Thomas Bauer Die Kultur der Ambiguität

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Inhaltsangabe zu „Die Kultur der Ambiguität“ von Thomas Bauer

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  • Rezension zu "Die Kultur der Ambiguität" von Thomas Bauer

    Die Kultur der Ambiguität

    Anja_Hilscher

    19. August 2012 um 00:02

    Bei diesem Buch handelt es sich um ein derart epochales, wissenschaftliches Werk, dass es eine eigenständige Liga bildet und nicht in eine Reihe mit gewissen populärwissenschaftlichen Islam-Büchern gehört, wie etwa denen von Frau Kelek. Der gravierende Unterschied: Thomas Bauer ist Arabist und renommierter Islamwissenschaftler und recherchiert jahrelang mit akribischer Gründlichkeit. Dieses Buch ist eines der drei, vier Bücher, die mich in den letzten Jahrzehnten am meisten beeindruckt haben. Es gibt Bücher, die Geschichte schreiben, und ich hoffe, dass dieses, trotz seines hohen Anspruchs, dazu gehören wird. Thomas Bauer erläutert in diesem Werk die Grundlagen der islamischen Lehre. Es geht also nicht um Detailfragen und Äußerlichkeiten, wie Kopftücher oder Beschneidungsriten - denn (kaum zu glauben, aber wahr) der Islam ist mehr als das! Wie Bauer durch die äußerst kenntnisreiche Analyse mittelalterlicher theologischer Schriften aufzeigt, zeichnete sich die islamische Lehre bis zum Anbruch der Moderne vor allem durch eines aus: Durch eine hohe Ambiguitätstoleranz. Warum? Weil bereits der Koran, die wörtlich offenbarte heilige Schrift des Koran, ursprünglich äußerst vielfältig interpretierbar war. Die frühen Muslime waren also exakt das Gegenteil dessen, was man denken mag: Gerade die Gelehrten waren gerade keineswegs engstirnige, intolerante Fanatiker. Vielmehr zeichneten sie sich durch eine beeindruckende Debattenkultur aus, durch eigenständige Denkleistungen, durch hohe Toleranz gegenüber Koraninterpretationen, die möglicherweise im Gegensatz zur eigenen standen. Die Frage, die sich das "aufgeklärte Abendland", geprägt vom Cartesianischen Richtig/Falsch-Denken, in Bezug auf einzelne Koranverse stellt, lautet: "Wie ist die korrekte Interpretation des Verses XY?" Nicht so die frühen Muslime! Die mittelalterlichen muslimischen Denker gingen wie selbstverständlich davon aus, dass ein Vers viele verschiedene "Lesarten" bzw. Interpretationen haben konnte. Dies ist der Schlüssel zu der Frage, wie ein heiliges Buch beanspruchen kann, für alle Zeiten und in allen Gesellschaftsordnungen Gültigkeit zu besitzen. Interessant ist, dass Bauer aufzeigt, dass die Vielfalt der Koranversionen offenbar von Anfang an durchaus beabsichtigt war: Etwa wurden Vokalzeichen absichtlich nicht hinzugefügt, obwohl diese durchaus schon bekannt waren. Warum dies? Weil das islamische Denken Vielfalt und Flexibilität als Wert, nicht als Manko betrachtete - gemäß der Überlieferung: "Die Meinungsvielfalt unter den Gläubigen ist eine Gnade Allahs". Erst im 13. Jahrhundert wurden die ursprünglich vielfältigen Koranversionen, die kursierten, zunehmend von einer sich immer stärker verbreitenden Version, in den Hintergrund gedrängt. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts infiltrierte das abendländische Cartesianische Denken auch die islamische Welt. Diese wollte den Missionsbestrebungen und dem Einfluss des Westens etwas entgegensetzen - und beging den folgenschweren Fehler, das westliche Denken unter umgekehrten Vorzeichen zu übernehmen. Dies war die Geburtsstunde des Islamismus. Der Islamismus propagiert also keineswegs den "ursprünglichen Islam" - im Gegenteil! Sein rechthaberisches Streben nach der "einzig wahren Koraninterpretation" steht völlig im Widerspruch zum Geist des Islam. Die islamische Lehre hielt ihre Anhänger ursprünglich nicht nur zum regelmäßigen Fasten, Beten und Spenden an, sondern darüber hinaus zu zwei Dingen: 1) Zur lebenslangen Suche nach der Wahrheit, sei es durch Aneignung von Wissen, eigenständigem Denken oder Befragung des Gewissens - immer im Bewusstsein, dass der Weg das Ziel ist, denn die letzte Antwort kennt nur Gott! 2) Sich darin zu üben, gerade NICHT Halt in Extremismen zu suchen, sondern vermeintliche Widersprüchlichkeiten zu ertragen - die Spannung mithin, die sich naturgemäß zwischen den überall in der Natur, wie auch im Koran, zu findenden Polen aufzubauen pflegt. Der Islam ist also eine zutiefst naturgemäße Religion - nicht umsonst werden die Verse des Korans mit demselben arabischen Wort bezeichnet wie die Naturphänomene: "Ayat" - Zeichen Allahs.

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  • Rezension zu "Die Kultur der Ambiguität" von Thomas Bauer

    Die Kultur der Ambiguität

    WinfriedStanzick

    06. June 2011 um 08:31

    In der seit vielen Jahren mehr oder minder rational geführten Debatte um den Islam ist oft darauf hingewiesen worden, der Islam brauche so etwas, was die Reformation und die Aufklärung für das Christentum waren. Ein Nachdenken, eine kritische Reflexion über sich selbst und seine eigene Geschichte und der daran anschließende Versuch, mit seiner religiösen Praxis und seiner Weltverantwortung in der Gegenwart anzukommen. Durch viele historische und auch in der Religion des Islam selbst steckenden Hindernisse fällt es ihm schwer, in der Kultur der Gegenwart anzukommen. Dan Diner hat das in seinem leider wenig beachteten Buch „Versiegelte Zeit“ hervorragend analysiert. Der „arabische Frühling“, wie man die Revolutionen in Tunesien und in Ägypten genannt hat, ist noch zu jung, um eine hinreichenden Prognose zu wagen, wie sich der Islam selbst und seine Rolle in den jeweiligen Ländern entwickeln wird. Eines kann man wohl voraussagen: er wird sich verändern. Dass der Islam schon einmal, und das liegt noch gar nicht so lange zurück, einer schwergewichtigen Veränderung ausgesetzt war, beschreibt der Professor für Islamwissenschaft und Arabistik an der Universität Münster, Thomas Bauer in seinem hier vorliegenden neuen Buch, in dem er „eine andere Geschichte des Islams“ dokumentiert. Nach Bauers Forschungsergebnissen war es so, dass die arabisch-islamischen Gesellschaften über eine mehr als tausend Jahre lange Phase in einer „Kultur der Ambiguität“ lebten, wie er das nennt, einer Kultur, in der verschiedenen Wahrheitsansprüche durchaus nebeneinander stehen durften und man sich zufrieden gab mit der Suche nach dem Wahrscheinlichen. Überzeugend weist er nach, wie es erst dem Kolonialismus im Nahen Osten gelang, dem Islam sozusagen eine Selbstdefinition über eindeutige Werte und Normen „aufzudrücken“. Erst seit dieser Zeit und in der Gegenwart sehr massiv definiert sich der Islam über seine „traditionellen islamischen Werte.“ Dabei zeigt er nur ein verzerrtes Spiegelbild der westlichen Obsession nach Eindeutigkeit und Wahrheit. Was wäre, so fragt man sich bei der Lektüre, wenn beide, der Westen und die islamische Kultur, an die schon einmal sich über eine lange Zeit bewährende „Kultur der Ambiguität“ anknüpften? Wahrscheinlich könnten sie endlich in Frieden leben.

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