Thomas Carl Sweterlitsch

 3.5 Sterne bei 31 Bewertungen

Lebenslauf von Thomas Carl Sweterlitsch

Thomas Carl Sweterlitsch hat seinen Master in Literaturwissenschaft und Kulturtheorie an der Carnegie Mellon University gemacht und danach zwölf Jahre in der Carnegie Library gearbeitet. Nach seinem Debütroman Tomorrow & Tomorrow hat er mit Am Ende der Zeit international Bekanntheit erlangt. Er lebt mit Frau und Tochter in Pittsburgh, Pennsylvania.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Thomas Carl Sweterlitsch

Cover des Buches Tomorrow & Tomorrow (ISBN:9783453316485)

Tomorrow & Tomorrow

 (21)
Erschienen am 14.04.2015
Cover des Buches Am Ende der Zeit (ISBN:9783453316492)

Am Ende der Zeit

 (10)
Erschienen am 11.03.2019

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Rezension zu "Tomorrow & Tomorrow" von Thomas Carl Sweterlitsch

Slipstream kippt sauber in Near Future Thriller – toll konstruiertes Buch mit intensiver Innenwelt
StefanEgelervor 8 Monaten

Vorweg:

Ich habe die englische Version gelesen. Da das Buch insgesamt eher anspruchsvoll ist, war das ein bisschen anstrengend, aber auch großartig. Lesern, die sich komplexere Literatur auf Englisch zutrauen, kann ich die englische Version gut empfehlen.

Zur Story:

John Dominic Blaxton, Protagonist und Ich-Erzähler, ist ein gescheiterter Literat. Er hätte wohl irgendwann in seiner Heimatstadt Pittsburgh, USA, einen unter Kennern gelobten kleinen Lyrik-Verlag gegründet, wenn nicht vorher ein Attentat mit einer Atombombe Pittsburgh vollständig ausgelöscht hätte.

10 Jahre später ist Blaxtons Problem, dass er während des Attentats auf einer Konferenz in Florida war. Er hat überlebt. Seine schwangere Frau aber nicht, und mit ihr ist auch seine Energie für eigene Pläne verloschen. John ist ein gebrochener Mann.

Die Vereinigten Staaten haben nach Pittsburg nicht nur eine Rechtsaußen-Schönheitskönigin zur Präsidentin gewählt, es wurden auch alle bekannten Daten zu Pittsburg und den damaligen Einwohnern in das „Archiv“ gesteckt, eine Art virtueller Konserve, die sich wie eine Mischung aus Second Life und der Matrix anfühlt. John prüft für Versicherungsfirmen (jetzt noch, 10 Jahre später!), ob während des Anschlags Gestorbene vielleicht vorher schon tot waren (dann müssten die Versicherungen nämlich die Lebensversicherung nicht auszahlen). John ist nicht besonders technikaffin, aber er ist gut darin, die letzten Sekunden Verstorbener zu rekonstruieren, solange er nicht zu seiner verstorbenen Frau abschweift. Als er aber bestimmte Fehler im Archiv entdeckt, die auf Hackerangriffe hindeuten, bringt ihn das bald ins Visier ganz realer Mordbuben. Stellt sich nur noch die Frage, ob John überhaupt leben will.

Meinung:

Thomas Sweterlitsch hat in seinem Buch einen intensiven und sehr coolen Ansatz gewählt. Der Roman zerfällt nämlich kunstvoll in drei Teile.

Am Anfang der Geschichte folgt man als Leser dem selbstmitleidigen, drogensüchtigen Protagonisten, der mehrmals pro Textseite zwischen verschiedenen Wahrnehmungsebenen Wechselt: Der Realität „10 Jahre danach“, seiner Frau zu verschiedenen Zeiten, dem Archiv an sich, und irgendwelcher Werbung, die ihm von seiner „Adware“ direkt ins Gehirn gespielt wird. Und der Punkt ist: Das geht auf. Ich musste immer wieder Seiten mehrmals lesen, aber jedesmal war mir danach klar: Ja, der Autor hat es ganz klar unterschieden. Dieser Charakter, John Dominic Blaxton, springt in seinem Kopf zwischen verschiedenen Ereignissen hin- und her. Der Autor hat das im Griff, verlangt dem Leser damit aber einiges ab. Dieser Roman ist kein Buch für die U-Bahn. Aber wenn man sich darauf einlässt, kann man ein tolles Puzzle zusammensetzen: Wie sieht die Realität aus, in der Blaxton lebt? Wie funktioniert das Archiv? Was ist diese Adware, von der er die ganze Zeit redet? Dieses Puzzlespiel und die intensive Beschreibung eines leidenden Mannes machen den ersten Teil der Geschichte zu einer unwahrscheinlich starken psychologischen Darstellung eines Cyperpunk-Drogensüchtigen.

Etwa zur Hälfte des Buches kippt diese Darstellung dann in einen spannenden Near Future Thriller um, und zwar innerhalb von zwei Seiten. Ich meine damit nicht „jetzt wird es spannend und vorher war es ein bisschen öde“. Nein! Vorher war das Buch eine saubere, perfekt konstruierte psychologische Cyperpunk-Geschichte, dann kommen zwei Seiten Text, und danach ist die Geschichte ein sauberer, perfekt konstruierter Thriller. Ich habe sowas noch nie gesehen. Allein dafür sollte man das Buch lesen. Nur, als Warnung: Der Thriller-Teil ist wirklich gut, ein echter, reinrassiger Thriller. Das betrifft leider auch die (manchmal mangelnde) Komplexität der Antagonisten.

Die Geschichte kippt erneut, aber da würde ich jetzt zu viel verraten.

Zusammenfassung:

Bevor man das Buch in die Hand nimmt, sollte man sich bewusst sein, dass man eine anspruchsvoll konstruierte Geschichte lesen wird. Wer das nicht mag, ist mit einem „klassischen“ Cyberthriller-Autor besser beraten. Wer es allerdings ideenreich, nicht-linear und anspruchsvoll mag, der ist mit dieser Geschichte absolut richtig aufgehoben. Insgesamt denke ich aber gern an diese kluge, kunstvolle Buch.

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Rezension zu "Am Ende der Zeit" von Thomas Carl Sweterlitsch

Gelungener Mix aus Science Fiction und Kriminalroman
Flaventusvor 8 Monaten

Wenn in Romanen Zeitreisen auftauchen, dann sind diese oftmals mit den üblichen Zeitparadoxen behaftet. Sweterlitsch umschifft anfangs diese Paradoxen, in dem er Zeitreisen nur in eine mögliche Zukunft zulässt und die Gegenwart in einem Moment, den er Terra firma nennt, fixiert.

Zeit

Dabei reisen Schiffe lediglich in eine von vielen Möglichkeiten, wie die Zukunft sich entwickeln könnte, wobei jedoch Zeitstränge in die Gegenwart und Vergangenheit zurückreichen. Ein Anknüpfungspunkt für eine amerikanische Organisation, die eine Agentin zur Aufklärung eines Mordes in die Zukunft schickt. Diese Agentin ist gleichzeitig Hauptfigur in diesem Roman und entdeckt während ihrer Ermittlungen, dass das Ende der Welt mit jeder ihrer Reisen näherrückt.

Sie stößt auf etwas, das ich zum einen hier nicht preisgeben möchte, um nicht zu viel von der Handlung zu erzählen und zum anderen dann aber doch auf das Zeitparadoxon. Neben einigen anderen Logiklücken, die beinah schon naturgemäß in Zeitreisegeschichten auftauchen. Was ihr allerdings in meinen Augen keinen Abbruch tut.

Technik

Die Geschichte punktet nämlich durch einen hohen Erzählungswert, eine gut geschilderte Welt, sympathische Charaktere und einen interessanten Erzählstil. Allein, die Idee, die Gegenwart aus Sicht der dritten Person und die Zukunft aus der Ich-Perspektive dazustellen, ist sehr pfiffig.

Neben diesen Erzählelementen ist das Buch zwar sehr technisch und gespickt mit Fachausdrücken (wie zum Beispiel dem Quantenschaum oder der Gödel-Kurve), die durchaus bestimmte “reale” Ideen postulieren, auf der anderen Seite dennoch verständlich genug, damit auch Laien nicht in der Geschichte verloren gehen.

Fazit

Mit persönlich hat dieses Buch sehr zugesagt und es hat mir Spaß gemacht, der Protagonistin durch die möglichen Zeiten zu reisen. In einem gut gelungenen Mix aus Science Fiction und Kriminalroman wird eine sehr unterhaltsame Geschichte erzählt. Dass vielleicht doch die ein oder andere Logiklücke vorhanden ist und die Zeitreiseparadoxen nicht vollständig ausgeräumt werden konnten, tun der Geschichte meines Erachtens keinen Abbruch und ich kann diese bedenkenlos empfehlen.

Diese Rezension findet sich auch auf meinem Bücherblog.

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M

Rezension zu "Am Ende der Zeit" von Thomas Carl Sweterlitsch

Ein Lehrstück über Selbstvernichtung durch Gier
michael_lehmann-papevor 9 Monaten

Ein Lehrstück über Selbstvernichtung durch Gier

Es ist nicht immer und durchgehend einfach, selbst als Leser, vor weniger für die Protagonisten des Science-Fiction Thrillers, genau auseinander zu halten, in welcher Zeit, in welchem „IVF“ und mit welchen Auswirkungen jene Behörde unterwegs ist, für die Shannon Moss ihre Ermittlungen durchführt.

Eine Frau, die zu den Pionieren der Reisen in „Tiefenraum“ und „Tiefenzeit“ gehörte. Eine Agentin, die im Anblick des „Terminus“ (das Ende der Menschheit in vielfachen Linien der möglichen Zukunft) sich selbst vielfach begegnet ist. Sogenannte „Echos“, der eigenen Person in einer quantentechnisch möglichen, aber natürlich nicht eindimensional gesicherten Zukunft zu begegnen. Und dabei eines ihrer beiden Beine schon jung verloren hat.

„Wir kennen weder den Grund noch den Sinn. Vielleicht gibt es keinen Sinn“.
„Aber das hier ist doch bloß eine Version der Zukunft. Nur eine von unendlich vielen Möglichkeiten“.

Und doch scheint in allen Varianten der Zukunft das Ende der Menschheit, die Vernichtung des Geistes, unwiderruflich zu kommen. Und gar näher zu kommen, immer weniger Zeit bleibt nach vorne hin, von einer Reise in eine mögliche Zukunft zur nächsten Reise.

„Jeder von uns besuchte Zeitverlauf endet mit dem Terminus. Und er kommt näher“.

Rasant scheint die Behörde alles dafür zu tun, Auswege zu finden. Doch ist das wirklich so? Wie kommt es denn, dass zunehmend in den Zukunftslinien Geräte und Möglichkeiten auftauchen, die sich nicht natürlich technisch generiert haben können?

Wie kommt es, dass plötzlich Spuren eines Erkundungsschiffes auftauchen, dass als völlig verloren galt? Samt einiger Besatzungsmitglieder von damals, die gar nicht in der „Terra Firma“, der feststehenden Zeitlinie der Gegenwart in der „Realität“ des hier und jetzt existieren dürften? Und von denen einer der damaligen „Reisenden“ brutal mitsamt seiner gesamten Familie hingerichtet wird? Samt nun Schlag auf Schlag stattfindender Todesfälle, die alle in irgendeiner Form mit der Mission zusammenzuhängen scheinen.

Bis dahin, dass Moss erkennen wird und muss, dass selbst Ereignisse ihrer eigenen Jugend mit all dem zusammenhängen und zudem mehr und mehr irre an sich selbst wird, wer genau sie eigentlich ist, was sich an ihr verändert, mit ihr geschehen sein mag in den vielfachen „Fahrten in die Zukunft“, die sie dienstlich durchführte. Um zu ermitteln, natürlich vorrangig. Denn was könnte besser geeignet sein zur Aufklärung von Verbrechen, als in der Zukunft 20, 30 Jahre später nachzuschauen, ob sich bis dahin wichtige Erkenntnisse über Tat und Täter ergeben haben.

Diese Sequenzen über Shannon Moss, über ihre Jugend, das Verhältnis zu ihrer Mutter und vielfache andere Informationen stehen zwar ziemlich Breit und ausführlich in Teilen des Romans, die Neigung wächst im Lauf der Lektüre, hier auch mal zu überblättern, aber andererseits sind in all dem auch immer wieder nützliche Informationen enthalten, die Schritt für Schritt erst das gesamte Bild all dessen ergeben, was an Verbrechen und Bedrohung der Menschheit mehr und mehr drängend im Raume steht.


Zudem nehmen die Ereignisse im Lauf der Geschichte durchaus Fahrt auf, Spannung und Tempo sind im zweiten Teil des Werkes gut gesetzt. Dies in Verbindung mit den technischen Möglichkeiten und Erläuterungen, mit den Zielen der „Lösung des Geistes vom Körper“, die manche Wissenschaftler im Buch versuchen, zu finden, bieten eine informative, am Ende in den Grundzügen gar nicht unrealistische Lektüre, wie man sich täuschen kann, wie feste Überzeugungen in die Irre führen können und wie die Gier mancher Beteiligter das ganze Unglück erst heraufbeschwören.

Eine empfehlenswerte Lektüre trotz einiger Längen.

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