Thomas Becks Hexenänneken

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Inhaltsangabe zu „Hexenänneken“ von Thomas Becks

Das Leben der Anna Spiekermann 1671 bis 1706 Annas Großmutter wurde als Hexe verbrannt. Da Anna selber unehelich ist, hält ihre eigene Familie sie für die Ausgeburt des Teufels und wird als Hexe beschimpft. Pater Damasus aus Essen beschützt das Kind vor Übergriffen. Diesen Part übernimmt später Dirich Brockmann, ein Soldat des Kurfürsten von Köln, der Anna heiratet und zu sich auf den Brockmannshof holt. Die beiden bekommen eine Tochter. Die kleine Familie durchlebt eine glückliche und friedliche Zeit. Doch dann muss Dirich an die Front. Da Anna nun ohne Schutz ist, nutzt ihr Schwager die Gelegenheit und unterstellt ihr "Hexerei". Für sie beginnt damit ein Spießrutenlauf, denn zu dieser Zeit ist jeder gerne bereit, daran zu glauben. Sie flieht mit ihrer Tochter in die Freiheit Westerholt. Statt des erhofften Friedens, erlebt Anna dort die Hölle auf Erden.

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  • Rezension zu "Hexenänneken" von Thomas Becks

    Hexenänneken
    Peter_Pitsch

    Peter_Pitsch

    16. January 2013 um 12:47

    In Anbetracht des persönlichen Engagements zur Rehabilitierung ihrer Person ist es nicht verwunderlich, dass Thomas Becks der Protagonistin seines biografischen Romans, Anna Spiekermann, eine Widmung vorangestellt hat. Das letzte Opfer der Inquisition im Ruhrgebiet wurde 1706 auf dem Scheiterhaufen hingerichtet und solchermaßen, nach damaliger Auffassung, für alle Zeiten zum Schweigen gebracht. Doch jedes Los hinterlässt Spuren, jedes Dasein sendet spezifische Energien durch den Äther, die zu empfangen intuitiven Menschen zu eigen ist. Es sind Eingebungen, die gleich den Botschaften in einer Flaschenpost eine Reise auf dem Ozean der Zeit zurücklegt haben. Dementsprechend bietet Thomas Becks Roman Einblicke in eine längst vergangene Epoche wie durch transparentes Glas, welches aufgrund seiner individuellen Erzählweise dennoch schillernd getönt ist. Unverkennbar ging seinem literarischen Projekt eine intensive Recherche voraus. Wer aber Nachforschungen und Beobachtungen vornimmt und, daraus Erkenntnisse ableitend, zu einer (Lebens-)Geschichte formt, erfährt nicht allein auf emotionaler Ebene eine Verbindung zum Bezugsobjekt, sondern auch auf metaphysischer. Rückwirkend. Anna Spiekermann, die einst als „Hexenänneken“ verschrien war, hat Jahrhunderte nach ihrem gewaltsamen Tod jene Stimme zurückerhalten, die Ignoranz, Zweitracht, Aberglaube einst jäh verstummen ließen. Zu Anfang des dritten Jahrtausends gibt der Autor einer Frau die Sprache zurück, deren Leben und Leiden zweifelsohne auch in unserer Gegenwart ihresgleichen kennt. „Diese Zeiten“ sind – entgegen der Meinung des oberflächlichen Gesellen – keineswegs vorbei, allemal nicht außerhalb unserer geografisch betrachtet winzigen Oase. Eine Art Hexenkult hat nach wie vor in vielen Ländern, sowohl nah als auch fern, Bestand, und angesichts der Folgen notorischer Diskriminierung, Unterdrückung, Ausbeutung, Bestrafung der Frau bedarf es keiner dicken Brille um den herrschenden Wahnsinn aufzudecken. Weltweit werden Schätzungen zufolge 7 von 10 Frauen im Laufe ihres Lebens körperlich bzw. sexuell misshandelt ... Das Resultat des Einvernehmens – so möchte ich es nennen – zwischen Thomas Becks und Anna Spiekermann, die Botschaft des Buches „Hexenänneken“, ist heutzutage genauso aktuell wie vor Jahrhunderten. Der Autor liefert den Beweis, dass eine Verständigung zugunsten der Humanität und der Nächstenliebe, frei von Frömmelei, auch über große Distanzen, selbst über „Ewigkeiten“ hinaus, möglich und sogar vonnöten ist. Er hat Annas Geschichte einfühlsam, imaginativ und vor allem zutiefst menschlich mit Leben gefüllt, hat tief in sich hineingehorcht und Worte geformt, die im Jahre 1706 von einer Hoffnung davongetragen wurden. Peter Pitsch

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