Thomas Adcock

 4.6 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Ertränkt alle Hunde, Feuer und Schwefel und weiteren Büchern.

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Der Himmel des Teufels

Der Himmel des Teufels

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Erschienen am 01.08.1999
Devil's Heaven

Devil's Heaven

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Erschienen am 25.06.2011
Drown All the Dogs

Drown All the Dogs

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Erschienen am 01.01.1995
Dark Maze

Dark Maze

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Erschienen am 07.05.2011

Neue Rezensionen zu Thomas Adcock

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Rezension zu "Der Himmel des Teufels" von Thomas Adcock

"Hock" is back
Stefan83vor 7 Jahren

Vier mal angetreten, vier mal die Goldmedaille. Auch mit dem (bisher) letzten auf Deutsch erschienen Titel aus der Neil-Hockaday-Reihe weiß der Autor Thomas Adcock wieder auf ganzer Linie zu überzeugen. Und warum die anderen beiden Bände nie eine Übersetzung erfahren haben, darf angesichts solcher Qualität einmal mehr für Kopfschütteln sorgen. Allein die Verkaufszahlen müssen hier die Entscheidungsfindung diktiert haben. Alles andere wäre nach den vier herausragenden Titeln, von denen einer sogar den begehrten Edgar Award erhalten hat, nicht nachvollziehbar.

Auch "Der Himmel des Teufels" ist wieder ein waschechtes Exemplar des "Krimi-Noir", das diesmal noch mehr als in seinen Vorgängern eine ganze Portion "Hardboilded" in sich trägt.

Nach dem Neil "Hock" Hockaday und Ruby Flagg frisch verheiratet von Irland nach New York zurückgekehrt sind, ziehen schon die ersten schwarzen Wolken über der noch so jungen Ehe auf. "Hock" leidet unter dem schmerzlichen Vermächtnis seines Vaters und sucht Trost bei seinem Freund "Johnny Walker Red". Ruby und "Hocks" alter Freund und Mentor Davy Mogaill sehen keine andere Wahl. Sie bringen ihn zu katholischen Priestern, wo er sich einer intensiven Entziehungskur unterziehen soll. Sechs Wochen später wird "Hock" entlassen. Trocken, aber wenig dankbar. Ruby ist derweil dabei ihre frühere Karriere in einer Werbeagentur wieder aufzunehmen, um die arg klamme Familienkasse aufzufüllen. Doch schon ihr erster Arbeitstag durchkreuzt ihre Erwartungen und Pläne. Fred Crosby, einer der Partner der Agentur, wird gekreuzigt und verstümmelt in seiner Wohnung aufgefunden, und sein homosexuelles Doppelleben dringt medienwirksam nach und nach an die Öffentlichkeit. "Hock", offiziell immer noch vom Dienst beurlaubt, klinkt sich als Private Eye eigenmächtig in die Ermittlungen ein und sticht damit in ein äußerst umfangreiches Bienennest.

Auch "Der Himmel des Teufels" bietet wieder eine knallharte Lektüre, die nicht nur sauspannend und beklemmend daherkommt, sondern gleich mit einer Vielzahl von schillernden, grandios beschriebenen Figuren aufwartet. Was Adcock hier auf Papier bringt ist schlichtweg einfach meisterhaft und dabei streckenweise mehr als drastisch hart. Geizte der Autor schon in den vorherigen Bänden nicht mit Brutalität in seinen Gewalt- und Leichenszenen, scheinen hier in manchen Passagen die Seiten vor Blut zu triefen.

Während dies jedoch bei vielen aktuellen Schriftstellern derart platt präsentiert wird, dass sich beim Gähnen die Kiefer ausrenken, läufts dem Leser bei Adcock eiskalt den Rücken herunter. Mit "Der Himmel des Teufels" wurde da ein mehr als passender Titel gewählt, denn "Hock" hat nicht nur mit seinen eigenen verführerischen Dämonen zu kämpfen, sondern auch mit Gegenspielern der übelsten Sorte. Allen voran scheint dies King-Kong Kowalski zu sein. Ein übergewichtiger, für seinen Sadismus bekannter Sergeant beim Dezernat für Sexualverbrechen. Und passenderweise radikaler Gegner der Schwulenszene. Adock spart nicht mit hassenswerten Figuren, Dreck, Scheiße, Körpersäften und Tod, weshalb Zartbesaitete vielleicht lieber die Finger vom Buch lassen sollten. Alle anderen bekommen eine knallharte Story präsentiert, die bis zum überraschenden Ende mit jeder umgeschlagenen Seite mehr packt.

Insgesamt ist "Der Himmel des Teufels" ein großartiger, einprägsamer und zutiefst schwarzhumoriger Ausflug in die dunkle Seite Manhattans, dem ein Sonderplatz in meinem Bücherregal gebührt. Nur ungern nehme ich hier Abschied von "Hock", dem sympathischen Mistkerl. In der Hoffnung doch noch irgendwann in den Genuss einer Übersetzung der letzten zwei Bände zu kommen.

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Rezension zu "Ertränkt alle Hunde" von Thomas Adcock

Adcocks Meisterstück
Stefan83vor 7 Jahren

Urlaub. Für Neil "Hock" Hockaday, dem völlig in seiner Arbeit aufgehenden Detective der New Yorker SCUM-Patrol, eher ein Fremdwort. Nachdem ihm ein verrückter Serienmörder namens "Picasso" noch beim letzten Mal einen Strich durch mögliche Freizeitplanungen gemacht hat, scheint diesmal der lang ersehnten Ruhe wohl nichts mehr im Wege zu stehen.

Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der schwarzen Schauspielerin Ruby Flagg, reist er nach Irland, ins Land seiner Vorfahren, um seinen einzigen noch lebenden Blutsverwandten und im Sterben liegenden Onkel Liam zu besuchen. Von ihm erhofft sich "Hock" Antworten auf eine Vielzahl von Fragen die seinen Vater betreffen. Was ist nach dem Krieg mit ihm passiert? Warum hat er sich nie gemeldet? Wer war Aidan Hockaday eigentlich?

Doch schon kurz nach der Landung auf dem Dubliner Flughafen wird Hock klar, dass es mit einem ruhigen Aufenthalt auf der grünen Insel wohl eher nichts werden wird. Ruby und er entgehen nur knapp einem Attentat, bei dem ihr Chauffeur ums Leben kommt und das sie nach nur wenigen Stunden Aufenthalt schon ins Büro des Chiefs der Dubliner Garda befördert. Gleichzeitig kommt es in New York zu einer Reihe von Morden und mysteriösen Selbstmorden, deren Ursachen wohl in Hocks Abreise begründet liegen. Hocks Suche nach Antworten führt ihn tief hinein in die blutige und tragische Geschichte Irlands, die mit der seiner Familie untrennbar verknüpft zu sein scheint.

Im Roman "Ertränkt alle Hunde", den er drei Jahre nach dem Edgar Award Gewinner "Feuer und Schwefel" folgen ließ, greift der Autor das zentrale Thema wieder auf, welches schon die beiden vorherigen Bände durchzog, nämlich "Hocks" unbeantwortete Fragen über seinen Vater, und bringt es zum Abschluss. Und er tut dies derart gekonnt, dass es mir schlichtweg die Sprache verschlagen hat. Egal welchem Genre man dieses Buch zuordnen möchte, denn anbieten würden sich derer viele, so geschickt vermischt Adcock Elemente des Hardboiled-Romans, des Krimi-Noirs und des Politthrillers, man würde dem Werk insgesamt nicht gerecht werden.

Wer den typischen Spannungsaufbau eines Krimis im Stile von Mord, Ermittlung und Auflösung erwartet, wird nichts davon hier vorfinden. "Ertränkt alle Hunde" verlässt diese oberflächliche Ebene und geht um einiges tiefer. Die Art und Weise wie Adcock sich in seine Figuren einfühlt, ihre Schwächen und Gedanken skizziert, ist schlichtweg meisterhaft. Man hat streckenweise förmlich das Gefühl die jahrhundertealte Verbitterung der Iren über die Unterdrückung durch die Engländer zwischen den Zeilen schmecken zu können, so gekonnt bringt der Autor die Gefühlswelt der Charaktere auf Papier. Die moralischen Grenzen sind schwimmend. Hell und Dunkel, Gut und Böse. All das ist in diesem Konflikt für den kein Ende in Sicht zu sein scheint, kein Maßstab mehr. Und trotz all dieser Düsternis unterhält das Buch blendend. Bis hin zu seinem leider etwas pathetisch ausgefallenen Ende, das aber mit einem richtigen Happyend geizt. Kein Wunder. Ist diese Geschichte doch keine amerikanische oder englische, sondern eine irische Geschichte.

Insgesamt ist "Ertränkt alle Hunde" ganz große Literatur, die ich Seite für Seite genossen und am Ende nur ungern weggelegt habe. Adcocks bisher bester und reifster Roman, mit dem er sich ganz weit nach oben in meine persönliche Bestenliste geschrieben hat.

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Rezension zu "Feuer und Schwefel" von Thomas Adcock

Dreckig, düster, widerlich - großartig
Stefan83vor 7 Jahren

Frühling in New York. Eine Zeit in der sich selbst die Verbrecher eine Auszeit gönnen und das sonst so raue Hell's Kitchen mit einem beinahe rustikalen Charme aufwartet.

Bester Zeitpunkt für Neil "Hock" Hockaday, dem etwas abgehalfterten Detective von der SCUM-Patrol, einen langersehnten und wohlverdienten Urlaub zu nehmen. Gerade mal ein halbes Jahr ist vergangen seit "Hock" im Fall um den ermordeten Father Love ermittelt und dabei sein Leben aufs Spiel gesetzt hat. Ein wenig länger hat es dagegen gedauert bis Thomas Adcock mit "Feuer und Schwefel" den nächsten Band der Reihe nachfolgen ließ. Und die Wartezeit wird sich für die damaligen Leser wohl mehr als gelohnt haben, denn auch der zweite Teil überzeugt auf ganzer Linie. "Feuer und Schwefel" ist nicht nur der Titel, sondern gleichzeitig auch der Name eines Gebäudes im alten New Yorker Stadtteil Coney Island, dessen Fassade von einem genial-verrückten Maler mit einem meisterhaften und gleichzeitig grauenerregenden Gemälde verziert worden ist.

Es ist dieser Künstler, den man auf den Straßen nur unter dem Namen "Picasso" kennt, welcher "Hocks" Urlaub ein jähes Ende bereitet. Bei einem augenscheinlich zufälligen Treffen der beiden, prahlt "Picasso", der sich mittlerweile nur noch mit Gelegenheitsjobs und Betteln über Wasser hält, mit der Absicht, an denjenigen Rache zu nehmen, die sein Leben zerstört haben. "Hock" schenkt dem wirren Gefasel des eindeutig Geistesgestörten keine Beachtung und vergisst den Vorfall schnell wieder. Bis er in seiner Lieblingskneipe auf ein Bild "Picassos" stößt, das eine in grün gekleidete Frau porträtiert und diese einige Stunden später an derselben Stätte erschossen wird. Auf einmal häufen sich die Morde im Umfeld des Verrückten und "Hock" sieht sich gezwungen selbst einzugreifen, um dem blutigen Spiel ein Ende zu setzen.

Thomas Adcock bleibt in "Feuer und Schwefel" dem Grundton treu, den man bereits vom Vorgänger "Hell's Kitchen" kennt. Ein einsamer Detective, eine quasi Ein-Mann-Mordkommission, die sich zäh wie ein Terrier an die Fersen der Verdächtigen setzt und mit engelsgleicher Geduld nach und nach die Umstände und Hintergründe des Falls entwirrt. Dabei steht "Hock" diesmal die wunderschöne Ruby zur Seite, die nach seiner gescheiterten Ehe einen neuen Lichtblick in seinem tristen Junggesellendasein darstellt. Dies scheint sich auch auf seine Gewohnheiten auszuwirken, denn "Hock" raucht und säuft nicht mehr annähernd soviel wie im Vorgänger.

Überhaupt ist die kalt-düstere Stimmung des ersten Bands, bei der man sich beim Lesen unwillkürlich selbst den Rollkragen hochgeklappt hatte, einer etwas aufgelockerten Atmosphäre gewichen. "Feuer und Schwefel" wirkt zudem viel straffer und in sich geschlossener als "Hell's Kitchen", was nicht nur am Serienkillerplot, sondern auch an der besseren Balance zwischen Milieuschilderung und Krimifall liegt. Das Buch liest sich schlichtweg wie aus einem Guss und bleibt bis zum Ende durchgehend spannend. Das dieses etwas einfallslos gerät, werden sicher nur Vielleser dieses Genres bemängeln.

Insgesamt ist auch der zweite Band der Neil-Hockaday-Reihe ein packender, melancholischer Hardboiled-Noir-Mischling, mit dem sich Adcock gegenüber dem Vorgänger noch gesteigert und der seine Auszeichnung mit dem Edgar Allan Poe Award im Jahre 1992 ohne Zweifel verdient hat.

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