Thomas Alexander Staisch Heinrich Pommerenke, Frauenmörder

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Inhaltsangabe zu „Heinrich Pommerenke, Frauenmörder“ von Thomas Alexander Staisch

Wie konnte ein Mensch Kinder lieben und Kinder überfallen? Wie konnte ein schüchterner Gelegenheitsarbeiter 65 fürchterliche Verbrechen begehen und
zum Alptraum eines ganzen Landes werden? Wie konnte ein Mensch jede Nacht Jagd auf Frauen machen und dann aber jeden Tag für seine Opfer beten? Wie konnte solch ein Mensch hinter Gittern denn vergessen werden? Oder wie und warum können Menschen Heinrich Pommerenke, dem Mörder, der zu insgesamt 156 Jahren Haft verurteilt wurde, auf einer Feier allen Ernstes
und guten Gewissens das Geburtstagsliedchen singen: »Wie schön, dass Du geboren bist«? Und ja: Wie überhaupt konnte ein Mensch 50 Jahre Gefängnis überleben?
In vielerlei Hinsicht eine aufwühlende, intensive, einem schier den Atem
verschlagende Lektüre.

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    Anja_Hilscher

    Hallo, vor kurzem hab ich mir die Frage gestellt, ob es eigentlich überhaupt Bücher von ehemaligen Knackis über die "Subkultur" des Gefängnislebens in Deutschland gibt. So Wallraffmäßig, also Erfahrungsberichte. Danke - mfG Anja

    • 5
  • Rezension zu "Heinrich Pommerenke, Frauenmörder" von Thomas Alexander Staisch

    Heinrich Pommerenke, Frauenmörder

    Mr. Rail

    Ein Buch fordert mich heraus! „Ich wollte provozieren!” “Das ganze Buch muss aus Opfersicht eine Provokation darstellen…” Thomas Alexander Staisch, Autor des Buches „Heinrich Pommerenke, Frauenmörder. Ein verschüttetes Leben“, in einem Interview am 18.10.2010. (BNN) Provokation: „Provokation ist das gezielte Hervorrufen einer Reaktion mit den Mitteln der Übertreibung oder Regelverletzung …“ Dies ist dem Autor gelungen. Hier meine Reaktion. Selten hat mich ein Buch so aufgewühlt, so sprachlos und wütend gemacht, wie die Aufarbeitung des Lebens des Serienmörders Heinrich Pommerenke. Mit jedem gelesenen Satz habe ich einen zweiten, ungelesenen, gedacht. Mit jedem geschriebenen Argument habe ich ein zweites, ungeschriebenes, verknüpft und mit jedem betrachteten Bild habe ich ein anderes, unbetrachtetes, wahrgenommen. Mit jeder vergossenen Träne, eine zweite. Mit jedem Schrecken, einen weiteren. Das hat dieses Buch mit mir gemacht! Die Fakten: Freiburg, 22. Oktober 1960: Der 22-jährige Heinrich Pommerenke wird wegen vierfachen Mordes in Verbindung mit Schändung der Opfer (vor, während und nach dem Tat), siebenfachen Mordversuchs, 25-facher versuchter und zweifach vollendeter Vergewaltigung, gefährlicher Körperverletzung, fünffachen schweren Raubes, zehnfacher Einbruchdiebstähle und sechsfacher Diebstähle zu sechs Mal lebenslang plus 15 Jahren verurteilt. Die Gesamtstrafe beläuft sich somit auf 156 Jahre. Die Morde und Vergewaltigungen stellen in ihrer unvorstellbaren Grausamkeit ein noch nie dagewesenes Verbrechen in der noch jungen Bundesrepublik dar. Die Todesstrafe war gerade erst abgeschafft und schon schreien das Volk und die Medien nach dem Kopf des “Monsters”. Die Presse bezeichnet ihn fortan als “Grauenmenschen”, “Bestie ohne Eigenschaften” oder schlichtweg “Satan”. Die Justiz handelt im vorgegebenen Rahmen und sperrt den Serienmörder weg. Fast 50 Jahre lang, fast 18000 Nächte. Einzel- und Isolationshaft. Ein verschüttetes Leben im Vergessen. Ein verschüttetes Leben voller Repressalien. Ein verschüttetes Leben ohne eine einzige Stunde therapeutischer Begleitung oder den Versuch, Heinrich Pommerenke in der Haft ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen. Ein menschenunwürdiges Leben, dem erst ab dem Jahr 2001 ein gestuftes Vollzugslockerungsprogramm zugebilligt wurde – allerdings niemals mit dem Ziel der Freilassung Am 27. Dezember 2008 stirbt Heinrich Pommerenke im Alter von 71 Jahren – er stirbt hinter Gefängnismauern. Das Buch: Thomas Alexander Staisch schildert mit bestechender und brillanter Stilsicherheit die menschenverachtenden Umstände der „trockenen Todesstrafe“. Unvorstellbar in einem modernen Rechtsstaat, in dem die Grundfragen der Sicherheitsverwahrung und die Definition des Begriffes „lebenslange“ Haft immer und immer wieder diskutiert werden, einen Menschen fast 50 Jahre einfach nur einzusperren. Ihn seiner Würde zu berauben und gegen jedes Gebot der Mitmenschlichkeit zu verstoßen. Unvorstellbar. Staisch listet akribisch auf, wie oft man Pommerenke die Zelle wechseln ließ, um jegliches Gefühl für Konstanz zu unterbinden („Das tut ihm gut“ – so die Justiz); wie selten er Besuch bekommen durfte („Die besondere Schwere der Schuld“ – so die Jusitz); wie oft seine persönliche Habe aussortiert und weggeworfen wurde („Es liegt alles durcheinander“ – so die Justiz) und wie häufig er in das Vollzugskrankenhaus Hohenasperg überstellt wurde, um dort alleine in 19 Fällen im Bereich der Psychiatrie mit Nervendämpfungsmitteln „behandelt“ zu werden. Staisch führt die wenigen Menschen auf, die engeren Kontakt zu ihm hatten. Darunter die wohl wichtigste Person seines Gefängnislebens. Der einzige Freund – der Gefängnispfarrer. Eine Verbindung, die erst mit dem Tod Pommerenkes endete. Staisch führt uns die Medien vor Augen, die ein Zerrbild eines Inhaftierten zeichneten, Interviews veröffentlichten, die niemals geführt wurden und Geschichten erzählten, die jeglicher Grundlage entbehrten und nur dem Ziel dienten die Angst vor Pommerenke am Leben zu halten. Und – Staisch führt uns die Taten des Serienmörders vor Augen. In aller Schonungslosigkeit und Detailschärfe, in aller menschenverachtenden Brutalität und mit all den Auswirkungen auf die Familien der Opfer und die Überlebenden bis zum heutigen Tag! Staisch führt uns die Entwicklung des Menschen Pommerenke in zermürbenden 50 Jahren Isolation und Bestrafung vor Augen. Er konnte selbst mit ihm sprechen und hat damit einen Verschütteten ans Tageslicht gebracht. Staisch vermag es, durch die unterschiedlichen Betrachtungsweisen, dem Täter Pommerenke einen Teil der Menschenwürde zuzubilligen, die ihm zeitlebens im Gefängnis verwehrt wurde. Staisch suchte einen Täter und fand einen Menschen, der auch Opfer war. Ich: Fühle mich auf jeder Seite des Buches provoziert. Beim Lesen nistet sich ein Satz in meinem Kopf fest, den ich einfach nicht verscheuchen kann. Ein Satz, der alle Auflistungen Staischs in meinem Inneren überstrahlt. Die Listen über Besuche, Gespräche, Freigänge (18 in 49 Jahren) und die schrecklichen Verhältnisse der Haft („ein verschüttetes Leben“). Der Satz schreit mich an: ABER DIE OPFER SIND LEBENSLANG TOT! Die Schicksale derer, die den Weg des Serienmörders kreuzten verschwimmen zu Taten. Tatortskizzen und Gewaltbildern. Pommerenke erhält eine Identität im Buch, die den Opfern lebenslang verwehrt bleibt. Er erhält Besuch, der den Opfern lebenslang verwehrt bleibt und er wird Freigänger – den Opfern verwehrt. Verwehrt. Verwehrt. Die Mordopfer tauchen in Staischs Gliederung unter der Überschrift „Einwurf“ auf. Eingeworfen in das Leben eines Mörders und verworfen als Opfer. Die Provokation im Buch setzt Gedanken frei – lässt mich aufhorchen, wenn es um Aspekte der Sicherheitsverwahrung geht. Lässt mich tief durchatmen, wenn es um Diskussionen geht in denen Täter zu Opfern werden. Lässt mich böse werden, wenn ich daran denke, dass es in unserem Rechtsstaat möglich sein kann „verschüttet“ zu werden – gegen jeglichen Anspruch an alle Aspekte unseres Grundgesetzes. Aber es lässt mich auch verzweifeln im Gedanken, wie die Angehörigen der Opfer dieses Buch wohl empfinden. Ein mutiges Buch – ein nervenaufreibendes Buch – eines, das nicht aufhört zu wirken, nachdem man es gelesen hat. Eine Provokation in Reinkultur! Staisch hat diese Reaktion gezielt hervorgerufen! Das Buch ist wichtig – erstmals war es durch die Aufarbeitung aller Fakten einem renommierten Psychiater möglich, die Schuldfähigkeit Pommerenkes zu durchleuchten und zu dem Ergebnis zu kommen, dass er die Morde in “weitgehend schuldunfähigem Geisteszustand” begangen habe. Damals wurde er für voll schuldfähig erklärt! Das reine Wegsperren war der falscheste Weg – das war unwürdig! „Man hätte eine Therapie versuchen müssen…“ Schlussbemerkung: Ein Buch endet für mich mit dem letzten Satz des letzten Kapitels. Im Buch lasse ich mich gerne provozieren – im Buch lasse ich vieles gelten, was Grenzen überschreitet. Aber wenn ich das Buch verlasse, erwarte ich vom Provokateur eine Position zu seinem Handeln. Staisch hat in seinem Nachwort das Buch verlassen. Hier schreibt er nicht mehr als „Agent Provocateur“ sondern bedankt sich. Bei seiner Frau und seiner Familie. Bei Archiven für Unterstützung und guten Kaffee. Hier ist Thomas Alexander Staisch privat. Wenn aber dann der letzte Satz des Nachwortes lautet: „Ich danke Heinrich Pommerenke für sein Leben“ dann hat der Autor genau an dieser Stelle für mich den Bogen des Nachvollziehbaren überspannt. Dieser Satz macht mich sprachlos! Aber es scheint typisch für Thomas Alexander Staisch, den Schwung seiner aufrüttelnden Gedanken nicht im Buch enden zu lassen. Ende: Sind wir heute weiter als vor 50 Jahren? Haben uns Fußfesseln, Internet-Outing oder psychologische Gutachten und ein moderner Strafvollzug innerlich weitergebracht in unserer Hilflosigkeit gegenüber den Abgründen der menschlichen Psyche? Reagiert die Gesellschaft differenzierter, wenn dem Täter Opferaspekte zugebilligt werden? Ich wage dies zu bezweifeln. Staischs Buch ist ein wichtiger Beitrag in der zeitgemäßen Auseinandersetzung mit diesem Thema. Ein schonungsloses Buch… auch für den Leser. Provokation als Stilmittel – in diesem Fall ein gerechtfertigter Weg. Mit Ausnahme des Nachwortes vielleicht! Ein Nachwort: “Es war nicht human, ihn wegzusperren – es wäre nicht human gewesen, ihn freizulassen.” (Ein Freund Heinrich Pommerenkes)

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