Thomas Darnstädt

 4 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von Der Richter und sein Opfer, Nürnberg und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Verschlusssache Karlsruhe
Erscheint am 02.11.2018 als Hardcover bei Piper.

Alle Bücher von Thomas Darnstädt

Thomas DarnstädtDer Richter und sein Opfer
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Der Richter und sein Opfer
Der Richter und sein Opfer
 (4)
Erschienen am 16.04.2013
Thomas DarnstädtNürnberg
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Nürnberg
Nürnberg
 (2)
Erschienen am 11.05.2015
Thomas DarnstädtDer Richter und sein Opfer: Wenn die Justiz sich irrt
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Der Richter und sein Opfer: Wenn die Justiz sich irrt
Thomas DarnstädtDie Konsensfalle
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Die Konsensfalle
Die Konsensfalle
 (0)
Erschienen am 12.05.2004
Thomas DarnstädtKonsens ist Nonsens
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Konsens ist Nonsens
Konsens ist Nonsens
 (0)
Erschienen am 01.04.2006
Thomas DarnstädtVerschlusssache Karlsruhe
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Verschlusssache Karlsruhe
Verschlusssache Karlsruhe
 (0)
Erschienen am 02.11.2018
Thomas DarnstädtDer globale Polizeistaat
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Der globale Polizeistaat
Der globale Polizeistaat
 (0)
Erschienen am 01.09.2010

Neue Rezensionen zu Thomas Darnstädt

Neu
R_Mantheys avatar

Rezension zu "Der Richter und sein Opfer" von Thomas Darnstädt

Im Zweifel für den Beschuldigten? Oder doch besser nicht?
R_Mantheyvor 3 Jahren

Horst Arnold, Studienrat und Lehrer für Biologie und Sport, soll 2001 an einer Schule im Odenwald eine Kollegin während der Pause im Bio-Raum brutal vergewaltigt haben. Als einzigen Beweis für diese angebliche Tat präsentiert die Staatsanwaltschaft die Aussage der Frau. Das reicht auch dem Richter, und er verurteilt Arnold zu fünf Jahren Haft. Weil Arnold uneinsichtig ist und die Beschuldigung bis zuletzt vehement abstreitet, kommt er gleich in die geschlossene Psychiatrie.

Nach 700 Tagen im Psycho-Knast überstellt man den Uneinsichtigen ins Gefängnis. 2006 wird er entlassen und lebt fortan von Hartz 4. Erst durch einen Zufall wird ein Berliner Anwalt auf den Fall aufmerksam. Er erreicht durch Hartnäckigkeit ein Wiederaufnahmeverfahren, in dem Arnold 2011 freigesprochen wird. Man könnte meinen, die Gerechtigkeit hätte gesiegt. Doch das ist nicht der Fall. Das Leben eines völlig Unschuldigen wurde von der Strafjustiz zerstört. Arnold stirbt 2012 an Herzversagen. Inzwischen muß sich das angebliche Vergewaltigungsopfer wegen Falschaussagen in diesem und anderen Fällen vor Gericht verantworten.

Der Fall Arnold steht symptomatisch für zahlreiche krasse Fehlurteile der letzten Jahre, die in diesem Buch ausführlich behandelt werden. Sind sie seltene Kollateralschäden der Justiz, wie eine Insiderin meint, oder sind sie häufig und weisen auf wesentliche Fehler in der Konstruktion des deutschen Rechtssystems hin? Ralf Eschelbach, Richter am Bundesgerichtshof, schätzt die Fehlerquote auf ein Viertel. Und wie der Fall Arnold zeigt, kann es jeden treffen.

Es existieren keinerlei Untersuchungen aus den letzten Jahren über solche Fehler. Ein Qualitätsmanagement wie in anderen Bereichen der Gesellschaft kennt man in der deutschen Justiz nicht. Warum auch? Deutsche Richter machen sich über ihre Fehler wenig Gedanken, liest man in diesem Buch. Schließlich sind sie unangreifbar. Selbst bei krassen Fehlurteilen haben die Opfer keine große Chance auf die Feststellung der Wahrheit, denn ein Berufungsgericht prüft Urteile unterer Instanzen nur nach formalen Fehlern. Und selbst neue Beweise eröffnen nicht immer die Möglichkeit eines Wiederaufnahmeverfahrens.

Der Autor zeigt an den in diesem Buch diskutierten Fällen, wie die deutsche Strafjustiz in der Regel agiert und warum es deshalb zu Fehlurteilen einfach kommen muss. Bereits die Ermittlungsbehörden gehen in vielen Fällen völlig unwissenschaftlich vor. Sie stellen eine Hypothese des Tathergangs auf und neigen dann leider nicht selten dazu, gegenteilige Fakten zu unterdrücken. Die Beispiele in diesem Buch sind zum Teil erschütternd.

Als besonders bedrückend empfand ich die ausführliche Darstellung der Wormser Kinderschänder-Prozesse, in denen sämtliche Angeklagte freigesprochen wurden. Eine wild gewordene Meute selbsternannter Kinderschützer hatte allerdings vorher dafür gesorgt, dass Existenzen und Familien zerstört wurden.

Hält der juristische Grundsatz "Im Zweifel für den Beschuldigten" nicht mehr? Vermutlich galt er in dieser Allgemeinheit noch nie. Öffentlicher Druck, politischer Wille oder die Sehnsucht nach Vergeltung führten nicht erst in der jüngsten Zeit zum richterlichen Bestreben, ein entsprechendes Urteil zu erlassen. Denn würde der obige Grundsatz wirklich in reiner Form gelten, dann müsste es viel mehr Freisprüche geben. Ob man das aber auf Dauer durchhalten kann, erscheint sehr zweifelhaft. Das System ist beginnend mit den polizeilichen Ermittlungen auf Verurteilungen ausgelegt und nicht auf Freisprüche. Und genau das versucht der Autor auf allen prozessualen Ebenen dem Leser zu verdeutlichen.

Am Ende und natürlich auch während der Schilderungen der in diesem Buch diskutierten Prozesse mahnt Thomas Darnstädt immer wieder grundsätzliche Korrekturmaßnahmen an. Insbesondere verlangt er, dass Richter nicht nur die Gesetze kennen sollten, sondern auch Fähigkeiten zur Wahrheitsfindung erwerben müssten. Das jedoch würde eine grundlegende Veränderung ihrer Ausbildung erfordern.

Leider offenbart aber auch Darnstädt unwissentlich einen merkwürdigen Hang, Beweise zu erfinden, wo es vielleicht gar keine gibt. Am Ende und bei seinen Auslassungen zum Kachelmann-Prozess fordert er den Einsatz wahrscheinlichkeitstheoretischer Methoden bei der Wahrheitsfindung. Das aber geht völlig daneben. Ohne hier ins Detail gehen zu können, sei dem Autor nur folgender Hinweis gegeben:

Die Wahrscheinlichkeit, den Tod durch einen Flugzeugabsturz zu finden, ist in Deutschland extrem gering. Das wird aber diejenigen, die ihn erleiden müssen, in den letzten Sekunden ihres Lebens nicht trösten. Oder mit anderen Worten: Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses im Prinzip Null ist (wie zum Beispiel bei einem Sechser im Lotto), kann es dennoch eintreten.

Darüber hinaus ergeben sich bei einer solchen Herangehensweise bereits grundsätzliche Probleme, die die Ermittlung solcher Wahrscheinlichkeiten über Statistiken betreffen. Hier kann es bereits zu gravierenden Fehlern kommen, die die Vertrauenswürdigkeit späterer Anwendungen erheblich untergraben würden. Wie auch immer - Wahrscheinlichkeiten geben keinerlei sichere Auskunft über Einzelereignisse. So vorzugehen, würde mit Sicherheit weitere Fehlurteile erzwingen. Allerdings wären diese dann scheinbar wissenschaftlich begründet.

Thomas Darnstädts Buch ist bestens geeignet, Zweifel an der deutschen Strafjustiz zu erzeugen. Was er an Ungeheuerlichkeiten schildert, macht Angst, denn viele der in diesem Buch auftretenden Justizopfer traf es völlig unerwartet. Sie hatten keine Chance den Mühlen der Strafjustiz zu entgehen, die anschließend ihr Leben zerstörte. Einen echten Ausweg aus diesen Zuständen konnte ich trotz aller Vorschläge des Autors nicht wirklich entdecken.

Die meisten im Buch behandelten Prozesse sind durch die Medien gegangen. Sie stellen, glaubt man Richter Eschelbach, nur die Spitze des ganzen Dramas dar.

Kommentieren0
3
Teilen
M

Rezension zu "Der Richter und sein Opfer" von Thomas Darnstädt

Folgenschwere Irrtümer ohne Gewähr auf rasche Korrektur
michael_lehmann-papevor 5 Jahren


 

Was vom Titel her sich gut einreihen würde in die Riege der Thrillerliteratur, eröffnet bei näherem Hinsehen eine noch viel schwierigere Welt. Denn die Fälle in diesem Buch sind nicht erfunden, entstammen nicht der Kreativität eines Schriftstellers, sondern sind bitterer Ernst und bittere, ernüchternde, immer sehr belastenden Erlebnisse für jene, die (im Nachgang dann festgestellt) nachweislich fälschlich in die „Mühlen der Justiz“ gerieten.

 

Wobei, auch das sei vorweg bemerkt, sich Darnstädt natürlich auch auf jene Fehlurteile und Schicksale konzentriert. Das sollte im Hinterkopf behalten werden und ebenso (auch wenn Darnstädt hier und da ein stückweit auch polemisch fast ein generell anderes Bild entwirft), dass solche Fehlurteile in diesem Ausmaß nicht die Regel im bundesdeutschen Rechtssystem darstellen. Wohl aber das System als solches anfällig für Fehleinschätzungen ist, die dann ob der herausragenden Stellung des Richterberufes nicht immer zeitnahe und konsequent widerlegt werden.

 

So wie der damals 30jährige Bauzeichner Harry Wörz. Verdächtigt. Ohne nachweisbares Alibi (alleine im Bett über Nacht). Und dann wegen „versuchten Mordes an seiner ehemaligen Frau (einer Polizistin!)“ festgenommen. Detailliert führt Darnständt anhand dieses Falles vor Augen, wie Indizien in eine bestimmte Richtung ausgelegt werden (es hätten auch andere Auslegungen geben können). Mit dem Ergebnis von insgesamt über 4 Jahren Haft für Harry Wörz und über 13 Jahren mit dem Makel des überführten Täters lebend. Von dem sich alle, auch der eigene Sohn, in dieser Zeit abgewendet haben.

 

Auch der spätere (viel zu späte) Freispruch brachte Wörz bis heute sein Leben und seine geistige Gesundheit nicht zurück, von den Bergen an Schulden ganz zu schweigen, die sich vor ihm auftürmen.

 

Anhand mehrer anderer Beispiele (fünfzehn Fälle legt er beispielhaft im Buch vor) legt Darnstädt konsequent offen, wie anfällig das Rechtssystem für Fehler, für richterliche Fehleinschätzungen ist (was noch zu akzeptieren wäre), vor allem aber, wie fast unmöglich es ist, solche Fehler zeitnah zu beheben, falls es überhaupt gelingt, die Fehler zweifelsfrei nachzuweisen. Fehler „mit System“ und „aus dem System heraus“ im Übrigen, wie Darnstädt nachzuweisen versucht.

 

Ermittler, die voreingenommen sind und nur in eine Richtung ermitteln, sobald sie eine „Idee“ von der Tat und dem Schuldigen haben, üble Nachrede, falsch Anschuldigungen, es gibt so einiges, was einen bis dato unbescholtenen (und de facto auch unschuldigen) Bürger in zunächst ein schräges Licht und dann in eine Verurteilung hineingleiten lässt.

 

Erschreckende Vorfälle, die durchaus auch in der einschlägigen Literatur Grundlage für Thriller sein könnten, vor allem ein Leiden der zu unrecht Beschuldigten, die weit über das Maß hinausgehen. Das eine bessere Ausbildung, eine qualifizierte Kontrolle der ausführenden Justizorgane bis zu den Richtern und deren Urteilen selbst wünschenswert und wichtig wären, um jedes Urteil intensiv zu prüfen und vor Fehlurteilen zu schützen, darin mag der Leser, nach der Lektüre, Darnstädt gerne und bereitwillig folgen.

 

Einige polemische Spitzen und eine Amtosphäre im Buch, die das deutsche Rechtssystem an sich fast ad absurdum führt und wenig gute Haare am System an sich lässt, hier schießt Darnstädt allerdings über das Ziel hinaus.

 

Alles in allem ein flüssig geschriebener „Augenöffner“ für die manches Mal bittere Realität einer engstirnigen und teils einseitig ermittelnden Justiz, die aufzeigt, dass es durchaus noch an Kontrolle der Justiz selber mangelt.

Kommentieren0
5
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 14 Bibliotheken

auf 2 Wunschlisten

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks