Thomas Beckstedt 1888

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Inhaltsangabe zu „1888“ von Thomas Beckstedt

Wien, im Jahre 1888. Die Zeitungen berichten über die Toiletten der adeligen Damen und den Gesundheitszustand des Kaisers. Eine Prostituierte wird brutal ermordet, dann ein bekannter Arzt. Dessen Kollege Dr. Richard Rollet beteuert seine Unschuld. Und wird doch zum Tod durch den Strang verurteilt. Nur Kriminalinspektor Johann de Vries glaubt nicht an die Schuld des angesehenen Mediziners und ermittelt gegen den Willen seiner Vorgesetzten in jenen Kreisen der Wiener Gesellschaft, die der Bezeichnung "die Besten" nicht immer gerecht werden. Gut drei Jahrzehnte später finden wir uns in London wieder. Ein rätselhaftes Paket mit indischem Poststempel birgt die Tagebuchaufzeichnungen des mutmaßlichen Doppelmörders. Der Adressat, Georg, der in ziellosem Müßiggang die Schrecken des Großen Krieges zu vergessen sucht, taucht in das verworrene und bruchstückhafte Manuskript ein, um es zu einem Buch zu formen, um dem Leben und den Erlebnissen des Autors nachzuspüren und den grauenhaften Geschehnissen auf den Grund zu gehen. Seine Recherchen führen ihn zurück an den Ursprung, nach Wien, wo die Zeit viele, jedoch nicht alle, Spuren ausgelöscht hat. Immer stärker verweben sich die Schicksale der beiden Männer, immer rauschhafter verstrickt sich Georg in die Welt des Richard Rollet, und immer deutlicher tritt aus den Nebeln der Vergangenheit eine Frau hervor: Maria, mit dem Engels- gesicht und den grünen Augen.

Ein ganz besonderer Thriller

— ChattysBuecherblog
ChattysBuecherblog

Beckstedt verlangt seinen Lesern alles ab! Kann damit aber so richtig punkten...klare Lesempfehlung von mir!

— Miamou
Miamou

Kein leicht zu lesendes Buch, aber es lohnt sich, denn man wird mit tollen Ideen und jeder Menge Spannung belohnt.

— Sick
Sick

Ein lesenswerter Thriller mit viel Hintergrund und super recherchiert.

— kleinwitti
kleinwitti

Ein spannendes und tolles Buch, das beim Lesen die Konzentration des Lesers fordert!

— Cieena
Cieena

Die Geschichte besticht durch den besonderen und großartigen Schreibstil des Autors. Leider konnte es mich nicht vollkommen überzeugen

— tinstamp
tinstamp

Manche Bücher vermögen es, einen mit ihren ersten Sätzen oder Seiten in den Bann zu schlagen. Genauso erging es mir mit diesem hier.

— Nicky_G
Nicky_G

Mehr als die Spannung haben mich bei diesem ungewöhnlichen, sehr empfehlenswerten historischen Thriller Atmosphäre und Sprache fasziniert.

— Barbara62
Barbara62

Düster und atmosphärisch mit unerwartetem Ende und spannend bis zur letzten Seite.

— calimero8169
calimero8169

Spannung von der ersten bis zur letzten Seite und einmal ein anderer (aber sehr interessanter) Schreibstil

— zusteffi
zusteffi

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  • Rezension zu Das Geheimnis des weissen Bandes

    Das Geheimnis des weißen Bandes
    KruemelGizmo

    KruemelGizmo

    1890 - an einem ungewöhnlich kalten Novemberabend betritt ein elegant gekleideter Herr die Räume von Sherlock Holmes Wohnung in der Londoner Baker Streit 221b. Er glaubt das er von einem mysteriösen Mann verfolgt wird, dem einzigen Überlebenden einer amerikanischen Verbrecherbande, die mitseiner Hilfe in Boston zerschlagen wurde. Will sich der Mann nun rächen? Als Holmes und Watson den Spuren folgen, stoßen sie auf eine Verschwörung, die bis in die höchsten Kreise reicht - und Holmes ins Gefängnis bringt,verdächtig des Mordes... Das Geheimnis des weissen Bandes von Anthony Horowitz ist für mich ein neuer Sherlock Holmes Roman, der sich vor Sir Arthur Conan Doyle nicht verstecken braucht. Das Buch wurde aus Sicht von Dr. Watson in der Ich-Perspektive erzählt und beginnt recht unspektakulär mit einem Gentleman der sich verfolgt fühlt von einem amerikanischen Gangster, von dem er glaubt das er sich an ihm rächen will. Aber die Sache ist verzwickte als es den ersten Anschein hat, denn die Sache scheint aus dem Ruder zu laufen, denn eine Verschwörung bis in die höchsten Kreise zieht sich um Holmes zusammen. Bald sitzt Holmes im Gefängnis unter Mordanklage und Watson ist nun auf sich allein gestellt. Watson versucht sein Bestes um seinen langjährigen Freund Holmes zu helfen. Durch die gewählte Sprache, vor allem am Anfang der Geschichte, hatte ich schnell das Gefühl einen Sherlock Holmes Roman zu lesen. Das furchtbare Wetter im düsteren London und alte Bekannte wie Mrs. Hudson, Inspektor Lestrade und Mycroft Holmes sorgen für die richtige Atmosphäre um den Fall drumherum um so richtigen die Geschichte einzutauchen. Schnell hatte mich die Geschichte gepackt und ich konnte durch die gut aufgebaute Spannung und meiner Neugierde das Buch kaum aus der Händen legen. Die Charaktere allen voran Holmes und Watson empfand ich als glaubhaft sehr gut gelungen und verstärkten das Gefühl einen "echten" Sherlock Holmes Roman zu lesen. Einzig das Thema des Falles empfand ich recht modern, oder besser gesagt Sir Arthur Conan Doyle hätte zu seiner Zeit es wohl kaum gewagt dies in seinen Büchern zu thematisieren. Mein Fazit: Ein toller Sherlock Holmes Roman, den ich mit wahrer Begeisterung gelesen habe! Meine Leseempfehlung geht an die Sherlock-Holmes-Fans und Krimiliebhaber!

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    • 11
  • Ein bisschen mehr switchen, bitte!

    1888
    KaSchlaegtAuf

    KaSchlaegtAuf

    27. March 2016 um 18:51

    Der Klappentext war vielversprechend, die Lektüre enttäuschend. Die Geschichte kam nicht in Fahrt. Der Autor hätte ruhig mehr zwischen die beiden Städte und Zeiten switchen können. Ich vermisste genauere Beschreibungen der jeweiligen Zeit und Stadt. Hervorragend: Der Leser fragt sich, ob die Protagonisten dem Wahnsinn oder der Wahrheit nahe sind.

    • 2
  • Intelligenter historischer Kriminalroman

    1888
    krimielse

    krimielse

    Der Debütroman von Thomas Beckstedt verbindet eine wohldurchdachte kriminalistische Handlung auf zwei Zeitebenen mit mystischen und Thrillerelementen, in die geschickt historische Ereignisse eingestreut sind. Man merkt in dem atmosphärisch dichten und psychiologisch eindringlichem Thriller nicht, dass es ein Erstlingswerk ist. Georg, ein Müßiggänger und Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkrieges, erhält in London im Jahr 1922 ein rätselhaftes Paket aus Indien mit Tagebuchnotizen und dem Manuskript des Doppelmörders Dr. Richard Rollet mit der Bitte, das Manuskript zu einem Buch zu verarbeiten. Georg vertieft sich in die Tagebücher und in das teilweise unvollständige Manuskript und verfolgt das Leben und die Erlebnisse von Dr. Rollet, um Klarheit in die Abläufe zu bringen. Dabei stellt er Recherchen an, die ihn an den Ursprungsort der Ereignisse, nach Wien, führen, wo einige, aber noch nicht alle Spuren aus der Vergangenheit verwischt sind. Er wird in den rauschhaften Strudel des Schicksals von Dr. Rollet gezogen, die Geschichten der beiden Männer verbinden sich immer mehr und manifestieren sich in der Person einer rätselhaften Frau aus Vergangenheit und Gegenwart. Das Buch ist in zwei zeitlichen Ebenen aufgebaut, die anfangs getrennt voneinander ablaufen, die der Autor im Verlauf der Geschichte aber immer mehr geschickt miteinander verwebt. Man verfolgt als Leser die Ereignisse in der Vergangenheit im Jahre 1888 hauptsächlich in Wien und schaut dem Erzähler Georg gleichzeitig bei der Auswertung der Unterlagen und bei seinen Ermittlungen in London und Wien 1922/1923 über die Schulter. Im Laufe der Buches vermischen sich das Manuskript und Georgs Bericht auf kluge und reizvolle Weise. Die Geschichte ist spannend und intelligent aufgebaut. Stilistisch überwiegen erzählende Elemente gegenüber atemloser Thrillerspannung, was mir sehr gut gefallen hat. Am Ende der Geschichte wird das Tempo gestrafft, die Zeit- und Ortswechsel nehmen zu und die Spannung bis zum Showdown rechtfertigt die Einordnung des Buches als Thriller. Mit einem teilweise offenen Ende bleibt dem Leser die Wahl der Einordnung des Protagonisten Georg aus mystische Sicht oder medizinisch-logischer Herangehensweise. Die Morde in der Vergangenheit werden zufriedenstellend aufgeklärt und logisch-nachvollziehbar erklärt. Die Lektüre dieses hervorragend recherchierten Buches war für mich ein Hochgenuss, der allerdings Konzentration beim Lesen erfordert und keinesfalls als Nebenbei-Buch gelesen werden kann. Angefangen mit dem Prolog, der mich an Altmeister Edgar Allan Poe erinnert über den verlangsamten Erzähl- und Schreibstil, der so passend für historische Kriminalromane ist bis hin zu den eingestreuten historischen Ereignissen, die die Geschichte niemals aus dem Fluss gebracht sondern angemessen in Szene gesetzt haben, hat mich das Buch von Anfang bis Ende gefangen gehalten. Verbindungen zu wissenschaftlichen, kirchlichen, alchimistischen, abergläubischen und mystischen Ansätzen geben den besonderen Kick. Im ersten Teil des Buches wurde meine Neugier geschickt durch den Fortgang der Recherchen und der Abläufe in der Vergangenheit bei der Stange gehalten, Spannung gibt es hier weniger. Erst im letzten Teil des Buches wechselt der Fokus von der Recherche und den Charakteren zum dichten spannenden Stil, der in einem fulminanten Showdown mündet. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und passen mit Handeln und Sprache nach meinem Empfinden in die damalige Zeit. Dadurch wirken sowohl der schwierige Charakter des Protagonisten Georg als auch die anderen Charaktere in Vergangenheit und in Georgs Zeit sehr authentisch und real. Der Autor erlaubt dem Leser einen Blick hinter die Kulissen der menschlichen Psyche, indem er Personen erscheinen lässt, die neben menschlichen psychiologischen Abgründen auch gierig, neidisch, missgünstig, machthungrig sind und damit den Tod anderer verursachen. Viele Nebenrollen unterstreichen das Handeln der Hauptcharaktere und fügen sich in passenden Schauplätzen zu einer abgerundeten Geschichte. Fazit: Abseits der üblichen Krimis und Thriller ist "1888" für mich ein sehr lesenswertes und lohnendes Buch, das ich unbedingt empfehlen kann. Die Authentizität von Geschichte, Setting und Charakteren hat mich sehr überzeugt

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    • 5
    Insider2199

    Insider2199

    27. February 2016 um 14:48
  • Mein Leseeindruck

    1888
    ChattysBuecherblog

    ChattysBuecherblog

    Lange Zeit bin ich um dieses Buch herum geschlichen. Immer wieder habe ich es in die Hand genommen, den Klappentext gelesen und wieder zur Seite gelegt. Wieder in die Hand genommen, nochmals den Klappentext gelesen und mich entschieden, dieses Buch zu lesen. Ich weiß eigentlich noch immer nicht, was mich die ganze Zeit hatte zögern lassen. War es dieses düstere Cover? War es die Beschreibung? Ich weiß es nicht. Ich kann nur heute, nach dem Lesen des Buches sagen, ich bin froh, den Schritt des Kaufes getätigt zu haben. Schon nach den ersten Seiten war klar, dass dieser Thriller irgendwie anders ist. Die Sprache, die den Leser in eine Welt entführt, die man bislang nur aus alten Schwarz-Weiß-Filmen kannte. Anders aber auch, weil man nicht unterscheiden kann, ob es nun ein Thriller oder doch ein historischer Roman ist. Es ist vielmehr eine gut gelungene Mischung aus beiden Genre. Die Protagonisten sind alle sehr gut dargestellt, die Geschichte selbst ist jedoch an manchen Stellen etwas undurchsichtig. Klar ist aber auch, dass man dieses Buch stets konzentriert lesen muss, da die Sprache schon anspruchsvoll ist. Unaufmerksames lesen bedeutet, ganze Kapitel zurückblättern zu müssen, um den Anschluss nicht zu verpassen. Diese Konzentration permanent hochzuhalten ist nicht unbedingt entspannend. Deshalb ziehe ich in meiner Bewertung auch einen Stern ab. Fazit Bei diesem Buch handelt es sich keinesfalls um eine leichte Lektüre. Jedoch hat der Autor es geschafft, mich auf 417 Seiten gedanklich in eine Zeit reisen zu lassen, die zwar Ähnlichkeiten mit der heutigen Zeit hat, aber doch auch wieder ganz anders ist. Ein Thriller, den ich lange Zeit nicht vergessen werde.

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    • 2
  • 1923 feat. 1888

    1888
    Miamou

    Miamou

    Wien, im Jahre 1888. Die Zeitungen berichten über die Toiletten der adeligen Damen und den Gesundheitszustand des Kaisers. Eine Prostituierte wird brutal ermordet, dann ein bekannter Arzt. Dessen Kollege Dr. Richard Rollet beteuert seine Unschuld. Und wird doch zum Tod durch den Strang verurteilt. Nur Kriminalinspektor Johann de Vries glaubt nicht an die Schuld des angesehenen Mediziners und ermittelt gegen den Willen seiner Vorgesetzten in jenen Kreisen der Wiener Gesellschaft, die der Bezeichnung "die Besten" nicht immer gerecht werden. Gut drei Jahrzehnte später finden wir uns in London wieder. Ein rätselhaftes Paket mit indischem Poststempel birgt die Tagebuchaufzeichnungen des mutmaßlichen Doppelmörders. Der Adressat, Georg, der in ziellosem Müßiggang die Schrecken des Großen Krieges zu vergessen sucht, taucht in das verworrene und bruchstückhafte Manuskript ein, um es zu einem Buch zu formen, um dem Leben und den Erlebnissen des Autors nachzuspüren und den grauenhaften Geschehnissen auf den Grund zu gehen. Seine Recherchen führen ihn zurück an den Ursprung, nach Wien, wo die Zeit viele, jedoch nicht alle, Spuren ausgelöscht hat. Immer stärker verweben sich die Schicksale der beiden Männer, immer rauschhafter verstrickt sich Georg in die Welt des Richard Rollet, und immer deutlicher tritt aus den Nebeln der Vergangenheit eine Frau hervor: Maria, mit dem Engelsgesicht und den grünen Augen. ************************************************* Eines der Bücher, auf das ich weder in einer Buchhandlung, noch hier auf lovelybooks aufmerksam wurde. Interessanterweise wurde Thomas Beckstedts Buch in „Radio Wien“ vorgestellt und zwar mit folgenden Worten: „Über die Weihnachtsfeiertage hat man dann wieder Zeit zu entspannen. Wie wärs mit einem wirklich guten Buch?“ Gemeint war „1888“. Gleich aber mal vorweg, in weihnachtliche Stimmung wird man mit diesem Buch nicht versetzt :-) Macht aber gar nichts. Erst jetzt hab ich es geschafft dieses absolut tolle Buch zu lesen. Und ich bin wirklich restlos begeistert. Zu Beginn hatte ich aber doch so meine Schwierigkeiten in das Buch hineinzufinden. Ich denke, dass es für mich tatsächlich zunächst einmal daran lag, dass ich mit den beiden Erzählebenen und den vielen Charakteren ein wenig durcheinander kam. Aber nach den ersten 30 Seiten hat mich die Handlung dann gar nicht mehr losgelassen und ich war absolut gefangen, trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer enormen Komplexität. Thomas Beckstedt verlangt mit seinem Debüt dem Leser einfach Alles ab, aber das ist genau das, was ich an Büchern wirklich sehr mag. Der Handlungsstrang um 1888 war für mich um den Tick spannender zu lesen. Besonders beeindruckt hat mich, wie der Autor den Wiener Charme eingefangen hat. Nämlich genauso, wie wir ihn auch heute noch kennen. Mit de Vries und Boer hat er so ein richtig wienerisches Gespann erschaffen, das seinesgleichen sucht. Dieser bissige unterschwellige Sarkasmus, den die beiden an den Tag legen und ihre Verhörmethoden haben mich des Öfteren so richtig schmunzeln lassen. In diesem Handlungsstrang fand ich außerdem den Spannungsbogen auch um einiges griffiger, was aber nicht zuletzt wahrscheinlich auch daran lag, dass hier schlicht und ergreifend die Kriminalgeschichte angesiedelt war. Im Jahr 1923 trifft der Leser auf Georg. Ich muss sagen, dass dieser Charakter für mich eher unnahbar war, aber trotzdem war er für mich einer der interessantesten. Er war Soldat im ersten Weltkrieg und hat Dinge erlebt, die er nicht aufgearbeitet hat (wobei er sicher einer von vielen seiner Zeit war). Er lässt sich darauf ein, das Leben von Richard Rollet in einem Buch zu verarbeiten und driftet dabei sehr ab. Er ist der einzige Charakter, dessen Gedankengänge dem Leser voll und ganz vorgelegt werden. Manchesmal sind sie sehr verwirrend und ich fand, dass man wirklich immer im Hinterkopf haben musste, dass er im ersten Weltkrieg gekämpft hat und sich gegen Ende des Buches durch Einfluss und Abhängigkeit von Morphium auch in einem gewissen Rausch befindet. Interessant fand ich auch die Idee, die junge Dame, die an seiner Seite ist, Ricarda zu nennen. Für mich vom Namen her, fast das weibliche Pendant zu Richard. (Kann aber auch nur reiner Zufall sein). Maria war für mich die zweite interessante Figur in dem Buch. Auch sie nicht wirklich greifbar. Man erfährt sehr viel über sie, jedoch muss man die Puzzleteile selbst zusammensetzen um sie wenigstens im Ansatz zu begreifen. Sie spielt in beiden Erzählsträngen eine entscheidende Rolle. Besonders am Ende des Buches fand ich es höchst spannend, wie der Autor mit ihr gearbeitet hat. Ist mir in keinem Buch noch so untergekommen und hatte für mich daher etwas Faszinierend – Neues. Der Schreibstil hat für mich einen enormen Wiedererkennungswert. Mitten im Satz einen zweiten Gedankenstrang in Klammer einzubauen hat mich sehr begeistert und hatte für mich auch ein wenig etwas von dem wienerischen Zwischen – den – Zeilen – Lesen und der Doppeldeutigkeit bestimmter Wortverwendungen und Wortwendungen. Ansonsten liest sich das Buch wirklich flüssig und die Beschreibung der Schauplätze hatte etwas sehr Bildhaftes. Generell hatte ich auch das Gefühl, dass Thomas Beckstedt extrem gut recherchiert hat, was ich persönlich für einen historischen Roman sehr wichtig finde. Daher: 5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung von mir…

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    • 5
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    23. February 2016 um 17:34
  • Wer nur zurückschaut, sieht nicht, was auf ihn zukommt.

    1888
    Sick

    Sick

    London 1922: Georg ist nach Kriegsende in die englische Hauptstadt gezogen. Das geerbte Familienunternehmen hat er veräußert und nun lebt er ein relativ sorgenfreies Leben. Bis er eines Tages die Tagebücher und Aufzeichnungen seines Freundes Dr. Richard Rollet erhält. Dieser bittet ihn, seine Geschichte in einem Buch zu verfassen. 1888 war Richard in Wien wegen zweifachen Mordes zum Tode verurteilt worden, obwohl er unschuldig war. Georg ist anfangs skeptisch, doch Richards Erlebnisse ziehen ihn immer mehr in den Bann - unter anderem, weil der Arzt seine Aufzeichnungen zensiert hat. In Wien versucht Georg der Wahrheit nach 35 Jahren auf den Grund zu gehen...   "1888" ist das Debut von Thomas Beckstedt, doch liest es sich ausnehmend gut. Der Text ist zum Teil sehr anspruchsvoll, einiges erfährt man nur zwischen den Zeilen und bei manchen Dingen weiß man nicht, ob es sich um Wirklichkeit oder Wahn handelt. Denn Georg experimentiert mit Drogen und Alkohol, um sich besser in Richard hineinversetzen zu können. Zudem nagen noch immer die Kriegserlebnisse an ihm. Um der Einsamkeit zu entfliehen, verbringt er viel Zeit in Kneipen und mit Huren. Diese Kapitel haben mir nicht ganz so gut gefallen wie die im Jahr 1888, aber das lag wohl eher daran, dass ich hauptsächlich wissen wollte, was damals passiert ist. Schon der Prolog wirft viele Fragen auf und die unvollständigen Unterlagen von Richard fachen zusätzlich die Neugier an. Zunächst erfahren wir viel aus seiner Sicht, aber auch der Polizist Johann de Vries, der seinen Fall untersucht, Richards junge Geliebte Maria und andere Figuren begleitet man. Die Wechsel haben mir gut gefallen, weil sie die Spannung hochgehalten, aber nicht verwirrt haben. Auch die Charaktere sind gut gelungen, sie sind vielschichtig und nicht besonders berechenbar. Das hat aber auch zur Folge, dass man sie nicht unbedingt sympathisch findet. Am besten gefallen hat mir de Vries, aber auch er hat keine blütenreine Weste. Das kann man wahrlich von keiner der Figuren behaupten, was das Ganze aber noch interessanter macht. Man fragt sich unweigerlich, wer welches Geheimnis verbirgt und ob die Geschehnisse miteinander zusammenhängen. Eine rundum befriedigende Antwort erwartet man allerdings vergeblich, wie das im echten Leben nun mal so ist. Vieles muss man sich zusammenreimen, einiges wird einem zurechtgelegt und manches bleibt fast gänzlich offen. Ich persönlich mag eine klare Lösung, einen "Aha-Effekt", aber es ist in Ordnung, dass hier ein anderer Weg gewählt wurde. Immerhin macht es die Beteiligten ebenfalls fertig, dass sie manches wohl nie erfahren werden... Ein großer Pluspunkt ist die anschauliche Erzählweise. Ich habe mich total in die Zeit zurückversetzt gefühlt und empfand das als sehr authentisch. Ab und zu wird auf damalige Persönlichkeiten und Ereignisse Bezug genommen, wie die Aufspaltung Österreich-Ungarns oder das Drei-Kaiser-Jahr in Deutschland, was ich ebenfalls gut gelungen fand. Eine Besonderheit ist außerdem der Schreibstil. Hier und da werden einzelne Wörter (die Wahrheit?) in Kursivschrift und Klammern eingefügt oder die Absätze an den Inhalt angepasst. Das war sehr passend und hebt das Buch von den vielen anderen ab. Es gibt außerdem keine Kapitel im eigentlichen Sinn, sondern es wird lediglich zwischen den beiden Zeiten hin- und hergesprungen und in der Vergangenheit zusätzlich noch zwischen den Perspektiven. Diese Abschnitte sind nicht allzu lang, sodass man das Buch jederzeit beiseite legen kann, doch die vielen spannenden Wendungen lassen das nur ungern zu.   Kein leicht zu lesendes Buch, aber es lohnt sich, denn man wird mit tollen Ideen und jeder Menge Spannung belohnt. In meinen Augen durchaus empfehlenswert!

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    • 2
  • Ein tolles Buch, dass beim Lesen die Konzentration des Lesers fordert!

    1888
    Cieena

    Cieena

    Handlung Im Jahre 1888 wird eine Prostituierte grausam ermordet. Wenig später findet auch ein bekannter und angesehener Arzt auf brutale Art und Weise den Tod. Wenig später gibt es bereits einen Verdächtigen, Dr. Richard Rollet. Dieser beteuert seine Unschuld, wird jedoch kurze Zeit später zum Tod durch den Strang verurteilt. Der Fall scheint klar, doch etwas lässt Kriminalinspektor De Vries an der Schuld Rollets zweifeln. Gegen den Willen seiner Vorgesetzten beginnt er zu ermitteln und begibt sich dabei selbst in große Gefahr... Über dreißig Jahre später erhält im London der Zwanziger Jahre der ehemalige Soldat George ein merkwürdiges Päckchen mit indischem Poststempel. Darin befindet sich unvollständige Tagebücher des vermeintlichen Mörders Rollet mit der Bitte diese in ein Buch zu verfassen. George taucht in die Welt Rollets ein und begibt sich auf Spurensuche. Schließlich reist er sogar nach Wien und entdeckt dort auch nach über dreißig Jahren noch ungeheuerliche Spuren... . Cover Das Cover ist ein absoluter Hingucker und lässt wohl das Herz eines jeden Liebhabers von Romanen, die im 19. Jahrhundert spielen, höher schlagen. In Zusammenarbeit mit dem einprägendem Titel verspricht das Cover einen spannenden Roman in einem anderen Jahrhundert. . Charaktere Im Laufe der Handlung begegnet der Leser eine Vielzahl von Figuren wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Zwielichtige Charaktere aus dem Untergrund finden dabei ebenso ihren Platz in der Handlung wie Damen und Herren aus der feineren Gesellschaft. Protagonist der Handlung ist der ehemalige und sehr wohlhabende Soldat George, der sich auf Spurensuche begibt. Vor allem dieser Charakter begleitet den Leser und verändert sich mit zunehmender Handlung. George ist in meinen Augen kein Charakter für den man als Leser großartig Sympathie empfindet. Vielmehr verspürte ich beim Lesen eine konstante Distanz zwischen mir und dem Charakter, doch überraschenderweise störte mich dies kein bisschen und war beim Lesen sogar sehr angenehm. Weitere wichtige und markante Personen im Buch sind natürlich Richard Rollet, welcher als vermeintlicher Doppelmörder zum Tode verurteilt wird und seine Zeit des Prozesses und der Gefangenschaft in Tagebuchform festhielt, und der Kriminalkommissar De Vries, welcher gegen den Willen seiner Vorgesetzter die Ermittlungen fortführt. Beide Charaktere konnten mich überzeugen und bilden einen interessanten Kontrast zu George. Immer mal wieder begegneten mir beim Lesen Figuren, die nur kurze Zeit in der Handlung auftauchten und einige Zeit später wieder ihren Weg in das Geschehen zu finden. . Schreibstil Die Handlung des Buches ist zweigeteilt, wirklich Kapitel gibt es nicht. Vielmehr erlebt der Leser immer abwechselnd Handlungsstränge aus dem Jahre 1888 und 1923. Im Jahre 1888 erlebt man zunächst einen Einstieg in das eigentliche Verbrechen aus der Sicht Rollets, um dann zu einem späteren Zeitpunkt De Vries bei seinen Ermittlungen zu begleiten. Im Jahre 1923 begleitet man hingegen George bei seinen Bemühungen ein Manuskript zustande zu bringen und gleichzeitig fehlender Puzzleteile mithilfe einer Spurensuche in Wien zusammenzusetzen. Der Schreibstil war für mich zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, empfand ich jedoch später als durchaus passend. Generell muss ich sagen, dass sich das Buch zwar einigermaßen flüssig lesen ließ, ich jedoch zwischendurch oftmals einige Passagen nochmals las, um kein Detail zu verpassen. . Mein Fazit "1888" ist ein absolut spannender Roman, der durch seinen toll recherchierten Hintergrund und eine spannende Story besticht. Ich hatte schöne Lesestunden mit diesem Buch, dennoch würde ich diesen Roman nicht als einen Schmöker einordnen, welchen man abends entspannt im Bett lesen kann. Viele Details, die sich oftmals auch eher zwischen den Zeilen finden lassen, machen das Lesen doch manchmal sehr anstrengend und fordern die volle Konzentration des Lesers. Auch wenn man die Handlung in meinen Augen eher aus der Ferne erlebt, tut dies dem Lesegenuss keinen Abbruch. Die spannende Story, welche sich über einen Zeitraum von über dreißig Jahren zieht, fesseln den Leser von der ersten Seite an und ziehen ihn unweigerlich in den Bann. Viele Nebengeschehnisse lassen sich nicht immer gleich einordnen und auch einige Figuren scheinen zunächst nur in einer Nebenhandlung aufzutauchen um schließlich im weiteren Verlauf ihren Platz zu finden. Auch wenn am Ende des Buches nicht alle Fragen vollständig geklärt wurden, konnte mich das Buch überzeugen. Ich empfehle es jedem Leser mit einer Vorliebe für dieses Genres, auch wenn man sich an einigen Stellen sicherlich ein wenig hindurch wühlen muss um wirklich nichts zu überlesen. Diese und weitere Rezensionen findest Du auch auf meiner Website www.zeit-der-buecher.de 

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    • 3
    krimielse

    krimielse

    13. February 2016 um 16:10
  • Die Last der Vergangenheit

    1888
    Kopf-Kino

    Kopf-Kino

    Die Gedanken spitzen sich zu, und manchmal habe ich Angst, mich daran zu verletzen. Wien, 1888: Ein grausamer Doppelmord erschüttert die Wiener Gesellschaft. Ausgerechnet Dr. Richard Rollet soll das Verbrechen an seinem Kollegen Lafitte und einer Prostituierten begangen haben und wird rasch zum Tode durch den Strang verurteilt, doch dieser beteuert verzweifelt seine Unschuld. London, 1922: Jahrzehnte später erhält Georg ein mysteriöses Paket aus dem fernen Indien, angefüllt mit einem verworrenen Sammelsurium von Papieren, Notizen und Tagebucheinträgen. Darin fordert Dr. Rollet seinen Bekannten Georg auf, aus den Aufzeichnungen, die er während seines spektakulären Prozesses führte, ein Buch anzufertigen, um die wahre Geschichte zu erzählen. Neugierig geworden, beginnt Georg mit der ihm anvertrauten Arbeit und wird rasch in einen Fall verwickelt, der ihn an den Rand des Wahnsinns treibt... Wir müssen lernen, die Leere zu ertragen. Mit '1888' ist dem Autor Thomas Beckstedt ein intelligentes Debüt gelungen, das, rein oberflächlich betrachtet eine packende Mischung aus Thriller und Kriminalroman darstellt, tief in den Sumpf menschlicher Abgründe eintaucht und dramatische Verstrickungen aufdeckt. Der geneigte Leser wird unweigerlich in den Bann zweier Zeitzonen, die sich stetig steigernd miteinander verweben, gezogen. Neben der vergangenen Ebene, in der Kommissar de Vries an Rollets Schuld zweifelt und den Fall auf eigene Faust erneut aufrollt, begibt sich Georg 1922/23 in der zweiten Ebene auf die Suche, indem er Rollets Aufzeichnungen sortiert und die Ereignisse zusammenfasst. Letzteres verleiht dem Roman demnach einen erzählerischen Charakter und spielt tendenziell eher mit der Neugierde des Lesers als mit Spannung, was mir jedoch gut gefiel. Hinter den häufigen Zeitsprüngen verbirgt sich eine geschickte Konstruktion, die die Wahrheit nur langsam ans Licht bringt. Da ein Großteil des Buches aus Rückblenden besteht, setzen sich die einzelne Teile oftmals neu zusammen. Besonders hervorheben möchte ich die gelungene sprachliche Umsetzung und deren Feinheiten, die den Leseeindruck mit wohl gewählten Worten und allerlei stilistischen Kunstgriffen intensiv verstärken. Die anspruchsvolle Sprache, die zwar gehoben, aber dennoch gut verständlich ist, hebt sich – zu meiner literarischen Freude – stark vom Durchschnitt jenes Genres ab und lädt bei vielen Passagen ob den eindrücklichen Beschreibungen und guten Metaphern zum Verweilen ein. Goldene Rahmen säumten meine Gedanken. Ich jonglierte mit ihnen. Wie ein Kartenspieler warf ich die Erinnerungen ins All, um sie kurz darauf wieder herzuholen. Ich drehte sie, wie ich es gerade wollte. In manche Bilder tauchte ich ein, versank in ihnen wie in flüssigem Glas. Sehr gelungen finde ich, dass sich die Tagebucheinträge stilistisch von der Gegenwart abheben; immerhin schildern hier zwei unterschiedliche Menschen und jeder Mensch drückt sich schließlich unterschiedlich aus. Diese erkannte und angewandte Differenzierung ist meiner Meinung nach sehr lobenswert. Die stellenweise gewählte Optik, die den Inhalt trefflichst unterstützt und den jeweiligen Passagen einen Hauch von Lyrik verpassen, möchte ich im Folgenden anschaulich mit einem Beispiel aufzeigen. Grundsätzlich schätze ich es sehr, wenn Autoren die Sprache als Spielwiese sehen und somit die Grenzen des Geschriebenen austesten. Und dann lassen sie mich fallen und ich falle …...und falle immer …..........tiefer. [Ignoriert bitte die Punkte. Anders kann ich es hier nicht darstellen.] Die Idee, eingeschobene Gedanken bzw. Kommentare optisch einzuklammern, um einem Satz zwei verschiedene Ebenen zu verleihen und dennoch eine direkte Einbettung in den Kontext zu gewährleisten, weiß mich zu begeistern. Meiner Meinung nach stellt dies ein gelungenes Wiedererkennungsmerkmal dar. Und ich muss gestehen, dass ich mir mehr als einmal vorgestellt habe, wie es wohl wäre, einen Haken in die graue Wirklichkeit zu schlagen, um mich daran zu erhängen. Aber ich konnte es nicht, und ich kann es noch immer nicht, weil ich (lebe) noch immer hoffe. An wenigen Stellen fand ich leider, leider ein paar sprachliche Stolpersteine, die mir ins Augen fielen und die ich zu meinem eigenen Bedauern nicht unerwähnt lassen kann. Glücklicherweise fielen diese summa summarum nicht merklich ins Gewicht. Vor allem mit Georg skizziert der Autor einen spannenden und gleichzeitig schwierigen Protagonisten, der aufgrund seines Kriegstraumas stetig zwischen Realität und Wahnvorstellungen schwankt. Somit scheint er für den Leser ein nicht allzu verlässlichen Erzähler zu sein. Diese Grenze gilt es einerseits zu deuten und andererseits immer wieder neu zu definieren. Mit geschlossenen Augen tastete sie gern über die Narben wie ein Blinder über Reliefschrift. „Narben erzählen Geschichten“, hatte sie beim ersten Mal gemurmelt. „Große und kleine, aber immer sind es Schmerzen.“ Die dunkle Atmosphäre, die sich durch den gesamten Roman zieht, wird dank humorvoller Szenen, wie bspw. Missverständnisse oder skurrilen Eigenheiten der handelnden Figuren, ein wenig aufgelockert. Abgesehen davon bietet der Roman eine Fülle an Düsternis auf, die nicht nur an den Handlungsorten vorzufinden ist, sondern sich ebenfalls auf die Figuren überträgt. Den historischen Kontext bettet der Autor gut in die Geschichte ein, ohne sich in langen Beschreibungen zu verlieren; schließlich ist das Hauptaugenmerk auf den dubiosen Fall gerichtet. An manchen Stelle hätte ich mir dennoch mehr Feinheiten gewünscht. So wird beispielsweise von skurrilen Anekdoten über das alte Wien berichtet, aber nicht aufgezeigt. Um welche es sich handeln, wird nicht erwähnt - der Leser bleibt im Unklaren. Die darauffolgende Schlussfolgerung „Tolle Stadt.“ verpufft somit ins Leere, da sie nicht nachempfunden werden kann . Schade. Andere kleine eingestreute Details, wie Hintergrundinformationen und Anspielungen, runden das Gesamtbild jedoch gekonnt ab. „Und du hast dir auch nie den Wind an der Nordsee durch die Haare flattern lassen, während du eine Novelle von Theodor Storm gelesen hast?“ Für den routinierten Thrillerleser [was ich übrigens nicht bin] entlädt sich erst im letzten Drittel der gewohnte Nervenkitzel, erst dann nimmt der Thrill an Tempo zu, obgleich die vorherige Spurensuche mit manchen Überraschungen auf jeden Fall packend ist. Dieser originelle Roman sticht meiner Meinung nach mit anderen Qualitäten aus der Masse, was mir aber sehr zusagte. Dank der starken Sprache und Charakterisierung konnte ich das Buch ab einem gewissen Punkt nicht mehr aus der Hand legen. Aufgrund der kleinen Schwächen gebe ich dem tollen Roman schweren Herzens verdiente 4,5 Sterne und freue mich, einen kleinen Schatz gefunden zu haben. Somit möchte ich diese literarisch anspruchsvolle Mischung aus Krimi und Thriller jedem ans Herz legen, der einem Lesevergnügen der besonderen Art - jenseits des Mainstreams - nicht abgeneigt ist. Ein gelungener Debütroman! Nichts sieht so traurig aus wie ein Buch, das in einem Wohnzimmer liegt und vergeblich darauf wartet, dass sich der Mensch, der es zu lesen begann, wieder zu ihm setzt, um ihm den Rücken zu streicheln. Das Buch trauert und weiß Bescheid. Es kennt die Bedeutung der Worte nie wieder.

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    • 12
  • Narben und Dämonen

    1888
    Barbara62

    Barbara62

    Zwei Zeitebenen, zwei Orte und zwei Protagonisten sind die Zutaten zu diesem spannenden Debüt des promovierten Philosophen und diplomierten Datentechnikers Thomas Beckstedt. Was ich zunächst für einen sehr intelligent aufgebauten historischen Krimi gehalten hatte, entpuppte sich auf den letzten 150 Seiten doch noch als der auf dem Umschlag versprochene Thriller. Georg, ein deutscher Soldat des Ersten Weltkriegs, hat seine Zelte in Deutschland abgebrochen, das Familienunternehmen verkauft und ist nach London übergesiedelt, traumatisiert und verwundet an Körper und Seele, ohne Plan für sein weiteres Leben. Da erreicht ihn 1922 überraschend ein Paket aus Indien von einem gewissen Dr. Richard Rollet. Ihn und seine wesentlich jüngere Frau Maria hatte Georg in seinem letzten unbeschwerten Sommer 1914 in einem Hotel in Sils Maria kennengelernt. Nun schickt Dr. Rollet ihm Tagebücher und Manuskripte und bittet ihn, seine Geschichte aufzuschreiben, wozu er selber nicht in der Lage ist. Die Unterlagen, deren Anziehungskraft sich Georg vom ersten Moment an nicht entziehen kann, berichten vom schließlich nicht vollstreckten Todesurteil gegen den Arzt, der 1888 in London wegen des Doppelmords an seinem Kollegen, Dr. Lafitte, und einer Prostituierten schuldig gesprochen worden war. Die Recherche, die sich wie von Dr. Rollet prophezeit als sehr kompliziert erweist, führt Georg von London nach Wien. Fehlende Bausteine bringen ihn fast an den Rand des Wahnsinns und die Schicksale der beiden Männer verschmelzen nicht nur bedingt durch Georgs Opiumkonsum immer mehr. Denn hat Georg bisher nur mit seinen eigenen Dämonen gekämpft, so kämpft er nun auch mit denen Rollets. 1888 ist kein Thriller, den man nebenbei lesen kann. Der Autor verlangt dem Leser eine Menge Konzentration ab und überfrachtet ihn manchmal mit seiner unerschöpflich scheinenden Kreativität, was bei einem Erstling zu entschuldigen sein dürfte. Dafür belohnt er ihn aber mit einem außergewöhnlichen, dem Durchschnitt des Genres weit überlegenen Schreibstil, mit psychologisch ausgefeilten Charakteren, mit einer sehr atmosphärischen Beschreibung der beiden Städte und mit gut recherchiertem historischem Flair. Die düstere Stimmung, die sich durch den gesamten Roman zieht, wurde für mich so greifbar, dass ich schließlich fast jeder Figur des Buches Böses zugetraut habe. Mehr noch als die Spannung, die erst in der zweiten Hälfte richtig aufkommt, haben mich bei diesem ungewöhnlichen, sehr empfehlenswerten historischen Thriller die Atmosphäre und die Sprache fasziniert.

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    • 7
    Cridilla

    Cridilla

    04. February 2016 um 04:04
  • Leserunde zu "1888" von Thomas Beckstedt

    1888
    ThomasBeckstedt

    ThomasBeckstedt

    Liebe Krimi- und Thriller-Freunde! Ich möchte euch herzlich zur ersten Leserunde meines Debüt-Romans "1888" einladen! Danke an den Braumüller Verlag in Wien, der freundlicherweise 10 Bücher zur Verfügung stellt. Die Bewerbungsfrist endet am 5.1. Dann werden wir die Bücher verschicken, sodass die Leserunde spätestens am 15.1. beginnen kann. Das dürfte eine spannende Abwechslung zum Beginn des neuen Jahres werden. Falls es mehr als 10 Bewerber gibt, werden wir die Gewinner per Los ziehen. Ich freue mich auf eine interessante und spannende Zeit - und natürlich auf euch! Selbstverständlich sind auch alle Interessierten, die kein Buch gewinnen, herzlich eingeladen, sich an der Leserunde zu beteiligen. Liebe Grüße Thomas Beckstedt Hier der link zum „Blick ins Buch“ http://www.amazon.de/1888-Thomas-Beckstedt/dp/3992001296/ Ich suche nun mindestens 10 Leser, die gerne in einem Thriller/Krimi versinken und sich in diesem Genre richtig wohlfühlen – Leser, die das Buch auch besprechen & anschließend rezensieren möchten. Ich vergebe 10 Bücher für diese Leserunde. Blogger dürfen sich gerne mit ihrer Blogadresse bewerben. Bewerbungsfrage: Schildert uns euren Eindruck zur Leseprobe! Ich freue mich auf eure Bewerbungen! *** Wichtig *** Ihr solltet Minimum 2-3 Rezensionen in eurem Profil haben, damit ich sehen kann, wie ihr eure Rezensionen schreibt und wie aussagekräftig/aktuell sie sind. Der Erhalt eines Rezensionsexemplars verpflichtet zur Teilnahme an der Leserunde. Dazu gehören das zeitnahe Posten in den Leseabschnitten und das anschließende Rezensieren des Buches.

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    • 610
    ThomasBeckstedt

    ThomasBeckstedt

    01. February 2016 um 18:46
    irismaria schreibt Ganz besonders möchte ich dir, Thomas, danken, denn durch deine Kommentare und Hintergrundinfos wurde die Runde sehr bereichert. Ich finde es klasse, dass es hier auf Lovelybooks die Möglichkeit ...

    Ich möchte mich recht herzlich bedanken, dass du an dieser Leserunde 1888 teilgenommen hast und vielen lieben Dank auch für deine tolle Rezension. Es freut mich zu lesen, dass du meine Beiträge ...

  • Eine Vergangenheit mit Folgen

    1888
    kleinwitti

    kleinwitti

    31. January 2016 um 17:22

    Mit dem Thriller "1888" hat der Autor Thomas Beckstein ein super Depütroman geschrieben. Das Cover sticht einem sofort in die Augen, nicht nur durch die sehr großen Zahlen sondern auch durch den geheimnissvollen Mann im Hintergrund. In dem Buch gibt es zwei Handlungsstränge die parallel erzählt werden. In einem Strang begleiten wir Georg im Jahrte 1922/23 der von seinem ehemaligen Freund die Aufgabe bekommt seine Geschichte zuende zu schreiben. Welcher er sich auch widmet und dazu sich auf Reisen begibt um nähere Informationen zu bekommen die in den Aufzeichnungne seines freundes anscheinend fehlen. Der zweite Strang handelt im Jahre 1888 und handelt eigentlich um den Freund von Georg der unschuldig im Gefängnis sitzt, da er anscheinend in einen Hinterhalt geraten ist. Nur der Polizist DeVries glaubt nicht so ganz an die Schuld von Dr. Rollet und ermittelt weiter. In diesem Handlungstrang geht es spannend zur Sachen. Georg ist ja eine der Hauptfiguren im Jahre 1922/23. Er ist ein vom Krieg gezeichneter Soldat der etwas Geld hat durch den Verkauf des Hab und Gutes der Familie. Er wirft auch mit dem Geld um sich das man eigentlich denken müsste, dass dieses bald alle sein muss. Das der Krieg nicht spurlos an ihm vorbei gegangen ist, merkt man auch sehr an seinen Wahnvorstellungen, dazu kommt noch das er schnell den Drogen verfällt und auch nicht bei Alkohol Nein sagen kann. Des Weiteren hat er einen Hang zu Prostituierten, den egal in welche Stadt wir ihn begleiten immer kauft er sich eine auf Zeit für gutes Geld. Dr. Richard Rollet seine Rolle spielt natürlich im Jahre 1888 und ist der Freund von Georg. Dieser tappt unwissend in eine für ihn gestellte Falle und er wird mit dem Mord an seinem Kollegen in Verbindung gebracht. Er beteuert immer das er diese Morde nicht begangen hat, findet aber keine offenen Ohren. Dieses liegt wohl an der damaligen Zeit, die Fälle die eindeutig scheinen werden nicht weiter untersucht und es wird verurteilt. Zum Leid des Angeklagten. Er ist ein sehr gebildeter Mann, der aber auch nicht ohne ist, denn er hintergeht auch seine Frau, die natürlich an einer Grippe stirbt und der Weg zu seiner Geliebten frei ist, aber dann kommt halt dieser Mordkomplott dazwischen. DeVries ist ein Polizist der den Fall, Dr.Rollet, kurz vor dem Prozess bekommt und nur aus den Akten kennt und dadurch auch nur das erzählen kann was in den Akten steht. Aber nachdem ihm Informationen  zugespielt wurden die berechtigte Zweifel aufkommen lassen ermittelt in dem eigentlich abgeschlossenen Fall und es passiert eine Menge Dinge die man nicht erwartet. DeVries kontaktiert sogar alte Kontakte und fordert Gefallen ein um weiter zu kommen in dem Fall. Man könnte sagen er verbeißt sich regelrecht darin. Auch alle anderen Charaktere die in diesem Buch sind toll ausgearbeitet und passen sich dem Buch einfach super an. Ich hatte auch immer ein Gesicht vor Augen und konnte mir die Personen sehr gut vorstellen. Die Handlungsorte wurden vom Autor sehr gut beschrieben und passen zu der Zeit in der das Buch handelt. Man konnte sich die Häuser, Keller, Gassen und auch Pubs/Kneipen sehr gut vorstellen. Man hat sogar das Gefühl gehabt zum Teil sich in den räumlickeiten zu befinden. Der Schreibstil von Thomas Beckstein ist einfach nur toll. Man liest das Buch trotz seiner komplexität doch sehr flüssig und schnell. Es gibt zwar keine richtigen Kapitel, aber wir springen zwischen den Jahren 1888 und 1922/23 was immer durch kurze Überschriften in Form von Jahreszahlen abgetrennt wird hin und her. Die teilweisen Einschübe in kursiver Form, die die Gedanken des Erzählers dastellen, frischt das ganze ein wenig auf. Der Thriller von Thomas Beckstein ist ein gelungenes Debüt und sehr empfehlenswert. Das Buch ist sehr komplex aber auch sehr gut recherchiert. Von mir gibt es für dieses Buch eine klare Leseempfehlung für Thrillerfans die auch mal gerne etwas anspruchvolles lesen wollen.

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  • historischer Krimi, der ein besonderes Leseerlebnis beschert

    1888
    irismaria

    irismaria

    31. January 2016 um 09:50

    "1888" ist ein ungewöhnlicher historischer Krimi von Thomas Beckstedt. Das Buch spielt 1888 und 1922/3 und die beiden Zeitebenen wechseln sich immer wieder ab und unterscheiden sich auch sprachlich. 1888 in Wien wird Dr. Richard Rollet beschuldigt, eine Prostituierte und einen Medizinerkollegen ermordet zu haben. Alle Indizien sprechen gegen ihn und er wartet auf seine Hinrichtung. Doch Kriminalinspektor Johann de Vries lässt nicht locker und ermittelt weiter. Im anderen Handlungsstrang geht es um den jungen Deutschen Georg. Er hat die Schrecken des Ersten Weltkriegs erlebt und versucht einen Neuanfang in London. Dort erhält ein Paket aus Indien mit Unterlagen, Tagebüchern und Notizen über den Doppelmord 1888. Da Georg den Beschuldigten Rollet und seine Frau Maria von einem Ferienaufenthalt kennt, vertieft er sich in den Fall und reist auf der Suche nach Spuren durch Europa. Neben dem spannenden Kriminalfall besticht das Buch durch seine psychologisch gekonnte Figurenzeichnung und die Darstellung der verschiedenen Gesellschaften. Man erlebt, wie der traumatisierte Georg Halt in Drogen und Frauengeschichten sucht und dass die schöne Fassade des kaiserlichen Hofs in Wien dunkle Geheimnisse birgt und taucht ein in englische Hafenkneipen und noble Kaffeehäuser. Ein gelungenes Stilmittel ist, dass der Autor den Text des Ich-Erzählers durch eingeschobene Gedanken ergänzt. Darüber musste ich oft schmunzeln und wurde aus der manchmal düsteren Thematik herausgerissen. "1888" ist kein Buch, das man einfach runterlesen kann. Die Informationsfülle und die wechselnden Handlungsstränge erfordern einen konzentrierten Leser. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, hat ein besonderes Leseerlebnis. Ich kann "1888" sehr empfehlen.

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  • Mysteriöse Post

    1888
    tinstamp

    tinstamp

    30. January 2016 um 10:57

    Meine Meinung: In einer Leserunde bei Lovelybooks durften wir gemeinsam mit dem Autor Thomas Beckstedt seinen Roman lesen und mitdiskutieren. Es war eine sehr lebhafte Leserunde und es gab viel zu besprechen...denn für diese Lektüre sollte man sich wirklich Zeit nehmen.... Dieses Werk ist außerdem sehr schwer in ein Genre einzuordnen. Ich erwartete mir einen historischen Thriller, wie am Buchcover angezeigt, doch ich finde die Geschichte entspricht eher einer düsteren Erzählung oder eines historischen Krimis, da richtige Thrillerspannung erst kurz zum Schluss aufkommt. Das Buch ist in zwei Zeitebenen gegliedert, wobei eine im titelgebenden Jahr 1888 spielt. In diesem Teil wird ein gewissser Dr. Richard Rollet des Mordes an seinem Arztkollegen Dr. Lafitte und einer Prostitutierten angeklagt. Er wird verurteilt, doch Kriminalinspektor Johann de Vries glaubt nicht wirklich an seine Schuld und ermittelt auf eigene Faust. Der zweite Teil spielt ungefähr 35 Jahre später in den Jahren 1922/23. Unser Protagonist Georg erhält mysteriöse Post aus Indien von eben diesen, damals angeklagten Freund Richard Rollet, der ihn bittet, seine Aufzeichungen, die er im Gefängnis geschrieben hat, zu sortieren und zusammenzufassen. Georg hat den ersten Weltkrieg hinter sich und trägt seitdem einge körperliche und seelische Makel mit sich herum. Das Geschäft seiner Eltern hat er nicht übernommen und nach deren Tod alles verkauft. So lässt es sich mit all dem Geld aus dem Verkauf ganz gut leben....aber nicht zuhause in Deutschland, sondern in London. Dort ist es allerdings nach dem Krieg deutlich besser sich als Schweizer und nicht als Deutscher auszugeben. Als er das Manuskript seine Freundes Rollet erhält, vertieft er sich mit großem Interesse in die Tagebuchaufzeichnungen. Doch dem Skriptum fehlen einige Seiten, was wiederum Georg keine Ruhe lässt. Deshalb verlässt er London und reist nach Wien, dem damaligen Tatort. Die Zeit hat viele, jedoch nicht alle, Spuren ausgelöscht. Und so sucht auch georg nach Antworten auf seine Fragen. Je länger sich Georg mit den Aufzeichnungen beschäftigt, umso mehr verliert er seinen Bezug zur Realität..... Die Abschnitte aus dem Jahre 1888 in Wien und die Ermittlungsarbeit von Johann de Vries fand ich spannend und gelungen. Man erfährt sehr viel über das Wien der damaligen Zeit, aber auch in der zweiten Zeitebene Anfang der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Beckstedt versteht es sehr gut mit seinem außergwöhnlichen Schreibstil die Seele Wiens in der Zeit zwischen den zwei Kriegen einzufangen. Mit den Abschnitten rund um Georg konnte ich mit der Zeit leider immer weniger anfangen. Georg war mir nicht wirklich sympathisch. Ein Lebemann, der sich nur mit Prostituierten abgibt; ein Mensch, der sich mit Tabak, Alkohol und anderen Rauschsubstanzen immer mehr in eine Art Zwischenwelt katapultiert. Die Grenze zwischen seinem eigenen Leben und die des angeblichen Doppelmörders verblassen immer mehr und irgendwie scheinen diese immer mehr ineinander zu verschmelzen...Realität oder Wahnsinn ist hier immer mehr die Frage? Leider kam ich damit immer weniger klar. Gestört hat mich leider auch, dass nicht alles aufgeklärt wird und man sich am Ende doch noch einige Fragen stellt. Der Autor hat zwar durch eine Handlung Georgs gleich zu Beginn des Romans eine passende Erklärung dafür, die auch hervorragend passt, aber besonders bei Krimis und Thriller mag ich es nicht wirklich, wenn zu viele Fragen offen bleiben. Ein sehr anspruchsvoller Kriminalroman, der mich allerdings, wie unseren Protagonisten Georg, des Öfteren an meine Grenzen brachte. Schreibstil: Der Kriminalroman lebt und besticht durch den besonderen Schreibstil des Autors. Thomas Beckstedt schreibt einfach genial...das muss ich ihm lassen! Besonders durch die eingeschobenen Gedanken des Erzählers, die der Autor in kursiver Schrift und in Klammer gesetzt hat, entspricht dieser Roman keinem gängigen Werk. Hier liegt einiges an Humor verborgen und hat mich den Personen näher gebracht. Man nimmt deshalb auch die Gefühle und Gedankengänge des Erzählers besser wahr. Auch der Perspektivenwechsel zwischen der dritten Person und der erzählenden ersten Person ist gelungen, wenn auch fast ineinader fließend.... Man merkt auch die sehr gute Recherchearbeit des Autors. Cover: Das Cover ist düster, wie die gesamte Werk und gefällt mir sehr gut. Fazit: Ein etwas anderer Kriminalroman, düster und grenzenlos. Die Geschichte besticht durch den besonderen und großartigen Schreibstil des Autors. Leider wurde ich aber mit dem Protagionisten in der zweiten Zeitebene nicht warm und konnte sein Handeln überhaupt nicht nachvollziehen. Die Ermittlungsarbeit in der ersten Zeitebene gefiel mir allerdings sehr gut.

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  • 1888 – Mitreißende Spannung verpackt in einer Sprachwundertüte

    1888
    Nicky_G

    Nicky_G

    Georg lebt kriegstraumatisiert in den 1920er-Jahren in London, als er ein ominöses Päckchen von einem alten Freund Richard erhält, der ihn bittet, ein Buch aus seinen umfangreichen Notizen, Tagebüchern und Aufzeichnungen heraus zu schreiben. Neugierig und zunehmend besessen begibt Georg sich nicht nur auf eine Reise nach Wien, sondern auch in die Vergangenheit, genauer ins Jahr 1888, als Richard des Doppelmordes angeklagt war. Manche Bücher vermögen es, einen mit ihren ersten Sätzen oder Seiten in den Bann zu schlagen. Und genauso ist es mit diesem hier. Der gruselige Anfang erinnert an englische Klassiker wie „Dr. Jeckyll und Mr. Hyde“, hinter dem sich aber dieser Roman nicht zu verstecken braucht. Sehr gekonnt spielt der Autor mit dem Leser, verlangt ihm aber auch einiges ab, was zum einen auf die Zeitsprünge (zwischen 1888 und 1923) zurückzuführen ist, zum anderen auf den Perspektivwechsel zwischen der dritten Person und der erzählenden ersten Person. Besonders die Sprache und der Drucksatz ebendieser ermöglichen einen wunderbaren Lesegenuss, den man auch mit allen Sinnen erlebt: man hört den Lärm der Pubgäste, man riecht ihren Gestank nach Tabak und Schweiß, schmeckt den schalen Alkohol, sieht Ann in ihrem zu engen Kleid förmlich vor sich und fühlt die klebrige Theke unter den Fingern. Ganz raffiniert sind die kursivgeklammerten Einschübe, die Gedanken des Erzählers verdeutlichen und öfter Anlass zum Schmunzeln geben. Die Charaktere gewinnen dadurch an Substanz, auch dass sie durch Dritte in Gesprächen beschrieben werden, machen sie plastischer und greifbarer. Der Leser fühlt sich selbst als Fragender, als Detektiv, der die Puzzlesteine zusammensuchen muss.   Ich finde es schade, dass Georg sein Manuskript verbrannt hat. Es hätte so ein gutes Buch draus werden können… Zum Schluss sei noch etwas Profanes hervorgehoben: das Format des Buches ist handlicher als das anderer gebundener Bücher.

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    • 8
  • "1888" von Thomas Beckstedt

    1888
    calimero8169

    calimero8169

    Inhalt: Wien 1888 Die Zeitungen berichten über die Toilette der adeligen Damen und den Gesundheitszustand des Kaiser. Eine Prostituierte wird brutal ermordet, dann ein bekannter Arzt. Dessen Kollege Dr. Richard Rollet beteuert seine Unschuld. Und wird doch zum Tode durch den Strang verurteilt. Nur Kriminalinspektor Johann de Vries glaubt nicht an die Schuld des angesehenen Mediziners und ermittelt gegen den Willen seiner Vorgesetzten in jenen Kreisen der Wiener Gesellschaft, die der Bezeichnung "die Besten" nicht immer gerecht werden. London 1922 Ein rätselhaftes Paket mit indischem Postempel birgt die Tagebuchaufzeichnungen des mutmaßlich Doppelmörders Dr. Richard Rollet, der eine Prostituierte und einen Arzt brutal ermordet haben soll. Der Adressat Georg, der in ziellosem Müßiggang die Schrecken des Großen Krieges zu vergessen such, taucht in das verworrene und bruchstückhafte Manuskript ein, um es zu einem Buch zu formen, um dem Leben und den Erlebnissen des Autors nachzuspüren und den grauenhaften Geschehnissen auf den Grund zu gehen. Seine Recherchen führen ihn zurück in den Ursprung, nach Wien, wo die Zeit viele, jedoch nicht alle Spuren ausgelöscht hat. Immer stärker verweben sich die Schicksale der beiden Männer, immer rauschhafter verstrickt sich Georg in die Welt des Richard Rollet, und immer deutlicher tritt aus den Nebeln der Vergangenheit eine Frau hervor: Maria, mit dem Engelsgesicht und den grünen Augen. Eindruck: Eine atmosphärisch, düstere und sehr dicht gesponnene Geschichte. Der Autor nimmt den Leser mit in das historische Wien und London und gibt Einblicke in schaurige, kranke und abgrundtiefe menschliche Seelen, verpackt in die Tagebücher eines mutmaßlichen Doppelmörders und erzählt in verschiedenen Zeitebenen. Detailliert und bildlich schön beschriebene historische Schauplätze, erzählt in wunderschöner den jeweiligen Zeiten angepasster Sprache, jedoch niemals verschnörkelt oder abgehoben. Fazit: Ein toller Debütthriller, dem man anmerkt, wieviel Arbeit, Liebe und Recherche Thomas Beckstedt in dieses Buch gesteckt hat. Er traut seinem Leser eine Menge an Konzentration und Verständnis zu, sich auf diese Reise einzulassen. Spannung und positive Verwirrung bleibt bis zum Schluss erhalten. Jedoch war für mich das letzte Kapitel an einer Stelle nicht greifbar, was aber durchaus meiner mangelnden Fantasie oder Glauben entspringen könnte. Trotzdem aber ein sehr empfehlenswerter Thriller und ein Schätzchen für jede Bücherwand.

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    calimero8169

    calimero8169

    25. January 2016 um 16:24
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