in Deutschland nur schwer umsetzbar sind und das Problem als solches auch nicht lösen können, besonders nicht, wenn nicht andere Casi Knacksi gleichzeitig gelöst werden. Ganztagesbetreuung ist bei fehlenden professionell ausgebildeten Betreuern nur eine Verlagerung der Probleme. Auch das umfassende, verpflichtende Betreuungsangebot für Mütter, die in Ernährungsfragen beraten werden sollen, ist doch mehr Utopie als Lösung und finanziell eine Belastung, abgesehen vor der Bevormundung der Eltern und der Zeit, die für solche Unternehmung verloren geht. Ein Satz ist mir aber doch im Gedächtnis hängen geblieben und ich war erstaunt und verwirrt, als ich ihn im Kapitel zu den Zeichen des Verfalls lesen mußte: »Bleiben die Geburtenraten der Migranten über dem deutschen Durchschnitt, setzt sich auch ohne weitere Einwanderung eine ›Verdünnung‹ der einheimischen Bevölkerung fort. Das ist nicht weiter schlimm. Aber wenn sich dadurch das Bildungs- und Qualifikationsprofil verschlechtern sollte, würde sich das sehr nachteilig auf die deutsche Zukunftsfähigkeit auswirken.« (S. 60). Da fragte ich mich, was für ein Deutschland Sarrazin wirklich erhalten will, wenn er doch sich wünscht, daß auch seine »Nachfahren in 50 und auch in 100 Jahren noch in einem Deutschland leben, in dem die Verkehrssprache Deutsch ist und die Menschen sich als Deutsche fühlen, in einem Land, das seine kulturelle und geistige Leitungsfähigkeit bewahrt und weiterentwickelt hat […]« (S. 392). Dieser Widerspruch ist auch gerade in Anbetracht des Titels sehr augenfällig und wird von Sarrazin nicht näher erläutert. Denn wie soll ein Land mit seiner Kultur erhalten bleiben, wenn das Volk verdrängt wird, ausdünnt oder ausstirbt, das diese Kultur tradieren kann? Denn hier hat Integration, egal mit welcher Intensität es auch von Seiten der Immigranten betrieben wird, seine Grenzen. Und auch die Frage bleibt, wie groß das natürliche Interesse der Einwanderer ist, die Kultur seines Einwanderungslandes zu erhalten. Sarrazins Auswertungen zufolge steigt gerade die Zahl der Einwanderer, denen die deutsche Kultur nicht als eine schützens- und fördernswerte erscheint. Auch wenn ich davon überzeugt sein muß, daß sein Buch, so emphatisch wie es diskutiert wurde, nicht das erreichen wird, was es sich wünscht, so ist es gut zu sehen, daß ein solches Buch überhaupt den Weg auf den deutschen Buchmarkt fand und von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen und von einem Teil davon auch besprochen wurde (wenngleich mehr darüber sprachen, als das Buch wirklich gelesen haben). Sarrazin hat aber auch nichts mehr zu befürchten, politische Repressalien werden ihn nicht erwarten und gesellschaftliche Ächtung ist bei diesem trotz allem moderaten Werk auch nicht drin. Und so bleibt zu hoffen, daß das Buch einigen Lesern Denkanstöße geben wird und Sarrazin der politischen Diskussion noch lang erhalten bleibt – sein Wissen ist fundiert und seine Art, es mitzuteilen, angenehm.

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  • Deutschland schafft sich ab

    Deutschland schafft sich ab

    illunis

    08. September 2013 um 13:54

    Ich hatte nach den ganzen TV Debatten etc. lange vor das Buch zu lesen und bin auch endlich dazu gekommen, anfangs war ich abgeschreckt wegen der ganzen Tabellen und Statistiken, aber da liest man sich relativ schnell rein. Die Idee zu einem Buch über den deutschen Sozialstaat stammt nicht von ihm selbst, schreibt Thilo Sarrazin, sondern vom Verlag, der ihn ansprach, ob er mit einem solchen Werk nicht zur politischen Debatte beitragen wolle. Das vorliegende Ergebnis hat es in sich, es basiert zwar auf umfangreichen Studien- und Statistikmaterialien sowie wissenschaftlichen Erkenntnissen, es ist aber keine reine Faktensammlung. Da der Autor auch seine persönlichen Erfahrungen und Meinungen recht deutlich zum Besten gibt, die nicht unbedingt dem politischen Mainstream entsprechen, polarisiert er durchaus nicht unbeabsichtigt. Thilo Sarrazin ist kein Opportunist, er schreibt seine Meinung und kann diese persönlich und sachlich begründen. Wer eine andere Meinung hat, kann es ihm gleich tun, sollte aber von Diffamierungen und Verurteilungen absehen. Ausgehend von der demografischen Entwicklung in den letzten vierzig Jahren, entwirft Thilo Sarrazin ein Szenarium für die Zukunft Deutschlands. Die Wirtschaftskraft und Wohlfahrt unserer an natürlichen Rohstoffen armen Nation verdanken wir dem Fleiß und der Tüchtigkeit seiner Bürger, deren Zusammensetzung hat sich aber in den letzen Jahrzehnten stark verändert und wird sich auch künftig in eine Richtung entwickeln, die seinen weiteren Bestand infrage stellt. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, deren Auswirkungen sich jedoch summieren. Zuerst ist es die Überalterung der Gesellschaft bedingt durch die geringen Geburtenzahlen. Dieses Phänomen betrifft zwar alle Industriestaaten, ist aber in Deutschland besonders ausgeprägt, hier werden trotz umfassender Familienpolitik besonders wenig Kinder geboren. Die wenigsten Kinder bekommen zudem Frauen mit höherer Bildung, Frauen mit geringer Bildung kommen auf deutlich mehr Kinder, was auch an sozialpolitischen Fehlanreizen liegt. Diese Verteilung führt bei den Kindern vermehrt zu Bildungsdefiziten. Die entstehenden Lücken in der Bevölkerungsentwicklung durch Migration ausgleichen zu wollen, funktioniert in Deutschland leider auch nicht, da junge und gut ausgebildete Emigranten eher in englischsprachige Länder auswandern. Die es nach Deutschland ziehenden Einwanderer kommen dagegen häufig, um den hier noch sehr umfangreichen Sozialstaat in Anspruch zu nehmen. Diese Entwicklungen führen in ihrer Summe dazu, das die Menschen mit deutscher Muttersprache in Deutschland immer weniger werden und diese wenigen auch immer ungebildeter werden. Thilo Sarrazin will diese Entwicklung nicht einfach hinnehmen, er zeigt mögliche Auswege auf, deren Verwirklichung aber auch den politischen Willen erfordern, genau das zu tun. Die derzeitigen politischen Konstellationen lassen das jedoch nicht erwarten, da es hier eine Mehrheit gibt, die für ein Aufgehen der Staaten in supranationalen Bündnissen ist, mit gleichen Lebensbedingungen, gleichen Werten und frei vom Wettbewerbsdruck. Deutschland blickt auf eine mehr als eintausendjährige Geschichte zurück, die reich an Höhen und Tiefen war. Seine Kultur ist ein Teil der kulturellen Vielfalt Europas, die es Wert ist, gerade in dieser Vielfalt erhalten zu bleiben.

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  • Rezension zu "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin

    Deutschland schafft sich ab

    megabaron66

    22. December 2012 um 02:26

    In diesem Buch werden einige Grundprobleme beschrieben die unsere Gesellschaft verschlechtern! Man findet sehr viele Statistikauswertungen in diesem Buch und die dazügehörigen Kommentare des Autors. Seine Perspektive ist extrem einseitig aber auf der anderen Seite seine Lösungsvorschläge, wie Ganztagsschule finde ich sehr diskutabel, denn dadurch werden viele Kinder Bücher lesen, anstatt World of Warcraft zu spielen! Aber.. Lieber Herr Sarrazin, sie können nicht verlangen, die Religiosität eines Migranten an die neue Gesellschaft anzupassen, das wäre alles andere als Integration!

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  • Rezension zu "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin

    Deutschland schafft sich ab

    stalker

    Das Handbuch für jeden Selbstaufwerter, das nichts anderes sagt, als dass mal wieder die anderen schuld sind. Schlimm ist das. Wirklich schlimm. Sind keine guten Menschen, die solchen profanen Populismus mögen, folgen, warten auf einen Führer, nicht so hässlich wie der Sarrazin, Guttenberg passt da schon eher, der würde aufräumen und die Welt wäre schöner. Himmel diese Selbstverleugnung, diese Abwertung von Minderheiten. Das ist primitiv, das ist ein Zeichen von mangelnder Bildung, das ist mitunter auch gefährlich.

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  • Rezension zu "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin

    Deutschland schafft sich ab

    sabine_jede

    15. November 2011 um 14:42

    Ganz Unrecht hat er ja nicht, der Herr Sarrazin. Sicher, er hat vieles vielleicht ein bisschen zu krass und überdeutlich formuliert. Jedoch wurden seine Aussagen aus dem Buch fast immer aus dem Kontext gerissen. Man sollte sich also seine Meinung zum Buch erst NACH der Lektüre dessen bilden. Ich fand es durchaus angebracht, dass jemand auch mal unbequeme Wahrheiten ausspricht.

  • Rezension zu "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin

    Deutschland schafft sich ab

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Über den Inhalt dieses Buchs kann ich gar nichts sagen, da ich nciht weiter als bis zur dritten Seite der Einleitung gekommen bin. Allein die EInleitung war schon über zehn Seiten lang und das ist für mich viel zu viel. EIne Einleitung soll kurz darstellen, worum es geht und aus welchem Anlass das Buc hgeschrieben wurde. Das kann man auch auf drei bis max. fünf Seiten. Und was mich echt gestört hat ist, das Sarrazin dann auch noch angefangen hat aus seiner Amtszeit irgendwas zu erzählen, was nicht wirklich im Zusammenhang mit vorher geschriebenen stand. Danach hatte ich einfach keinen Bock mehr weiter zu lesen!!

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  • Rezension zu "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin

    Deutschland schafft sich ab

    leserin

    24. June 2011 um 13:33

    Ich habe "Deutschland schafft sich ab" mit einem gewissen Vorurteil gelesen, da ja in den Medien überall viel berichtet wurde. Für mich war es ein recht interessantes und gescheit verfaßtes Buch. Bei Vielem könnte ich dem Autor wirklich zustimmen. Er räumt mit vielen vorgefaßten Meinungen auf und belegt auch die Fakten schwarz auf weiß. Herr Sarrazin hat die politischen und wirtschaftlichen Themen sehr gut aufbereitet und spannend niedergeschrieben. Es liest sich für ein Sachbuch äußerst anregend. Er gibt auch sämtliche Quellen zum Nachrecherchieren an. Viele aufschlußreiche Statistiken verfestigen das Geschriebene. Auf alle Fälle regt das provokante Buch zum Nachdenken an und es soll von jedem jungen und auch älteren Europäer gelesen werden. Auch als interessante Schullektüre könnte ich es empfehlen.

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  • Rezension zu "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin

    Deutschland schafft sich ab

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    19. June 2011 um 11:58

    Thilo Sarrazin analysiert die drängendsten Probleme in Deutschland und zeigt, welche Wege aus der Krise des Sozialstaats führen könnten. Er beschreibt die dramatischen demografischen Verschiebungen der letzten Jahrzehnte; er warnt vor einem Sozialsystem (so wie es bei uns gehandhabt wird), das keine Anreize bietet, ein selbstbestimmtes Leben zu führen; er setzt sich mit der Migrationsproblematik auseinander und legt dar, wie die deutsche Bildungspolitik(meiner Meinung nach, ist die sehr verfehlt) die Situation eher verschlimmert als löst. Mit seinem Buch stößt Thilo Sarrazin eine wichtige Debatte zu den brennenden gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit an. Die Debatte dazu wird nur leider von vielen Seiten sehr einseitig und Sarrazin verdammend geführt. Die Wahrheit ist manchmal eben schmerzhaft, und wenn unseren ach so wohlmeinenden Gutmenschen und Politikern der Spiegel vorgehalten wird, dann reagieren sie etwas verschnupft(mal freundlich ausgedrückt). In diesem Buch wird NIEMAND, wie es allgemein verbreitet wurde, als Krebsgeschwür der Gesellschaft betitelt. Die Sprache des Autors bleibt allzeit sachlich. Manchmal war es mir etwas zu Zahlenlastig, was das lesen an sich etwas zäh gestaltete. Wer mitreden und mitdiskutieren will, muss dieses Buch gelesen haben. Thilo Sarrazin schrieb mit „Deutschland schafft sich ab – Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“ ein hochaktuelles und ebenso wichtiges Buch, das Deutschland jetzt braucht – und nicht in zehn Jahren! Ohne dieses Buch würde nicht über die Qualität der Migration nachgedacht und diskutiert werden, was meiner Meinung nach nötig ist, und genau deshalb verstehe ich die Menschen nicht, die Sarrazin verurteilen. Aber, wie auch nach der ersten Rede unseres neuen Innenministers, der Wulffs Rede etwas abwandelte und meinte, der Islam gehöre sicher zu Deutschland wie das Christen- und Judentum, aber habe eben keinen geschichtlichen Hintergund in unserem Land, die Multikulti-Liebhaber und Gutmenschlein aufregte, so regt auch Sarrazin auf. Nur, sind solche Aussagen keine Verunglimpfung, sondern geschichtlich feststehende Tatsachen. Aber, es wird sicher immer irgendwelche Besserwisser geben, die auch gerne die Geschichte umschreiben würden.

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  • Rezension zu "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin

    Deutschland schafft sich ab

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Sarrazins Sachbuch "Deutschland schafft sich ab" ist wohl das umstrittendste Buch des vergangenen Jahres gewesen. Auch ich - so gebe ich unverblümt zu - war angesichts der GEHÖRTEN Aspekte in den Medien sehr skeptisch und dem Mann sowie seinen Ansichten gegenüber negativ eingestellt. Aber man soll ja nicht beurteilen, was man nicht aus erster Hand erfahren hat, und so nahm ich mir die Zeit und las nun, in meinen besinnlichen Weihnachtsferien, diesen knapp 400 Seiten starken Wälzer, der gemeinhin als schwere Kost gilt. Zuerst einmal sei gesagt: Schwere Kost ist etwas anderes, zumindest dann, wenn man sich bereits fünf Jahre seines Lebens in einem universitären Hochschulstudium der Soziologie und Politikwissenschaft damit befasst hat. Im Vergleich zum Schreibstil Sarrazins gibt es tatsächlich hunderte andere Werke, deren "Genuss" um einiges schwerer fällt. Sarrazin schreibt sprachlich einfach, verwendet zwar hier und dort Fachbegriffe aus den entsprechenden Wissenschaften (aber es ist ja auch ein Sachbuch), bleibt aber insgesamt für den durchschnittlich gebildeten Bürger mit guten deutschen Sprachkenntnissen verständlich. Was an diesem Bestseller aber tierisch nervt, ist seine inhaltliche Inkonsistenz. Für mich war einfach kein roter Faden erkennbar, stattdessen wiederholt der Autor ein ums andere Mal, was er in einem kurzen, entsprechend betitelten Kapitel abschließend hätte darlegen können. So weiß der geneigte Leser nach nur ein paar Seiten, wie Herr Sarrazin zur Vererbung von Intelligenz steht, wie unterschiedliche Migrantengruppen bei PISA abschneiden oder warum Gebildete eher in die USA einwandern anstatt nach Deutschland. Da er solche Erkenntnisse aber sehr oft und in aller Ausführlichkeit wiederholt, wird dieses Werk so dick, wie es am Ende geworden ist - und es wird tatsächlich nervig. Der "literarische" Wert dieses Buches ist also eher unterdurchschnittlich. Nun wollen wir Herrn Sarrazin aber mal unterstellen, dass es nicht sein Ziel war, ein möglichst sprachlich ausgeklügeltes Meisterwerk zu schreiben - ihm ging es wohl mehr um Inhalte. Bekanntermaßen setzt sich der Autor mit Fragen der Sozial- und Bevölkerungspolitik auseinander und geht hierbei besonders auf die Fragen Migration und Integration sowie Demographie ein. Es wäre müßig und würde in diesem Rahmen sicherlich zu weit führen, seine Thesen zu erläutern und selbst Stellung dazu zu beziehen. Da ich mich in den vergangenen Jahren selbst v.a. im Bereich Demographie umfassend bilden durfte, sind mir viele von Sarrazins Zahlen und Fakten nicht unbekannt, auch einige Positionen bekannter Sozialwissenschaftler, aber auch Politiker und Philosophen habe ich bereits gehört. Es ist kein Geheimnis, dass die Sozialwissenschaften kein Feld sind, in denen ununterbrochen verifiziert wird - eher das Gegenteil ist der Fall. Und deshalb ist es nur logisch, dass die Ausführungen des Autors - jedes Autors eines sozialwissenschaftlichen Buches, das den Anspruch hat, "persönliche Ansichten" (S. 410) darzulegen und zu begründen - auch auf Widerspruch stößt. Mit diesem Widerspruch muss der Autor leben - und ich denke, das kann er ganz gut. Mein Widerspruch gegen die Ausführungen Sarrazins erstrecken sich v.a. auf den willkürlichen Umgang sozialwissenschaftlicher Begriffe und deren unterstellter Korrelation. So wird der Schichtbegriff ständig mit der beruflichen Position und damit einhergehend (!) mit Bildung gleichgesetzt, genauso wie Intelligenz bei Sarrazin automatisch etwas mit Leistung und Einkommen zu tun hat. Dass er davon überzeugt ist, dass Intelligenz in einem hohen Grade vererbt sei, betont er ja nicht nur ein Mal, blendet aber die soziale Umwelt und den Einfluss der Gesellschaft (außerhalb der Familie) weitgehend aus. Inwiefern die von ihm vorgeschlagenen "Lösungen" durchführbar, sozial oder was auch immer sind - darüber kann man sicher eine Nacht und mehr streiten. Mein Fazit am Ende dieses Buches: Wer mitreden will, muss es wirklich gelesen haben. Wer mitreden will, muss sich einzelne Thesen heraus greifen und auf diese eingehen. Vieles lässt sich widerlegen, gerade die unnötigen Pauschalisierungen ("die Migranten", "die Unterschicht") rufen zu Widerspruch auf. Inhaltlich ist für mich das Fazit, dass Sarrazin in einigen Punkten durchaus Nachdenkenswertes aufzeigt und benennt, dass er auch Lösungen vorschlägt, die ich in einiges Punkten als durchaus sinnvoll erachte. Aber auch ein Herr Sarrazin präsentiert hier meiner Meinung nach kein Allheilmittel, und die von ihm vielgerühmte Einwanderungs- und welfare-Politik der USA hat genauso Nachteile wie die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Frankreich. Klar ist - er will mit diesem Buch provozieren und eine Diskussion anregen - und das hat er geschafft. Es wäre halt schön, wenn die notwendige Debatte um die Zukunft des Sozialstaates und Deutschlands allgemein an den Stammtischen etwas reflektierter geführt werden würde - und Sarrazins Buch trägt genau dazu in einigen Teilen eben NICHT bei. (P.S.: Ich habe die 1. Auflage gelesen, die also, in der es die Sache mit dem jüdischen Gen noch gibt. Dazu muss ich mich wirklich nicht auslassen, und aus nicht ersichtlichen Gründen (...) hat er es in der aktuellen Auflage ja auch weggelassen. Wenn Herr Sarrazin noch gesagt hätte, er habe da einen falschen Schluss gezogen, wäre es wirklich groß. So ist es eher scheinheilig)

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  • Rezension zu "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin

    Deutschland schafft sich ab

    Sokrates

    15. March 2011 um 09:46

    Sarrazins Buch hat wie kein anderes in den vergangenen Monaten die Gemüter der Bevölkerung und die Seiten der Feuilletons erhitzt. Allein wegen dieser Diskussion war es wert, das Buch einmal zu lesen. - Gleich zu Anfang möchte ich eine werbewirksame und provokante Aufmachung bemängeln. Das Buch kommt daher mit knallrotem Einband und dicken, fetten Buchstaben einschließlich Angst schürendem Titel, der quasi eine „Endzeitstim-mung“ der deutschen Kultur und Gesellschaft heraufbeschwört. Strategie war es offensichtlich auf die bereits im Zeitpunkt der Buchveröffentlichung bestehende Diskussion über die gesellschaftlichen Probleme anzuknüpfen; hierzu bediente man sich (mal wieder) klassischer Methoden, die auch beim Boulevard-Journalismus regelmäßige Anwendung finden. - Der Schreibstil ist angenehm, trotz wirtschaftlichen, politischen und soziologischen Vokabulars bleibt der Text auch für Laien gut lesbar. Eingebettet sind eine Reihe von Statistiken und Zahlen. Auch im Text wird eine Vielzahl von Quellen zitiert. Eine umfangreiche Recherche liegt der Arbeit somit zugrunde, die (wohl, ein Restrisiko bleibt) auf ausreichend statistisches Material zurückgreift, um halbwegs die Wirklichkeit bewerten zu können. Die Argumentation Sarrazins, ausgehend von seinen Fakten, erscheint in sich schlüssig. - Sarrazins Zentralproblem kann man wohl als die Angst vor einer Ausweitung der ungebildeten, oft dem Migrationsmilieu zuzuordnenden „Unterschicht“ bezeichnen. Die Ausweitung geschieht seiner Meinung nach durch eine erhöhte Geburtenrate. Unter den Angehörigen der Unterschicht sieht er viele Arbeitsunwillige und Schlechtgebildete, die vermehrt – wenn ein Migrationshintergrund vorliegt – aus Ländern des Nahen Ostens und der Türkei stammen. Dass das Unterschichtenproblem nicht eine momentane Problematik darstellt, sondern sich weiterentwickelt, sieht er darin begründet, dass diese – meist von Transferleistungen lebenden Menschen – eine höhere Geburtenrate nachweisen würden und gleichzeitig – so seiner Meinung nach wissenschaftlich bewiesen – ihre nicht vorhandene Intelligenz im Wege der Vererbung an ihre Kinder weitergeben. Dabei wird – nicht immer – verkannt, dass auch die Ober- und Mittelschicht ein Problem hat. Es ist gesamtgesellschaftlich eine Schieflage zu beobachten, die sich nicht ausschließlich durch finanzielle Armut ausdrückt. Insbesondere die immer mehr schrumpfende Mittelschicht hat große Probleme, unter den neuen gesellschaftlichen Gegebenheiten ihre Rolle neu zu definieren. Kinder aus allen gesellschaftlichen Schichten zeigen Probleme, es wird allgemein – und nicht ausschließlich bei den unteren Bevölkerungsschichten – über den geringen Bildungsgrad, das allgemeine Desinteresse und das destruktive Verhalten junger Menschen Kritik geübt. Und: selbst wer heute einen Universitätsabschluss hat rutscht oftmals nach dem Studium erst einmal ab, gehört zum „Prekariat“ und lebt von Harz-IV, da er teilweise recht lang nach einer Arbeitsstelle sucht, die auch seinem Ausbildungsniveau entspricht. Sicher gewährt die Grundsicherung heute ein Überleben, das nicht unbedingt den totalen Ausschluss aus der Gesellschaft bedeutet und ein Überleben sichert. Sarrazins Motiv der sich ausbreitenden Unterschicht ist ein Altbekanntes; schon zu Ende des 19. Jh. kursierte eine undefinierbare Angst, dass die unteren Gesellschaftsschichten zu einer Bedrohung der Oberen werden könnten. Schwierig die heutige Situation mit dieser Angst vergleichen zu wollen, denn die gesamte Gesellschaft zeigt Zeichen einer Schieflage, einer Zersetzung. - Viele Argumente, insbesondere hinsichtlich der oftmals nicht geglückten Integration, dem Nebeneinander oft sich ausschließender Gesellschaftsverständnisse wie dem Westlichen und dem vom Islam geprägten oder der schlechten Bildungssituation sind nachvollziehbar und werden, sieht man genauer hin, von vielen Menschen in diesem Land gerade so vertreten. Dass Deutschland ein Ausländerproblem hat wird auch von vielen Mitbürgern so gesehen, ob dem tatsächlich so ist, weiß keiner; es wird allgemein angenommen, dass jedes Jahr unzählige neue Ausländer einwandern... Dass akademische Milieus weniger Kinder bekommen hat sehr viele Ursachen, auf die Sarrazin auch keine ausreichenden Antworten parat hat. Zwar erkennt er, dass allein die Ausbildung dieser Menschen lange währt und eine solide Arbeitsstelle erst weit in den 30-ern erreicht wird, wie dem abgeholfen werden kann, da bringt er nur unzureichende Vorschläge. Junge Frauen mit Kind bleiben in dieser leistungsorientierten Gesellschaft immer etwas zurück; Arbeitgeber fürchten Arbeitsausfälle und dergleichen. Und solange viele akademische Familien erst weit nach ihrem 30 Lebensjahr sagen können, dass sie sich eine akzeptable und sichere Existenz aufgebaut haben in die Kinder hineingeboren werden können, wird sich an der geringeren Geburtenrate unter gut- und hochgebildeten Familien wenig ändern. Es bleibt letztendlich eine logische und zwangsläufige Reaktion auf die gesamtgesellschaftliche Situation dieser Menschen. Eine Lösung bringt Sarrazin hierfür nicht. - Der Autor argumentiert sehr konservativ, spielt mit einer weit verbreiteten Angst der Gesellschaft, noch mehr von ihrer Sicherheit und ihrem Status abgeben zu müssen. Schon vorhandene Feindbilder werden durch statistische Fakten scheinbar weiter untermauert. Verloren geht auf diese Weise die Fähigkeit des Einzelnen, sich vor einer abschließenden Beurteilung der gesamtgesellschaftlichen Lage freizumachen, nur für den Einzelfall zu entscheiden und sich keinen Stereotypen anzuschließen. Denn für alle vorgebrachten Beispiele gibt es Ausnahmen, in den unterschiedlichen Facetten. Sarrazins Buch stellt daher für mich lediglich eine Seite der Medaille dar; und zwar die konservative Sicht auf die aktuelle Gesellschaftslage. Ich halte es deshalb für wichtig, nach dieser Lektüre eine Gegendarstellung zu lesen, denn alle Argumente Sarrazins kann man auch aus einem anderen Blickwinkel heraus beschreiben und anschließend bewerten. Für mich liegt die Lösung unserer Probleme nicht in einer angedrohten Mittelkürzung bei Beziehern von Transferleistungen, um sie zum Arbeiten anzuregen, und auch nicht bei einer verringerten Einwanderung oder einer „Eliten(geburten)förderung“, sondern in einer insgesamten Änderung der mentalen und gesellschaftlichen Verhältnisse, insbesondere im Zusammenhang mit der Globalisierung. Diese Änderung erscheint mir jedoch sehr, sehr schwierig und wird wohl auch zu einer Generationenaufgabe.

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  • Rezension zu "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin

    Deutschland schafft sich ab

    Avatarus

    27. January 2011 um 23:38

    Herr Sarrazin hat mit Sicherheit nicht mit allem Recht was er da skizziert. Ich finde, es ist ein wichtiges Buch, welches wichtige Diskussionen im Lande anregen sollte. Einige Dinge sind, wie er es ausdrückt, sicherlich nicht der richtige Weg, um auf Dinge hinzuweisen. Jedoch sollte deswegen das ganze Buch und somit seine Meinung nicht gleich zerrissen werden, nur weil er einige kritikwürdige Aussagen getroffen hat. Ich glaube nicht, dass er damit ausländerfeindliche Parolen schüren wollte. Im Grunde sollte sich jeder das Recht verdienen, in unserem Lande leben zu dürfen. Dafür muss was getan werden. Aber auch die, die hier leben und für das Land was tun, muss was getan werden. So, wie es jetzt läuft, kann es, so seine Vision, und diese hat in der Vergangenheit nicht nur er alleine vertreten, mit Deutschland nicht weitergehen. Das tagtägliche Arbeiten auf der Strasse beweist das.

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  • Rezension zu "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin

    Deutschland schafft sich ab

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    02. January 2011 um 16:48

    Wie schreibt man seine Meinung zu einem so heiß diskutierten Buch...? Am besten gar nicht, um nicht sofort selbst angefeindet zu werden. Doch vieles spricht mir zu sehr aus dem Herzen und es schockierte mich zu sehr, in den Medien miterleben zu müssen, wie weit es mit der Meinungsfreiheit in Deutschland noch her ist. Als Judenhasser, Nazi und ähnliches wurde Sarrazin beschimpft, ganze Beiträge von ihm nicht gesendet oder geschnitten! Dabei muss jeder halbwegs reflektierende Bürger nach der Lektüre dieses Buches zugeben, dass er zwar teilweise bewusst provoziert und so manche Aussage vielleicht auch etwas entschärft hätte tätigen können; dabei im Kern aber durchweg Recht hat und viele Anstöße zur Besserung gibt, was den meisten Kritikern meines Erachtens nach fehlt. Denn nur Meckern, aber keine Lösungsvorschläge aufzeigen, kann jeder! Und so erlebte ich die Lektüre dieses Buches zwar als anstrengend, aber auch sehr bereichernd. Und klar ist: es muss sich dringend etwas ändern in unserem Land!

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  • Rezension zu "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin

    Deutschland schafft sich ab

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Wie steht es um Deutschland? Wie steht es um Deutschland? Und vor allem: wie steht es um Deutschlands Zukunft? Thilo Sarrazin analysiert die Probleme Deutschlands und bespricht diese in seinem heiß umstrittenen Buch „Deutschland schafft sich ab – Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“. Aber was sind Deutschlands Probleme? Egal, wen man auf der Straße fragt, jeder wird Ihnen mindestens ein Problem nennen können. Sei es die sinkende Geburtenrate oder die Staatsschulden; der eine oder andere wird als Problem die Bildungspolitik und die Arbeitslosigkeit nennen; und man wird auch sicherlich die Migrationspolitik nennen – natürlich nur im Zusammenhang mit muslimischen Migranten. Das sind die Probleme, die Sarrazin in seinem Buch genauer unter die Lupe nimmt. Er schreibt über die Ursachen, die Entwicklung und die Zukunft der oben aufgezählten Probleme. Und an Hand dieser Beispiele zeigt er auf, wie es um Deutschland geht. Alle die behaupten, hier würde es nur um Migranten gehen und darum, dass man sie abschieben sollte oder dergleichen, sollte dieses Buch erst einmal lesen. Sarrazin schreibt auch über Migrationspolitik und -probleme, aber auf gar keinen Fall rassistisch oder dergleichen. Thilo Sarrazin schrieb mit „Deutschland schafft sich ab – Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“ ein hochaktuelles und ebenso wichtiges Buch, das Deutschland jetzt braucht – und nicht in zehn Jahren! Ohne dieses Buch würde nicht über die Qualität der Migration nachgedacht und diskutiert werden, was meiner Meinung nach nötig ist, und genau deshalb verstehe ich die Menschen nicht, die Sarrazin verurteilen. Wenn wir nicht wollen, dass Deutschland in fünfzig Jahren zu einer zweiten Türkei geworden ist, müssen wir handeln. Wie Christian Wulff schon sagte: der Islam gehört genauso zu Deutschland, wie das Judentum und Christentum. Und das ist auch richtig und Sarrazin begrüßt diese These! Aber dennoch, müssen sich islamische Migranten genauso anpassen, wie alle anderen Bürger der Bundesrepublik Deutschland auch. Alle Seiten müssen handeln. Es geht nicht, dass alles nur von einer Seite betrachtet wird, denn es gibt immer zwei Seiten. Und zwei Seiten müssen dabei an der Diskussion und Migration teilnehmen. Erstveröffentlichung: http://literaturecosmos.wordpress.com/

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    Ein LovelyBooks-Nutzer

    02. November 2010 um 10:19
  • Rezension zu "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin

    Deutschland schafft sich ab

    Gospelsinger

    (Langversion auf meinem Bücherblog http://buchblinzler.blogspot.com/) Mich wundert es überhaupt nicht mehr, dass es Berlin finanziell so schlecht geht. Schließlich war Sarrazin hier Finanzsenator, und wenn ich mir sein Buch so ansehe, frage ich mich, wie ein Mensch, der einen so laxen Umgang mit Zahlen hat, jemals auf solch eine Position kommen konnte, geschweige denn in den Vorstand der Bundesbank. Sarrazin wandelt den guten alten Spruch Churchills, „Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe“ um in „Ich nehme eine Statistik und biege sie so um, dass sie in meine Argumentation passt“. Die unsaubere Argumentationsweise Sarrazins zieht sich durch das gesamte Buch. Sarrazin betrachtet durchgehend das Individuum losgelöst von der Gesellschaft, in der es lebt. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wie Globalisierung, Verlagerung von Produktion, Auswirkungen der überstürzten Einheit, defizitäre Bildungspolitik, mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der vermehrte Medienkonsum und vor allem die verfehlte Integrationspolitik werden ausgeblendet. Beruflicher Erfolg wird von Sarrazin als nur vom IQ abhängig dargestellt. Ein hoher IQ sorgt bei Sarrazin automatisch für Erfolg und hohes Einkommen. Pech für mich (IQ 130), dass das so nicht stimmt. Sarrazin übersieht, dass gerade Hochbegabte in dieser Gesellschaft oft in Schule und Beruf nicht erfolgreich sind. Er behauptet außerdem, dass intelligente Kinder der Unterschicht aufsteigen, während „dümmere“ Kinder der höheren Schichten absteigen. Das stimmt nun leider ebenfalls überhaupt nicht. „Dumme, faule“ Kinder der höheren Schichten bekommen Nachhilfe, werden notfalls im Internat durchs Abitur gebracht und kommen durch den heimischen Familienbetrieb oder durch Beziehungen trotzdem an einen hochdotierten Job. Auf der anderen Seite haben Arbeiterkinder, die es irgendwie trotz aller Widerstände aus eigener Kraft auf die Universität geschafft haben, danach schlechtere Berufsaussichten, weil ihnen die Beziehungen und der richtige Stallgeruch fehlen. Sarrazin behandelt, ohne sich um Gegenbeweise von Experten zu kümmern, seine Behauptungen als Tatsachen und nimmt sie als Basis seiner Modellrechnungen. Dabei macht sich bemerkbar, dass er Volkswirtschaftler ist. Wie alle Volkswirtschaftler erarbeitet er Modellrechnungen, indem er vorab einige Parameter ausschließt. So ergeben sich schlüssige Modelle, die nur den kleinen Fehler haben, in der Realität nicht zu funktionieren, weil die so schön ausgeschlossenen unbequemen Parameter im wahren Leben leider vorhanden sind. Mit der Lebenswirklichkeit hat Sarrazin ganz allgemein offensichtlich wenig am Hut, und auch genaues Zuhören ist seine Sache nicht. Von den geführten Gesprächen, z.B. mit dem Bürgermeister des Berliner Problembezirks Neukölln, Buschkowsky, nimmt er nur die Informationen auf, die in sein krudes Weltbild passen und zeigt sich allen anderen Fakten gegenüber „beratungsresistent“ (Buschkowsky im SPIEGEL 36/2010). Sarrazin teilt die Einwanderer in Gruppen ein und macht an der ethnischen Abstammung den Grad der Integration fest. Wie schon zuvor, bezieht er auch hier die Rahmenbedingungen nicht ein. Er unterwirft z.B. Aussiedlern und Afrikanern den gleichen Kriterien, obwohl gerade diese Gruppen sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen haben. Während Aussiedler als Deutsche gelten, Wohnungen und Sprachkurse finanziert bekommen, arbeiten dürfen und den vollen Sozialhilfesatz erhalten, kommen Afrikaner meist als Flüchtlinge, die in Heimen kaserniert werden, für die keine Sprachkurse finanziert werden, die nur einen reduzierten Sozialhilfesatz erhalten, nicht arbeiten dürfen, deren Aufenthaltsstatus jahrelang ungeklärt ist und die nicht einmal den zugewiesenen Landkreis verlassen dürfen. Eine Integration wird so schon per Gesetz unmöglich gemacht. Sarrazin beklagt die mangelnde sprachliche Qualifikation Auszubildender, ohne auf die Versäumnisse in der Bildungspolitik näher einzugehen. Im Gegenteil, er ist stolz darauf, mehr Lehrerstellen in Berlin verhindert zu haben. Auch die Abschaffung der Vorklassen und die Streichung von Sprachunterricht gehen auf sein Konto als Finanzsenator. Sarrazin behauptet, die „gemessenen Indikatoren des Sozialverhaltens“ seien „allesamt einkommensunabhängig“. Eine gesunde Ernährung kostet aber Geld, genau wie eine Freizeitgestaltung ohne Fernseher, wie die Mitgliedschaft in einem Sportverein, wie der Besuch eines der wenigen noch zur Verfügung stehenden Schwimmbäder, wie ein heutzutage unumgänglicher Internetanschluss, wie das Erlernen eines Instruments oder eine Chormitgliedschaft und wie der Kauf von Büchern. Dass Kinder „im Park oder auf dem Bolzplatz“ spielen, ist kaum noch möglich. Baulücken werden geschlossen, in den Parks sind Ballspiele verboten und Spielplätze werden aus Kostengründen abgebaut. Sarrazins Lieblingsthemen tauchen in allen Kapiteln des Buches auf, so auch seine zynische These, dass nicht arm ist, wer von Hartz IV leben muss. Das Grundproblem seiner Argumentation ist, dass er ein bestimmtes Bild von Hartz IV-Empfängern hat, das sich aus Extremfällen speist. Ihm ist nicht bewusst – oder es interessiert ihn nicht, – dass inzwischen auch die Mittelschicht vermehrt in den Hartz IV-Bezug abrutscht. Auch Akademiker sind bedroht, beispielsweise bei einer längeren Erkrankung oder weil ein befristetes Arbeitsverhältnis endet. Es gibt durchaus Hartz IV-Empfänger, die sich um ihre Kinder kümmern und diese fördern, die ehrenamtlich tätig sind, und die ihre Kompetenzen ausbauen, indem sie sich mit den Sozialgesetzen vertraut machen, um sich gegen die Inkompetenz der JobCenter wehren zu können. Aber für Sarrazin sind Hartz IV-Empfänger per se betroffen von „einem niedrigen Niveau allgemeiner und beruflicher Bildung, von Suchtverhalten und von persönlichen Defiziten unterschiedlichster Art“. In Bezug auf Hartz IV-Empfänger betont Sarrazin immer wieder, man dürfe „das Individuum nicht grundsätzlich von der Verantwortung für sein Verhalten freisprechen.“ Schade, dass er diese Forderung nicht auch auf Banker und Manager ausdehnt, deren Verantwortungslosigkeit weitreichende Folgen hat. Leistungen soll es nicht ohne Gegenleistungen geben, Ausnahmen sind nur Raub und Ererbtes (sic!). „Die meisten Menschen haben gesunde Instinkte und wollen für ihr Auskommen selbst sorgen, andererseits sind sie realistisch und eigennützig und auch nicht abgeneigt, jede Gelegenheit zu nutzen, die Leistung ohne Gegenleistung verspricht.“ Das hat Sarrazin ja selbst gerade sehr anschaulich bewiesen. 1000€ zusätzlich (!) im Monat, ohne die geringste Gegenleistung erbringen zu müssen, das fände er bei anderen höchst unmoralisch. Wie praktisch, dass seine Postulate nicht für ihn selbst gelten! Dabei liebt er Arbeit doch so sehr: „die Sperrigkeit und Unbequemlichkeit des im Moment gerade Ungeliebten, die mit jeder Arbeit verbunden sind, und deren erfolgreiche Überwindung durch Willenskraft und Anstrengung ist ja die eigentliche Quelle der persönlichen Befriedigung.“ Das mag für jemanden in seiner Position zutreffen. Aber was würde beispielsweise eine Schlecker-Angestellte dazu sagen? Der Sarrazinsche Zynismus schlägt sich in seinen Vorschlägen, die Arbeitsaufnahme zu erzwingen, nieder: 1. Absenkung der Grundsicherung (Die damit so weit unter dem Existenzminimum läge, dass die Empfänger sicherlich nicht mehr arbeitsfähig wären); 2. Änderung der Anrechnungsvorschriften (leider führt er das nicht weiter aus); 3. Erwerbsfähige Menschen erhalten Leistungen nur noch gegen eine verpflichtende Gegenleistung (Also Zwangsarbeit. Und wer stellt die Erwerbsfähigkeit fest? Wie bisher die gleiche Behörde, die auch die Leistungen erbringt? Da wird es sicherlich, wie schon jetzt, massenhafte Wunderheilungen geben!). Und wieder zeigt sich, wie gut Sarrazin rechnen kann: Eine 30%ige (!) Absenkung des Regelsatzes für erwerbsfähige Mitglieder einer Bedarfsgemeinschaft berge nicht die Gefahr, dass die Bedarfsgemeinschaft in Not gerate. In Not geraten ist man schon mit dem Hartz IV-Bezug an sich, erst recht aber mit noch fast einem Drittel weniger. Schade, dass Herr Sarrazin so viel Geld eingesackt hat, dass er nie am eigenen Leib erfahren wird, wie sich seine Überzeugungen für diejenigen anfühlen, die nicht sein finanzielles Polster haben. Sarrazin kritisiert die Integrationsstatistiken, denn es fehlen „Aussagen zur unterschiedlichen Fruchtbarkeit der verschiedenen Migrantengruppen und den damit verbundenen demografischen Implikationen“. Dann macht es ja auch nichts, wenn man, wie Sarrazin, einfach eine Grundannahme trifft, mit der man die Statistik dann so hindrehen kann, dass der Anteil der muslimischen Migranten nicht mehr bei 4 Millionen, sondern plötzlich bei 6 – 7 Millionen liegt. Die vermehren sich halt schnell, sogar auf dem Papier. Für Sarrazin sind Muslime natürlich an ihrer Misere allein schuld. Dass sie sich „räumlich abgrenzen“, liegt selbstverständlich nicht an der Politik, die das durch Wohnungszuweisungen verursacht hat. Dass sie Opfer rassistischer Angriffe werden, liegt nur daran, dass sich die Frauen „optisch“ abgrenzen, also Kopftuch tragen. Und ihre mangelnden Erfolge im Beschäftigungssystem haben nichts mit Diskriminierung zu tun, denn Migrantengruppen, die „eher noch fremdartiger aussehen“, wie Inder und Asiaten, schneiden angeblich besser ab. Sarrazin bringt seitenlang Zahlenmaterial ins Spiel, das seine Thesen, die Migranten würden nur von Sozialleistungen leben, angeblich untermauern soll. Allerdings muss er kurz danach einräumen, dass seine Zahlen nicht aussagekräftig sind, denn „die Statistik der Bundesagentur für Arbeit enthält also weder eine direkte noch eine indirekte Information zum Gewicht der muslimischen Migranten bei den Beziehern von Transfereinkommen.“ In Klartext: Sarrazins Behauptungen haben keinerlei nachweisbare Grundlage. Wie sehr Sarrazin sich immer wieder selbst widerspricht, zeigt sich auch in der Kopftuchdiskussion. Einerseits hat er den Ausspruch getan, er wolle keine „Produktion“ von Kopftuchmädchen, andererseits stellt er fest: „Die Mädchen mit den strengsten Kopftüchern entstammen den religiös orthodoxen Familien und sind meist recht gebildet.“ Wie bitte? Niedriger IQ und unterdrückt, aber trotzdem gebildet? Während türkische Mädchen auch Kopftuch tragen, „aber bauchfrei gehen und gepierct sind“ (??? Ich habe noch nie ein Mädchen gesehen, dass gleichzeitig Kopftuch und bauchfreies Top trägt!), von der Hauptschule kommen und als „blöd“ gelten. Ist das Kopftuch also doch nicht automatisch ein Indikator für mangelnde Bildung? Dafür vielleicht der sichtbare Bauchnabel? Unsinnig ist auch seine Aussage, die „Übergänge vom Kopftuch über den Schleier zur Burka“ seien „gleitend“. Die unterschiedlichen Formen der Verschleierung kommen aus unterschiedlichen islamischen Regionen und stellen kein Stufenmodell dar. Immer wieder setzt Sarrazin seine bürgerliche Herkunft und die Sitten seiner Vorfahren als Maßstab. Natürlich, ohne darauf einzugehen, dass er einer Einwandererfamilie entstammt. Lieber Herr Sarrazin, wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert, nicht jedes Mädchen bringt eine Mitgift mit, die damaligen Frauen haben bestimmt nicht immer freiwillig 4 – 7 Kinder bekommen und Scheidungen sind mir zur Not lieber als arrangierte, von wirtschaftlichen und politischen Interessen getragene (Zwangs-)Ehen. Dass auch Arme heiraten können, empfinde ich als Fortschritt, ebenso wie die verringerte Kindersterblichkeit. Sarrazin hat etwas gegen die Autonomie der Frauen, sich für einen anderen Lebensentwurf als den einer Mutter zu entscheiden und gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften. All das passt nicht in sein Bild einer erstrebenswerten Gesellschaft, das fest im 19. Jahrhundert verortet ist. Abschließend macht Sarrazin sein Ziel noch einmal unmissverständlich klar: „Wer aber vom Staat alimentiert wird, soll nicht dazu verführt werden, diese Unterstützung durch Kinder zu erhöhen.“ Worauf das hinausläuft, wurde in diesem Land schon einmal betrieben: Zwangssterilisation. Und auch sein Vorschlag, wie man eine höhere Geburtenrate bei Akademikerinnen erreichen kann, ist nicht neu: Gebärprämie. Wollen wir nicht auch das Mutterkreuz wieder einführen? Denn auch ideologisch macht Sarrazin einen jahrzehnteweiten Rückschritt, wenn er die Erhaltung der Identität des deutschen Volkes beschwört. Soll man ihn deshalb nun aus der SPD ausschließen? Nein. Denn damit würde man ihn und seine kruden Ansichten ernst nehmen. Die Ansichten eines zutiefst verängstigten und lebensfernen Menschen, der ein rassistisches und antiquiertes Weltbild hat, sich den Sozialdarwinismus zurückwünscht, seine Familiengeschichte als Verdienst auffasst und völlig realitätsfern ist. Lasst ihn in die Bedeutungslosigkeit versinken. Denn er hat weder eine Analyse, noch vernünftige Lösungsansätze zu bieten. Lest lieber das Buch von Kirsten Heisig und diskutiert deren von praktischer Erfahrung gespeisten Thesen. Setzt euch mit ihren Ideen und deren Umsetzung auseinander. Diskutiert die von Heinz Buschkowsky vorgeschlagenen Maßnahmen. Aber verzichtet auf eine Diskussion der rückwärtsgewandten Thesen Sarrazins. Sie bringen uns nicht weiter.

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