Es ist amüsant wie Thomas Bernhard seinen Protagonisten auf einer Abendsegelschaft im Ohrensessel sitzend über die österreichischen Künstler (und letztendlich über sich selbst) abkotzen lässt. Der Text war wohl treffend, es gab einen Skandal und sogar eine Klage wegen Beleidigung gegen Bernhard, was der Auflage des Büchleins nicht abträglich war. Ob nun aber permanente Wiederholen als Haupstilmittel eine Aufnahme in den Kanon der deutschen Literatur rechtfertigen ist fragwürdig.
Thomas Bernhard

Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Thomas Bernhard
Korrektur
Holzfällen
Der Untergeher
Thomas Bernhard, Heldenplatz
Alte Meister
Ein Kind
Wittgensteins Neffe
Die Ursache
Neue Rezensionen zu Thomas Bernhard
"denn machen wir uns nichts vor, die Köpfe, die uns die meiste Zeit erreichbar sind, sind uninteressant, wir haben nicht viel mehr davon als wenn wir mit ausgewachsenen Erdäpfeln zusammen wären, die auf wehleidigen Körpern in mehr oder weniger geschmacklosen Kleidern ein kümmerliches, leider gar nicht erbarmungswürdiges Dasein fristen."
(Seite 46)
Freundschaft beginnt mit dem Interesse, der Sympathie und findet ihre Vollendung in einem Wohlgefühl, einer Vertrautheit und dem Wunsch, sich so oft wie möglich austauschen zu können. Freundschaften sind kein Amboss auf dem wir unsere Gedanken und unser Rüstzeug für das Leben schmieden, aber sie sind Oasen für uns Menschen, die wir stets dazu gezwungen sind, unterwegs zu sein.
Manche Menschen suchen in der Freundschaft die Bestätigung, andere den Austausch, die Inspiration. Freunde können uns darüber trösten wer wir sind oder es uns erst wirklich vor Augen fühlen, im schönsten Fall: beides zugleich. Für Thomas Bernhard war Paul Wittgenstein so ein Freund; ein Freund, in dem er sich selbst und sein Leiden erkannte, aber mit dem er auch die Liebe zur Musik und der Philosophie, die Abscheu vor der Heuchelei und manch anderen wertvollen Moment teilte.
Natürlich kann ein Thomas Bernhard keinen Liebesbrief schreiben, wie andere ihn schreiben würden, denkt man sich. Er wird nicht mit Rührung kommen, nicht mit Schwüren und Schwulst, vielleicht am ehesten noch mit Superlativen.
Was Thomas Bernhard unter anderem sehr stark auszeichnet ist sein Unverständnis. Und darunter möchte ich nicht Ignoranz verstanden sehen, oder Vorurteil oder schlichte und stupide Härte. Nein, ich rede von einem Unverständnis, welches direkt auf die Akzeptanz abzielt, die die "normalen" Menschen um viele Dinge aufgebaut haben. Konventionen, Institutionen, Trägheiten, etc. Ein Thomas Bernhard zeigt wenig Verständnis.
Auch dieses Buch ist kein Buch des Verständnisses. Aber es enthält viel davon. Neben all den Tiraden, Relativierungen und Offenheiten, ist es Thomas Bernhard hier gelungen uns einen Menschen, Paul Wittgenstein, bei all dem, was gegen ihn sprechen mag, durch die Augen eines Freundes zu zeigen; der Stil und das Objektiv, durch welche wir die Erzählung aufnehmen, enthält diese besondere, nicht nachsichtige, aber zugeneigte Tönung der Freundschaft.
Ich lese aus vielen Gründen gerne Thomas Bernhard und es wäre albern zu behaupten, dass dieses Buch eine große Ausnahme in seinem Werk darstellt. Warum ich trotzdem nicht umhin komme, es großartig zu nennen? Letzten Endes, neben Eindringlichkeit, Stil und Darstellung, besitzt dieses Buch eine ungeheure Menschlichkeit. Egal wie sehr man in Thomas Bernhard einen Misanthropen, Vernichter oder apathischen Geist sehen will - in diesem Buch spürt man dann und wann zur Gänze, dass sein Schreiben, sein Artikulieren und seine Erregung von dem Thema der Menschlichkeit nie ganz abweichen kann, ja vielleicht sogar von diesem bedingt wird. Womit ich ihn nicht zum Heiligen oder Gutmenschen machen will, sicher nicht. Aber der Konfrontationskurs, auf dem Bernhard sich befindet, nicht nur mit der Gesellschaft oder der Existenz, sondern hier auch mit sich selbst, mit dem Freund Paul Wittgenstein: er offenbart meiner Meinung nach eine große menschliche Dimension, als leises Musikaufkommen, welches die abgeklärten, ratternden Reden unterlegt.
Gerade weil es ein Buch ist, das alle anderen Verwandtschaften außer der geistigen leugnet. Gerade weil es ein Buch ist, das ehrlich mit seinem Objekt und seinen Emotionen sein will, ohne Tragik und perdue.
Wittgenstein Neffe ist ein großartiges Buch. Ich kann nur jedem empfehlen, sich in seinen Bann zu begeben, meine Meinung zu widerlegen oder eine Spur davon wiederzufinden. Beides wäre mir mehr als willkommen.
Ein Buch im Bücherschrank ist beim Umräumen rausgefallen. Ich habs mit auf den Balkon genommen und eine sehr vergnügliche halbe Stunde damit verbracht.
Der Musikphilosoph Reger sitzt seit Jahren fast jeden Tag im Bordone-Saal des Kunsthistorischen Museums in Wien, schaut sich Tintorettos „Bildnis eines weißbärtigen Mannes“ an und blättert in Büchern. Er sitzt nicht da, weil ihm das Bild so gut gefällt, sondern wegen der Sitzbank davor, behauptet er jedenfalls gegenüber seinem Bekannten Atzbacher, der von Reger ins Museum bestellt worden ist. Der dritte Mann ist der Aufseher Irrsigler, seit 35 Jahren im Dienst des Museums. Eine Sprechrolle hat er nicht. Wichtig ist er trotzdem. Reger bezeichnet ihn als „Staatstoten“, der nur Museumswärter geworden ist, weil man ihn bei der Polizei nicht genommen hat und er einen Job mit Kleiderversorgung wollte. Aber darum geht’s eigentlich nicht in dieser wirklich sehr amüsanten Graphic Novel des Künstlers Nicolas Mahler, dessen Kafka-Buch ich auch sehr mag.
Reger schimpft auf die Kunst, auf das Museum und die Künstler, die abwechslungsweise am Kinn oder am Knie scheitern, meist jedoch an den Händen. Weiter geht’s in seiner Schimpftirade mit den Schriftstellern, Komponisten und Philosophen – bis zu dem Punkt, an dem Reger seinem Bekannten etwas sagen will, etwas sehr Wichtiges scheinbar, es aber kaum über die Lippen bringt… Wunderbar!
Mahler hat das letzte Prosawerk, das Bernhard geschaffen hat, genial ins Graphische übertragen. Mit einer gehörigen Portion Witz und Ironie. Fast bin ich versucht, einen Roman von Thomas Bernhard zu lesen.
2015 als Taschenbuch bei Suhrkamp erschienen.
Für Freunde der Kunst.
Gespräche aus der Community
Hey ihr Lieben,
ich suche zur Zeit Romane der Gegenwartsliteratur in den Kunst, Künstler und/oder Museen eine Rolle spielen, da ich meine Masterarbeit im Fach "Germanistik-Neuere deutsche Literaturwissenschaft" zu dem Thema der "Darstellung von Kunst, Künstlern und Museen in der Gegenwartsliteratur" schreiben will. :)
Ich lese privat fast nur Thriller, sodass ich auf die Hilfe der Community gehofft hatte. Ich habe bereits die Longslists des deutschen Buchpreises durchforstet, und habe von Thomas Bernhard "Alte Meister" gelesen. Die Bücher sollten schon einen gewissen Anspruch haben, sollten zum Beispiel in der FAZ oder ähnlich etablierten Zeitungen rezensiert worden sein, damit eine gewisse Qualität vorhanden ist.
Ich hoffe ihr könnt mir helfen. Vielen Dank im Voraus an alle die dies lesen und mit überlegen. :) :)
Marisa
Zusätzliche Informationen
Thomas Bernhard wurde am 09. Februar 1931 in Heerlen (Niederlande) geboren.
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