Thomas Bernhard Die Ursache

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Inhaltsangabe zu „Die Ursache“ von Thomas Bernhard

Zu Tode gedemütigt, ohne Hoffnung Die Ursachen waren zerstörend und verbrecherisch - sie hinterließen unauslöschliche Spuren. Das Internat: ein raffiniert gegen den Geist gebauter Kerker; die Stadt: eine Todeskrankheit, ein Friedhof der Phantasie und der Wünsche. Der Krieg: die Stollen, in denen Hunderte erstickt und umgekommen sind; der Großvater: der nur von Großem sprach, von Mozart, Rembrandt und Beethoven. All diese Belastungen hat Thomas Bernhard in diesem autobiographischen Rechenschaftsbericht literarisch verarbeitet.

im richtigen Moment gelesen, Bernhard überzeugt mit seiner Sprache und seiner Argumentationskunst, er ist ein Genie

— MoWilliams

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  • Eine Andeutung

    Die Ursache

    rallus

    28. January 2014 um 11:53

    "Die Ursache" dass Bernhard so ist wie er ist, wird in dichten, seitenlangen Sätzen von ihm dargelegt. Dabei scheut er sich nicht bitterböse Kommentare über seine Heimat, Salzburg oder die Kirche abzugeben. Gerade Salzburg welches deine der höchsten Todesraten in Europa hat, wo schon die Schüler aus den Fenstern springen und als leblose Kleiderhaufen auf dem Boden sich verteilen. Ein Internat, gerade dieses, in welchem er lernen musste, ist eine Anstalt, einen Gefangenenanstalt, die verboten, abgeschafft gehört. Ja die Erwachssenen erziehen nicht, sie bringen nur die Kinder zur Welt und verziehen diese. Salzburg während des zweiten Weltkriegs in diesem Internat, mit Hitler an den Wänden, andauernden Aufenthalten in den Bunkern, dann nach dem Krieg derselbe Trott, Hitler abgehängt, das Kreuz aufgehängt, kein Unterschied im Ablauf. Ob Kirche oder Nationalsozialismus, ein Österreicher ist einer von beiden, am liebsten aber, einer, in ein und derselben Gestalt. Seine Bandwurmsätze machen es schwierig ihm zu folgen, aber seine Stimme ist gedrängt, dicht, als wollte er sich alles in einem Fluss von der Seele schreiben, aber fesselnd, zieht und stösst einen ab. Man ist er und erlebt diese schlimmen Tage hautnah mit, die Tage von Erzüchtigung, Tod, Leiden und seltener Nähe zu Menschen. Viele Absätze wiederholen sich, wie eine Agitation, als wollte er mit jeder Wiederholung dem Leser seine Absichten ins Gehirn zementieren: "Die Mittelschule gehört abgeschafft." Der erste Teil einer auf mehrere Bände angelegten Biografie und Abrechnung, auch wenn er das Buch als "Zweittitel" nur eine Andeutung nennt, ist dies doch weit viel mehr als das.

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  • Rezension zu "Die Ursache" von Thomas Bernhard

    Die Ursache

    TanteGhost

    12. April 2012 um 18:11

    Himmel hilf! Hier wird man ja förmlich von Schachtelsätzen erschlagen. - Das hätte fast dazu geführt, dass ich das Buch wieder aus der Hand gelegt hätte, aber der Autor kommt ziemlich schnell auf die Selbstmordgedanken zu sprechen... Thomas Bernhard schimpft gleich von Anfang an auf die Stadt Salzburg, welche seine Heimatstadt ist, und deren Obrigkeiten. - Die Obrigkeiten stellen damals die Nationalsozialisten, welche die Stadt, das Leben darin und somit auch seine Erziehung vollkommen umgekrempelt haben. Erschwerend kommt der Krieg hinzu. - Zunächst sind es immer nur Bombenalarme, welche die Leute und somit auch die Internatsschüler, in den Schutzstollen flüchten lassen. Doch um so schlimmer sind die Eindrücke, als dann wirklich die ersten Bomben auf Salzburg gefallen sind. Überall Zerstörung, Schutt und Asche. Und dazu noch die vielen Todesopfer, die er auf dem Weg zurück ins Internat, sehen musste. Er glaubt die Tortour überstanden zu haben, als er im schlimmsten Krieg von der Großmutter aufs Land geholt wird, aber nach dem Krieg besucht er das selbe Internat wieder, welches nun aber katholisch geführt wird und wo nicht weniger körperlich gezüchtigt wird. Wie schon einmal erwähnt, ist die Sprache sehr aufwendig, weit ausholend und erfordert beim Lesen viel Konzentration, damit man das Gelesene selber auch verstehen kann, aber ich habe mich da ziemlich schnell reingelesen und bin damit klar gekommen. Das Buch selber ist jetzt nicht gerade ein Wälzer. Somit hatte ich es auch innerhalb zweier Leseattacken durch. Aber das ist auch der Tatsache geschuldet, dass der Inhalt selber fesselt. - Endlich mal ein Buch von, über und mit dem Krieg, welches sich jetzt nicht auf das allgemeine Menschenleid, die Zerstörung und ähnliches festlegt. Hier geht es wirklich nur um den Horizont, die Erfahrungen und Ansichten eines Jungen, der in der Pubertät ist, sich den Nationalsozialisten unterordnen muss, obwohl er komplett andere Ansichten hat, seinem Großvater gefallen will und dann fast von heute auf Morgen zum Katholismus umschwenken muss. Eine aus seiner Sicht ähnlich kranke Lebensart und Ansicht der Menschen ist. Eine wirklich sehr interessante Leseerfahrung, die ich in diesem Buch gefunden habe.

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  • Rezension zu "Die Ursache" von Thomas Bernhard

    Die Ursache

    leserin

    17. April 2010 um 15:02

    Thomas Bernhard beschreibt in seiner Biografie seine Kindheit und Mittelschulzeit während der NS-Zeit in Salzburg. Er berichtet über die "Herrschaft" seines Direktors während der NS-Zeit mit all seiner psychischen Grausamkeit und Unterdrückung. Salzburg hatte eine sehr hohe Selbstmordrate, auch unter den Schülern. Sein Großvater war sein Initiator zum Besuch des Gymnasiums, zum Erlernen der Geige und für den Zeichenunterricht. Thomas Bernhard erlebt während der Schulzeit viele Bombenangriffe in Salzburg und stellt seine Gefühle und sein Erleben ziemlich klar und offen dar. Er geht aber auch auf die Veränderung darnach eingehend ein. In der NS-Zeit war Hitler der Führer und dann eben die Kirche. Der Inhalt des Buches ist sehr umfangreich und von unglaublicher Tiefe und oft schockierender Wahrheit. Er ist ein großartiger Schriftsteller.

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  • Rezension zu "Die Ursache" von Thomas Bernhard

    Die Ursache

    Pankraz

    24. March 2009 um 09:26

    Na, da wird aber wirklich Ursachenforschung betrieben. Wie wird ein junger Mensch zum meistdiskutierten Autor Österreichs. Selbstzweifel, Einsamkeit, das “menschenverachtende“ Gymnasium, eine schwierige Familiensituation und die Stadt Salzburg dürften ein guter Nährboden sein. “Die Stadt ist für den, der sie und ihre Bewohner kennt, ein auf der Oberfläche schöner, aber unter der Oberfläche tatsächlich fürchterlicher Friedhof der Phantasien und Wünsche. Dem Lernenden und Studierenden, der sich in dieser überall nur im Rufe der Schönheit und der Erbbauung und zu den sogenannten Festspielen alljährlich auch noch in dem Rufe der sogenannten Hohen Kunst stehenden Stadt zurecht und Recht zu finden versucht, ist sie bald nurmehr noch ein kaltes und allen Niedrigkeiten offenes Todesmuseum (…).“ Der Schüler Bernhard betrachtet den Krieg, die Zerstörung “seiner“ Stadt, betrachtet den unzulänglichen Wiederaufbau, betrachtet seine Situation, plant seinen Ausstieg aus dem System, aus dem ihm verhassten Gymnasiumsystem, betrachtet und lässt alles (noch) über sich ergehen. “In den Schulen und vor allem in den höheren Schulen wird die Natur des Schülers durch faules nutzloses Wissen, das in diese Schüler ununterbrochen hineingestopft wird, zur Unnatur, und wir haben es, wenn wir es mit Schülern von sogenannten höheren Schulen zu tun haben, nurmehr noch mit unnatürlich Menschen zu tun, deren Natur in diesen sogenannten höheren Schulen vernichtet worden ist (…)“ Und aus aktuellem Anlass (und wahrscheinlich immer aktuell bleibendem Anlass): “Aber das Unterichtssystem muss grundlegend geändert werden, es genügt nicht, immer wieder nur da und dort etwas zu ändern, alles gehört an unserem Unterrichtssystem geändert, wenn wir nicht wollen, dass die Erde nurmehr noch von unnatürlichen und von Unnatur zerstörten und vernichteten Menschen bevölkert ist.“ So bleibt dem Schüler Bernhard seine eigene Bildung verhasst, er erkennt den Großvater als seinen wichtigsten Lehrer, ausgerechnet jenen Menschen, der ihm das Gymnasium als Chance verspricht, der Mensch, der ihn gleichzeitig unfähig macht, das System anzuerkennen. Der Absprung wird vorbereitet, nicht in irgendeine Richtung, in die “entgegengesetzte“ Richtung. Ab in den “Keller“. Um das Leben zu sehen.

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