Thomas Bernhard

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Autor von Der Untergeher, Holzfällen und weiteren Büchern.

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Die Ursache

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Der Untergeher

Der Untergeher

 (135)
Erschienen am 22.02.1988
Holzfällen

Holzfällen

 (107)
Erschienen am 25.04.1988
Thomas Bernhard, Heldenplatz

Thomas Bernhard, Heldenplatz

 (92)
Erschienen am 01.08.2012
Alte Meister

Alte Meister

 (59)
Erschienen am 07.03.2015
Ein Kind

Ein Kind

 (61)
Erschienen am 01.02.2011
Wittgensteins Neffe

Wittgensteins Neffe

 (57)
Erschienen am 25.10.1987
Auslöschung

Auslöschung

 (54)
Erschienen am 28.08.1988
Die Ursache

Die Ursache

 (39)
Erschienen am 01.02.2011

Neue Rezensionen zu Thomas Bernhard

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MoWilliamss avatar

Rezension zu "Frost" von Thomas Bernhard

Identitätsfrost
MoWilliamsvor 3 Monaten


»Etwas herrscht über uns, das, wie es scheint, mit uns gar nichts zu tun hat«, das mache oft kurzen Prozeß mit ihm. Man könne darüber lachen. Aber es sei so gefährlich, daß »man auch umkommen kann darin«. (S. 72)


In Frost sammeln sich seltsame, pessimistische, misanthropische und sexistische Äußerungen und Beobachtungen, da der junge Famulant von dem Chirurgen Strauch den Auftrag bekommt, dessen Bruder, den Maler Strauch, in Weng zu beobachten und dies genauestens zu notieren.


Frost ist das erste prosaische Werk von Bernhard und enthält noch wenig von seinem eigentlichen Stil, keinen Punkt zu setzen und ewig lange Sätze sich über Seiten erstrecken zu lassen. Allerdings herrscht von Anfang ein Bernhard’scher Grundton – so dreht sich sehr viel um die Schlechtheit der Menschen, um den Selbstmord und somit auch immer indirekt um die Frage, warum es sich zu leben lohnt. Diese wird nie wirklich beantwortet – doch der Gedanke scheint in Babyschuhen zu stehen, denn so hatte ich immer das Gefühl, dass es bald auf die Formulierung wie in „Das Urteil“ hinauslaufen wird, in dem es mehr oder weniger heißt, entweder man hat den Mut zu sterben oder man bricht ein Leben lang an diesem Gedanken.


Es gibt für mich nicht DIE Bedeutung für Frost, weswegen es für mich naheliegend ist, dass er tatsächlich mehrere Bedeutungen hat. Hervorstechend war für mich der herrschende Frost unter den Menschen, die sich nicht die Wahrheit sagen können und wie der Schnee die Welt bedeckt, wird auch die Wahrheit unter diesem begraben – wie auch im Wald oder Gebirge verirrte Leichen darunter verschollen bleiben, bis er im Frühling wieder taut. Eine weitere Bedeutung verbirgt sich für mich hinter Maler Strauchs Charakter – er hat den Frost verinnerlicht, er wirkt in manchen Aussagen so apathisch, dass ich mich fragen musste, warum er nicht schon längst gestorben ist. Auch aus seinem abgeschiedenen Leben in Weng scheint er nicht ausbrechen zu wollen (oder zu können), stattdessen schimpft er über die Menschen, stellt sie logisch in all ihren Fehler dar und bekommt diesen einen Ton, den Bernhard auch in „Das Urteil“ anschlägt, wenn er über Salzburg spricht. Die Vergangenheit ist nie positiv und in uns allen scheint „Frost“ zu stecken, tiefe Geheimnisse und so extreme negative Seiten, dass es letztlich besser für die Welt wäre, wenn die Menschheit nicht mehr existieren würde. Allerdings sind diese Gedanken und Aussagen oft so schwer, beinahe anstrengend, dass ich den Roman öfter zur Seite legen musste, um entweder nachzudenken oder einmal tief durchzuatmen. 


Auch die Identität des Malers wirkt abstrakt und ungreifbar, als würde er nur eine Rolle spielen, nur etwas verkörpern, das ihm der Famulant vielleicht sogar aufgrund seiner Aussagen zuschreibt. Hat Maler Strauch überhaupt so etwas wie eine Identität? Vermutlich müsste zuerst geklärt werden, was Identität selbst bedeutet und wie man diesen Begriff auslegt, um ihn letztlich auf diese zum Teil sehr unheimliche Figur beziehen zu können. Grundsätzlich wäre dies ein interessanter Standpunkt, da ich bei einer raschen Überlegung antworten würde, dass Identität in Frost nur eine Tarnung ist, hinter der sich die Menschen verstecken. Ein bisschen wie der Frost selbst. Keiner von den Charakteren ist allerdings wirklich greifbar, sie wirken wechselhaft und sie als gut oder böse zu bezeichnen wäre zu naiv, zu einfach, zu läppisch. Sie stehen ganz für sich alleine und trotzdem gibt mir das Menschenbild von Bernhard immer einen Schub an Gedanken, die immer ein bisschen von Faszination und Schrecken begleitet werden, weil sein Menschenbild wie das einzig realistische wirkt.


Meiner Meinung nach ist „Frost“, wenn es um Menschen und deren Beziehungen geht, wenn es um die zum Teil sehr philosophischen Gedanken von Maler Strauch geht, unfassbar gelungen und extrem aufregend zu lesen, allerdings zieht sich die Handlung oft unfassbar lange. Die Äußerungen von Strauch sind manchmal unglaublich finster und bedrückend, feindlich gegenüber Frauen, doch ich kann nicht abstreiten, dass es mir intensiv nachgehangen ist.

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Aliras avatar

Rezension zu "Auslöschung" von Thomas Bernhard

Die Kunst ist das Höchste und das Widerwärtigste gleichzeitig.*)
Aliravor 6 Monaten

Die ersten hundert Seiten ziehen sich ermüdend in die Länge: Der Protagonist Franz-Josef Murau, ein Literaturprofesser, erzählt seinem Schüler Gambetti von sich und den Mitgliedern seiner Familie - und geht bei jedem Vergleich haushoch als Sieger hervor.

Interessant liest sich Seite 112 des bereits 1986 geschriebenen Romans, wo der Autor hellseherische Fähigkeiten beweist:

„Was für scheußliche Kreaturen in diesem Österreich heute die Macht haben! Die Niedrigsten sitzen jetzt oben. Die Widerwärtigsten und die Gemeinsten haben alles in der Hand und sind drauf und daran, alles, das etwas ist, zu zerstören….. Die Regierung betreibt eine ungeheuerliche Vernichtungsmaschine, in welcher tagtäglich alles vernichtet wird, das mir lieb ist.“

Oder auf Seite 118:
„Wir haben heute keinen tatsächlichen Sozialismus, nirgendwo auf der Welt, nur diesen verlogenen, geheuchelten, vorgetäuschten, das sollten Sie wissen. Wie diese heutigen Sozialisten keine tatsächlichen sind, sondern geheuchelte, verlogene, vorgetäuschte. Dieses Jahrhundert hat es zustande gebracht, das Ehrenwort Sozialismus in einer Weise in den Schmutz zu ziehen, daß es geradezu zum Erbrechen ist….“

Trotzdem bin ich diesmal von Thomas Bernhard – den ich nach wie vor sehr schätze – enttäuscht und habe die durchgehende Misanthropie und den konstanten Kulturpessimismus auf Seite 166 beendet. Den zweiten Stern vergebe ich für den Fleiß des Schriftstellers bzw. für die insgesamt 650 Seiten dieses Romans.

*) Zitat Thomas Bernhard


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Literatur-Universums avatar

Rezension zu "Heldenplatz (suhrkamp taschenbuch)" von Thomas Bernhard

Die Wiege des Bösen
Literatur-Universumvor 7 Monaten

Thomas Bernhard war ein Querdenker. Ein Mensch, der die Welt verstand, doch die Welt verstand ihn nicht. Tragisch-komischer Gedanke.
Heldenplatz ist ein gewaltiges Buch. Die Charaktere sind zwar etwas platt und esoterisch, doch ihre Gedanken und Wortspiele sind so konfiguriert, dass sie eine Ebene erschaffen, die Gefühle freilassen, die den Leser fesseln, schockieren, elektrisieren und verwirren.

Zugegeben klingen die Dialoge wie Monologe und die Monologe wie Gedanken von Bernhard selbst. Als spräche aus jeder Person Thomas Bernhard.
Nicht zu vergessen ist die Geschichte: Der Inhalt ist düster und infernalisch. Als prägendes Ereignis greift Bernhard jenes aus dem Jahre 38`heraus.
Der Tag an dem die österreichische Bevölkerung frenetisch Hitler am Heldenplatz begrüßte und ihn empfing wie einen Gott.
Dieses laute Schreien der Menge hörte die Frau des verstorbenen Professors immer wieder, wenn sie ihre Zeit in der Wohnung in Wien am Heldenplatz verbrachte. Sie hielt es nicht mehr aus. Konnte es nicht mehr hören. Als sie schließlich beschließen nach Oxford umzuziehen, springt der Professor aus dem Fenster und begeht Selbstmord.
Über dieses Ereignis und dieses Verhalten diskutieren nun alle nahestehenden Mitmenschen des Professors und es entstehen Dialoge, die eine Welt des Prof. darstellen, die kaum Wertvorstellungen manifestierte. Wie auch? Die Welt war eine Scheibe, die alles zermalmte und keine eigenen Gedanken zuließ.
Deprimierend, zerstörend, vergebungslos, Bernhard.

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Thomas Bernhard wurde am 09. Februar 1931 in Heerlen (Niederlande) geboren.

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